Was heißt "grob fahrlässig"?

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Hallo Alibert,

"Grobe Fahrlässigkeit" ist ein Fachausdruck aus der Rechtssprache. Er bedeutet, daß sich jemand so unvorsichtig verhalten hat, daß eigentlich jedem klar sein mußte, daß etwas Schlimmes passieren kann (oder wird). Läßt man z.B. ein teures Auto, mit offener Tür und steckendem Zündschlüssel allein in einem schlechten Viertel stehen, ist es relativ wahrscheinlich, daß das Auto geklaut wird.

Weitere Beispiele für Grobe Fahrlässigkeit sind:

  • Haustüre nicht abgeschlossen und Wohnung verlassen.
  • Herdplatte angelassen, aber Wohnung verlassen.

Entsteht ein Schaden, weil man sich dermaßen unvorsichtig (oder fahrlässig) verhalten hat, muß ihn die Versicherung nicht bezahlen, oder nur teilweise bezahlen. Außerdem kann die Versicherung den Vertrag kündigen, weil sie ja damit rechnen muß, daß jemand der sich einmal extrem leichtsinnig verhalten hat immer wieder Dummheiten begehen wird (und dabei weitere Schäden anrichtet).

Manche Versicherungen bieten dies als Sonderleistung (Premium und Komfort Tarif) an auch trotz grober Fahrlässigkeit zu bezahlen. Wenn das so ist, steht das immer ausdrücklich in den Versicherungsbedingungen.

Damit man besser einschätzen kann, wann man fahrlässig handelt, nennt die Versicherung im Versicherungsvertrag immer Pflichten, die der Versicherte erfüllen muß. Diese Sorgfaltspflichten heißen in der Fachsprache der Versicherungen „Obliegenheiten“. So muß man zum Beispiel, wenn man eine Hausratversicherung abschließt einen Rauchmelder installieren. Hatte man keine Rauchmelder und es brennt, muß die Versicherung nicht bezahlen. Bei Abschluß einer Versicherung sollte man sich gründlich darüber zu informieren, welche eigenen Pflichten erfüllt werden müssen.

Weitere  Informationen hierzu findest du auch unter

https://www.allsecur.de/glossar/kfz-versicherung/obliegenheiten/?AZMEDID=Koop_KFZ.Versicherung_KA-NN_PA-gutefrage_TP-Paradeantworten

Mit freundlichen Grüßen

Martin von der AllSecur 

Wenn die Unterscheidung in "grob" und "leicht" fahrlässig in jedem Fall so einfach wäre, würden Gerichte sehr viel Arbeit sparen. Das hängt von jedem Einzelfall ab.

Def:Wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt im groben Maßen verletzt. Man hat also die Rechtsgutverletzung (z.B. Sachbeschädigung) nicht gewollt (sonst Vorsatz), aber man hätte problemlos erkennen können, dass man das Rechtsgut gefährdet und sich trotzdem nicht am Riemen gerissen. Da auch die Definition viel Auslegungsraum zuläßt, findest Du im Allgemeinen nur in der Rechtsprechung genauere Angaben (vergleichbare Fälle). Hier lohnt es sich auch oft, seinen Versicherungsmakler zu fragen, wie man den Versicherungsfall schildert, dass er nicht grob fahrlässig ist und deswegen nicht von der Versicherung übernommen wird. Grob fahrlässig ist z.B. einen Tannenbaum mit brennnenden Kerzen im Zimmer zurückzulassen, um mit dem Hund Gassi zu gehen oder alkoholisiert ein Fahrzueg zu führen.

"Einfache" Fahrlässigkeit liegt vor bei einer leichten, nachvollziehbaren Unaufmerksamkeit, wenn etwa ein Fussgänger einen Schritt zur Seite auf den Radweg tritt und dadurch einen Radfahrer zum Sturz bringt.

"Grobe" Fahrlässigkeit liegt vor, wenn man sehenden Auges etwas riskantes tut, also etwa zu schnell durch eine verkehrsberuhigte Zone "brettert" und dabei einen Unfall verursacht.

Leider gibt es, von Extremfällen abgesehen, keine sichere Vorhersagen dazu, wie ein Gericht den einzelnen Fall beurteilen wird - es gibt -zigtausende unterschiedliche, sich teils widersprechende Urteile.

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