Wie geht ihr vor, wenn ihr mit der Schadensregulierung eurer Versicherung nicht zufrieden seid?

8 Antworten

 

Dazu ist zunächst einmal das Sachverständigenverfahren im Vertrag z.B. der Kfz Kaskoversicherungen vorgesehen:

A.2.17 Meinungsverschiedenheit über die Schadenhöhe

(Sachverständigenverfahren)

A.2.17.1 Bei Meinungsverschiedenheit über die Höhe des Schadens einschließlich

der Feststellung des Wiederbeschaffungswerts oder über den Umfang der erforder -

lichen Reparaturarbeiten entscheidet ein Sachverständigenausschuss.

A.2.17.2 Für den Ausschuss benennen Sie und wir je einen Kraftfahrzeugsachverständigen.

Wenn Sie oder wir innerhalb von zwei Wochen nach Aufforderung keinen

Sachverständigen benennen, wird dieser von dem jeweils Anderen bestimmt.

A.2.17.3 Soweit sich der Ausschuss nicht einigt, entscheidet ein weiterer Kraftfahrzeugsachverständiger

als Obmann, der vor Beginn des Verfahrens von dem Ausschuss

gewählt werden soll. Einigt sich der Ausschuss nicht über die Person des

Obmanns, wird er über das zuständige Amtsgericht benannt. Die Entscheidung des

Obmanns muss zwischen den jeweils von den beiden Sachverständigen geschätzten

Beträgen liegen.

A.2.17.4 Die Kosten des Sachverständigenverfahrens sind im Verhältnis des

Obsiegens zum Unterliegen von uns bzw. von Ihnen zu tragen.


 Dieses ist natürlich mit einem Kostenrisiko verbunden. ansonsten bleibt nur die Möglichkeit mit der Versicherung Kontakt aufzunehmen und gute Argumente vorzutragen.

Eine Entscheidung kann auch dadurch beeinflusst werden ob es sich um einen guten, lukrativen Kunden mit vielen anderen Verträgen und insgesamt wenig Schäden oder um einen eher "schlechten" Kunden handelt. Dem Kunde bleibt neben dem Sachverständigenverfahren nur das Druckmittel mit dem bzw. allen Verträgen zu einer anderen Gesellschaft zu wechseln. Ein persönlicher Ansprechpartner kann dabei durchaus hilfreich sein.

Leider wird eine langjährige und schadenfreie Zugehörigkeit nicht immer ausreichend gewürdigt.

Anders kann ich es mir nicht erklären, warum teilweise auch schon bei kleineren Schadenssummen (und damit meine ich alles unter 10000 Euro) herumgezickt wird.

@Franz577

Du bezeichnest 10.000 € als kleine Schadenssumme. Ich hatte in den letzten 12 Montan drei Fälle: 32,00 €, 80,00 € und 1,80 €. Die beiden zweistelligen sind zum Anwalt gegangen und einmal auch vors Gericht und wurden anschließend komplett nach reguliert. Der 1,80 € Fall war mir zu lächerlich und der Abzug auch noch ohne Begründung, ich habs ausgebucht.

Ich habe bisher noch keine Kürzung, die über 10 € liegt akzeptiert und bisher immer gewonnen.

@KfzSVnrw

Ja, im Hausrat- und Wohngebäudebereich sind 4-stellige Beträge tatsächlich kleinere Summen verglichen zu dem, was hier vom Potential her alles möglich wäre.

Und sorry, aber bei Beträgen von unter 100 € würde ich nicht mal einen Gedanken daran verschwenden, einen Klageweg zu beschreiten. Sowas wird eigentlich auch eher unbürokratisch geregelt bzw. da zickt normalerweise keine Versicherung herum. Einmal bekam ich sogar fast 200 € auf Kulanz erstattet, obwohl ich eigentlich keinen Anspruch darauf hatte.

@Franz577

Das ist in der Kfz-Sparte ganz anders, da wird inzwischen um jeden einzelnen Euro gestritten.

@KfzSVnrw

Was aber vielleicht auch von der Versicherungsgesellschaft abhängt und davon, wie lange man dort schon Kunde ist bzw. mit wievielen Fahrzeugen.

Die Erstattung meiner knapp 200 € auf Kulanz waren nämlich im KFZ-Bereich.

@Franz577

Das ist eher davon abhängig ob man als Kunde oder als Geschädigter Ansprüche stellt

... aber ein Rechtsweg ist doch mit oder ohne RS gleicht teuer und wenn gewonnen wird, bezahlt ja sogar meist der Verlierer.

... und wenn eine Versicherung unberechtigterweise zopfig ist, geht der Bestand eben in andere Hände. Zuvor binde ich den Berater natürlich mit ein.

Ja, WENN gewonnen wird! Aber glaubst du wirklich, daß es so einfach ist, einen Rechtsstreit gegen eine Versicherung zu gewinnen? Die arbeiten mit einer ganzen Heerschar an Juristen und haben meist den deutlich längeren Atem. Wie will man da ohne Rechtsbeistand auch nur den Hauch einer Chance haben?

Ohne Rechtsschutzversicherung überlegt man sich das daher schon dreimal, ob man da einen Prozess anstrengt, denn finanziell besser steht man danach nur in den seltensten Fällen da.

Aber mit einem versierten Berater, der sich für einen einsetzt, hat man zumindest ein bißchen bessere Karten, als wenn man da als Einzelkämpfer auftritt.

Unabhängig davon kann man zwar nach schlechter Regulierung kündigen oder schon im Vorfeld damit drohen, aber das beeindruckt meist eher wenig. Als einzelner Kunde hat man nicht viele Druckmittel.

@Franz577

Ja, WENN gewonnen wird! Aber glaubst du wirklich, daß es so einfach ist, einen Rechtsstreit gegen eine Versicherung zu gewinnen?

Kommt auf den konkreten Sachverhalt an.

@Franz577

... also ich lese hier öfters Hinweise, daß eine größe Versicherung nicht zu gebrauchen ist und fast sämtliche Klagen der Kunden verliert. Also was denn jetzt?

... aber ein Rechtsweg ist doch mit oder ohne RS gleicht teuer und wenn gewonnen wird, bezahlt ja sogar meist der Verlierer.

Beim einschalten eines Anwalts, gibt es aber nicht mehr die Abwicklung über einen Kulanzantrag - dann werden die Versicherungsbedingungen 100-prozentig beachtet.

Auch Zugeständnisse auf Grund einer guten Kundenverbindung sind dann außen vor.

@Apolon

... die erste passende/richtige Antwort aus Deiner Feder! Gratuliere, hätte ich von Dir nicht mehr erwartet.

Wenn man einen Versicherungsmakler hat, gehört es zu dessen Aufgaben den Geschädigten bei der Schadensabwicklung zu unterstützen. Der Unterschied zu einem normalen Versicherungsvertreter ist der,  dass der Makler Sachverwalter des Kunden ist und kein Erfüllungsgehilfe der Versicherung. Ein Versicherungsmakler steht immer auf der Seite des Kunden, ein Versicherungsvertreter ist vom Gesetz her ein Handelsvertreter der Versicherung. 

Es ist auch nicht richtig, das in Vergleichsportalen die Versicherungen billiger sind. man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wenn die Versicherung weniger Leistung bietet, kann sie auch leicht billiger sein.

Ich nehme es mit jedem Vergleichsportal auf wenn wirklich Preis und Leistung verglichen werden. 

Übrigens ein Vergleichsportal hilft nicht bei der Schadensabwicklung. 

Ein Versicherungsmakler steht immer auf der Seite des Kunden, ein Versicherungsvertreter ist vom Gesetz her ein Handelsvertreter der Versicherung. 

Das mag auf dem Papier so sein. In der Realität ist mir noch kein Ausschließlichkeitsvermittler untergekommen, der sich bei einem Streitfall nicht für das Interesse des Kunden einsetzt...

@NamenSindSchwer

Das will ich den Kollegen auch nicht absprechen. Aber ich denke mir auch: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing"

@Niklaus

Richtig, und wessen Brot ißt sowohl die Versicherung als auch der Agent bzw. Vertreter? Genau, das des Kunden, denn ohne Kunden können keine Prämien kassiert werden.

@Franz577

Bitte genau differenzieren. Ein Versicherungsvertreter ist kein Versicherungsmakler. Rechtlich grundsätzlich anders. Ist das nicht legal für eine Dienstleistung Geld zu bekommen. Denn Friseur muss man auch zahlen.

@Niklaus,

dein Hinweis mag für den angestellten Außendienst gelten.

Aber die meisten Agentur-Inhaber eines Versicherungsunternehmen sind selbständig und haften auch bei fehlerhaften Auskünften oder Beratungen gegenüber den Kunden. Sie benötigen auch für die Zulassung bei der IHK eine Vermögensschadenshaftpflicht.

Bedeutet, sie werden immer auf der Seite des Kunden sein, wenn dieser sich an die Wahrheit hält.

Also gibt es auch hier keinen Unterschied zu einem Versicherungsmakler.

Wobei man aber beachten sollte, dass viele Agenturinhaber eines Versicherungsunternehmens auch eine Schadensregulierungsvollmacht haben.

Es ist auch nicht richtig, das in Vergleichsportalen die Versicherungen billiger sind.

Wobei man aber auch hier beachten sollte, dass hinter den meisten Versicherungsportalen sich Versicherungsmakler verstecken.  Meist muss man aber nach diesen Hinweisen suchen.

z.B. findet man bei Check24 diesen Hinweis:

Verantwortlicher i. S. d. § 55 Abs. 2 RfStV: Dr. Armin Höll-Steier

Erlaubnis § 34 d GewO: Die CHECK24 Vergleichsportal für Versicherungsprodukte GmbH ist Versicherungsmakler mit Erlaubnispflicht nach § 34d Abs. 1 GewO. Registrierungsnummer: D-P105-1W8WS-19. IHK für München & Oberbayern, Balanstr. 55-59, 81541 München. Versicherungsvermittlerregister: www.vermittlerregister.info

Übrigens ein Vergleichsportal hilft nicht bei der Schadensabwicklung. 

Völlig richtig - bedeutet dann aber auch, dass man vielen Versicherungsmaklern nicht trauen darf!

@Apolon

Du erzählst mir nichts Neues. Ich bin auch lange genug im Markt um die gesetzlichen Vorschriften zu kennen.  Über Check24 müssen wir uns doch überhaupt nicht unterhalten. Das die VM sind weiß ich. Nur beraten tun sie halt nicht. Das ist Fakt. 

Ein AOler ist nach HGB §84 ein Handelsvertreter und vertritt meist nur die eine oder eine paar andere VU. Ein VM vertritt nur den Kunden siehe §93 HGB. Auch in der Definition nach VVG § 59 ist das klar erklärt. Selbstverständlich müssen beide Vermittlertypen eine VSH haben. Wobei die Risiken eines VM immer noch höher zu sehen sind. 

@Franz577,

ich kann hier nur jedem empfehlen, zuerst einmal den Versicherungsvermittler zu kontaktieren, denn

1. hat dieser Möglichkeiten direkt den Schaden mit dem zuständigen Abteilungsleiter bzw. Eskalationsbeauftragten zu besprechen.

2. evt. auch Urteile die bei manchen Schäden beachtet werden müssen zur Hand.

3. kann er für seinen Kunden auch einen Kulanzantrag stellen.

4. außerdem gibt es viele Agentur-Inhaber die eine Schadensregulierungsvollmacht haben und evt. den Schaden selbst abwickeln.

Wer der Meinung ist, dass er dies selbst erledigen möchte, hängt dann stundenlang in der Telefon-Warteschleife und wird meist auch nicht zu dem richtigen Schadenssachbearbeiter, Gutachter oder zu dessen Vorgesetzten verbunden werden.

Gruß N.U.

Richtig, so sehe ich das eben auch und darum ist meine erste Anlaufstelle auch immer die Agentur, die mich betreut.

Aber es gibt ja einige, die das für unnötig halten und meinen, alles direkt mit der Versicherung regeln zu können.

Können sie vielleicht auch, aber nicht unbedingt zu deren Vorteil.

Direkt mit dem Versicherer, schriftlich und/oder persönlich. Bisher war das bei mir egal bei welchem Problem immer der Weg welcher zum Erfolg geführt hat.

Wie willst du das denn direkt mit dem Versicherer persönlich regeln?

Die Sachbearbeiter haben doch keine Zeit für persönliche Gespräche mit jedem Kunden, der einen Schadensfall meldet.

Und die Frage war ja, was du machst, wenn du mit der Regulierung nicht einverstanden bist.

Was unternimmst du dann?

Natürlich. Entweder geh ich ins Büro vor Ort, oder rufe dort an und werde mit einem Sachbearbeiter verbunden. Und die andere Antwort hab ich doch gegeben - wenn ich nicht zufrieden gibt es Klärungsbedarf und ich wende mich direkt an die Versicherung, hat bisher immer funktioniert. Hierfür über eine Agentur zu gehen käme mir nicht mal in den Sinn.

@GravityZero

Ok, anrufen mag vielleicht noch funktionieren, aber es wäre mir neu, daß die Sachbearbeiter in Schadensabteilungen großer Versicherungen persönliche Sprechstunden vereinbaren.

Und wenn du trotz Anruf nicht weiter kommst bzw. der Sachbearbeiter dort stur bleibt, was machst du dann bzw. an wen wendest du dich dann?

Du sagst, es hat bisher immer funktioniert.

Warum? Weil der Sachbearbeiter ohnehin keine Zicken gemacht hat oder weil du ihn von deiner Sicht der Dinge überzeugen konntest?

Wenn du z.B. die Mitteilung bekommst, daß nicht oder nur mit Kürzungen bezahlt wird, was unternimmst du dann und wie hoch schätzst du deine Aussicht auf Erfolg ein?

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