Wer hat die Rechte an einer Hausarbeit

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Könnte ich eine Lizenz (CC oder andere) auf meine Arbeit machen und diese wäre bindend.

Es ist möglich, der Allgemeinheit eine Nutzungserlaubnis (laut Creative Commons oder entsprechend public domain oder sonst wie) zu erteilen: "Der Urheber kann aber unentgeltlich ein einfaches Nutzungsrecht für jedermann einräumen." UrhG § 32 Angemessene Vergütung Absatz 3 Satz 3.

Aber das ist nicht nötig. Der Urheber hat auch so automatisch sämtliche Urheber-Rechte inne - durch die Schaffung eines Werkes im Sinne von UrhG § 2 Geschütze Werke. Und nur er kann eine UrhG § 31 Einräumung von Nutzungsrechten vornehmen, und er hat automatisch ein nicht abtretbares Anrecht auf eine UrhG § 32 Angemessene Vergütung - außer im Falle von Absatz 3 Satz 3.

Nun sehen aber viele Zulassungsordnungen von Hochschulen vor, dass man durch die Immatrikulation auch jenen AGBs zustimmt, die eine UrhG § 31 Einräumung von Nutzungsrechten zugunsten der Hochschule vorsehen für im Rahmen des Studiums geschaffene Werke - und auch manche Prüfungsordnungen.

Beispiel: "Es wird ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht durch den/die Studierende(n) und die TU Ilmenau vereinbart, d.h. der/die Studierende und die TU Ilmenau sind gleichermaßen berechtigt, die Ergebnisse der Arbeit zu nutzen." Weltweites Web, tu-ilmenau.de/fileadmin/media/ia/studieren/Dozenten/ErklaerungVerwertungsrechteStud.pdf

Solche Einräumungen von Nutzungsrechten sind nicht immer wirksam: "Nach herrschender Meinung sind viele das Urheberrecht des Autors einschränkende Klauseln in Prüfungsordnungen nichtig." http://de.wikipedia.org/wiki/Studienabschlussarbeit

Weiter heißt es da: "Auch darf die Vergabe von Nutzungsrechten nicht zur Voraussetzung für die Prüfung gemacht werden oder sie beeinflussen."

Generell gilt jedenfalls: "„Will die Hochschule […] Rechte an Schutzrechten von Studenten oder Studienabschlussanden erwerben, ist sie, wie jeder Dritte auf vertragliche Vereinbarungen mit den Studenten oder Diplomanden angewiesen“." Winfried Veelken: Schutzrechtsfragen im Hochschulbereich. Studien- und Studienabschlussarbeiten. In: Wissenschaftsrecht. 26, 1993, S. 93–135, hier S. 120. (Zitiert nach: Ebenda.)

Anders als bei einer Einschreibung oder einer Prüfung kann es meines Erachtens aber aussehen, wenn es um eine Projektarbeit geht: Hier sind ja die Interessen des Projekts, der anderen Projekt-Mitarbeiter und der Kooperations-Partner an dem Projekt zu berücksichtigen!

Wenn nun durch die Teilnahme am Projekt konkludent (s. de.wikipedia.org/wiki/Schlüssiges_Handeln) einer UrhG § 31 Einräumung von Nutzungsrechten zugestimmt wurde (oder gar ausdrücklich *schriftlich* oder *mündlich*), muss man schon Gründe finden, weshalb diese Einräumung nichtig sein sollte.

Denn hier steht einem ja - anders als bei einer Einschreibung oder einer Prüfung - in der Regel frei, sich an einem anderen Projekt zu beteiligen, deren Teilnehmer und Veranstalter kein Interesse an der Nutzung deiner Werke haben.

Beispiel: 20 Studenten, ein Dozent und ein Sponsor geben ihr Bestes, im Rahmen des Studiengangs und eines Projekts ein Theaterstück zu verwirklichen. Am Ende ist ein Student unzufrieden mit Irgendetwas und er blockiert damit die Aufführung. Das widerspräche alleine schon dem UrhG § 8 Miturheber:

"Ein Miturheber darf jedoch seine Einwilligung zur Veröffentlichung, Verwertung oder Änderung nicht wider Treu und Glauben verweigern."

Umgekehrt werden Studenten und insbesondere wissenschaftliche Mitarbeiter häufig einfach überfahren und quasi sämtlicher Rechte als Urheber beraubt. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich Dozenten mit den wissenschaftlichen Federn von Studenten und Mitarbeitern schmücken - und dabei verstoßen gegen:

  1. UrhG § 13 Anerkennung der Urheberschaft: Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist.
  2. UrhG § 32 Angemessene Vergütung: (1) Der Urheber hat für die Einräumung von Nutzungsrechten und die Erlaubnis zur Werknutzung Anspruch auf die vertraglich vereinbarte Vergütung. Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, gilt die angemessene Vergütung als vereinbart. (...)

Nummer 2 hier gilt natürlich auch für Studenten, auch für Mitarbeiter an einem Projekt. Dazu lese man aber weiter in UrhG § 32 und der entsprechenden Fachliteratur: Welche Vergütung wäre also angemessen für die Verwendung einer Komposition in einer Vorlesung? (Dass laut Nummer 1 der Urheber, hier also der Komponist, dabei genannt werden muss - so nichts Anderes vereinbart worden war - steht dabei außer Frage!)

Gruß aus Berlin, Gerd

Hallo,

ein großes Dankeschön für diese tolle Antwort.

Es handelt sich eben nicht um ein Projekt, bei dem ich "freiwillig" mitmache. Sondern die Dozentin fordert als ganz normalen Leistungsnachweis einer Vorlesung, dass wir ihre nächste Vorlesung vorbereiten. Da es streng verschult ist, kann ich auch nicht einfach ein anderes Seminar hören. Ich werde also gezwungen ihre Vorlesung vorzubereiten und wenn ich es nicht so mache, wie sie es sich vorstellt, gibt es auch noch eine schlechte Note.

Daher eben die Frage, ob ich rechtlich es hin bekomme, dass ich die Arbeit zum Zwecke der Benotung abgebe, sie diese aber nicht weiter nutzen darf. Sprich nicht einfach meine Stunde halten darf.

Im Prinzip beantwortest du das ja in den letzten drei Absätzen. Ich vermute - leider - dass spätestens wenn sie eine kleinigkeit dran verändert, ich eh nichts ausrichten kann, ohne einen Rechtsstreit zu riskieren. Letzteres wiederum würde ich dann an meinen Noten bemerken :-(

@marionormas
Sondern die Dozentin fordert als ganz normalen Leistungsnachweis einer Vorlesung, dass wir ihre nächste Vorlesung vorbereiten.

Bei uns hieß das früher "Seminar" und jeder Student musste ein sog. "Referat" halten - also im Grunde die ganzen 1,5 Stunden selbst gestalten.

Wir haben dafür einen Seminar-Schein bekommen und waren froh - in anderen Fächern gab es stattdessen Klausuren als Leistungs-Nachweis! Die pragmatische und völlig unjuristische Frage lautet nun: Wobei lernt ein Student mehr - beim Zuhören, Pauken und Klausurenschreiben ... oder beim kreativen Selbststudium mit anschließendem Vortrag plus Diskussion im Seminar?

Nun sind Referate über ein Thema oft schon in der Oberschule Pflicht; in deinem Fall ersparst du dir nun den Vortrag - da waren unsere Studenten ohnehin selten sehr gewandt, manche sogar sehr gehemmt (obwohl ihre Themen-Recherche und Themen-Aufbereitung und -Formulierung oft gelungen war).

Dennoch gab es auch immer wieder Kritik an Uni-Assistenten, die angeblich nichts anderes taten, als Themen an Studenten zu vergeben für Referate, selbst aber überhaupt nichts taten für ihr Gehalt. Dazu kann man sagen: Der Student könnte seine UrhG § 32 Angemessene Vergütung für sein Werk immer noch einfordern: Dazu hat er über drei Jahre Zeit - er kann also warten, bis er sämtliche guten Noten im Tornister hat ;-).

Dieses Abwarten würde ich auch jedem Studenten raten, der zügig und erfolgreich studieren möchte. Alle anderen sollten sofort protestieren und verlangen, dass ihren Wünschen entsprochen wird und Schluss gemacht wird mit der Willkürherrschaft mancher Dozenten.

In der Wirtschaft überlässt man diese Mühe aber selten einem Einzelnen, sondern man gründet gemeinsam einen Betriebsrat, der entsprechende Forderungen besser durchsetzen kann - und nicht von Sanktionen bedroht ist, nicht so sehr (Schutz vor Entlassung usw.)!

An der Uni gibt es entsprechende Gremien meist schon: Der ASTA, sowie diverse Ausschüsse und Gremien, in denen Studentenvertreter reingewählt werden können.

Oder man spielt den Michael Kohlhaas und rennt alleine gegen gewohnte Gebräuche und (auch Macht-)Strukturen an.

Gruß aus Berlin, Gerd

Urheberrechte kann man nicht abtreten. Nutzungsrechte müssen ausdrücklich festgelegt werden.

Aus deiner Frage kann ich allerdings nicht herauslesen, dass hier etwaige Urheberrechte verletzt sein sollen, insbesondere Zitate sind zulässig, vgl. § 51 UrhG.

Aber Zitate müssten dann ja auch so benannt werden. Also wenn teile meiner Hausarbeit hinterher genutzt wird (Wenn eine Dozentin meine Hausarbeit - die ja eine Vorlesung ist - nutzt, ist das dann kommerziell?) muss dann genannt werden, dass dieser Teil von Mario kommt?

Dankeschön

@marionormas

Das kommt auf die Art der Nutzung an. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn jemand ein Buch list und dann jemand anders den Inhalt erzählt.

Was möchtest Du wissen?