Warum lassen so viele Frauen bei Down-Syndrom des Ungeborenen eine Spätabtreibung machen?

5 Antworten

Ich kenne so einen Fall:

eine Frau war schwanger mit Zwillingen. Eines der Kinder war gesund, das andere hatte das Down Syndrom. Das gesunde Kind hat sie behalten, das Kind mit Down-Syndrom hat sie zur Adoption freigegeben. Nach der Geburt hat sie dieses Kind direkt im Krankenhaus gelassen, nur das unbehinderte Kind hat sie mitgenommen.

Das ist auch ziemlich extrem. Stellt euch vor, wenn das Kind in ein paar Jahren mitbekommt, daß es einen Zwilling hat, der aber gleich nach der Geburt abgegeben wurde ...

Allerdings sollte man immer folgendes bedenken: in den wenigsten Fällen kennt man die Umstände und die Beweggründe der Mutter. Also sollte man nicht zu vorschnell urteilen. Vielleicht gab es noch andere Gründe. Stellt euch mal vor, die Mutter selbst ist vielleicht ein junges Teenager-Mädchen. Oder die Schwangerschaft entstand durch eine Vergewaltigung. Da wäre ein unbehindertes Kind schon eine große Belastung. Und wenn das Kind dann noch Down Syndrom hat, macht es das ja nicht gerade leichter.

Meine Frau und ich haben uns beim Jugendamt als Adoptiveltern beworben. Wir haben gesagt, wir würden auch ein Kind mit Down-Syndrom adoptieren. Allerdings gab es in den letzten 4 Jahren überhaupt kein Kind in unserem Landkreis, das zur Adoption freigegeben wurde.

Dein Zitat:
"Ich würde solch ein Baby sofort adoptieren."

Es wäre sicherlich schön, wenn Menschen wie du es täten. Nur leider ist es meist nicht so.

Dein Zitat:
"Sie haben genau wie andere das Recht auf Leben."

Nichtbehinderte können sich oftmals nicht vorstellen, dass man mit Down Syndrom ein schönes Leben führt. Sie sind nicht in der Lage sich in diese Situation hinein zu versetzen, weil für sie andere Maßstäbe gelten (z. B. Leistungsgesellschaft, Status). Ein Mensch mit Down Syndrom kann ein wesentlich zufriedener, mit unter auch glücklicherer, Mensch sein, als ein sog. "normaler".

U. a. stellt die mehr als lebenslange Verantwortung ein Problem dar, die man diesem Menschen gegenüber hat. Nach dem Motto: Was ist, wenn es uns nicht mehr gibt? Wer wird unser erwachsenes Kind versorgen?

Die meisten Menschen (meist Frauen) werden diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen und ich wünsche niemandem, in eine solche Entscheidungssituation zu geraten.

Die, die sich für das Kind entscheiden können stolz auf sich sein. Die, die sich dagegen entscheiden, sollten nicht von anderen verurteilt werden. Es ist sicherlich etwas Anderes eine Situation nur gedanklich durch zu spielen, als sie in der Realität zu erleben.

Wenn eine schwere Krankheit festgestellt wird, ist das etwas Negatives.

Die Mütter sind geschockt, quälen sich mit Zukunftsaussichten und Fragen und werden oft genug von Familie oder auch den Ärzten latent oder offen unter Druck gesetzt. Noch dazu sind sie letztlich unter Zeitdruck, weil die Schwangerschaft ja so oder so irgendwann endet.

Dieser Zustand der Panik, Verunsicherung und Trauer ist so groß, dass die Frau ihn beenden möchte. Man hat das Gefühl, etwas "dagegen zu tun", wenn man abtreibt.

Hinterher stellen die Frauen oft fest, dass mit der Abtreibung weiterzuleben für sie genauso oder vielleicht mehr belastend ist, als das Baby zur Adoption gegeben oder behalten zu haben.

Aber wer will den verängstigten Frauen in der damaligen Situation einen Vorwurf machen?

Deswegen denke ich manchmal, für viele Frauen wäre es besser, die Spätabtreibungen wären nicht erlaubt, denn dann hätten sie gar nicht diesen schrecklichen Entscheidungsdruck.

Grade Menschen mit dem Down Syndrom haben in der Regel ja keine chronischen Schmerzen oder große körperliche Einschränkungen.

Und wenn das soziale Netz die Eltern und geistig Behinderten besser auffangen würde, entstünde kein nennenswertes Leiden durch Down Syndrom! :-( Aber dafür können die Mütter nichts.

Der wichtigste Punkt ist wohl, dass es nur die Eltern, insbesondere die Mutter, etwas angeht, weil die ja auch mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung leben müssen.

Ich fände es auch verkehrt wenn man Frauen zwingen würde gegen ihren Willen ein behindertes Kind auszutragen (einmal aus emotionaler Sicht und dann aus einer Risikoabwägung heraus; immerhin hat jede Schwangerschaft und Geburt auch ihre Risiken und Unannehmlichkeit, warum soll man die Eingehen, wenn man das Endprodukt nicht will?)

Rechtlich/ethisch ist die Sachlage verschwommen, weil unserer Gesellschaft als Ganzes sich nicht eindeutig festlegen will und es in beide Richtungen (pro & contra Abtreibung) starke Kräfte gibt, die oft emotional und ideologisch argumentieren und nicht rational.

Spätabtreibungen sind besonders problematisch und unterliegen relativ strengen Kontrollen- es gibt in D auch nur ~500 pro Jahr (im Vergleich zu ~100000 Abtreibungen).

Die meisten genetischen Probleme werden sowieso viel früher diagnostiziert und die Abtreibungen erfolgen dann auch in dem normalen, legal akzeptierten,  Rahmen (i.e. <3Monate).

Ich finde es schlimm aber manche Frauen wollen ein gesundes Kind ich glaube sie haben auch angst um das Kind weil es im schlimmsten fall gemobbt werden kann oder so was natürlich nicht Selbstverständlich ist aber ich glaube sie habe einfach angst um die Zukunft des Kindes.

Benötigen Kinder mit Down-Syndrom zwingend ein Pflegebett?

Ich habe gute Bekannte, diese haben ein Mädchen, 2009 geboren, also 5 Jahre alt. Das Mädchen ist ganz patent, aufgeweckt und lebhaft. Läuft gut. Kann die Rutsche hoch klettern und runter rutschen - alleine! Plappert ohne Punkt und Komma und ist eine reine Freude.

Leider sehen es die Eltern nicht so und hindern das Kind überall an der Entwicklung. Es ist ohne Zweifel ein ganz besonderes Mädchen, einfach zum Liebhaben. Und sie ist sehr stolz, wenn sie etwas alleine geschafft hat.

Jetzt haben wir uns gestritten, weil die Mutter bei mir beim Kaffee gesagt hat, dass sie sich mit der KK streitet, weil sie das Pflegebett für die Kleine abgelehnt haben. Ich sagte auch zu ihr, dass sie gar keines braucht. Sie versucht ja schon, auf die Toilette zu gehen und bei mir zumindest kann sie sich auf einen Hocker stellen und ihre Hände waschen. Natürlich muss man dabei sein und evtl. Hilfestellung geben. Aber sie kann es und will es auch selbst machen. Zudem haben die Eltern auch noch eine Homepage eingerichtet mit Bilder und so weiter von dem Mädel. "Leben mit einem Down-Syndrom Kind", was ich absolut schrecklich finde. Aber jedem das Seine.

Die KK hat die Homepage gesehen und in der Begründung der Ablehnung ist es auch aufgeführt, dass die Kleine eben schon gut laufen kann und so fort (alles in der Homepage nachzulesen). Das hielt ich der Mutter vor und meinte auch noch, dass ich selbst niemals meine Kinder so präsentieren würde.

So kam eines zum anderen und sie ging beleidigt fort. Ich werde sie heute mal anrufen, aber ich wollte von euch hören, ob ich da vielleicht falsch reagiert habe. Ich kenne die Kleine und kenne ihren Willen, etwas selbst machen zu dürfen. Aber das funktioniert nicht gut, weil die Mutter sie ständig ausbremst.

Danke für jeden Rat.

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