Was tun wenn der Arbeitgeber weniger Lohn zahlt, weil man krank war?

2 Antworten

Wenn Dein Arbeitgeber Dir aufgrund der Krankentage tatsächlich weniger Lohn gezahlt hat, also Du normalerweise bekommen hättest, dann hat er einen eindeutigen Gesetzesverstoß begangen.

Du hast auch bei Erkrankung bis zu 6 Wochen Anspruch auf den Lohn, den Du bekommen hättest, wenn Du Deiner Arbeit nachgegangen wärst.

Voraussetzung für diese Einschätzung ist auch, dass die Lohnzahlung nicht schon teilweise durch die niedrigere Krankengeldzahlung der Krankenkasse nach 6 Wochen ersetzt worden ist.

Fordere ihn mit Verweis auf das Entgeltfortzahlungsgesetz EntgFG § 3 "Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall" Abs. 1

Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne daß ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.

schriftlich zur unverzüglichen Nachzahlung des Fehlbetrages auf, da Du ansonsten Deine Ansprüche juristisch geltend machen würdest.

Unter Umständen (über Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder evtl über einen Tarifvertrag) sind dabei möglicherweise sehr kurze Ausschlussfristen zu beachten, bei deren Überschreitung Dein Anspruch verfällt.

Die Rechtsantragstelle des zuständigen Arbeitsgerichtes nimmt eine Klage zur Niederschrift auf und hilft auch kostenlos bei der Abfassung; ein Anwalt ist in dieser Instanz zur Vertretung nicht zwingend erforderlich.

Danke schon einmal für deine reichhaltige Antwort ! :) Mich betrifft es zum Glück nicht, aber was für Maßnahmen sollte man für den nächsten Arbeitstag treffen?

@stuffykoe

Zunächst muss man selbstverständlich wieder "normal" zur Arbeit erscheinen.

Natürlich ist es dann sinnvoll, erst einmal das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu führen, um die Sachlage zu klären und ihn zu veranlassen, sich gesetzeskonform zu verhalten.

Dabei wird ja dann erkennbar sein, wie sich der Arbeitgeber zu den - berechtigten - Ansprüchen verhält: Zeigt er sich "uneinsichtig", verweigert also die nach dem Gesetz zwingend vorgeschriebene volle Bezahlung während der Krankenzeit, muss ihm schriftlich und ultimativ die Forderung angemeldet werden mit der Androhung einer Klage im Falle der Weigerung. Damit darf man sich unter Umständen wegen möglicher Ausschlussfristen nicht all zu lange Zeit lassen, weil dann nämlich die Ansprüche evtl verwirkt sein können und eine Klage dann aussichtslos ist.

So weit die Theorie ... Aber "Recht haben" und "Recht bekommen" sind oft zwei verschiedene Dinge - und in der konkreten Konfrontation mag es für sehr viele Arbeitnehmer nicht leicht oder sogar unmöglich sein, ihrenm Forderungen Nachdruck zu verleihen und sie durchzusetzen.

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