Vorladung für polizei. Nicht hingehen?

5 Antworten

Hallo Haaaauni,

hier gab es ja schon einige Antworten, nur sind viele schlichtweg nicht zutreffend.

Kommen wir erst einmal zur Vorladung.

Der polizeilichen Vorladung musst Du keine Folge leisten. Es bleibt für Dich völlig ohne Folgen, wenn Du dort nicht hingehst.

Du bist auch nicht verpflichtet, den Termin abzusagen, aber es würde Sinn machen, wenn man der Polizei mitteilt,

  1. das man der Vorladung zu Vernehmung keine folge leisten möchte und
  2. das man inzwischen keine Strafverfolgung mehr wünscht
  3. das man (insofern überhaupt einer gestellt wurde) den Strafantrag zurückzieht.

Was den Strafantrag angeht, muss man folgendes wissen:

  1. es gibt sogenannte Offizialdelikte, bei denen die Polizei von Amtswegen ermittelt, sobald eine Straftat angezeigt wurde. Diese Anzeige kann auch nicht mehr zurückgenommen werden.
  2. es gibt relative Antragsdelikte, bei denen die Tat nur verfolgt wird, wenn ein Strafantrag gestellt wurde oder öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt.
  3. reine Antragsdelikte, bei denen die Tat nur verfolgt wird, wenn ein Strafantrag gestellt wurde. Den Strafantrag kann man auch jederzeit wieder zurückziehen. Beachten sollte man nur, dass einem dann die Kosten des Strafverfahrens auferlegt werden können.

Leider hast Du nicht geschrieben, weshalb Du Deine Freundin angezeigt hast. Es ist schon sehr entscheidend, ob Du sie wegen eines Offizialdeliktes oder wegen eines Antragsdeliktes angezeigt hast.

Bei einem reinen Antragsdelikt würde die Zurücknahme des Strafantrages zur Einstellung des Strafverfahrens führen.

Bei einem Offizialdelikt hingegen ist genau das Gegenteil der Fall und es spielt absolut keine Rolle mehr, ob Du noch möchtest, dass die Tat verfolgt wird. Die Polizei wird dann auch ohne Deine Aussage:

  • die Beschuldigte zur Vernehmung vorladen
  • weitere Zeugen zur Vernehmung vorladen
  • Beweise sammelt und evt. Beweisgegenstände Sicherstellen/Beschlagnahmen
  • nach Abschluss der Ermittlungen die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft übersenden.

Die Staatsanwaltschaft:

  • liest sich die Ermittlungsakte durch und entscheidet dann
  • ob sie:
  1. sie das Verfahren gegen den Beschuldigten einstellt, weil ihm die Tat schlichtweg nicht nachzuweisen ist
  2. sie das Verfahren wegen Geringfügigkeit der Schuld nach § 15 StPO einstellt oder
  3. sie das Verfahren gegen Auflagen einstellt oder
  4. sie eine Strafbefehl beim Richter beantragt oder
  5. sie eine Hauptverhandlung ansetzt wo die von Dir Beschuldigte als Angeklagte und Du als Zeugin erscheinen musst. Anders als bei der polizeilichen Vorladung musst Du der richterlichen Vorladung Folge leisten und Du bist auch verpflichtet gegen Deine Freundin auszusagen, außer Du hast ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Am Ende der Verhandlung spricht dann der Richter das Urteil.

Schöne Grüße
TheGrow

Die Staatsanwaltschaft setzt keine Hauptverhandlung an. Das macht evtl. das Gericht wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt.

Es passiert nichts, ob die Anzeige dann weiter bearbeitet wird liegt am Staatsanwalt. Du kannst aber auch einen Brief Schreiben das du die Anzeige zurückziehen willst.

Dann bearbeitet die Polizei die Sache ohne deine Aussage und schickt die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft. Diese entscheidet dann, ob das Verfahren nach den §§ 153, 154 oder 174 StPO eingestellt oder ob Anklage erhoben wird.

Hmm... Einstellung nach 174 StPO???? Falsche Antwort.

Wer die Worte anderer derart auf die Goldwaage legt, sollte sich seine eigenen gut überlegen.

174 StPO : Verwerfung des Antrags. Die Einstellung wäre nach 170 (2)StPO.

@furbo

Falsche Antwort.

Nein!

...sollte sich seine eigenen gut überlegen.

Das habe ich getan.

Das Gericht, also ein Richter, kann den Antrag sehr wohl nach § 174, (1) StPO verwerfen und das Ermittlungsverfahren somit einstellen.

§ 174 StPO kommt immer dann in Betracht, wenn die Schuld des Beschuldigten offensichtlich nicht vorhanden ist. Bei den §§ 153 und 154 StPO ist es hingegen so, dass eine Schuld sehr wahrscheinlich gegeben ist, aber ( auch wegen anderen bereits zu ermittelnden oder verurteilten Taten) insgesamt als gering anzusehen wäre.

Von dir ist man eigentlich besseres gewohnt furbo. Also ich bin besseres von dir gewohnt.

Erst nach dem Staat schrien und dann nicht hingehen wollen! Geh gefälligst hin und erzähle, dass du kein Interesse mehr an der Strafverfolgung hast. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob das Verfahren gegen deine Freundin eingestellt oder Anklage erhoben wird.

Geh gefälligst hin....

Langsam! Er muss gar nichts. Die Staatsanwaltschaft fällt ihre Entscheidung unabhängig davon, was der Anzeigenerstatter will.

@JuraProfi

Das ist im vorliegenden Fall doch Quatsch, weil sie ja eine weitere Strafverfolgung nicht möchte. Wie soll denn die INFO an die Staatsanwaltschaft gelangen? Telepathie?

Hast du auch einen Strafantrag gestellt oder ist es ein Offizialdelikt?

Solltest du den Strafantrag gestellt haben und ihn dann - auch durch konkludentes Handeln - zurueckziehen, kommen die Verfahrenskosten auf dich zu.

Bei einem Offizialdelikt wird auf jeden Fall weiterermittelt. Deine Aussage kann spaetestens der StA erzwingen.

An deiner Stelle wuerde ich unbedingt zur Polizei gehen und fuer klare Verhaeltnisse sorgen!

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