Warum gibt es mehrere Gewerkschaften in einer Berufsgruppe?

3 Antworten

Große Gewerkschaften nehmen nicht immer die Interessen alles Mitglieder wahr. Diese Sparten-Gewerkschaften sind im Grunde nur eine Reaktion auf die vielen Fusionen, die vor einigen Jahrzehnten im DGB stattfanden. Man findet sich oft als Arbeitnehmer in einer Gewerkschaft wieder, die einen nicht wirklich vertritt, ich kenne das aus meiner Gewerkschaft, die als ehemalige Gewerkschaft Druck&Papier vor längerer Zeit in der Gewerkschaft Ver.di aufging, was zu Missstimmung führte, weil unsere Tarife mit denen des öffentlichen Dienstes und der Banken- und Versicherungsbranche etc. verhandelt wurden. Das Resultat waren schlicht deutlich schlechtere Abschlüsse für die Druckindustrie.

Das spezielle Problem an diesem Tarifgesetz ist, dass es nun vorerst möglich ist, kleinere Gewerkschaften aus den Betrieben herauszuhalten, wie dies mit der GdL geschehen soll. Die Bahn hat sich mit der EvG eine handzahme Gewerkschaft gekauft, die macht, was die Bahn ihr aufträgt. So kann man die Gewerkschaften in Deutschland leicht zerstören, indem man sie sich mit Geld dienstbar macht. Wenn man hier Konkurrenz verhindert, ist es aus mit der Arbeitnehmerbeteiligung in vielen Branchen.

Das Beispiel mit den Parteien ist ja perfekt. Niemand würde auf die Idee kommen, vorzuschreiben, dass es nur noch eine Partei geben darf.

Gewerkschaften haben ebenfalls bestimmte Zielrichtungen und unterschiedliche Ansichten, wie man die Arbeitnehmer am Besten vertritt. Und so ist es nur naheliegend, wenn man als Arbeitnehmer die Freiheit hat, sich die Gewerkschaft auszusuchen, von der man sich am Besten vertreten fühlt.

Wenn man realistisch ist, ist es aber so, dass es sehr selten vorkommt, dass mehrere Gewerkschaften im gleichen Unternehmen konkurrierende Tarifverhandlungen führen. Hast du außer bei der Bahn jemals schon von dieser Konstellation gehört?

Deshalb finde ich es sehr fragwürdig, wenn man die Tariffreiheit jetzt wegen dieses einmaligen Falles generell für alle Betriebe abschaffen will.

Meiner Ansicht nach hat sich die Politik dieses Ei mit den lästigen Bahnstreiks selbst ins Nest gelegt. Man hat fleißig alle wichtigen Infrastrukturaufgaben (Post, Bahn, Telekom, Müllabfuhr...) privatisiert und damit erst den Weg dafür geöffnet, dass diese wichtigen Betriebe durch Streiks stillgelegt werden. Und gerade in diesen Bereichen spüren die Menschen den Streik zwangsläufig sehr heftig. Unsere Vorfahren hatten sich schon was dabei gedacht, als sie dafür gesorgt haben, dass diese Betriebe als Staatsbetriebe streikfrei bleiben.

Jetzt sollen die Beschäftigen dort zwar nach privatwirtschaftlichen Maßstäben arbeiten (Personalabbau, Vertragsverschlechterungen, Produktivitätssteigerungen...), aber nicht nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen streiken dürfen. Das passt nicht zusammen.

Außerdem solltest du ein Tarifergebnis nicht nur an der Prozentzahl der Lohnerhöhung messen. Es gibt in jedem Tarifvertrag noch sehr viele andere, ebenfalls wichtige Punkte, die eine Rolle spielen. Das sieht man zum Beispiel an der Diskussion über die Ruhestandsregelung der Piloten.

Damit der Streueffekt gewährleistet ist

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