Weiterbildung zum Buchhalter nach Ausbildung zum Industriekaufmann?

3 Antworten

Ich habe zwei Bildungswege gesehen, die statistisch am häufigsten vorkommen:

Kaufmännische Ausbildung (idR. Industriekaufmann oder Groß- u. Außenhandelskaufmann) - einige Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaft sammeln - Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter.

Steuertechnische Ausbildung (Steuerfachangestellter) - einige Jahre Berufserfahrung beim Steuerberater - Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter

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Die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ist qualitativ sehr hochwertig. Wenn du stattdessen aber an eine Stelle zum Industriekaufmann rankommst, ist diese zu bevorzugen, da man dort noch Kenntnisse über Produktionskosten und -kalkulation vermittelt bekommt.

Ich habe das dreijährige berufliche Gymnasium Schwerpunkt Wirtschaft belegt - im Nachhinein ein Riesenglückstreffer, da ich dort wesentliche Aspekte der Buchhaltung, Kosten- u. Leistungsrechnung und Investitionskalkulation vermittelt bekommen habe. Das hat mir den späteren Einstieg in den Bilanzbuchhalter enorm erleichtert.

Die zweijährige Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung ist da dann bestimmt auch nicht schlecht.

Es gibt dann noch so Zwischenweiterbildungskurse wie Buchhalter, Finanzbuchhalter, Buchführungskraft... (die Liste der Namen ist lang). Die sind für mich weder Fisch noch Fleisch. Wenn du beim Industriekaufmann aufgepasst und ordentlich gelernt hast, dann kannst du das in Grundzügen schon und brauchst nur ein wenig Praxis. Das einzig begrifflich festgenagelte Berufsbild ist der Bilanzbuchhalter. Da hältst du dann ein richtiges Zertifikat in den Händen und nicht nur eine bloße Kursbescheinigung.

Bilanzbuchhalter haben es bei der Jobsuche wesentlich leichter, haben höhere Einstiegsgehälter und die Option, später Abteilungs- und Personalverantwortung zu übernehmen.

Die IHK urteilt selbst über ihre Bilanzbuchhalterprüfungen, sie sei die schwerste, die die IHK anbietet.

Das ist sie auch! In den drei Jahren der Weiterbildung musst du die freie Zeit dafür verwenden, um zu büffeln und zu üben. Du kannst dir keine Schleiferei leisten. Hast du eine Woche nicht gelernt, kommt schon ein neues Thema dazu, dass du lernen musst, und hast es um so schwerer, den alten Stoff nachzuholen.

Die drei Prüfungsabschnitte sind sauschwer. Unter enormen Zeitdruck und Stress sollst du komplexe Sachverhalte erfassen, interpretieren, Rechtsgrundlagen präzise benennen (Paragraph, Absatz, Nr, Buchstabe, Satz!) und gedanklich Querverbindungen und Ausnahmen zu anderen Paragraphen schlagen können.

Das sieht dann statistisch so aus:

Im Prüfungsteil A fallen im ersten Anlauf 40% durch. Diese gehen in die Nachprüfung, von denen schaffen dann idR nochmal 75% die Nachprüfung.

Im Prüfungsteil B (die meisten haben nun den Ernst der Lage begriffen) fallen im ersten Anlauf 20 - 30% durch. Die Nachprüfung schaffen von denen nochmal geschätzt 50%, vom Rest gehen nochmal einige in die zweite Nachprüfung und der verbleibende Rest geht in die zweite Nachprüfung.

Im Prüfungsteil C - der mündlichen Prüfung - fallen nur noch so um die 10% im ersten Anlauf durch; meist weil sie einfach den Stress frei zu reden nicht bewältigen. Auch ist C im Vergleich nicht so schwer.

Oder andere Zahlen:

Aus unserem Bilanzbuchhalterkurs von anfangs 28 Leuten, haben nur fünf alle Prüfungen im ersten Anlauf bestanden (den "BiBu-Durchmarsch" exerziert). Und nur bei einem von diesen fünfen würde ich die Hand ins Feuer legen, dass das absehbar war. Die anderen vier haben mehr oder minder Glück gehabt).

Aber: Rechnet man die heraus, die vorher aus beruflichen oder familiären Gründen abgebrochen haben; haben nach Absolvieren etwaiger Nachprüfungen letzenendes doch 80-90% den BiBu gemacht.

Du hast also als erstes, das Berufliche Gymnasium in Wirtschaft besucht, daraufhin hast du eine Ausbildung begonnen oder wie war das?

@Allwissenheit

Und dann habe ich einen Job als Buchführungsfachkraft bekommen und nach dreizehn Jahren den Bilanzbuchhalter gemacht.

Der Fehler hier war, dass ich den BiBu nach drei Jahren hätte machen sollen und können.

Es gibt wenig kaufmännische Berufe die wirklich was taugen. Industriekaufmann bietet absolut gute Voraussetzungen. Das bedeutet aber auch: Den geprüften Buchhalter brauchst Du nicht. Das immer der qualifizierteste Abschluss gilt, dann wäre das der Gang rückwärts.

Wenn Du wirklich so viel Spaß an der Buchhaltung entwickelst, dann kann man über die Fortbildung zum Bilanzbuchhalter nachdenken. Das wäre noch ein Schritt nach vorne. Der meines Wissens in der Industrie auch honoriert wird.

Also mache zuerst die kaufm. Ausbildung und schließe erfolgreich ab. Dann schaust du, dass du in der Finanzbuchhaltung eingesetzt wirst. Dort eignest du dir 2 - 3 Jahre praktische Kenntnisse an und dann machst du den Bilanzbuchhalterkurs bei der IHK und machst die Prüfung, diese ist nicht einfach, man muss sich schon gut vor- bereiten. Danach hast du ziemlich gute Chancen in der Industrie. Ich habe das auch mal so gemacht, habe Cobol und C Programmierer Abschluss gemacht, dann habe ich noch bei der VWA meinen Betriebswirt gemacht. Ich habe nebenbei in der Firma ein ERP-System programmiert und aufgebaut. Ich war Finanz- und EDV-Leiter in einem mittelständischen Betrieb mit ca. 1500 MA. Später habe ich meinen eigenen Software-Betrieb gegründet und diesen erfolgreich bis zur meiner Rente geführt.

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