Warum boomt die Leiharbeit?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

weil es für Arbeitgeber leichter ist Leiharbeiter zu kündigen und man dann oftmals unter dem Mindestlohn bezahlen kann

Leiharbeit ist aber prinzipiell unsozial und sollte vom Staat verboten werden

Leiharbeit ermöglicht eben, sich Arbeitskräfte günstig einzukaufen, und sie teuer zu verkaufen, und von der Differenz einen Gewinn zu erwirtschaften.

Allerdings habe ich auch schon mitbekommen, dass einige Zeitarbeitsfirmen wieder schließen mussten.

Durch ein "hire and fire" Modell könnte sich das relativieren, jedoch das wäre nicht im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes, und wohl auch nicht im Sinne der meisten Arbeitnehmer.

Für Arbeitgeber hat es natürlich gewisse Vorteile, vor allem in dem Bereich, wo es sich eher um ungelernte/angelernte und saisonale Tätigkeiten handelt.

Da spart sich der AG die gesamte Anmeldung des AN, muss sich nicht um Urlaub/Krankheits/etc-Fragen scheren, und auch nicht um eigene Mitarbeitersuche durch Inserate..o.ä.... und er kann relativ problemlos von der Zeitarbeit einen anderen MA anfordern, wenn ein MA ihm nicht passt.

Das hat verschiedene Gründe auf Unternehmerseite:

  • Hauptgrund dürfte sein, dass der Unternehmer bei Leiharbeitern komplett vom gesetzlichen Kündigungsschutz entbunden ist und die Zeitarbeitsunternehmen bei Kündigungen stets ganz simpel mit der Auftragslage argumentieren. Damit ist aber praktisch der Kündigungsschutz komplett ausgehebelt.
  • Meist sind Leiharbeiter für die Unternehmens auch noch billiger als Festangestellte.
  • die Stellen der Zeitarbeit gelten bei den Jobcentern formal als vollwertige Arbeitsstellen, die ein Arbeitsnehmer auch annehmen muss. Es gibt in der Suchmaschine der Arbeitsagentur noch nicht mal einen gescheiten Filter, um die Zeitarbeit von vornherein auszufiltern.
  • viele von Zeitarbeitsfirmen angebotene Stellen in Jobbörsen existieren vermutlich in der Realität gar nicht, sondern sind eher eine Art Werbeträger für die Zeitarbeitsfirmer, um sich einen pool von Bewerbern anzulegen, um gegenüber den Arbeitgebern als eine Art Miniarbeitsamt auftreten zu können
  • es gibt auch Mitarbeiter von Billig-Weiterbildungsmassnahmen die Daten von Teilnehmern regelrecht an die Zeitarbeit verschachern, bzw. sie nötigen, sich dort zu bewerben: "Sie bekommen ohne Zeitarbeit keine Arbeit!"
  • die Politik tut überhaupt nichts gegen diese Zustände, ganz im Gegenteil, man könnte die Umsätze der Zeitarbeit ganz einfach mit einer Sondersteuer belegen, um sie so auf ein Mass an Sinnvolligkeit bei Unternehmesenpässen wieder zurückzuführen
  • es entfallen für die Unternehmen, die mit Zeitarbeitsfirmen kooperieren in nicht geringem Maaße bei der Personalbeschaffung, so dass es sich gleich doppelt lohnt

Schuld an der heutigen Misere sind vor diese Sozen-Knallköppe aus der damaligen Schröder Regierung. Vor allem er damalige Arbeitsminister Wolfgang Clement hat das massiv ausgeweitet. Er war zeitweise selbst in der Geschäftsführung eines Zeitarbeitsunternehms. Das wird heute von manchen als Erfolgsmodell verkauft nach dem Motto: Hauptsache die Leute haben Arbeit, egal wie.

Wer einen Betrieb hat, der aufgrund seiner Größe unter das Kündigungsschutzgesetz fällt und eine wechselnde Auslastung hat, möchte gerne Flexibilität nutzen können. Das ist aus meiner Sicht ein guter Grund für Zeitarbeit.

Leider hat sich das zu einem attraktiven Geschäftsmodell entwickelt, das für meinen Geschmack ein wenig über das Ziel hinausschießt.

Der Betrieb muss keinen Arbeiter mehr direkt einstellen, sondern er ist Kunde bei einer Zeitarbeitsfirma. Somit kann er schneller aus dem Betrieb entfernt werden und hat weniger Arbeit. Das ist den Betrieben auch viel Geld wert. An die Zeitarbeit zahlen die deutlich mehr, als sie regulär zahlen müssten, wenn sie einen Mitarbeiter selbst beschäftigen.

Der Arbeitnehmer (ZA) bekommt maximal 1/3 oder weniger von dem was der Kunde (Betrieb) zahlt. Sie müssen auch Fahrten und Arbeitskleidung selbst tragen. So kenne ich das. Da man oft hin und her gereicht wird oder auch mal für nur wenige Stunden arbeitet kommt da einiges an Ausgaben zusammen. Letztendlich lebt man mit allen Ausgaben auf Hartz4 Niveau...

Das Konzept funktioniert, weil die Ämter gern Leute in solche Vereine stecken und sich Leute schlecht gegen wehren können. Auch, weil viele Leute arbeiten wollen um jeden Preis....ganz egal, ob es sich rentiert, unwürdig ist oder nicht. Ist so von der Gesellschaft "anerzogen" und wird meist nicht groß hinterfragt. Maximal beschwert man sich, arbeitet aber trotzdem weiterhin da.

Diese ZA nehmen auch so gut wie jeden. Ich habe mir geschworen nie wieder für solche unseriösen Unternehmen zu arbeiten, werde aber gelegentlich eingeladen (dann, wenn ich mich da bewerben muss) So saß ich bei Gesprächen beispielsweise fast immer im "Sessel" versunken, hab kein Interesse gezeigt und dennoch führte mein Verhalten (wo mich jeder seriöse Arbeitgeber vor die Tür setzen würde) dazu, dass sie mich einstellen wollten. Vielleicht bekommen die gar Prämien, wenn sie Leute einstellen...

Was möchtest Du wissen?