Warum wird viel über Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und dergleichen diskutiert, aber selten über den Ausbau des öffentlichen Verkehrs?

5 Antworten

Für urbanisierte Gebiete trifft dies eindeutig zu.
Im ländlichen Raum allerdings ist ein derart umfassender Ausbau nicht möglich.
Überlege doch mal, was für Kosten und vorallem Folgekosten diese Modernisierung bewirken würde.

Beispiel A: Berlin Innnenstadt, X-beliebiger Punkt.
Hier ist ÖPNV sinnig. Warum? Viel Kundschaft (und damit auch Umsatz zur Kostendeckung). Hier überhaupt ein Auto zu besitzen ist in meinen Augen eher Luxus als Notwendigkeit.

Wenn Max Mustermann in Berlin lebt, kann er sinnvoll die Öffis nutzen. Sogar noch wenn er eine Anstellung in z.B. Potsdam oder Oranienburg hat. Er kommt in einem akzeptablen Takt von A nach B. Auch spontan, da der Takt der Öffis sehr eng und flächendeckend ist. Verbindung Berlin-Potsdam machbar in unter einer Stunde. Mit dem Auto braucht er dieselbe Zeit, vorrausgesetzt die Straßen sind nicht verstopft.

Beispiel B: Ein Kaff in Thüringen, 300 Einwohner, nächste Stadt oder größerer Verkehrsknoten mindestens 20min Landstraße.
Wo genau läge hier der Sinn einer Bus- oder Bahnverbindung im 5-min Takt?
Tatsächlich ist hier Individualverkehr sinnvoller als ÖPNV und ein Auto ein Must-have!

Angenommen Max wohnt in... sagen wir Burgkunstadt und will zur Arbeit nach Presseck, so braucht er 3,5h mit den den Öffis für eine vergleichbare Distanz. Mit dem Auto nur 40 Minuten. Dazu kommt, dass die Öffis nicht durchgehend fahren. Das liegt einfach daran, dass ich keinen Bus mit 40 Sitzplätzen 24h pendeln lassen kann, obwohl nur 20 Leute ihn über den Tag nutzen UND zu unterschiedlichen Zeiten. So oder so müssen diese 20 Leute aber zur Arbeit.

Ganz generell möchte ich anmerken, dass die gesamte "Diesel-Hexenjagd" jeglicher medizinischen Grundlage entbehrt UND Energietechnisch Schwachsinn ist.
Ein Diesel ist erheblich umweltfreundlicher und Ressourcenschonender als JEDER Benziner und jedes Elektroauto (sofern dieses nicht mit reinem Ökostrom betrieben wird UND 10 Jahre lang keine neuen Akkus braucht).

Anstatt tatsächlich über "echte" Alternativen, wie die Wasserstoffzelle (oder einfach mal eine etwas aufwändigere Abgasreinigung als Zwischenschritt) nachzudenken, herrscht hier und in der EU nur blinder Aktionismus und emotional gesteuertes gehetze. Es gibt zig Wege zu weniger Schadstoffen in der Luft. Dieselverbote oder panischer Ausbau der Öffis, die in ländlichen Gebieten mehr Abgase produzieren als nutzen, sind keine davon.

Woher ich das weiß:Hobby – Freizeitphilosoph

Dazu kommt im übrigen noch das Transportproblem. Der größte Teil des Individualverkehrs ist logistischer Natur. Hier ein Lieferwagen, da ein Pizzabote, dort der Zulieferer für den Supermarkt.
Man müsste viel tiefer ansetzen, um wirklich die Straßen zu entlasten.
Alle "Lösungsansätze" wie z.B. ein voll ausgebautes, unterirdisches Liefernetz (Stichwort Hyperloop) oder Lastendrohnen für die meißten, logistischen Aufgaben sind schlicht noch Zukunftsmusik.

Kurzfristig helfen nur erhöhte KFZ-Steuern, die individuell auf die Wohnlage zugeschnitten sind, (Großstadt das 10-fache der normalen Steuer, sehr abgelegene Orte normaler Steuersatz,) in Verbindung mit besseren Antriebskonzepten (Hybride, Wasserstoffzellen, Gasautos, Elektroautso etc.) und einem schnellen Abschluss der Energiewende, (damit die Elektroautos endlich öko werden).

in der stadt für den ÖNV kein problem aber am land.da sehr viel in andere richtungen müssen kann man das mit dem bus nicht abdecken und wenn dann fährt er mit 2 personen was sich nicht rentiert.bei uns fährt einer aber nur in eine richtung alle stunden und abends um 8 ist schluss.da die anderen richtungen nicht bedient werden braucht man ein auto.kenn eine verkäuferin im einzelhandel,bei der ist um 20,30 schluss,die kann ihn nicht mal nutzen da ab 19 Uhr keiner mehr fährt in ihre richtung.außerdem braucht er 1 stunde und mit dem auto hat sie 30 min.braucht sich keiner wundern das nur wenige mitfahren bei denen die zeiten passen

Warum wird viel über Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und dergleichen diskutiert, aber selten über den Ausbau des öffentlichen Verkehrs?

Um das "Problem" auf den Kern zurückzuführen:

  • Dieselfahrverbote kosten den Staat fast nichts.
  • Ein konkurrenzfähiger Ausbau des öffentlichen Verkehrs kostet den Staat viel Geld.
Rein umwelttechnisch wäre es doch das Beste, möglichst stark den Verkehr auf Deutschen Straßen zu reduzieren.

"Umwelttechnisch" ja. 🙂

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

Ich lese und höre ständig von Diskussionen über öffentlichen Nahverkehr. Deine Wahrnehmung ist also nach meiner Ansicht falsch.

Die Schlagzeilen bei den Dieselverboten sind nur etwas größer. Das ist auch leicht erklärbar, da es um Betrug, persönliche Betroffenheit bis zum wirtschaftlichen Ruin und starke Lobbygruppen auf beiden Seiten geht.

Darüber wird ja auch oft diskutiert. Gerade Umweltverbände fordern den Ausbau ja schon seit Jahren. Gibt auch viele Kommunen, die einen kostenlosen Nahverkehr ausprobeiren wollen oder zumindest mit stark reduzierten Preisen. Tübingen zum Beispiel.

Allerdings liegt es an Bund und Ländern entsprechende Bitten umzusetzen, so viel ich das verstanden habe.

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