Was macht ein Versicherungsvertreter den ganzen Tag in seiner Arbeit?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ich habe gehört, dass Versicherungsvertreter auch einmal gerne 3000 oder sogar 6000 Euro im Monat verdienen

Also in den besten Jahren meiner Ausschließlichkeit bei der HM in den Jahren 2008 und 2009, hätte ich bei einem Einkommen unter 10.000 € pro Monat sehr ernste Mitarbeitergespräche geführt und mich gefragt was in meinem Laden falsch läuft.

Wenn du die Spitze eines Karrieresystems erreichst und nicht jeden Monat 5- tw. 6-stellig verdienst, läuft etwas gewaltig falsch. Wobei 6-stellig wirklich extrem selten ist.

Auch heute als Makler mit Geschäftspartnern und Angestellten komme ich, wohlgemerkt inkl. Geschäftsführergehalt aus dem Bereich Immobilienvertrieb und Gewinnausschüttungen der GmbH, auf meist 10.000 bis 12.000,- € vor Steuern im Monatsschnitt.

was müssen sie dafür machen ?
  • Neukundenaquise (Telefonieren, Angebotserstellung, Datensatzauswertung, Marktvergleich)
  • Bestandsbetreuung (Check-Up, Bedarsänderungen ermitteln, Empfehlungen sammeln)
  • Terminplanung
  • Weiterbildung (15 - 30 Stunden pro Jahr nachweislich sind Pflicht)
  • Controlling und Einarbeitung, wenn es Untervermittler gibt
  • Zielvereinbarungs- und Kontrollgespräche führen
  • Je nachdem wie das Büro besetzt ist kommen auch Innendienstaufgaben dazu (Post, Email, Einkauf für Büro)
  • Es gibt gewisse Aufgabenfelder, die man als Makler hat und als Vertreter nicht und umgekehrt. Ich darf z.B. alle Jahre wieder Courtageverhandlungen führen mit Versicherern. Und da ich auf unseren Immovertrieb führe muss ich auch hier dafür Sorgen, dass der Laden läuft, wir immer genug Objekte im Bestand haben.
Sitzen dann Versicherungsvertreter den ganzen Tag am Telefon und rufen irgendwelche Menschen an, um ihnen eine Versicherung zu verkaufen ?

Das ist Kaltaquise und das ist im B2C Geschäft verboten und im B2B Bereich (Gewerbeabsicherung, Kfz-Flotte, bAV, bKV) nur eingeschränkt möglich.

Da haben einige in der Branche echt Probleme mit an Kontakte zu kommen. Leads, Werbung, Empfehlungsmarketing, Direktansprache... Lösungen gibt es schon. Manche mehr, manche weniger ergiebig.

Ich für meinen Teil arbeite hauptsächlich aus dem Bestand heraus. Kunden sind zufrieden, ich sehe sie einmal im Jahr, ich will Empfehlungen haben. Empfehlung heißt

  • Kontakt
  • der weiß wer ich bin
  • dessen Nummer ich bekomme
  • nebst Anruferlaubnis
Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Also dann haben die größeren Versicherungsagenturen schon große Kundenlisten die sie dann jährlich abklappern können und dann versuchen die Versicherungsmakler andere Kunden dazu zu bewegen, Adressen von Freunden weiterzugeben ?

@KurzeFrage174

Empfehlungsmarketing ist eine Schiene die auf beiden Vertriebswegen läuft, man muss nur wissen wie um das UWG zu umschiffen und nicht in der Haftungsfalle zu landen.

Der Unterschied zwischen Makler und Vertreter ist, dass der Verteter Auge und Uhr des bzw. der von ihm vertenen Versicherungen ist. Diese sind sein/e Auftraggeber und betrauen ihn damit Versicherungsverträge zu vermitteln.

Ein Makler ist Sachwalter des Kunden und hat die Aufgabe diesem für ihn passenden Versicherungsschutz bei in Frage kommenden Gesellschaften zu vermitteln.

Beide haben die vermittelten Verträge und Kunden zu betreuen. Bei Fragen, Änderungen und im Schadenfall, denn davon lebt man langfrisig, Stichwort Bestandspflegeprovision/-courtage. Hinten raus geiler als jede Abschlussvergütung.

Meine ersten Kunden stammtem aus meinem Umfeld

  • ich selbst
  • Familie
  • Freunde
  • Bekannte
  • Kollegen

Die Menge dieser Leute ist ja doch relativ endlich. Mehr als 200 warme Kontakte sind das selten, also was machen?

Bevor ich rumlaufe und in der Stadt irgendwelche Deppen an der Bushalte anquatsche, mach ich Folgetermine bei den 200

  • bei den Menschen die Kunden geworden sind zwecks Check-Up und Empfehlungen. Wer nicht beim Erstgespräch mir erklärt mich Empfehlungen geben zu wollen bei voller Zufriedenheit mit der Arbeit, wird auch nicht Kunde, weil gestörtes Vertrauensverhältnis, erhöhte Stornogefahr. Hab ich keinen Bock drauf.
  • bei den Menschen, die NICHT Kunden geworden sind. Auch bei denen können sich Dinge verändert haben und die Entscheidung heute anders aussehen.
  • Bei den Menschen, die ich als Empfehlungen bekommen habe und so geht es weiter. Irgendwann ist der Bestand so groß, dass du ihn nicht alleine managen kannst. Gut dass aber auf diese Weise auch 2 Geschäftspartner entstanden sind (einen hab ich aus meiner HM-Zeit mitgebracht). Heute betreuen wir als Team über 1.500 Kunden, die allermeisten exklusiv, denn ich teile meine Kunden nicht mit anderen Vermittlern/Vetrieben.
@kevin1905

Ah, ok. Wenn du erstmal allen Freunden und Bekannten eine Versicherung angeboten hast, sind dann nicht viele aus deinem Umfeld auf Distanz gegangen ?

Weil man hört ja immer von den Networkmarketing-Leuten, die dann ihre Produkte erstmal ihrer Familie verkaufen und wenn alle Freunde und Verwandte abgeklappert sind, dann haben sie keine Kunden mehr und oft sind die Freunde dann auch weg ?

@KurzeFrage174
Wenn du erstmal allen Freunden und Bekannten eine Versicherung angeboten hast, sind dann nicht viele aus deinem Umfeld auf Distanz gegangen ?

Nö. Warum sollten sie.

Es war allerdings schwerer damals in der Ausschließlichkeit als es heute ist. Mittelpunkt war immer meine Dienstleistung, die aktive Betreuung.

Es hängt aber auch von der Art der Terminvereinbarung ab. Jemanden anquatschen von wegen: "Ich wollte mit dir mal über deine Versicherungen sprechen", ist natürlich nicht ergiebig.

Wenn du als Unternehmer nicht fähig bist, dich in dein Gegenüber hineinzuversetzen, taugst du allgemein als Unternehmer nichts.

Weil man hört ja immer von den Networkmarketing-Leuten, die dann ihre Produkte erstmal ihrer Familie verkaufen und wenn alle Freunde und Verwandte abgeklappert sind, dann haben sie keine Kunden mehr und oft sind die Freunde dann auch weg ?

Und mit wem haben den Leute wie Bill Gates, Warren Buffett, etc. die ersten Geschäfte gemacht? Im engsten Umfeld. Das ist nicht das Problem. Mögliche Probleme liegen woanders.

  1. Wie ist mein Produktportfolio? Schaffe ich einem Menschen dadurch wirklich einen messbaren Mehrwert, sind diese konkurrenzfähig? Wenn nicht, falscher Job, sofort was anderes suchen.
  2. Ich wiederhole mich langsam aber es ist, wie es ist: Empfehlungsmarketing.
@kevin1905

Ok, dann kommt es darauf an, wie man dem anderen sein Produkt verkauft und ob man bei dem anderen einen wirklichen Bedarf deckt. Und natürlich muss das Produkt, dem anderen einen wirklichen Mehrwert bieten.

Fahren eigentlich deine Mitarbeiter teure Autos, denn ich habe gehört, dass man als Versicherungsvetreter ein repräsentables Fahrzeug braucht, damit die Kunden eher kaufen ?

@KurzeFrage174

Mitarbeiter = Angestellte?

Die werden nach Tarifvertrag bezahlt, bekommen darüber hinaus aber auch gewisse Zuschüsse von mir, unterm Strich also übetariflich.

Ich glaube eine/r fährt Polo, der andere Golf, die eine kommt mit dem Zug, fährt also gar kein Auto und unser Halbtagsmensch, weiß ich ehrlich gesagt aus dem Kopf nicht.

Meine Geschäftspartner fahren einen BMW 530, der andere einen VW Phaeton und der Dritte einen Audi A4. Ich hab glaube ich mit meinem Toyota Auris das "kleinste" Auto unter den Außendienstlern.

@kevin1905

Haha, ok. Ich habe einmal ein Video von Karl Ess auf YouTube gesehen. Er meinte, dass wenn man große Aufträge an Land ziehen möchte, dann muss man nach Wohlstand und Erfolg aussehen. Ein Mercedes für draußen und die teure Uhr ist dann praktisch das Status-Symbol für drinnen.

@KurzeFrage174

Das kommt drauf an. Es kann in meiner Branche auch böse nach hinten losgehen. Einige Menschen haben auch die Einstellung: "Den nächsten Porsche bezahl ich dem nicht", und dann ist der Termin für die Katz weil direkt Antipathie herrscht.

Gehoben aber nicht abgehoben. Ferrari macht Spaß aber nicht geeignet für den Neukundentermin.

Ich kann mir jedes Auto mieten, wenn ich will und meine Rolex Oyster Perpetual Datejust aus Weißgold (quasi mein Abschiedsgeschenk aus der HM) die hab ich noch und manchmal trag ich sie sogar, ansonsten tut es die Holzkern.

@kevin1905

Sehe ich auch so. Bei unseren Nachbarn wurde umgebaut und davor hat sich bei ihnen ein Architekt vorgestellt mit einem neuen Audi Q7 Jeep. Ich habe mir nur gedacht, dass ich den nicht nehmen würde, weil ich sonst seinen neuen Audi mitbezahlen müsste und dass das dann sicher teuer wird.

Ich habe einmal vor Jahren einen Versicherungsmakler in einem Fittnesscenter kennengelernt, der hat mich und meine Freunde angesprochen. Aus neugierde sind wir dann auch alle mit in sein Büro gegangen. Er meinte das Büro hätte einen ehemaligen Staranwalt gehört und in seinem Zimmer standen überall teuere Sektflaschen und andere hochwertige Geschenke die er von Versicherungen bekommen hatte.

Er wollte sich wohl ein Team aufbauen und er wollte dass wir auf bestimmte Seminare gehen. Uns war das Ganze dann aber zu komisch, auch weil er uns nicht genau gesagt hat, wie wir dann letzten Endes das Geld verdienen sollen. Unsere Eltern haben dann gesagt, dass der möchte, dass wir Versicherungen und an unser Umfeld verkaufen und dass sie schon viele kennen würden, die sich damit viele Beziehungen kaputt gemacht haben. Naja, wir sind dann nicht mehr hingegangen.

Er fuhr einen Golf R und kaufte sich dann für 32 tausend Euro einen gebrauchten getunten Audi.

Ich glaube mittlerweile gibt es sein Büro nicht mehr und was aus ihm geworden ist, dass weiß ich auch nicht.

Sitzen dann Versicherungsvertreter den ganzen Tag am Telefon und rufen irgendwelche Menschen an, um ihnen eine Versicherung zu verkaufen ?

Ein Versicherungsvertreter darf nur Menschen anrufen, die bereits bei ihm eine Versicherung abgeschlossen haben und eine Änderung zu diesem Vertrag sinnvoll ist.

Ansonsten wird er seine Kontakte spielen lassen um Kunden zu finden, oder in Vereinen bzw. Firmen Vorträge halten zu können.

Nur um als Versicherungsvertreter tätig zu werden, müssen sie eine Ausbildung machen, die erforderliche Prüfung bestehen, bei der Industrie und Handelskammer im Vermittlerregister eingetragen werden, eine Vermögensschadenshaftpflicht abschließen. Und wenn dies alles erfolgt ist, dürfen sie Kunden suchen und versichern.

https://www.vermittlerregister.info/recherche

Und bitte auch nicht vergessen, der Versicherungsvermittler haftet für eine Falschberatung und ist zwischenzeitlich bis 3 bis 10 Jahre in der Stornohaftung, wenn ein Versicherungsvertrag aus welchen Gründen auch immer vom Versicherungsnehmer gekündigt wird.

Außerdem sollte ein Versicherungsvermittler mindestens 5.000 € mtl. Einkommen haben, denn er hat eine große Menge mtl. Ausgaben wie z.B. Portokosten, Büromaterial, Mitarbeiterkosten, Gewerbe- und Einkommensteuer, evt. Büromiete, Benzinkosten, Versicherungsbeiträger usw. usw.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Habe auch gehört, dass viele Versicherungsvertreter ein großes Auto fahren sollen, damit sie einen hohen Status ausstrahlen. Denn Kunden kaufen ungern von Leuten mit einem geringeren Status. Stimmt das ?

@KurzeFrage174

Ich habe einige Versicherungsvertreter kennen gelernt, die nach 4 Wochen mit einem Mercedes 350 SL ankamen. Nach weiteren 2 Monaten konnten sie die Raten nicht mehr zahlen, da die erhofften Provisionen ausblieben.

Ein Rat für dich. Wer bescheiden bleibt, hat meist mehr Erfolge, da ihn die Kunden auch ernst nehmen.

Was macht ein Versicherungsvertreter den ganzen Tag in seiner Arbeit?

Dies kommt drauf an... ist er angestellt oder selbstständig, ist er im Innendienst oder im Aussendienst, ist er Gruppenleiter oder Instruktor usw. usw. usofort...

...dass Versicherungsvertreter auch einmal gerne 3000 oder sogar 6000 Euro im Monat verdienen, was müssen sie dafür machen?

Also wenn dies bei einem selbstständigen Versich.vermittler immer der Fall sein sollte, dann kann er sofort Konkurs anmelden: er muß ja schließlich seine ganzen privaten Absicherungen für Rente u. Berufsunfähigkeitsschutz, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Vermögensschadenhaftpflicht, die ganzen Unterhaltskosten für das Kfz und... und... und... selbst aufbringen!

Da bleibt doch nichts mehr zum Leben bei einem Einkommen zwischen 3000€ bis 6000€ :-((

Sitzen dann Versicherungsvertreter den ganzen Tag am Telefon und rufen irgendwelche Menschen an, um ihnen eine Versicherung zu verkaufen?

Wenn diese Menschen bereits Kunde sind, ja evtl.

Jedoch ist bei Neukunden die unerlaubte Telefonwerbung zu beachten:

https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Verbraucher/UnerlaubteTelefonwerbung/unerlaubtetelefonwerbung-node.html

Da sind ganz schnell mal 10.000€ Strafe fällig - im schlimmsten Fall sogar bis 300.000€ :-((

Was müssen sie für ihr Geld machen?

Angebote für Versicherungen ausarbeiten und Versicherungen vermitteln und betreuen, neue Kundenbeziehungen aufbauen und Kundenkreise ausweiten, Aktionen starten und betreuen usw. usw.

Gruß einer ehem. Versich.maklerin

Hallo, danke. Darf ich fragen warum ehemalig und wie weitet man Kundenkreise aus ?

@KurzeFrage174

Ich bin im wohlverdienten Ruhestand und war über 25 Jahre im Versich.geschäft als Quereinsteigerin tätig; mal selbstständige Versich.vermittlerin u. Hauptagenturinhaberin, dann mal angestellt im Versich.maklerbüro und zuletzt als selbstständige Versich.maklerin tätig.

Also unter Kundenkreise ausweiten verstehe ich z.B. bei Ausbildungsbeginn die Azubis der Familien beraten, vermitteln und betreuen oder beim Kfz in den Familien die Kundenkinder mit einbinden usw.

Und natürlich durch Empfehlungen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis - ganz ganz wichtig!

@siola55

PS: Also als selbstständiger Versich.vermittler solltest du nicht unter 10.000€ mtl. Einnahmen haben - so meine Erfahrungen!

"Irgendwelche" Leute anrufen dürfen sie überhaupt nicht. Das nennt man "Kaltakquise" und diese ist verboten.

Ja, ich glaube dass das heute immer noch viele machen, einfach weil es sehr lukrativ ist und seltene Abmahnungen werden dann einkalkuliert.

@KurzeFrage174

Das kann ein Bußgeld von 50,.000 € einbringen. Dafür muss er dann aber viele Leute "überzeugen"

@DerHans

Ok, naja, viele rufen auch aus der Türkei an. So geht ;) Naja, vielleicht arbeiten auch viele hier in Deutschland mit Network-Marketing Methoden, dass sie Menschen finden, die dann wiederum Versicherungen an andere verkaufen.

Ich sehe schon, wenn wirklich viel Geld verdient wird, dann arbeiten die wohl auch in einer Grauzone

@Apolon

Ja, aber ich habe es mal in einem Fernsehbeitrag gesehen, dass viele als Subunternehmer von deutschen Versicherungen, von der Türkei aus anrufen und von dort kann man wohl eher ungestraft Cold-Calls machen.

@Apolon

Hier ist der Artikel mit unerlaubten Telefonanrufen aus der Türkei. Ich glaube die haben auch für Eon gearbeitet. Dort wurden jetzt aber Bußgelder verhängt, weiß allerdings nicht, ob hier auch Versicherungen verkauft wurden. http://www.energie-chronik.de/181204.htm

Ja, der Mehmet Göker darf wohl noch nicht nach Deutschland zurück, ich glaube in einem Jahr ist dann alles verjährt. Er hat ein paar interessante Interviews auf YouTube gegeben.

Was ich mich allerdings frage, womit er momentan sein Geld verdient. Vielleicht verkauft er jetzt Versicherungen an Türken.

Macht bestimmt nicht jeder durschnittliche Versicherungsvertreter. Unserer kommt immer in seinem Maserati zum Heim-Termin - vertritt aber nur Ärzte, der weiß warum... 😉😂

Der Maserati ist aber auch nur geleast. Den kannst du kaum pfänden lassen, wenn der "Berater" dich betrogen hat.

@DerHans

So genau kenn ich den Berater nun auch nicht persönlich - macht gefühlt aber auf dicke Hose... 😉

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