Wirtschaftsrecht oder "normales" Jura studieren?

5 Antworten

Hallo,

Da habe ich zufällig für dich genau das richtige Video:

https://www.youtube.com/watch?v=JQK8jxzNVE8

Hier spricht ein Prof. aus Mannheim allgemein über Jura und auch speziell über den Studiengang Wirtschaftsjura bzw. Unternehmensjura. Ich würde dir empfehlen das einmal anzuschauen. Anscheinend scheint es keine schlechte Idee zu sein, natürlich würde der Mann auch nicht das Gegenteil sagen, wenn er an der Universität selbst unterrichtet. Dennoch schau es dir mal an.

Da ich im Moment mitten in einem Studium "Wirtschaftsjurst" stecke, kann ich dir ganz genau berichten, was die Vor- und Nachteile sind.

Eigentlich hätten auch die Jurastudiengänge auf Bachelor bzw. Master Studiengänge umgestellt werden sollen, leider ist das nicht geschehen.

Im Studiengang Wirtschaftsrecht hat man dennoch viele Chancen in der Wirtschaft, da man in vielen Bereichen einen Volljuristen ersetzen kann. Wie bereits genannt kann man das Unternehmen nicht vor Gericht vertreten. Jedoch geht es oftmals nur um einen juristische Einschätzung, die man auch mit diesem Studiengang voll und ganz abgeben kann.

Unsere Professoren sind der Meinung, dass Wirtschaftsjuristen die Jurastudenten in Unternehmen bald (zum Teil) ablösen werden. In diesem Bereich muss man sich jedoch durchsetzen können. Ein Jurist Zweifelt zu Recht einen Bachelorabsolventen an, der das gleiche Wissen mit der Hälfe der Studienzeit vermittelt bekommt. Natürlich fehlen einige Bereiche im Vergleich zum Jurastudium, jedoch sind diese in Unternehmensbeziehungen auch nicht wichtig.

Bei einem Vollabi würde ich den Jurastudiengang empfehlen. Aber auch bei der Hochschule ist der Studiengang Wirtschafts(privat)recht durchaus eine Empfehlung wert.

Mein Sohn hat in Mannheim angefangen Unternehmensjura zu studieren (Bachelor, dann Master). Hätte ich gut gefunden, weil man nach dem BA auch den Master in BWL hätte anschließen können.

Mittlerweile ist er nach Heidelberg gewechselt. Die unterrichten Jura noch nach dem alten System (1. und 2. Staatsexamen).

Ich denke, die neustrukturierten Studiengänge gibt es noch nicht lange genug, um wirklich Aussagen treffen zu können, wie diese Abschlüsse in den Unternehmen ankommen und welche beruflichen Perspektiven man damit hat. Solange es noch Universitäten gibt, die klassisch Volljuristen ausbilden, werden die vermutlich für bestimmte Positionen weiter vorgezogen werden, weil einfach ein breiteres Spektrum abgedeckt werden kann.

Andererseits solltest du dich nicht davon abhalten lassen, das zu studieren, was dir entspricht.

Möchte mich auch kurz äußern: Kurz zu mir: Volljurist, 3 Jahre Anwalt, dann in ein Unternehmen als Unternehmensjurist gewechselt (Amerikanischer IT-Konzern mit Tochter in Deutschland). Neben der Arbeit einen L.L.M. Wirtschaftsrecht an einer Hochschule mit den hier beschriebenen Inhalt gemacht. Meine Sicht der Dinge: Natürlich versucht jeder der beiden Lager sich seine Sache "schön zu reden". Die Realität sieht aber m.A. nach so aus: Die vermeintlichen Vorteile, die die Wirtschaftsjuristen für ihren Studiengang beanspruchen, sind in Wirklichkeit keine. Zwar hören die Wirtschaftsjuristen evtl. bereits im Studium von mehr Spezialthemen (Markenrecht, Vergaberecht, UWG etc. etc.) aber diese Themen werden absolut oberflächlich behandelt. Man kann sagen, dass Wirtschaftsrechtler mit einem gefährlichen Halbwissen ausgestattet werden. Ich würde niemals einen Wirtschaftsjuristen bspw. bewerten lassen, ob bei einem mehrere Millionen schweren Deal die Haftungsklausel hält oder nicht. Das kann er schlichtweg nicht, weil er die Grundlagen nicht beherrscht. Das Argument, man würde als Volljurist ja nur unsinnige Sachen für die Wirtschaft wie Verwaltungsrecht oder Strafrecht lernen, ist natürlich Quatsch. Um die juristische Arbeitsweise v.a. im Zivilrecht zu erlenen und zu durchschauen, braucht es eben Jahre. Zum angeblich fehlenden wirtschaftlichen Verständnis der Volljuristen: Es mag sein, dass der Wald und Wiesenanwalt, der sich nur mit Familienrecht und Strafrecht beschäftigt keine Ahnung von IFRS oder US-GAAP Rechnungslegungsvorschriften hat. Mag auch sein, dass er im Arbeitsrecht schwach ist. Nur: Mit diesen Volljuristen konkurriert der Wirtschaftsjurist nicht. Wenn die großen Konzerne und Unternehmen eine Stelle im juristischen Bereich ausschreiben, dann werden fast ausschließlich Volljuristen gesucht. Diejenigen Volljuristen, die sich auf diese Stellen bewerben bringen sehr wohl wirtschaftliches Verständnis mit und haben sich entsprechend weiterqualifiziert. Daher ist es ein Irrglaube, dass man hier mit Wirtschaftsrecht die große Karriere in der Juristerei starten kann. Ich habe in meiner beruflichen Praxis fast ausschließlich mit Rechtsabteilungen von Unternehmen zu tun, die 10.000 + manche weit über 100.000 Mitarbeiter haben. Mit einem Wirtschaftsjuristen hatte ich bis dato, sorry to say, noch nicht zu tun.

Ich denke dass man mit diesem Studiengang bei einem Mittelständler, der sich keinen teuren Volljuristen leisten möchte ganz ordentlich auskommt. Für mich war der Studiengang eine gute Abrundung und Ergänzung des Profils. Tiefgründiges Wissen wird aber letztlich nicht vermittelt.

Es wird zu diesem Thema immer viel geschrieben: Allerdings muss man einfach die Fakten sprechen lassen. Geht doch mal auf Monster.de oder Stepstone.de. Sucht nach juristischen Berufen und schaut mal, wieviele der dicken Fische (attraktive, gut bezahlte Jobs bei großen Konzernen) nach Wirtschaftsjuristen suchen. Ich denke das Ergebnis spricht für sich.

Könnte ich sowas studieren würde ich auch Jura studieren, dann hat man auch Grundlagen für andere juristische Bereiche sollte es in der Wirtschaft nicht klappen

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