Wäre es ein berechtigtes Anliegen, vor einer Debatte erst mal eine Begriffsklärung zu verlangen?

5 Antworten

Das wäre es - allerdings ist das schwierig, weil ja, wenn ein Thema mit neuen Begriffen aufgeworfen ist, die Debatte begonnen hat.

Meine Erfahrung sagt mir, dass es selbst am ersten großen Knackpunkt, also wenn man merkt, dass man nicht das Selbe meint, kaum gelingt, die Begriffe zu klären.

Das geht also fast immer nur im laufenden Prozess der Debatte und kann sich in ihrem Verlauf auch ändern.

Ich würde also das Anliegen so formulieren:

"Wenn wir in unserer Debatte merken, dass wir anscheinend einen Begriff unterschiedlich verstehen oder verwenden, dann sollten wir unterbrechen und diesen Begriff klären, also gemeinsam definieren, was er für uns in dieser Debatte bedeuten soll."

P.S.: zu deinem Beispiel möchte ich nichts schreiben, da ich mit diesem Begriff nicht debattieren möchte und ich keinen Vorschlag für eine Definition habe.

Ich habe nämlich auch keinen ...

@Majorie22

Ich habe mal an "kultureller Leitfaden" gedacht... bin davon aber aus dem Grunde abgekommen, weil es schlicht alles nur noch schlimmer machen würde: alle möglichen Gruppen würden einander die Verletzung / Nichteinhaltung des Leitfadens vorwerfen, sogar die, die einander bisher noch halbwegst toleriert haben, würden einander an den Faden hängen...

Das muss ungefähr 20 Jahre her sein, als die CDU insbesondere Roland Koch mit der Debatte um die sogenannte Leitkultur begann.

Schon damals habe ich von der CDU erwartet, dass Sie den Begriff Leitkultur definiert. 20 Jahre später warte ich immer noch darauf.

Daher ja, wer mit solchen Begriffen um sich wirft muss sie auch definieren.

Warum klar gegen die Kulturen unserer Nachbarn abgrenzt? Wir haben auch slawische Kultur in der Deutschen Kultur drin z.B. die Sorben oder die Sachsen oder die Bayern haben doch auch eine geschichtliche Kultur! Das alles gehört aber trotzdem zur deutschen Kultur, die sich im Laufe der Geschichte gebildet hat! Wir sind somit ein Vielvölkerstaat!

Jepp. Das entsetzt Deutschnationale allerdings ins Mark.

@Kleidchen2

Wieso entsetzt das "Deutschnationale"? Natürlich sind wir eine Deutsche Nation vieler Völker und die Deutschnationalen kommen sicherlich aus vielen Völkerschaften!

@UlrichNagel

Dann frag sie mal, wie sorbisch sie sich fühlen. Das Bunte ist doch gerade das, womit Uniformisten nicht klarkommen.

Sehr guter Ansatz. Genau diese Frage nach Leitkultur könnte hier allerdings noch niemand überzeugend beantworten. Der Begriff (oder deutsche Kultur, deutsche Identität) wird zwar andauernd als zu verteidigen ins Feld geführt. Ich habe aber den Eindruck, dass genau die Leute, die das zum hehren Ziel ihrer Politik machen, eine rationale Diskussion verweigern.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Jahrelang in Partei und Initiativen tätig

Das ist vor einer sinnvoll geführten Debatte meiner Ansicht nach sogar ein Muss, damit man sich nicht unnötig lang an Definitionen zermürbt.

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