Zeugenaussage bei Polizei kurz nach der Tat und nun vor Gericht

5 Antworten

Niemand muss sich vor Gericht selbst beschuldigen, oder sich noch weiter belasten. Da es heute oft sehr lange dauert, bis es zum Verfahren kommt, ist es durchaus möglich, dass sich die Angeklagten( udn auch Zeugen) nicht mehr erinnern. Da ist es (für sie) wirklich besser, gar nichts zu sagen.

Vielen Dank für deine Antwort, aber was du schreibst, ist mir bereits alles klar.

Die Frage daher nochmal konkret, da konkreter Fall: Zwei Zeugen können sich auf einmal an nichts mehr erinnern, an rein gar nichts mehr. Selbst die Vorhaltungen der damaligen Protokolle vor der Polizei, wurden nur mit "Weiß ich nicht mehr, keine Ahnung" kommentiert. Die wussten nicht mal mehr, wie oft sie vernommen wurden und ob von Mann oder Frau. Das ganze riecht sehr danach, dass man sich hier nicht mehr erinnern wollte bzw. eingeschüchtert ist oder wurde. löste bei den richtern absolutes unverständnis aus. Nun noch einmal die Frage: Zählt diese Aussage nun, dass sie nichts mehr wissen, oder darf die damalige Vernehmung, die die Tat ja bestätigt!, überhaupt verwendet werden (hat sie eventuell an Wert verloren??)

Danke nochmal

Aber kann man den Zeugen denn irgendwie beweisen, dass sie eine Falschaussage machen, wenn sie sich nicht mehr erinnern können? Dürfen sie dafür ohne Beweise verurteilt werden?

Vor Gericht müssen sie wahrheitsgemäß nach aktuellem Erinnerungsstand antworten. Wenn sie sich an den Tathergang nicht mehr erinnern, dann müssen sie das sagen und dürfen nicht mehr spekulieren.

Wenn sie aber ihre eigene Aussage von damals bestätigen, dann erhöht das die Glaubhaftigkeit der damaligen Aussagen.

Problem ist nur, wenn sie behaupten würden, dass die damaligen Aussagen unter Druck entstanden oder erlogen wurden.

Letztlich liegt es im Ermessen des Richters welcher Aussage er welchen Glauben beimisst.

Es darf nur das verwertet werden, was bei der Gerichtsverhandlung gesagt wird. (Gebot der Unmittelbarkeit). Allerdings kann sich ein Zeuge die Aussage bei der Polizei zu Eigen machen ("so wie ich es damals gesagt habe, war das schon richtig"). Damit erhält die Aussage auch Gültigkeit in der Verhandlung http://dejure.org/gesetze/StPO/253.html

Im Übrigen darf das Protokoll über eine Zeugenaussage nur dann verwertet werden, wenn die Aussage vor einem Richter gemacht wurde.

Vielen Dank für diese Antwort, die meine Frage am ehesten beantwortet.

Mir war klar, dass sich der Zeuge die Aussage bei der Polizei zu eigen machen kann mit dieser Formulierung.

Ich frage nun mal ganz konkret: Was ist, wenn der Zeuge damals bei der Polizei genaue Angaben machen konnte, sich aber nun -sieben Monate später- an nichts mehr erinnert. Auch an die damaligen Aussagen, die ihm die Richter vorgehlten haben, kam nur die Antwort "Ich weiß es nicht mehr". Das ganze ist ein konkreter Fall und es ist schon sehr auffällig, dass sich zwei wichtige Zeugen auf einmal an nichts mehr erinnern können. Daher noch mal die Frage ganz konkret: Dürfen die damaligen Aussagen vor der Polizei, die den Tathergang weitgehend bestätigen!, verwendet werden, oder gilt, dass die Zeugen nun nichts mehr sagen konnten. Ist also die Vernehmung von damals noch irgendwie relevant, wenn man sich nun an nicht mehr erinnert bzw. erinnern will! Der Verdacht liegt nahe, dass die Zeugen eingeschüchtert sind oder sogar wurden.

Danke nochmal

@gaynial

Leider ist das tatsächlich so. Wenn der Zeuge seiner polizeilichen Aussage nicht zustimmt bzw. diese bestätigt, ist sie wertlos. Dann bleibt nur noch, daß sich der Zeuge nicht mehr erinnern kann. Wenn er dies aber wider besseren Wissens behauptet, macht er sich wegen einer Falschaussage strafbar. Da muß man immer sehen, wie glaubhaft diese Erinnerungslücke ist.

Manchmal hilft dann aber auch ein Kunstgriff noch weiter: Was man tun kann, ist, den vernehmenden Polizisten als (Ohren)-Zeugen der Aussage zu vernehmen. Das hilft aber nur selten etwas und dient eher dazu, eine ohnehin vorhanden Erkenntnis weiter zu stützen ("Polizist A konnte in der Verhandlung ebenfalls bestätigen, daß der B ihm gesagt hat, daß es so geweesen ist).

Alles was du sagt,egal bei was oder wem so auch wo richtet sich irgendwann einmal gegen dich

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