Wie lange "darf" man beim Tod um die Mutter trauern?

12 Antworten

Mit dem Tod eines nahestehenden Menschen verlieren wir auch immer etwas von uns selbst...der Zurückgebliebene wird nie mehr so sein, wie er es vorher war. Trauerarbeit ist schwer und nicht einfach und es gibt auch keinen Schalter an uns, den man ab- oder anstellen kann...auch wenn das der eine oder andere gerne so hätte. Manche nehmen ihre Arbeit sofort wieder auf, sei es um sich abzulenken oder auch weil man diese Betätigung gerade jetzt braucht. Manche fühlen sich unter Menschen nicht sehr wohl, sind lieber alleine... mit sich und ihrer Trauer. Jeder muss da für sich den geeigneten Weg suchen, alles ist legitim, was hilft den Schmerz erträglich zu machen. Sie haben Ihre Mutter viele Jahre lang gepflegt... das kostet sehr viel Kraft und ich denke diese Müdigkeit, die sie jetzt empfinden ist das Ergebnis davon. Hier wurde jahrelang körperlicher und auch seelischer Einsatz von Ihnen verlangt...das geht nicht spurlos an uns vorüber. Vielleicht würde Ihnen eine Kur weiterhelfen. Ein Arzt ihres Vertrauens wird Ihnen sicher da weiterhelfen können. Erholung für Körper, Geist und Seele, Gespräche...all das wird Ihnen sicher helfen, die schweren Jahre zu verarbeiten ...und dann werden sie auch wieder "ihren Mann stehen" und genügend Lebenskraft besitzen. Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute Sonja

Was dein Chef da schreibt, finde ich schon leicht unverschämt. Wie lange man trauert, ist bei jedem unterschiedlich. Und wie du dein Leben lebst, ob verheiratet oder nicht, ist doch deine Sache. Da wäre ich auch sauer.

Als mein Vater vor 2 Jahren plötzlich starb, hab ich auch nach einer Woche wieder gearbeitet. Wieder einigermaßen normal gelebt, es ging halt weiter. Aber bis das alles verdaut war, hab ich schon ein paar Monate gebraucht. Hatte auch meine Phasen, in denen ich sehr erschöpft war. Hab mich da durchgebissen und auch viel mit anderen drüber geredet. Und irgendwann gings wieder. Braucht halt alles seine Zeit.

"überhaupt, mein ganzes Leben sei seltsam, da ich nicht verheiratet sei und keine Kinder habe."

Das ist schon ziemlich unverschämt und taktlos von Deinem Chef, so zu argumentieren. Das Recht steht ihm überhaupt nicht zu, sich mit blöden Bemerkungen über Dein privates Umfeld zu artikulieren.

Ich denke, dass Dein schnelles Ermüden mehr aus einer seelischen Erschöpfung resultiert. Jahrelang warst Du für sie da, musstest immer präsent sein. Nun ist das alles vorbei, und eine gewisse Leere erfüllt Dich wohl. Ein sich gegen lassen können.

Ich hab das alles durch. War als Pflegerin im Stress, dazu erkrankte und verstarb dann auch schießlich mein geliebter Mann nach 2,5 jähriger Leidenszeit an Krebs.

Ich hab ihn nicht in´s Heim gegeben. Er war zuhause, so wie ich es ihm versprochen hatte. Sein Tod war für ihn eine Erlösung.

Aber ich fiel dann erst mal in ein tiefes Loch. Gut für mich war, dass ich sofort eine Reha genehmigt bekam.Dauer  von vornherein 6 Wochen, und hätte auch verlängern lassen können.

Das solltest Du tun. Eine Reha beantragen. Es wird Dir helfen, wieder zu alter Elastizität, altem Schwung, zurückzufinden. Du brauchst einfach Abstand zu allem. Kopf hoch, das wird wieder. Packe es an. LG rehlein

Hallo Sarina70,

mein aufrichtiges Beileid.

Aber für die Zeit, wie lange man trauern darf, gibt es keine Regel. Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. 

Für deine Mutter war es eine Erlösung. Und du gönnst ihr nun die Ruhe. Und die Dreifachbelastung fällt von dir. Aber dennoch war es ein Verlust. Und den darfst du betrauern, so lange du brauchst.

Bekannte haben sehr gute Erfahrungen mit Trauergruppen gemacht.

Ich selbst bin damals zu einem Psychologen gegangen, weil meine Tochter so plötzlich starb und ich das nicht verkraften konnte.

Du wirst den richtigen Weg finden. Und da kann und sollte dir keiner reinreden.

Alles Gute

Virginia

Mein herzliches Beileid.

Für mich liest sich das etwas nach Verdrängung. Mag der Tod deiner Mutter für sie auch eine Erlösung gewesen sein, aber man sollte doch nicht ganz so einfach zur Tagesordnung übergehen.

Hast du keine Freunde, mit denen du reden kannst?

Deinen Chef geht dein Privatleben, ob du Mann und Kinder hast oder nicht, nichts an. Aber ich denke, er merkt irgendwo auch, dass du was überspielst.

Vielleicht überlegst du doch, dich etwas aus dem Verkehr zu ziehen. Das ist ja kein böses Ansinnen, sondern eigentlich nur menschlich.

Oder hast du Angst, dass dich zuhause alles überrollt von deinen Gefühlen her? Trauerbegleitung kann da durchaus helfen.

Ja, ich hätte auch gerne etwas länger frei gehabt. Aber mein Hausarzt wollte mir nicht mal diese Woche geben. Und mein Chef meinte sogar, ich hätte bereits am Todestag wieder arbeiten sollen. Arbeit würde guttun in Krisensituationen...

@Sarina70

Sicher tut Ablenkung gut. Aber du hast in der Zeit vor dem Tod deiner Mutter Höchstleistung gebracht. Was hast du bitte für einen inkompetenten Arzt, der nicht weiß, dass ein Körper nach diesem Dauerbetrieb Ruhe braucht?

Mein Vater starb 2002, meine Mutter war als gelernte Altenpflegerin seine Hauptpflegerin, wir Kinder haben ihr geholfen, so gut wir konnten.

Als er starb, war das auch für ihn eine Erlösung. Aber auch für meine Mutter. Sie ging vorzeitig in Rente, weil sie fertig auf dem Docht war. Ich war dann in der Hochtrauerphase ihre erste Ansprechpartnerin, meine Geschwister waren aber auch da.

Meine Mutter wurde anstandslos erst krankgeschrieben, bekam zeitweise sogar Medikamente. Zu ihr hat keiner gesagt "Nu aber, hopp hopp, das Leben geht weiter!"

Du solltest dir wirklich eine Auszeit nehmen. Dein Körper zeigt dir ja durch seine Müdigkeit, dass er fertig ist. Wenn du seine Signale überrennst, könnte er mitunter auch mal mit einem Zusammenbruch reagieren.

Was möchtest Du wissen?