Was bedeutet „von der Steuer absetzen“ + Beispiel?

2 Antworten

Also dein Beispiel ist nicht so gut, unter 1000 Euro zahlt man gar keine Steuern und 40 % ist wohl etwas viel. Und es fehlen die Sozialversicherungen beim Abzug.

Nehmen wir also mal 2000 brutto und einen Steuersatz von 20%, am Jahresende 25 000 Euro mit Weihnachtsgeld. Davon geht erst mal der Grundfreibetrag ab, der ändert sich jährlich etwas, ist derzeit bei ca. 8800 Euro. Die werden nicht versteuert.

Nun geht es noch ans Absetzen. Erst einmal kann man einen Teil seiner gezahlten Sozialversicherungen absetzen. Und dann die Fahrkosten, 450 Euro sind da allerdings witzlos, denn jeder Arbeitnehmer hat eine Pendlerpauschale von 1000 Euro. Die 1000 Euro werden monatlich eh bereits berücksichtigt beim Gehalt. Bei 450 Euro würden vom Einkommen also 1000 Euro abgehen.

Nehmen wir daher mal an, du hast 25 km einfache Fahrt x 220 Tage x 0,30 Euro. Also kannst du 1650 Euro absetzen.

Weiterhin kann man noch Fortbildungskosten absetzen, haushaltsnahe Dienstleisungen (Wartung und Reparaturen im Haushalt, z.B. Schornsteinfeger oder Waschmaschinenreparatur)und hohe Gesundheitskosten (z. Brille oder Zahnersatz), auch Scheidungskosten.

Am Ende bekommt man dann das zu versteuernde Einkommen, wenn man alles abgezogen (abgesetzt) hat. Sagen wir mal, am Ende würden 12000 Euro übrig bleiben, die zu versteuern wären. Bei 20 % wären das dann 240 Euro Steuern, die zu zahlen wären.

Beim monatlichen Abzug beim Einkommen wird der Freibetrag, die 1000 Euro Pendlerpauschale und die Absetzbarkeit der Sozialversicherungen bereits berücksichtigt, man zahlt also bereits weniger Steuern.

Beim Jahresausgleich kann man dann höhere Fahrkosten und sonstige Kosten (Fortbildung usw.) zusätzlich absetzen und kriegt dann etwas an Steuern raus (nicht die Fahrkosten, nur die Steuern, die man darauf gezahlt hat).

Bei deinem Beispiel zahlst du gar keine Steuern(1000 Euro), da kannst du auch nichts zurück bekommen. Weiterhin, wenn du nur 450 Euro Fahrkosten abzusetzen hast, gibt es auch nichts zurück, denn du hast ja 1000 Euro Pauschale bereits angerechnet bekommen.

Absetzen bedeutet, dass man auf diese Kosten keine Steuern zahlen muss. Keiner bekommt Fahrkosten oder Fortbildungskosten zurück. Wer keine Steuern zahlt, kriegt auch nichts zurück.

Auch die Sozialversicherungen (Rente, Krankenkasse, Pflege, Arbeitslosenversicherung) gibt es nicht zurück.

In Deinem Beispiel bekommst Du nicht die gesamten Straßenbahnkosten zurück. Du musst nur die Kosten für die Straßenbahn nicht versteuern und bekommst somit 40 % der 480 € zurück.

ich glaube nicht das das beispiel mit dem straßenbahnkauf hier weiterhilft..

Also heißt von der Steuerabsetzen das ich auf die jeweilige Dienstleistung/Sache keine Steuer zahlen muss, aber den restlichen Betrag? Sprich ich muss mir ein bestimmtes Schulbuch kaufen was 100€ kostet und diese 100€ zahle ich auch erstmal. Am Ende des Jahres bekomme ich aber die 19% Mehrwertsteuer zurück (habe also nur 81€ gezahlt). Oder werden 40% Steuern abgezogen, wenn meine Steuerklasse grundsätzlich 40% von meinem Gehalt abzieht? Demnach würde ich für das Buch ja nur noch 60€ zahlen (bzw. 40€ zurückbekommen).

@Lauraxo99

Die 19% Mehrwertsteuer musst Du als Privatperson zahlen und bekommst sie nicht zurück.

Wenn Du das Buch für die Berufsausbildung (oder Berufsausübung) brauchst, dann würdest Du hier auch wieder die 40 % Steuersatz erstattet bekommen.

Bzw. eigentlich ist es etwas anders. Es wird nicht für jeden Einzelposten die Steuer abgezogen und erstattet, sondern die ganzen abzusetzenden Kosten werden vom Einkommen abgezogen und dann auf das verbleibende Einkommen die Steuern berechnet.

Die Zuviel bezahlten Steuern werden dann zurückerstattet. Durch die Steuerprogression kann es dabei noch dazu kommen, dass man dann eine niedrigere Steuerklasse hat und noch mehr erstattet bekommt.

@Lauraxo99

Bitte Umsatzsteuer und Einkommensteuer nicht in einen Topf hauen.

@emib5

Ok das macht jetzt Sinn! Vielen dank! :-) Eine letzte Frage habe ich allerdings noch, wir sprachen jetzt ständig von einem Steuersatz um die 40%. Im Internet habe ich gelesen das der Steuersatz in der Regel nur vom Einkommen und der Lebenslage (Ledig, verheiratet etc.) abhängig ist. Ist das richtig? Ich dachte immer das richtet sich nur danach ob man verheiratet ist und Kinder hat, demnach dann z.B. in der Steuerklasse I ist und sagen wir 20% zahlen muss. Aber scheinbar ist es komplexer und stark abhängig vom Verdienst und nicht pauschal zu sagen, welchem Steuersatz man zahlen wird/muss...?

@Lauraxo99

Ja, der Steuersatz ist u. a. noch abhängig von der Höhe des zu versteuernden Einkommens. Und ggf. noch von der Einkunftsart.

Vereinfacht geschrieben: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz.

@Lauraxo99

Mit der Mehrwertsteuer hat das nicht zu tun. Dein persönlicher Steuersatz zählt. Wenn Du - wie in Deinem Beispiel - einen persönlichen Steuersatz von 40 % hast, dann bekommst Du ungefähr 40% des Kaufpreises für das Buch beim Lohnsteuerjahresausgleich im nächsten Jahr zurück.

Das ist aber eine grob vereinfachte Darstellung - für die Schulaufgabe mag das reichen, aber die Praxis ist viel komplizierter.

Nur mal so ein paar Stichworte, diese Aufzählung ist auf keinen Fall vollständig:

  • Der Steuersatz ist nicht fest bei 40 %, sondern ändert sich mit dem Einkommen. Und zwar auch mit jeder Änderung des "steuerlichen Einkommens" aufgrund von Absetzen bestimmter Ausgaben von der Steuer.
  • Es ist nicht jede Ausgabe abziehbar, sondern nur für ganz bestimmte Ausgaben, und auch dann nur für ganz bestimmte Zwecke. Und für jeden Zweck (in Deinem Fall: Kosten für Lernmittel für die Schule) gelten Höchstbeträge, wieviel Ausgaben in einem Jahr maximal absetzbar sind.
  • Bei der Berechnung der Steuer gibt es eine untere Grenze beim Einkommen, ab wann Du überhaupt Steuern zahlst (das Existenzminimum ist steuerfrei). Bei nur 1000 Euro pro Monat Einkommen zahlst Du fast keine Einkommenssteuer. Und wenn Du keine Steuern zahlen musst, dann kannst Du auch (von der nicht vorhandenen Steuer) keine Ausgaben absetzen.
@Dampfschiff

Es gibt keine Grenze, wie hoch Ausgaben für Arbeitsmittel sein dürfen.

Einen Lohnsteuerjahresausgleich kann übrigens nur der Arbeitgeber für seine Abreitnehmer durchführen. Was du meinst, ist die Einkommensteuererklärung.

@Lauraxo99

Nein, du bekommst nicht die Mehrwertsteuer zurück, sondern die Steuern deines persönlichen Steuersatzes bekommst du zurück. Für 40 % Steuersatz musst du aber verdammt gut verdienen. Dann würde das mit den 60 Euro aber stimmen grundsätzlich.

Umsatzssteuer hast du als Endverbraucher immer zu zahlen und wirst du nicht zurück bekommen. Hat auch nichts mit der Einkommsteuer zu tun.

Nehmen wir dein Beispiel mit dem Buch .. du hast 100,- an "Kosten" die du Steuerlich geltend machen kannst (alias absetzen) soweit diese zum erhalt /erwerb von Einkünften gedacht ist. Nehmen wir also an dein Buch erfüllt diese Bedingungen kommt es in die Einkommensteuer als Werbungskosten.

Du hast also deine Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit in Höhe von 10.000,-

darauf würdest du 149,- Steuern zahlen.

Wir haben aber noch deine Werbungskosten in Höhe von 100,- . macht dann also 10.000,- -100,- = 9.900,- zu versteuerndes Einkommen. Darau zahlst du 139,- Stuern ... dir hat das Buch also eine 10,- Steuersenkung gebracht.

Das ganze kann man natürlich auch Prozentual rechnen .. bei solchen pupsbeträgen sieht man nur nicht viel von :D

(Wir haben hier natürlich extrem viel außer Acht gelassen.. aber das prinzip bleibt das gleiche nur erheblich umfangreicher :D )

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