Zugewinnausgleich - Zeitpunkt des Erbes relevant?

5 Antworten

Die 80000 leuchten mir nicht ein.

Dir wird die Logik vermutlich dann etwas klarer, wenn Du Dir deutlich machst, dass nicht "das Erbe" verbraten wurde, sondern 200000€ des Zugewinns.:

Anfangsvermögen Mann: 0, Frau 200000

Endvermögen Mann 160000, Frau 160000

--> Ehegewinn: 120000, davon steht beiden 60000 zu.

Ergebnis: Mann 60000, Frau 260000.

Es ist auch vollkommen unerheblich, ob die Erbschaft

  • vor der Ehe
  • vor dem Hauskauf
  • vor der vollständigen Tilgung
  • vor der Trennung
  • nach der Ehe angefallen ist

Ja, das ist so richtig.

Offenbar wurde die Erbschaft während der Ehe fast völlig aufgebraucht.

Wenn die Erbschaft während der Ehe verbraucht wurde, so ist davon auszugehen, dass beide Eheleute davon profitiert haben. Deshalb ist es auch gerechtfertigt, dass der Ehemann der Ehefrau einen Zugewinnausgleich zahlt.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Deine Irritation rührt daher, dass du von anteilig hälftigem Zugewinnanspruch eines Ehepartners ihres gemeinsamen Ehevermögens ausgehst und den Zugewinn insofern falsch berechnest. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer :-O

Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft bleiben die Vermögen der Eheleute vielmehr unverändert getrennt voneinander bestehen und ihr Zugewinn (ZG) wird für jeden Ehegatten (M, F) einzeln derart berechnet, das von seinem eigenen Endvermögen (EV) mit Stichtag Zugang des Scheidungsantrags sein Anfängsvermögen (AV) mit Stichtag der standesamtl. Eheschließung abgezogen wird.
Die Differenz beider Zugewinnen der beiden Ehegatten bekäme als Zuigewinnausgleich (ZGA) zur Hälfte derjenige ausgeglichen, der weniger ehel. Zugewinn erzielt hätte.

Fall 1, Var. A: Von den 20 TEUR gehören Mann (M) 15 TEUR, der Frau (F) 5 TEUR:

EV (M): 150 TEUR + 15 TEUR = 165 TEUR ./. AV 0 EUR = 165 TEUR (ZG)
EV (F): 150 TEUR + 5 TEUR = 155 TEUR ./. AV 0 EUR = 155 TEUR (ZG)
ZGA: (165 TEUR ./. 155 TEUR) : 2 = 5 TEUR ZGA an F

Fall 1, Var. B: M und F gehören je 10 TEUR, dann ist ZG M = ZG F zu je 160 TEUR und es bestünde kein ZGA.

Fall 2, Var. A: Das Erbe der F besteht noch zu 140 TEUR; 60 TEUR wurden ohne Wertschöpfung, etwa durch Kreuzfahrten oder verbrauchter Luxuskleidung ausgegeben:

EV (M): 150 TEUR + 15 TEUR = 165 TEUR ./. AV 0 EUR = 165 TEUR (ZG)
EV (F): 150 TEUR + 140 TEUR + 5 TEUR = 295 TEUR ./. AV 200 TEUR = 95 TEUR (ZG)
ZGA: (165 TEUR ./. 95 TEUR) : 2 = 35 TEUR ZGA an F

G imager761

Also der Zeitpunkt des Erbes ist grundsätzlich überhaupt nicht relevant für den Zugewinnausgleich, denn Erbschaften werden dem "Anfangsvermögen" zugerechnet, d.h. Erbschaften bleiben beim Zugewinnausgleich grundsätzlich unberücksichtigt. (Aber Achtung: Wenn eine Erbschaft gemacht wurde, z.B. eine Immobilie; und diese Immobilien wird im Laufe der Zeit immer wertvoller, dann wird diese WERTSTEIGERUNG sehr wohl zum Zugewinn dazu gerechnet. Die Erbschaft selber allerdings nie...)

Ausführlichere Infos zum Zugewinn sind z.B. hier zu finden: https://www.online-scheidung-deutschland.de/scheidungsrecht/zugewinnausgleich

Viele Grüße.

Das Erbe gehört nur dem der es geerbt hat. Würde es auf einem extra Konto noch so liegen wie es kan wäre es extra.
Wurde es zum Leben verbraucht ist es weg.

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