Wie wurden die staatlichen Renten in der DDR finanziert?

4 Antworten

Soweit mir bekannt, ist die Rentenversicherung der DDR genauso wie in der BRD damals eine Umlageversicherung gewesen. D.h. Wer heute arbeitet zahlt ein und wer heute Rentner ist, bekommt davon seine Rente. Dieses Prinzip der Solidarität der Generationen, auch Generationenvertrag genannt, wurde im 19. Jhd. von Bismark eingeführt. Deshalb war auch kein Geld bei der Wiedervereinigung vorhanden. Die andere Art der Versicherung wäre die Anlageversicherung. Hier wären Gelder angespart worden. Wo sollte in der DDR Gelder angelegt werden? Es gab ja keine Fonds, keine Aktien oder Oblikationen. Also hätte es nie funktioniert.

Fangen wir mal anders an, vor dem Fall der Mauer lag der Kurs DM zur OM ca 1 zu 10. Nach der Wiedervereinigung wurde Ostrente auf Westniveau angepasst, also bei einer Durchschnittsrente von 312,00 Ostmark x 3,2330 = Westmark. 312 Ostmark waren dann 312 DM x3,2330.

Man druckte Geldnoten und fertig. Rücklagen wurden nicht gebildet, da das System nicht kapitalistisch sein wollte. Es gab also keinen großen Topf oder keinen Puffer von 2,5 Monaten, wie heute. Man druckte das Geld, bzw. zweigte es aus dem Staatshaushalt ab. Die Währung war praktisch nichts wert (1:22 zur DM z.B.) , da die Preise (EVP) vollkommen verquer zur Realität von der Partei festgelegt wurden und die Bauern davon kein Saatgur kaufen konnten, sondern es in den LPGen zugeteilt bekamen. Alles aufgebaut wie ein Kindermonoploy, aber viel trauriger.

ad 1) Laut "Die Entwicklung der Renten in der DDR" (Püschel, Herbert; Opladen erschienen 1997) betrug die Durchschnittsrente (einschließlich der freiwilligen Zusatzrente, ein Art Riesterrente, an der sich der Arbeitgeber und der Staat aber nicht beteiligte, die also komplett allein vom Arbeiter vom Netto bezahlt wurde) 1988 312 Ostmark. Da die Renten in der DDR nicht sozial gerecht verteilt wurden, wurden hohe Parteifunktionäre der SED (heute "die Linke") und hohe Beamte von Staat und Sicherheitorganen mit beträchtliche Zusatzversorgungen (bis zu 12.000 Mark Ost) und Zugang zu Intershops mit Westgütern bedacht. (Siehe "Überführung der Zusatz- und Sonderversorgungssysteme", Reimann, Axel, 1991 in DAngVers 38).

ad 2) Den Betrag von 312 Ostmark kann man nicht direkt vergleichen. Dazu lohnt es sich die Preise zu berücksichtigen. Laut Wikipedia - siehe Mark (DDR) - kostet um 1988 die bei Rentnern beliebte Flasche "Goldbrand" 14,50 Ostmark, ein Walkman wurde für ca. 1000,- Ostmark gehandelt, der DDR Farbfernseher Colortron kostete 6000,- Ostmark, ein Brief wurde für 0,20 Ostmark befördert, ein Schachtel Zigaretten (15 Stück) wurde für 3,20 Ostmark verkauft, 1 Liter Benzin (normal verbleit) kostete 1,50 Ostmark, 0,42 Ostmark kostet eine 0,33 Flasche ClubCola, 250 gr Butter kosteten 2,40 Ostmark und 1Kg Zucker 1,44 Ostmark.

ad 3) Die Lebenserwartung von DDR Rentnern war im Vergleich zum westlichen Ausland deutlich geringer. Dies wird in der Forschung auf die deutlich schlechtere Versorgung, aber auch darauf zurückgeführt, daß Ärzte und Krankenhäuse immer zuerst die Werktätigen behandelten. (Zitat Geißler, Rainer 2002: Die Sozialstruktur Deutschlands. Die gesellschaftliche Entwicklung vor und nach der Vereinigung, 3. Auflage, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 60ff.

"In der DDR war die Lebenserwartung als wichtiger Indikator gesellschaftlicher Modernität hinter der Entwicklung in der Bundesrepublik zurückgeblieben; 1988 lag sie bei Männern 2,4 Jahre und bei Frauen 2,7 Jahre niedriger als in Westdeutschland. [...] Die jahrzehntelangen Defizite im Lebensstandard und in den Arbeits- und Umweltbedingungen dürften weitere Gründe sein. Unterschiede in der [Lebensmittelversorgung von Rentnern] sowie den daraus folgenden Ernährungsgewohnheiten und in der medizinischen Versorgung werden ebenfalls als Ursachen [angeführt]"

ad 4) Das Rentensystem der DDR war (ebenso wie das Gesamtdeutschlands heute) chronisch unterfinanziert. Die Rentenkasse wurde jeden Monat durch Beiträge der Versicherten gefüllt und an die Rentner ausgezahlt - diese Beiträge reichten jedoch seit Anfang der 80er nicht mehr für die vollständige Auszahlung. Die Renten konnten ab da überhaupt nur durch ständige Zuschüsse aus dem gesamten Staatshaushalt bezahlt werden. Da die DDR mehrfach am Rande eines Staatsbankrottes stand, kam es gelegentlich zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Renten. (Siehe "Soziale Sicherung in Deutschland nach 1945: Renten- und Krankenversicherung", Universität Mannheim, Catrin Nähr)

Nach der Wiedervereinigung entstanden Gesamtdeutschland auch durch die ungedeckten DDR Renten extreme Lasten. Heute schießt der deutsche Staat (Haushalt 2008) 78.500.000.000 Euro aus Steuermitteln (27,72% des Gesamthaushaltes) in die Rentenkasse zu, damit die Renten bezahlt werden können. Pensionen und Beamtenrenten sind hier noch nicht enthalten. Heute erhalten Renter, die ihre Ansprüche in der DDR erworben haben im Schnitt höhere Renten ausgezahlt, als Bürger in Westdeutschland.

Der Focus schreibt dazu: http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/ruhestand_aid_114276.html

Ostdeutsche Männer bekamen bei einem Renteneintritt von 65 Jahren im Jahr 2005 durchschnittlich eine „Regelaltersrente“ von 1127 Euro ausgezahlt, während es bei westdeutschen Männern 781 Euro waren, wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Daten des Deutschen Rentenversicherungs Bundes berichtete. Das ist ein Unterschied von 44,3 Prozent. Bei den Frauen habe der Abstand sogar 72,7 Prozent betragen.

(Leider darf man nur einen Link setzen, aber mit den Quellen kann sich jeder ja direkt über die Fakten informieren)

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