Wie teuer ist ein Architekt oder Bauingenieur?

5 Antworten

Hallo Heidi1956,

das ist eher eine philosophische Frage (schlüsselfertig oder Eigenbau), die schon heftig diskutiert wurde. Ich gehe bei Dir einmal von einem "Ersttäter" aus ;-)

Meine Empfehlung zur Vorgehensweise als "halber Roman" (Begründung später):

  1. Erstelle selbst ein "Raumprogramm" als Tabelle (Raumart [Küche, Wohnen, Schlafen, usw. und vergesse Flur, Balkone und Treppenhaus nicht) mit der entsprechenden Größe (Länge x Breite) und überlege Dir, wie die Räume zueinander liegen sollen.
  2. Sind Dir die Abmessungen Länge x Breite des Hauses schon klar? Darfst Du auch so groß bauen (prüfe im Bebauungsplan, wie groß und welche Stockwerksanzahl auf dem Grundstück zulässig ist)?
  3. Schneide Dir (kein Witz) auf einem karierten Papier die Räume in entsprechender Größe und schiebe die Räume so, wie Sie zueinander liegen sollen (z.B. Küche neben Esszimmer, Schlafen neben Bad, usw.). Beachte dabei unbedingt die Ausrichtung der Himmelsrichtung auf dem Grundstück (Aufwachen mit der Morgensonne, Terrasse mit der Abendsonne) und welche Räume eher ruhig liegen sollen (Wohnen/Essen/Garderobe/Gäste-WC mehr zum Hauseingang, Schlafen/Kinder/Bad mehr nach "hinten"). Das ist der erste Schritt für sich selbst, sich ein erstes reales Bild zu machen. Nach einigem Probieren entwickeln sich somit auch die Hausabmessungen (Außenkanten) bis hin zur Lage der Garage. Prüfe, ob das so zulässig ist. Mache von den besten Ideen ein Foto.
  4. Nun die nächsten Spalten in der Tabelle: Festlegen der Qualitäten jedes Raumes. Wieviel Steckdosen im Raum?, Fußbodenheizung oder Heizkörper?, Fensteranzahl (inkl. Türen nach draußen)?, usw. Mit ein wenig Recherche im Netz kannst Du auch schon konkrete Produkte festlegen (z.B.: Badezimmereinrichtung). Oft wird damit der Gesamtpreis geregelt (Bauherrenwunsch meist deutlich über Finanzierungsrahmen => Abstriche in der Qualität).
  5. Bis hierhin benötigst Du noch keinen Planer. Das macht vermeintlich etwas Arbeit aber vor allem auch Spaß. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass Du - egal ob Architekt oder Bauunternehmer - die wesentlichen Vorgaben für die Grundlagenplanung bei der Hand hast. Zudem kannst Du bei einem Unternehmer auch schon Qualitäten vergleichen. Er wird z.B. Waschbecken oder eine Elektro-Schalterprogramm seiner Wahl anbieten (meist normaler unterer Standard), bei einer Vorgabe von Dir kann er Dir schon zu Beginn einen Differenzpreis ausrechnen oder auch preisgleich anbieten.
  6. Falls Du den PC gewohnt bist, dann organisiere Dir eine kleine Haus-Planungs-Software (gibt es von kostenlos bis 25,-€, das reicht schon) zu holen. Die sind SEHR einfach zu bedienen, bieten sehr viel Auswahl an fertigen Produkten und man kann sogar im 3D-Menu durch das Haus "durchlaufen". Mit 1-2 Klicks ist auch gleich mal der Bodenbelag geändert ...
  7. Jetzt hast Du Dein Hausprojekt. Nun solltest auch Du Deinen Finanzierungsrahmen klären (Eigenkapital, max. Gesamtkosten).

Wenn Du soweit bist, komme ich auf Deine Frage:

Schlüsselfertig ist Architektur, Statik, Haustechnik, usw. anteilig günstiger im Gesamtpreis enthalten als wenn Du die Fachingenieure einzeln beauftragst. Die Ingenieure werden gem. Gesetz nach der Honorarordnung (HOAI) bezahlt und zwar nach den anrechenbaren Kosten. Eine Recherche im Netz kann hier weiterhelfen. Im Schlüsselfertigbau bleibt Dir also noch "Honorar" übrig, um einen eigenen Bausachverständigen auf Stunden- oder Tagesbasis eizuschalten, der für Dich die Leistung und Qualität des Unternehmers prüft. Für später auftretende Schäden hast Du mit dem Unternehmer nur einen Ansprechpartner.

Vorteil der Planung mit eigenen Ingenieuren: Du sparst Dir bei den einzelnen Gewerken den "Generalunternehmerzuschlag", da Du direkt vergibst. Das kann zwischen 12-16% der Gesamtsumme betragen.

Von der planerischen Seite her sind schlüsselfertige Häuser heutzutage auch schon sehr individuell und nicht mehr in ein Korsett fertiger Grundrisse geschnürt (ansonsten hast Du den falschen Unternehmer am Tisch).

Hast Du einen Festpreis mit einem Unternehmer, wird er zur Gewinnoptimierung versuchen, die Qualitäten auf ein erträgliches Minimum zu senken. Da musst Du immer aufpassen (oder eigener Sachverständiger). Zudem kann ich nur empfehlen, einen GMP-Vertrag abzuschließen ("garantierter Maximalpreis"). Das ist ein "normaler" Vertrag mit einem Kostendeckel. Wenn Du nichts änderst, wird das Haus nicht mehr kosten bzw. der Unternehmer trägt das Risiko. Das ist beim Hausbau nicht unbedingt üblich aber durchaus legitim, der Unternehmer nennt Dir ja seinen Preis und will dazu stehen.

Bei einem Architekten ist im Normalauftrag keine exakte Kostensicherheit. Falls Du diese benötigst (wegen der Finanzierung), ist dies vertraglich im Vorfeld GENAU zu regeln. Änderungen in der Planung durch Dich sind dann auch VOR Umsetzung immer aktuell zu berücksichtigen.

Bei eigener Planung und Gewerkevergabe musst Du im späteren Schadensfall erst ermitteln, wer für den Schaden (z.B. Risse) eigentlich zuständig ist. Deine Planer kannst Du alternativ mit der Gewährleistungsverfolgung beauftragen, aber schaue Dir dazu das Leistungsbilder der HOAI im Netz an. In der neuen Fassung ist das eher "Prüfung vom Schreibtisch aus".

Für die gesamte Betreuung (Planung und Bauleitung) ist natürlich die Erfahrung des jeweiligen Planers maßgeblich. Erfahrungsgemäß ist aber der Architekt über alle Gewerke "breiter aufgestellt" als ein Bauingenieur (ich bin übrigens einer). Du benötigst nebenbei noch andere Planer (Elektro, Haustechnik, usw.), die Dir der Architekt empfehlen wird.

Die Idee mit dem Studenten kannst Du ja weiter verfolgen. Meine o.g. Schritte entsprechen i.d.R. der Zuarbeit eines Studenten. Letztendlich reicht dies auf jeden Fall für Deinen ersten Kontakt zu einem Architekten (egal ob frei oder bei einem Unternehmer angestellt).

Eine Kleinigkeit noch: Der Unternehmer hat um sich Handwerker aller Art gebunden. Bei einer freien Vergabe hast Du u.U. aktuell das Problem, dass die Handwerker ausgebucht sind. Das kann den Preis hoch treiben, aber auch das Projekt zeitlich verzögern (wenn Du z.B: keine Elektriker bekommst).

Meine Empfehlung:

  • Individualität in der Planung => eher freier Architekt mit Fachplanern
  • Kostensicherheit => eher schlüsselfertig mit eigenem Qualitätsprüfer (ggfs. GMP)
  • Termintreue => Unternehmer

Ich würde das nächste mal lieber mit eigenem Architekten arbeiten und alles einzeln vergeben. Anders habe ich es schon durch.

Klar kostet der Architekt Geld, aber er macht auch die Bauleitung für Dich und beaufsichtigt damit die Arbeiten. Wenn Du das der Baufirma überlässt, dann überwacht sie sich selber... Ob das immer die beste Idee ist?

Dann gibt es auch beim Schlüsselfertigbau oft Dinge, um die Du Dich selber kümmern musst. Da ist ein Architekt, der einem behilflich ist, sein Geld wert.

Und mit vernünftiger Ausschreibung der Einzelgewerke kannst Du im Endeffekt auch wieder Geld sparen. Denn "Komplettangebote" sind oft nur auf den ersten Blick günstig. Jeder Extrawunsch kostet mehr und Extrawünsche wird es einge geben. 

Wenn ihr eine Hochschule für Architektur in der Nähe habt, macht vielleicht eine Art Wettbewerb - Aushang und lobt einen Preis aus (bei Studenten muss das ja nicht die Welt sein schätze mal vielleicht so 500 € ?) . 

Vielleicht kann man auch mal mit einem Professor sprechen?

Manchmal haben Studenten auch schon (vielleicht von Haus aus durch Papa's Büro ) Kontakt zu einem Bauingenieur, mit etwas Glück  bekommt ihr den Bauvorlage Stempel- Bauantrag dann günstig(er) . 

Da heißt es kreativ zu sein - klar versprechen kann man das nie,und etwas Glück gehört dazu, aber einen  Versuch ist es mMn immer wert. 

Kannst Dir auch von Architekten usw. Angebote einholen.....

Bei Häuslebauern ist es meist günstiger, da diese (in der Regel) nicht nach HOAI abrechnen.

wer sind Häuslebauer ? Generalunternehmer, Schlüsselfertige Anbieter?

und warum sind sie günstiger? weil sie sich selbst kontrollieren, weil sie Qualitäten und Quantitäten der Kostenentwicklung während der Bauphase anpassen können?

Bei Schlüsselfertig und Generalunternehmern würde ich dazu raten einen eigenen Architekten oder Bauingenieur zur Bauherrenvertretung zu beauftragen.

@Loreley30

Generalüber- und Unternehmer, schlüsselfertige Anbieter usw... ja.

Nein, sie sind nicht deshalb günstiger, aber sie verdienen an der Masse. Sie verdienen bei allen Gewerken mit.

Wieso sollten sie Qualitäten und Quantitäten anpassen können? Die Baubeschreibung liegt vor und ist Vertragsgrundlage. Ob der Generalunternehmer nun 50 m³ Beton braucht oder 20 m³ kann dem Bauherrn doch Wurscht sein. Ebenso sind die Qualitäten beschrieben (z.B. Merten-Flächenprogramm).

Wer natürlich ein Haus kauft: "Ein Stück Haus", der ist selber schuld.

Bei eigenem Architekt hat der Bauherr wieder das Problem der HOAI... 

Bezüglich der neutralen Bauüberwachung bieten sich hier freie Sachverständige an (kein TÜV oder Dekra), deren Gebührenordnung seit der letzten HOAI 2013 ersatzlos gestrichen wurde und jetzt einfach auf freier Honorarvereinbarung beruht.

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