Wie kann ich mich als Sanitäter verteidigen?

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Moin,

du darfst jedes Mittel einsetzen, was dazu geeignet ist einen gegenwärtigen, widerrechtlichen Angriff auf deine Rechtsgüter zu beenden. Rechtsgüter sind Leib und Leben, Freiheit, Eigentum und auch Ehre. Nur um die wichtigsten zu nennen. Du sollst dabei das mildeste Mittel wählen, was dir zur Verfügung steht. Eine Verhältnismäßigkeit gibt es bei Notwehr aber nicht. Bedeutet theoretisch darfst du dich auch mit einer Schusswaffe verteidigen, wenn du nur dieses Mittel hast, und dich ein unbewaffneter Angreifer augenblicklich töten will (erschlagen oder erwürgen als Beispiele) und du das genau weißt, weil er es angekündigt hat. Von stark angetrunkenen Personen musst du dir aber ganz schön viel gefallen lassen, weil die meistens zwar aggressiv, aber nicht wirklich gefährlich sind. Geht es nicht um Leib, Leben oder Freiheit, dann sollte man erst recht mit Augenmaß handeln. Wichtig ist, dass man neutrale, glaubhafte Zeugen benennen kann und vor Gericht genau begründen kann warum man was getan hat. Notwehrrecht ist mit das Schwierigste was es gibt in einem Prozess. Oft werden Urteile die meist zu lasten der Opfer gehen von höheren Instanzen wieder aufgehoben, oft aber auch nicht.

Ein Angriff ist übrigens gegenwärtig, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet, oder noch andauert. Du kannst also als erster zuhauen, wenn du gewichtige Gründe dafür hast anzunehmen, dass ein Angriff auf dich jeden Augenblick stattfinden kann.

Gut geeignet ist in der Regel ein Pfefferspray, damit kann man auch noch Abstand halten. Pfefferspray darf in Notwehr und bei Nothilfe (Notwehr die du für eine wehrlose Person ausübst) auch gegen Menschen eingesetzt werden, auch wenn es anders drauf steht. Viele behaupten es darf nur gegen aggressive Tiere eingesetzt werden. Bei Notwehr werden aber grundsetzlich strafbare Handlungen des Opfers eben nicht mehr strafbar. Jemanden ins Gesicht schlagen ist ja auch strafbar, nicht aber bei Notwehr. Leider wirkt Pfefferspray bei Betrunkenen fast gar nicht. Da ist dein Griff vielleicht die bessere Option, jedoch sollstest du nicht nur von Griffen Ahnung haben, sondern auch etwas vom Kampf. Je kürzer die Distanz zu einem Angreifer, desto höher das Risiko. Ein wirksames abwehrmittel + die Regel immer auf Abstand zu achten sollte das Wichtigste sein. Denn passt du nicht auf und er angelt mit der freien Hand ein Messer oder so, dann war es das. Messerangriffe sind niemals zu kontrollieren, selbst wenn du eines hättest und dich damit verteidigen willst. Dann sollte die Flucht das Mittel der wahl sein. Laut Gesetz musst du aber niemals flüchten, denn ein Rechtsgrundsatz lautet: Recht muss dem Unrecht nicht weichen.

Mach doch mal einen Kurs/Seminar/Weiterbildung "Sicherheitsfachkraft", "Konfliktlösung" oder etwas ähnliches mit. Manchmal wird das auch von der VHS mit einem Bildungsgutschein gesponsert. Könnte mir vorstellen, dass es in Deinem Arbeitsfeld sicher öfter mal zu solchen Situationen kommt.

Ich bin übrigens so einer, der aus Schwimmern Rettungsschwimmer macht, und ich weiß, wie man aus einem Fesselgriff herauskommt.

Du darfst dich immer dann verteidigen, wenn du angegriffen wirst. Das ist Notwehr. Notwehr ist die Maßnahme, die geeignet ist, einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff abzuwehren. Notwehr endet in dem Moment, in dem der rechtswidrige Angriff aufhört. Hast du deinen Gegner umgehauen oder ergreift er die Flucht, ist es vorbei mit Notwehr.

Wie darfst du dich verteidigen? Mit dem geringsten Mittel, welches dir zur Verfügung steht, und geeignet ist, den Angriff abzuwehren. Nur als Beispiel: Solltest du körperlich deinem Gegner eindeutig überlegen sein, ist es nicht mit Notwehr gedeckt, ihn mit einem Baseball-Schläger zu attackieren.

Auch für Dich gilt § 32 StGB - wenn absolut notwendig, dürftest Du beispielsweise auch mit der Sauerstoffflasche zuschlagen.

Eine stark angetrunkene Person, welche sich kaum auf den Beinen halten kann, stellt jedoch keine nennenswerte Bedrohung dar. Einem Angriff von dieser Seite kann man zumeist dadurch entgehen, daß man sich einige Meter entfernt. Vermutlich kann der Betrunkene noch nicht einmal folgen.

Normalerweise habe ich keine Sauerstoffflasche parat, da ich im ehrenamtlichen Sanitätsdienst arbeite und nicht in der Regelrettung (Rettungsdienst), wo Sauerstoffflaschen immer dabei sind. Ich verstehe aber den Sinn hinter deiner Aussage. Ich nehme jetzt immer Kabelbinder (um den Angreifer mit dem obengenannten Griff zu fixieren ) und meine MacLite aus massiven Metall um mich Notfalls zu verteidigen ;).

Bei uns im Kreisverband wurde mal ein Deeskalationskurs angeboten . Der sehr gut war! Rege so einen Kurs bei euch mal an! Ansonsten kannst ja einen Selbstverteidigungskurs machen!

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