Zwei Testamente - welches ist gültig?

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Die Ehefrau ist insoweit an das gebunden, was gemeinsam verfügt wurde.

Beide Testamente sind grundsätzlich erstmal wirksam. Das gemeinsame Testament kann, wenn es formwirksam errichtet wurde, nach Ableben eines Ehegatten allerdings nur unter den Voraussetzungen des § 2271 Abs. 2 BGB aufgehoben werden. Die Bindungswirkung reicht jedoch nur, soweit auch die Wechselseitigkeit der vorgenommenen Verfügungen von Todes wegen reicht. Nicht wechselseitige Verfügungen können durch Errichtung eines neuen Testaments nach § 2258 BGB widerrufen werden. Insoweit wäre dann das neuere Testament maßgeblich.

Wechselseitige Verfügungen können auch nach Tod eines Ehegatten aufgehoben werden, wenn und soweit

  1. ein Änderungsvorbehalt in das gemeinsame Testament aufgenommen wurde;
  2. der überlebende Ehegatte die Erbschaft ausschlägt;
  3. nach erfolgreicher Anfechtung;
  4. ein Grund für die Entziehung des Pflichtteils bei einem wechselseitig Bedachten vorliegen.

Deine Frage kann man daher nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich ist das gemeinsame Testament von 1990 maßgeblich, weil es im Grundsatz nach Ableben eines Ehegatten nicht aufgehoben oder geändert werden kann. Schließlich ist die Bindungswirkung gerade der Zweck eines gemeinsamen Testaments. Soweit die darin enthaltenen Verfügungen nicht wechselbezüglich sind, kann das neuere Testament dem älteren widersprechen und ist insoweit wirksam.

Die Ehefrau ist aufgrund des gemeinschaftlichen Testamentes an anderslautenden Verfügungen gehindert.

Nach dem Tod des erstversterbenden Ehegattens ist der Überlebende an das gemeinschaftliche Testament gebunden. Jeder Ehegatte für sich kann also sicher sein, dass nach dem eigenen Tod die sogenannte Schlusserbfolge weiterhin gültig bleibt.

Wenn im gemeinsamen Testament nicht besonders vermerkt wurde, daß der Letztlebende das Testament ändern kann, ist das auch nicht möglich, und es gilt das gemeinsame Testament. Du schreibst nicht, daß es ein Berliner Testament ist, sich also die Eheleute gegenseitig als Erben eingesetzt haben, die Kinder als Nacherben des Zuletztverstorbenen gelten. Wurden bisher Pflichtteilsansprüche gestellt?

Nein, es wurde versucht sich außergerichtlich zu einigen, aber die Gegenseite stellt sich stur und beruft sich auf das "neue" Testament. Selbst einen trotzdem vorhandenes Pflichtteilsrecht wurde abgestritten, daher jetzt der Weg zum Anwalt.

@Anastasia1988

Vermutlich ist es ohne Gericht nicht zu klären!

es ist dennoch so das den Kindern ein gewisser Anteil des Erbe zustehen...völlig egal ob diese Enterbt wurden oder gar nicht erst im Testament erwähnt werden

§2303 BGB

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