Wie kann ich "Insolvenzverwalter" von Beruf werden?

5 Antworten

Insolvenzverwalter werden vom Insolvenzrichter berufen. Eine klare Regelung für die Eignung, auf die man sich so wie einer Berufsausbildung berufen kann, gibt es nicht.

Allgemein sind Insolvenzverwalter einer Rechtsanwaltspraxis angeschlossen und zeichnen sich - außer durch genaue Kenntnis der Gesetze, z. B. als Rechtsanwalt oder Notar - auch durch Branchenkenntnisse und Unternehmensführung aus.

Der Insolvenzverwalter wird jeweils vom Insolvenzgericht eingesetzt, es kann daher sein, daß ein Dipl. Braumeister bei der Insolvenz einer Brauerei zum Insolvenzverwalter bestellt wird, aber niemals eine Chance hat, z. B. in einer Softwarefirma Insolvenzverwalter zu werden.

Zur Vergabe von Verwaltungsaufträgen in Insolvenzverfahren gibt es sogar ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes: http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20040803_1bvr013500.html

Insolvenzverwalter zu werden ist in den letzten Jahren recht schwierig geworden. Ich selbst bin seit 10 Jahren Insolvenzverwalter mit eigener Kanzlei in Frankfurt. Das Problem am Insolvenzverwalter werden ist, dass man es aus eigener Kraft alleine eigentlich nicht mehr schaffen kann, bestellt zu werden. In den letzten Jahren ist die Zahl der Verwalter gestiegen, die Zahl der massehaltigen Insolvenzverfahren hat aber massiv abgenommen. Folge davon ist, dass etliche Kollegen dem Vernehmen nach Schwierigkeiten haben, ihr Büro zu bezahlen. Und das ist teuer: Insolvenzverwaltung ist so stark professionalisiert, dass man extrem hohe Kosten hat, um ein Büro zu unterhalten, das den modernen Anforderungen gerecht wird. Kleines Beispiel: Es wird kaum gelingen, hinreichende Fachkunde in der Tiefe im Immobilienrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, der Forderungsprüfung und anderen Themen zu haben. Also brauche ich dafür jeweils kanzleiintern einen Spezialisten, der das wirklich kann. Und den muss ich bezahlen, so dass er sich nur rechnet, wenn ich ihn auslasten kann. Das aber kann ich nur mit einer hinreichend großen Zahl an Verfahren. Und wenn ich die nicht habe, dann kann ich den Spezialisten nicht bezahlen und weil mir dann das Spezial-Know-How fehlt mache ich wahrscheinlich einen nicht so guten Job wie der Kollege, der auf einen solchen Spezialisten zurückgreifen kann. Ergebnis: Ich bin ziemlich sicher, dass es auf Sicht von 5 bis 10 Jahren keine Einzelkämpfer mehr in der Insolvenzverwalterlandschaft geben wird. Dazu kommt noch, dass man den größten Teil seines Honorars erst bei Verfahrensabschluss bekommt, also in der Regel nach 3 bis 4 Jahren. D.h.: Ich muss meinen Kanzleiapparat auch noch die ganze Zeit über vorfinanzieren.

Was also tun, wenn ich Insolvenzverwalter werden will? Zu bestimmt 90% werden Insolvenzverwalter nur Rechtsanwälte. Grund ist ganz klar die extreme Komplexität des Insolvenzrechts, die ein Nicht-Jurist in aller Regel nicht bewältigen kann. BLW hingegen ist für bestimmt 90% der Insolvenzverfahren nicht erforderlich, weil wir es mit Unternehmen mit eingestelltem Geschäftsbetrieb oder flüchtigen Schuldnern zu tun haben. An die 10% Insolvenzverfahren, in denen vertiefte betriebswirtschaftliche Kenntnisse nützlich sind, kommt man in der Regel erst nach mindestens 10 Jahren Verwaltertätigkeit heran - und dann hat man schon relativ viel betriebswirtschaftliche Kenntnisse per learning-by-doing mitgenommen und kann das theoretische Wissen mit aufbauendem Selbststudium hinzu erwerben.

In jedem Fall sollte man zusehen, dass man so früh wie möglich insolvenzrechtliches Wissen anhäuft. Die Insolvenzverwalterkanzleien werden mit vielen Bewerbungen bombardiert; wer nicht im Studium schon wirklich richtig vertiefte Kenntnisse erworben hat, der ist in der Regel nicht in der engeren Auswahl. Leider kann man Insolvenzrecht nur an wenigen Universitäten vertieft studieren. Ich selbst bin Lehrbeauftragter an der CAU in Kiel und an der Goethe Uni in Frankfurt. An diesen beiden Unis gibt es ein breites Angebot an insolvenzrechtlichen Veranstaltungen. Kiel hat dabei noch die Nase vorn, weil es im Schwerpunktstudium einen eigenen Schwerpunkt Insolvenzrecht gibt. Wer den absolviert hat, der sollte bundesweit gute Karten haben, in einer Insolvenzverwalterkanzlei anfangen zu können.

Viel ERFOLG!

Rechtsanwalt und Betriebswirt sind glaube ich Grundvoraussetzungen

Fang schon mal damit an Betriebswirtschaft zu studieren.

Jura Studium und zumindest Dipl. Betriebswirt.

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