Wieso muss ich eine Gewerbesteuer-Erklärung einreichen?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Oft sind die Finanzämter da freundlich und verzichten auf eine Veranlagung. In der Regel ist erkennbar, das eine Gewerbesteuer nicht zu erwarten ist. Und die gewerbesteuerlichen Verlustvorträge werden unterhalb des Freibetrags aufgebraucht.

Nur Freundlichkeit hin oder her: Durch Hinzurechnungen und Kürzungen ist das Ergebnis nach Gewerbesteuerrecht eben nicht mit dem nach Einkommensteuerrecht identisch. Daher ist das Finanzamt eigentlich gezwungen diese Gewerbesteuererklärung an zu fordern.

Die Hintergründe für die Anforderung können vielfältig sein. Daher kann man nur raten was der Grund ist. Vielleicht bist Du in den Glückstopf gekommen und ein Prüfungsfall. Oder ein Sachbearbeiter hat etwas gesehen, was er genauer geprüft wissen möchte.

Deine Annahme und auch der Glaube hilft hier nicht viel. Es geht um die Anwendung und Auslegung von Gesetzen. Dogmatisch (also nach der Lehre der Gesetze) kann ich mir hier keinen Fehler vorstellen. Telefonieren mit dem Beamten kann allerdings dazu führen, dass er die Anforderung storniert. Dann wird man ihm allerdings im Gespräch darlegen müssen, wie hoch die Abweichung zwischen den beiden Bemessungsgrundlagen ist, dass keine Gewerbesteuer in Betracht kommt und das Du kein Interesse an Verlustrücktrag oder -vortrag hast.

Trotzdem kann er natürlich auf seine Anforderung bestehen. Wenn sie nicht ermessensfehlerhaft war.

Und steht das im Widerspruch dazu, dass ich Anlage G ausgefüllt habe? Wie übertrage ich die Daten aus Anlage G in die Gewerbesteuer-Erklärung?

@NoamS

Nein. Die Anlagen zur Einkommensteuererklärung enthalten extra abgefragte Inhalte. Die eben die Angaben für  die Einkommensteuerberechnung enthalten. Wie die Beantragung zur Kappung des Spitzensteuersatzes für nicht entnommene Gewinne.

Die Gewerbesteuer ist unabhängig davon und fragt deshalb erst nach dem Betriebsergebnis nach dem Einkommensteuerrecht. In der Folge wird dieses einkommensteuerliche Ergebnis um die Hinzurechnungen und Kürzungen entwickelt. Damit ergibt sich die neue Bemessungsgrundlage zur Ermittlung der Gewerbesteuer.

Auch die Anwendung des Gewerbesteuerfreibetrages wird abgefragt. Das passiert dadurch, dass als Steuerpflichtiger keine Kapitalgesellschaft eingetragen ist.

Aus der Anlage G kann man daher die Angaben nur zum Teil entnehmen oder lässt es besser gleich ganz. Wenn die Gewinnermittlung gut gemacht ist, dann kann man die Zahlen gleich von dort übernehmen.

Allerdings wird es dem steuerlichen Laien unmöglich sein Schuldzinsen so zu ermitteln. So gibt es beispielsweise Vorschriften für Darlehen oder andere Dauerschuldzinsen. Da kann dann auch ein Teil von Überziehungszinsen zu Hinzurechnungen führen oder eben Darlehenszinsen brauchen eben nicht erklärt werden. Das Hintergrundwissen ist im Rahmen eines Aufsatzes hier m.E. nicht darstellbar. Da geht es beispielsweise beim überzogenen Konto um die niedrigsten Schuldzinsen und bei Darlehen um die Restlaufzeit.

Auch bei Leasing oder Miete/Pacht gibt es Vorschriften. Teilweise muss man da tatsächlich bei VermieterInnen/VerpächterInnen nachfragen, ob die Einnahmen dort bereits zur Gewerbesteuer herangezogen werden oder nicht. Eine Beantwortung, die Fachleute häufig aus den äußeren Gegebenheit mit hoher Sicherheit ableiten können. Für den Laien kaum möglich. Doch Nachfragen bei Vertragsparteien werden häufig nicht freundlich aufgefasst, schließlich geht es hier um steuerliche Angaben die man gar nicht jedem mitteilen möchte.

@Dirk-D. Hansmann

Danke für deine erneute Antwort.

Auf Nachfrage beim Finanzamt, sagte man mir, dass es völlig normal ist, dass ich mit Gewerbeschein alle 3 Jahre neben der Anlage G auch den Gewerbesteuererklärung ausfüllen muss. Da ich den Schein noch nicht so lange habe, ist es dieses mal das 1. Mal.

@NoamS

Danke für die Hintergrundinfo, kann aber nicht sagen, dies bundeseinheitlich, ländermäßig oder amtsintern normal ist. Für Dich wesentlich ist aber ohnehin nur, was Dein Finanzamt will, weil dürfen tun sie ja ;-) Danke auch für den Stern! Der 400. Da freue ich mich.

Hallo NoamS,

wenn du ein Gewerbe betreibst, musst du grundsätzlich eine Gewerbesteuererklärung abgeben. Das ist so und zwar völlig unabhängig davon, ob du mit diesem Gewerbe Gewinn erzielt hast oder nicht.
Es ist nicht etwa so, dass von Seiten des Finanzamts erst abgeglichen wird, ob du Gewinn erzielt hast und dass sie dann sagen würden "Okay, von dem oder der brauchen wir keine Gewerbesteuererklärung, da kommt eh nichts rum" - nein, sie wird prinzipiell verlangt, solange du dieses Gewerbe noch betreibst. lg

Ganz offenbar reichen die eingereichten Unterlagen eben nicht. Wenn das Finanzamt weitere Unterlagen anfordert, mußt du sie einreichen. Da du ein Gewerbe hast/gehabt hast, ist es nur logisch, dass du eine Gewerbesteuererklärung abgeben mußt.

Für Dich als Gewerbetreibenden herrscht Formularzwang, also mußt Du auch die Gewerbesteuererklärung einreichen, auich wenn "Null" oder ein Gewerbeverlust drinsteht.

Leider sind die vorherigen Antworten so nicht richtig.
Wer eine abgeben muss und wer nicht richtet sich nach § 25 GewStDV
http://www.gesetze-im-internet.de/gewstdv_1955/__25.html
Hier ist es sinnvoll eine abzugen, damit der Verlust mit künftigen Gewinnen verrechnet werden kann

Was möchtest Du wissen?