Zuviel Zeitarbeit im Lebenslauf

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Hallo,

erstmal finde ich es persönlich gut, dass du nichts verstecken willst. Denn das würde dich sicher -Punkte kosten - sprich die Fakten müssen nun mal auf den Tisch - und wenn dich eine Firma deswegen nicht nimmt würde sie es so oder so nicht tun.

Zudem solltest du aus meiner Sicht diese Dinge bei einem Vorstellungsgespräch klären - wenn du da selbstsicher auftrittst und sagst, dass du grob gesagt die Nase voll von stetig wechselnden Jobs hast und auf der Suche nach einer fixen Anstellung mit Zukunftsperspektive bist, sollte das überzeugend wirken.

Zudem könnte es abhängig von den Tätigkeiten, die du bisher ausgeübt hast, auch vorteilhaft sein, da du ja so viel Erfahrung in verschiedenen Branchen gesammelt hast. Versuch es also selbst positiv zu sehen, dass du in deinem Leben schon viele interessante Jobs hattest. Und vermittle das auch im Bewerbungsschreiben.

Insgesamt solltest du aber einfach selbstsicher auftreten, das hilft aus meinen Erfahrungen am meisten. Und auf Fragen diesbezüglich solltest du ehrlich antworten - mehr kannst du kaum tun.

Weisst Du, ich habe mal "so was" von der anderen Seite des Tisches erlebt, der Bewerber war allerdings erst um die 30 Jahre. Der hatte es nirgendwo auch nur 1 Jahr ausgehalten, Schulen geschmissen und wieder angefangen, Lehren (Mehrzahl !) geschmissen und wieder angefangen. Der machte so einen guten Eindruck. Er suche eine neue Stelle, weil ihm der Anfahrtsweg zu seiner jetzigen Stelle zu lang sei. (Das wusste er ja auch, als er vor einem knappen Jahr da angefangen hat)

Ich habe gegen den Mann votiert. Es war voraus zusehen, dass es ein- bis zwei Jahre brauchen würde, bis der voll in seine Stelle reingewachsen ist. Das der das erste Mal in seinem Leben bei uns 5 oder mehr Jahre bleibt, wäre sehr unwahrscheinlich. Spätestens wenn der das erste mal wegen einer Betriebsstörung einen Nachteinsatz hat, haben wir in der Woche drauf seine Kündigung sicher auf dem Tisch !

Wir haben ihn nicht genommen ! Du musst Dir auch mal vorstellen, wie so was von der anderen Seite das Tisches aussieht. Ich stosse den Mann nicht ins Abseits, soll er doch mal wenigstens 2 Jahre bei seiner Stelle bleiben, die er hat. Er könnte ja auch vortragen, er sei nun verheiratet mit Kind und die Hummeln in seinem Po seien nun weg, aber nichts dergleichen. Ich glaube, ich habe ihn sogar gefragt, weshalb ich annehmen soll, bei uns würde er länger als ein Jahr bleiben. Wenn er das nicht mal selber weiss, wie soll ich dann daran glauben ?

Ich weiss nicht, was bei Dir zu diesem Lebenslauf geführt hat, aber Du kannst von Glück reden, wenn man Dir solche kritischen Fragen stellt und Deine Bewerbung nicht gleich aussortiert. Wie gesagt, überlege Dir, was Du darauf antworten kannst.

solange dein lebenslauf ohne große unterbrechungen berufs-/erwerbstätigkeit aufweist, ist das immer ein positives merkmal. anders als vor noch 30 jahren nimmt die zahl der berufstätigen stark ab, die ihr ganzes berufsleben bei einem einzigen arbeitgeber verbringen. insolvenzen, "restrukturierungen" und andere gründe für drastischen stellenabbau bringen mehr menschen in die arbeitslosigkeit, bzw. auf den arbeitsmarkt als früher. allein die nackten zahlen sprechen für sich.

so lange es sich um wechsel handelt, sie du nicht selbst verschuldet hast, ist das kein problem und lassen sich auf spätestens in einem interview gut begründen. verkaufe das einfach als eine breite und vielfältige berufserfahrung, weiterhin ist das ein starkes indiz für eine hochflkexible arbeitskraft, die sich problemlos und in kürzester zeit auf neue anforderung einstellen kann.

jeder personaler kennt das thema zeitarbeit und weiß um die hintergründe, warum immer mehr menschen dort landen. wer sich dafür entscheidet, anstatt mit hartz4 bis zum st. nimmerleinstag auf den traumjob zu warten, hat immer bessere karten.

und deer wunsch, die letzten jahre des berufslebens in einem sicheren hafen zu landen, ist legitim und frei von jeglichen vorurteilen.

viel erfolg!

Immerhin steht da nicht zu 85% "arbeitssuchend". So schlimm ist es also vll nicht. Ist zwar nicht perfekt, aber du bist echt nicht der einzige, der so einen Lebenslauf hat.

Schreibe zum Beispiel: "Im Laufe meines Berufslebens lernte ich die unterschiedlichsten Branchen und Aufgabenbereiche kennen und eignete mir vielfältiges Wissen an. Ich weiß diese Erfahrungen zu schätzen, ziehe es aber vor, mich langfristig in einem Unternehmen engagieren zu können."

Und dann werde spezifischer. Welche Erfahrungen genau qualifizieren dich für die Stelle? Ich würde gerne ein Beispiel geben, aber du gibst da keinen Anhaltspunkt. Schreib auf jeden Fall nicht: "Ich bin flexibel und arbeite gerne im Team.", sondern lieber: "Als Schraubenlutscher in der kfz-Werkstatt Krumme&Touren in Oberammergau habe ich Flexibilität und Einsatzbereitschaft bewiesen."

Auf jeden Fall viel Erfolg. Wenn ich Bewerbungen schreibe, dann schreib ich meist erstmal an einem Tag einfach runter, was mir so einfällt. Ich halte mich dann an die Stellenausschreibung und versuche, sie irgendwie in mein Anschreiben einzubinden.

Dann lass ich den Text aber erstmal 1-2 Tage mindestens ruhen. So gewinnt man etwas Abstand und kann leichter korrigieren.

Hallo zusammen, erst einmal vielen Dank für die vielen Antworten. Natürlich will jeder der meist deutlich schlechter bezahlten Zeitarbeit entkommen und bei einem festen Arbeitgeber möglichst langfristige Perspektiven haben. Meine Beobachtung ist leider, dass viele (meist Ältere) den Absprung in eine unbefristete Festanstellung nicht mehr schaffen. Für viele bleibt das Stigma Zeitarbeit und endet in einer Sackgasse. Aber das ist ein anderes Thema,

Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern. Was bleibt sind überzeugende Bewerbungsunterlagen und eine gute Argumentation, warum ich mich ausgerechnet auf die Stelle XY bei Unternehmen Z bewerbe. Die Formulierung "Im Laufe meines Berufslebens lernte ich die unterschiedlichsten Branchen und Aufgabenbereiche kennen und eignete mir vielfältiges Wissen an. Ich weiß diese Erfahrungen zu schätzen, ziehe es aber vor, mich langfristig in Ihrem Unternehmen engagieren zu können." gefällt mir sehr gut. Ich überlege gerade, wie ich den Nutzen für das Unternehmen noch überzeugender darstellen kann.

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