Wie genau läuft eine Vernehmung ab?

5 Antworten

1. Vernehmung zur Person oder zur Sache?

2.Vernehmung als Beschuldigter, Zeuge, Betroffener o.a.

3.Als Beschuldigter

a) muss über seine Rechte belehrt werden §136 Stopp

b) Tatvorwurf eröffnet werden

c) Hinweis zur Aussageverweigerung

d) es kann zu jeder Zeit ein Verteidiger hinzugezogen werden

e) Beschuldigt u.a. haben das Recht Beweisanträge zu stellen.

Halten sich die Vernehmenden Personen nicht an die von der Stopp geforderten Belehrungen dann ist die Aussage nicht Gerichtsverwertbar.

Bei der Vernehmung darf gelogen werden bis sich die Balken biegen.

Hallo,

ich da du von "Beweisen gegen dich" sprichst geh ich davon aus, dass du von einer Beschuldigtenvernehmung redest.

Zuerst wirst du belehrt, als Beschuldigter hast du ein Aussagerecht, aber keine Pflicht zur Aussage. Willst du dich nach Belehrung zur Sache äußeren, werden erstmal deine Personalien überprüft.

Die eigentliche Vernehmung führt jeder Kollege ein bisschen individuell, ich erzähl dir mal "meine Vernehmungsstrategie", die so grob von allen Kollegen angewandt wird:

Zuerst den zu Vernehmenden erzählen lassen.

Im Anschluss stell ich konkrete Fragen zu einzelnen Punkte, die für mich wichtig sind.

Stelle ich dann Diskrepanzen zwischen meinen Beweisen und den Aussagen meines Gegenübers fest, halte ich ihm die Beweise vor, die ich habe und befrage ihn noch einmal zu den jeweiligen Punkten.

Der Hintergrund ist: Sollte mein Gegenüber von Anfang an ehrlich zu mir sein (bzw. geständig), hab ich bei seinen Aussagen eine ganz anderes Vertrauensverhältnis, das heißt ich prüf ggf. im Nachgang an die Vernehmung weniger Aussagen nochmal nach, bzw. nicht so detailliert. Außerdem erwähne ich das Verhalten natürlich im Sachverhalt und nach meiner Erfahrung kommt das bei der Staatsanwaltschaft und beim Gericht sehr gut an, wenn der Beschuldigte von Anfang an "mitgearbeitet" hat.

Gleichzeitig hat der Beschuldigte keine Wahrheitspflicht, zu lügen darf ihm also nicht zum Nachteil ausgelegt werden... denke mal, die Wahrheit zu sagen ist eher ein "weicher" Faktor im zwischenmenschlichen Bereich...

Du kriegst das schon hin, wir reißen keinen den Kopf runter;)

Alles Gute!

Sehr gut geschrieben, vor allem recht ehrlich. Denn genau das:

Zuerst den zu Vernehmenden erzählen lassen.

ist der Grund warum man als Beschuldigter keine Aussage bei der Polizei macht. Im Grunde hält man Grundsätzlich bei Vernehmungen die Klappe.

@Artus01

Gründsätzlich ist wieder so pauschal... wenn ich Beweise hab, die mich entlasten wäre ich ja selten dumm, wenn ich die nicht anbringe...

Im übrigen ist die Vernehmungsmethode auch bei Zeugen interessant... ist oft so, dass die Zeugen den Vorgang ganz anders wahrgenommen haben, als bis zu dem Zeitpunkt in den Akten steht. Da ist es besser, "erzählen zu lassen", als Suggestivfragen zu stellen.

Und ja, oft (nicht immer) ist es besser, erst konkrete Fragen abzuwarten. So würde ich es zumindest als Beschuldigter machen, wenn ich nicht zu unrecht beschuldigt worden wäre...

Also man soll nichts sagen, damit die das am Ende nicht gegen mich verwenden das ist ja logisch.
Aber beim Staatsanwalt kommt dann doch ein Schreiben an, wo drin steht das ich ohne einen Anwalt keine Aussage machen möchte.

Dann endet doch zu 100% vor Gericht ?

@lukasschroeder1

Die Frage ob das vor Gericht endet kann theoretisch nicht beantwortet werden, denn dazu muß man wissen was bereits an Fakten ermittelt wurde. Es kann nämlich durchaus sein daß die Bekannten Dinge nicht für eine Anklage ausreichen.

Der Punkt - zuerst den zu Vernehmenden erzählen lassen - wirft die Gefahr auf daß Dinge erzählt werden die noch ger nicht bekannt sind. Als Beschuldigter muß man nicht dabei behilflich sein verknackt zu werden. Man erscheint zu einer solchen Vernehmung am Besten gar nicht.

@Artus01

Jup, kann man nicht so einfach sagen. Nicht jede Anzeige ohne Beschuldigtenvernehmung landet vor Gericht.

Wenn du dich dazu entschließt, nicht zum Vernehmungstermin zu erscheinen (ist dein gutes Recht (solange es eine polizeiliche Vorladung ist, bei einer staatsanwaltschaftlichen hast du die Pflicht zu erscheinen)), ist es zumindest nett, dem Kollegen davor telefonisch Bescheid zu geben. Nichts ist ätzender als einen Vernehmungstermin abzuwarten, wenn dann keiner kommt... wir haben alle auch was anderes zu tun:D

@Dommie1306

bei einer staatsanwaltschaftlichen hast du die Pflicht zu erscheinen

Hier fehlt der Hinweis daß man als Bechuldigter lediglich Angaben zur Person machen muß, zur Sache selbst nicht. Das gilt im übrigen auch vor Gericht.

@Artus01

Richtig, danke für die Ergänzung

@Dommie1306

Und wenn man auch bei der Vorladung durch den Staatsanwalt nicht kommt?

@B1ene

Dann wird die Verhaftung und zwangsweise Vorführung durch die Staatsanwaltschaft angeordnet.

Eine Vernehmung kann, je nach Tatvorwurf sehr unangenehm werden. Sie sollten sich einen Rechtsanwalt nehmen. Gerne schlagen Beamte über die Stränge und versuchen Sie unter druck zu setzen. Das Beste, was Sie tun können ist: Nichts sagen! Auch wenn die Beweise erdrückend sind.

Also kriege ich die Beweise gesagt ? Also welche vorliegen etc ?

@lukasschroeder1

Ja selbstverständlich wird man Ihnen die Beweise vorlegen und Sie versuchen unter Druck zu setzen wie bereits gesagt. Die Beamten sind da um Ihnen ein Geständnis zu entlocken deswegen sollten Sie auf gut deutsch die Klappe halten.

Okay danke für die Antwort.
Und zeigen die dem Beschuldigten die Beweise bevor sie ihn befragen oder wenn sie mit der Befragung fertig sind

@lukasschroeder1

In der Regel bei der Befragung. Kann aber auch davor sein z. B. Beamter schmeißt Beweise auf den Tisch fragt: So was können Sie uns denn bitte dazu sagen? Auch hier immer still sein nichts sagen, weil die Beamten sie heutzutage nur noch verbal unter druck setzen können und nicht körperlich. Das war in der ehemaligen DDR so.

@Christdemokrat

Und wie gesagt: Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt. Haben Sie einen erfahrenden Beamten vor sich, kann es sein, dass Sie einknicken.

Okay aber aufjedenfall sind die dazu verpflichtet mir die Beweise zu zeigen / erklären die gegen mich vorliegen ? Also wann auch immer: vor, während oder nach der Vernehmung.

@lukasschroeder1

Verpflichtet sind sie dazu nicht. Aber es wäre ja idiotisches Verhalten dem Beschuldigten die Beweise vorzuenthalten, da man ja ein Geständnis haben will.

@Christdemokrat

Vielleicht noch ein Hinweis: Ich bin Rechtsanwalt. Daher können Sie schon voraussetzen, dass ich Ahnung von diesen dingen habe.

Zuviel TV Krimis geschaut. Nichts entspricht einer Tatsächlichen Vernehmung.

Das klingt alles schon sehr nach Krimiserie :D

"Beamter schmeißt Beweise auf den Tisch"

Sollte ich echt mal so machen :D

"Und wie gesagt: Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt"
"Vielleicht noch ein Hinweis: Ich bin Rechtsanwalt."

Ist nicht wahr? Ein Rechtsanwalt empfiehlt, dass man zu einer Vernehmung einen Rechtsanwalt braucht? Darüber muss ich jedes mal lachen :)

Aber gut, ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es in der Tat genügend Situationen gibt, in denen ich auch zu einem Anwalt rate! Es gibt aber genauso viele Situationen, in dem ein Rechtsanwalt einfach unnötig ist...

Auf Grund mangelnder Informationen zum vorliegenden Fall, masse ich mir hier nicht an, eine abschließende Beurteilung abzugeben.

@Dommie1306

Kommt auf den genauen Tatvorwurf an. Bei einer Beleidigung braucht man auch keinen Anwalt...

Ich empfehle, nicht zu einer Beschuldigtenvernehmung bei der Polizei zu gehen. Die Antwort des Users Dommie unterstreicht dies noch. Die Polizisten sind Profis im Vernehmen von Beschuldigten. Von loyal bis streng, kann alles vorkommen. Aber man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass sie eine Straftat aufzuklären haben. Da gibt es keine Freunde.

Einmal bei der Polizei gesagtes kann man schwer wieder zurücknehmen.

Wenn es sich um keine Bagatelle handelt, sollte ein Anwalt Akteneinsicht nehmen, und mit ihm dann eine Aussage formulieren oder auf seinen Rat hin zur Beschuldigung nichts auszusagen. Das ist gut investiertes Geld.

Wahrscheinlich werden sie dich im Verhör höchstens auf bestimmte Beweise ansprechen und nachfragen. Zu sehen bekommt man wahrscheinlich durch Akteneinsicht von einem Anwalt, in Form von Dokumentationen der Beweisstücke. Ich bin mir nicht sicher, ob und wann man selbst Akteneinsicht beantragen kann.

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