Warum will man auf Steuerfreiheit verzichten?

4 Antworten

Unterbewusst richtig formuliert, dass ist schon ein gutes Zeichen!


... und daher auch keine vorsteuer abziehen?

Sehr richtig. Steuerfreiheit bedeutet, dass man die gezahlte Vorsteuer sich nicht erstatten lassen kann. Darauf hat man dann verzichtet.

Aber gezahlt hat man sie. Kein Unternehmer verkauft etwas, ohne die in den meisten Fällen zu kassierende Umsatzsteuer zu berechnen. Also ist unser Kleinunternehmer gar nicht immer fein raus.

Deine Formulierung: 

wenn man Steuerfreiheit genießt muss man sowieso keine Ust zahlen

Die stimmt ja nicht. Steuerfreiheit bedeutet: Die Umsatzsteuer braucht auf den Endpreis nicht aufgeschlagen werden. Daher hat man auch keine an das Finanzamt abzuführen. Zwar überweist der Unternehmer die eingenommene Umsatzsteuer, aber er braucht sie nicht zu tragen, weil dieses seine Kunden durch die Bezahlung der Rechnung tun.

Es gibt drei Gründe, warum man auf die Steuerfreiheit verzichtet:

Hohe Investitionen, die zum Vorsteuerabzug berechtigen. Das ist natürlich ein Rechenbeispiel für die zu erwartenden Umsätze und die geplanten Aufwendungen ob es sich lohnt.

Sind die eigenen Kunden in der Regel umsatzsteuerliche Unternehmer kann ich gar nicht anders. Als Kleinunternehmer ist man in aller Regel zu teuer. Oder man kann nur ein übliches Netto als Brutto-Preis berechnen. Doch da wird es dann auch schwierig und es bleibt die Frage ob das wirklich vernünftig leistbar ist.

Gar nicht unwesentlich ist der Datenschutz. Wieso soll ich allen Leuten erzählen wie klein ich bin? Die Einnahmengrenze ist Dir bekannt. Teile die mal durch 12. Jetzt muss ein Kleinunternehmer davon seine Kosten tragen. Je nach Branche 5 - 95%. Der Mindestbeitrag für die gesetzliche Krankenkasse ist bekannt. Zieht man das auch noch ab, dann lebt der hauptberufliche Kleinunternehmer wie von Hartz-IV. Es ist keine Schande, aber es geht auch niemanden etwas an. Außerdem trägt er Risiken, die am Ende die Existenz nicht nur bedrohen, sondern vernichten würden.

Du hast etwas falsch verstanden.

Ich wundere mich auch, dass so viele Existenzgründer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, um die realtiv simple Umsatzsteuervoranmeldung und -erklärung zu vermeiden. Wer keine Mehrwertsteuer ausweisen will, kann dann auch keine Vorsteuer erstattet bekommen. Das hat deine Lehrerin wohl gemeint.

Es gibt verschiedene Fälle, die aber im Endeffekt auf das gleiche hinauslaufen.

Bei Kleinunternehmer wird keine Umsatzsteuer erhoben (das ist technisch etwas anderes als Umsatzsteuerfreiheit). Die können auf die Regelbesteuerung optieren.

Das ist dann sinnvoll, wenn der Kleinunternehmer fast nur, oder nur an andere Unternehmer leistet.

Für einen Unternehmer ist es egal, ob ihm ein Kleinunternehmer 100,- Euro berechnet, oder ein Regelbesteuerer 100,- + 19,- Euro Umsatzsteuer.

Also bekommt der Kleinunternehmer, der auf "kleinunternehmer" verzichtet, die Steuer, die er abführen muss extra. Bis dort ist es ein Nullsummenspiel.

Aber er kann dann die Umsatzsteuer aus den Eingangsrechnungen als Vorsteuer abziehen und gewinnt damit Geld.

Dann gibt es umsatzsteuerfreie Umsätze, die auch die Option für die Steuerpflicht ermöglichen. Auch dort ist es ebenso. man bekommt die Steuer extra, weil es für den Leistungsempfänger egal ist, aber man hat dann den Vorsteuerabzug.

Es gibt umsatzsteuerfreie Dienstleistungen, z. B. Kontoführungsgebühren (mir fällt gerade kein besseres Beispiel ein) Nun hat die Bank die Möglichkeit, beispielsweise EUR 11,90 umsatzsteuerfrei zu erlösen. Sie hat aber auch die Möglichkeit, EUR 10,00 zzgl. EUR 1,90 Umsatzsteuer zu erlösen. Das die Bank vorsteuerabzugsberechtigt ist ändert sich am Ertrag nichts. Ein Firmenkunde hingegen, der ebenfalls vorsteuerabzugsberechtigt ist, zahlt noch immer seine EUR 11,90, kann aber ebenfalls die EUR 1,90 ausgewiesene Umsatzsteuer mit seiner Vorsteuer verrechnen. Für ihn wird das Konto billiger.

Fazit, für die Bank ändert sich nichts, außer dass sie ihre Firmenkunden glücklich macht, und für den Firmenkunden beteiligt sich das Finanzamt an den Kontoführungsgebühren.

Variante 2 ist, die Bank schlägt auf ihren ursprünglichen Preis die Umsatzsteuer drauf. Dann verdient sie mehr, dem Firmenkunden ist es aber egal, da er die Umsatzsteuer erstattet bekommt.

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