Warum gehen viele noch arbeiten, obwohl sie weniger verdienen als wenn Hartz4 beansprucht wird?

5 Antworten

Ich kenne einige die sich für einen schlechten Verdienst (mangels Alternativen) täglich in die oft sehr anstrengende Arbeit quälen, teils mit gesundheitlichen Störungen.

Das sind Menschen, die Stolz haben und auch stolz darauf sein können, nicht dem Staat auf der Tasche zu liegen.

Oftmals liegen die Einkommen nach Abzug von Kosten für Wohnung und Auto unter Hartz4-Niveau bei welchem ja auch eine Wohnung bezahlt wird.

Es ist möglich bei so geringem Einkommen eine Aufstockung zu erhalten, so dass man im Endeffekt nicht weniger Geld hat als ein HartzIV-Empfänger aber stolz sein kann, dass man berufstätig ist.

Warum überhaupt noch arbeiten anstatt Freiheit genießen?

Geniessen kann man Freizeit wohl nur, wenn man auch Geld hat. Alle anderen hängen ab und verwahrlosen auf Dauer. Auch seinen Kindern gegenüber ist man gutes Vorbild, wenn man Ihnen geregelten Tagesablauf vorlebt.

Warum überhaupt noch arbeiten anstatt Freiheit genießen?

Frei bist Du nur, wenn Du selber für Deinen Lebensunterhalt aufkommen kannst (ob jetzt mit Pfeil und Bogen in der finnischen Wildnis oder als Arbeitnehmer ist erstmal nebensächlich). Wer sich in seiner Tätigkeit unfrei fühlt, ist stets eingeladen, sich eine neue Beschäftigung zu suchen.

Wer hat schon mal ehrlich so gedacht angesichts drohender Altersarmut und Stress am Arbeitsplatz?

Und deine Alternative ist sichere Armut als Karrierearbeitsloser? Mir persönlich machte keine Lebensphase so viel Stress wie die Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Wer hat Erklärungen?

Weil es für die meisten nichts demütigenderes gibt, als nicht gebraucht zu werden. Und jetzt komm nicht wieder mit deinem Ehrenamt oder Gasthören, Hunderttausende erfüllen ehrenamtliche Tätigkeiten oder Bildungsprogramme trotz Erwerbstätigkeit oder Familienverantwortung.

Deine Argumente sind billig und nicht sehr tiefgehend. Daß das Lohnniveau in Deutschland zu wünschen übriglässt, ist kein Argument.

Ich kann z.B. den Gabelstaplerfamilie mit Familie verstehen aus unserer Nachbarschaft. Der sagt, dass er mit 3 Kindern mehr vom Hartz4 hat als wenn er arbeiten gehen würde. Würde ihn jemand zu den gleichen Konditionen einstellen als Gabelstaplerfahrer wie Hartz4 inkl. Wohnungsmiete , er würde sofort hingehen....

@Hierse

Heutzutage hat doch jeder, der ner Lagerhalle nur auf fünf Meter nahe kommt, doch schon einen Staplerschein. Klar ist da der Preisdruck groß. Dein Nachbar könnte sich ja auch mal überlegen, sich vielleicht mal vermarktbare Skills zuzulegen.

Anyway, in Deinen Kommentaren gehst Du fast nur auf die Geldfrage ein. Ist es so schwer zu verstehen, daß für viele Menschen eine Arbeit schlicht ein wichtiger Teil des Selbstbildes, der Selbstbestätigung und der sozialen Interaktion ist? Ich kenne genug frische Eltern, die sich langsam dumm vorkommen, einfach weil sie dem täglichen Berufsalltag und der Interaktion mit Erwachsenen und Erwachsenenthemen entzogen sind.

Zweitens ist die Arbeitslosen- und Sozialhilfe eigentlich keine "Wahl", es ist eine Notbremse. Jeder, der ohne dringenden Grund Hartz IV einer Arbeit vorzieht, schädigt sich selber, seine Mitmenschen, die Gesellschaft und nicht zuletzt alle anderen, die ernsthaft Hilfe benötigen. Ich würde "dieses A-loch" nicht sein wollen, und ich denke, den meisten ergeht es ähnlich.

Da gibt es mehrere, denkbare Gründe

  • Man wurde zum Arbeiten erzogen
  • Man will sich nicht gehen lassen / an sich arbeiten
  • Man will etwas "Sinnvolles" machen, sich nicht überflüssig vorkommen
  • Man will sich nicht asozial fühlen oder von außen so betrachtet werden
  • Man will mal einen besseren Job haben und mit steter Mühe bei einer Bewerbung punkten

- man will sein Leben selbst bestimmen und nicht wegen vielen Dingen beim Amt um Erlaubnis / Unterstützung fragen/betteln.

@Foosel

Selbstbestimmung ist so eine Sache. Also viele Hartz IV Empfänger fühlen sich freier, obwohl sie ohne Geld weniger Möglichkeiten haben. Sie sind nicht mehr an viele Konventionen der Gesellschaft gebunden, nicht mehr abhängig vom "System". 

Das ist die Krux. Ist man freier, wenn man sich dem Arbeitsleben entzieht? Jein!


Es wurde aber ein weiterer, guter Grund für das Arbeiten genannt, den ich vergessen habe, aufzuzählen:

Vorbildfunktion

(für die nächste Generation)

Wenn jemand unter dem Regelsatz bleibt, kann er aufstockendes Hartz4 beantragen. Er hat bei seinem Einkommen auch einen bestimmten Freibetrag, so dass er mit seinem Gehalt + Aufstockung auf jeden Fall über den Regelsatz kommt. Deine Frage ist also so nicht richtig!

Gutes Gegenargument: Wer so wenig verdient, kann ergänzendes ALG2 beantragen und hat damit immer mehr Geld als einer, der gar nicht arbeiten geht.

Sicherlich kann man hinterfragen, welchen Sinn es macht, wenn man dermaßen wenig verdient. Auf der anderen Seite aber sehen viele in der Arbeit einer Erfüllung und das Gefühl gebraucht zu werden.

Dazu könnte auch ein Ehrenamt verhelfen...

@Hierse

Ja, auch ein Ehrenamt kann helfen. Es bleibt halt jeden selbst überlassen. Wobei ich für das bedingungslose Grundeinkommen bin und wer möchte, kann seine Erfüllung in Arbeit (bezahlt/Ehrenamt) finden. Wir müssen uns endlich damit abfinden, dass es keine bezahlte Arbeit für alle gibt. Vollbeschäftigung gibt es nicht mehr.

@Jewi14

Sehe ich auch so. Aber ich habe langsam keine Lust mehr die Zeche zu zahlen durch steigende Abgaben. Dann lieber Hängematte...

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