Urlaubsanspruch bei Kündigung in der Probezeit in der 2. Jahreshälfte?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Zum Urlaubsanspruch beim gegenwärtigen Arbeitgber:

Ich bleibe über 6 Monate, habe aber in der Probezeit gekündigt.

Das ist nicht richtig: Du bleibst nicht über 6 Monate, sondern genau 6 Monate. Dass Du in der Probezeit gekündigt hast, ist belanglos.

- Habe ich Auspruch auf den vollen Jahresurlaub?

Nein!

Anspruch auf den vollen Jahresurlaub (mindestens - je nach vertraglicher Vereinbarung - den gesetzlichen Urlaub) hättest Du entsprechend Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 nach 6-monatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses - also erst mit 6 Monaten und 1 Tag der Dauer des Arbeitsverhältnisses.

Darum hat ja zum Beispiel ein Arbeitnehmer, der seit dem 01.01. eines Jahres im Arbeitsverhältnis ist, erst dann einen Anspruch auf den vollen (mindestens gesetzlichen) Jahresurlaub, wenn das Arbeitsverhältnis erst in der 2. Jahreshälfte beendet wird, als nach dem 30.06. - mithin nach 6 Monaten und nicht mit 6 Monaten!

Du hast demnach Anspruch auf Urlaub für 6 Monate, als von 6/12 (der Hälfte) Deines Urlaubsanspruchs.

Zur Anrechnung von Urlaub bei einem früheren Arbeitgeber:

Da Du nur einen anteiligen Anspruch auf den beim gegenwärtigen Arbeitgeber vereinbarten Urlaub hast, wird der Urlaub, den Du in diesem Kalenderjahr bereits bei einem vorherigen Arbeitgeber genommen hast, nicht angerechnet!

Dabei kommt es allerdings darauf an, dass Du keinen höheren Anspruch als beim jetzigen Arbeitgeber hattest und der tatsächlich beim früheren Arbeitgeber genommene Urlaub den anteilsmäßigen Anspruch nicht überschritten hat.

Gerd, wird haben uns beide verrechnet. April bis Oktober sind tatsächlich 7 Monate!

@DarthMario72

Ja klar sind das 7 Monate!

Ich hatte aber nur auf den 30.09. geachtet und damit gerechnet! Wie blöd!!! :-((

@DarthMario72

Echt peinlich, DarthMario72!

Ich hoffe ja, Du warst mit Deiner falschen Berechnung nicht beeinflusst durch meine falsche (d.h. die Berechnung selbst war nicht falsch: die Daten waren von mir falsch angenommen)!!

Also Korrektur, FreieFrage!!! Tut mir leid!!!

Dein Arbeitsverhältnis hat also tatsächlich 7 Monate bestanden.

Also jetzt die richtige Antwort:

Da Dein Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate bestanden hat und in der 2. Jahreshälfte endet, hast Du nach dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.

Das betrifft grundsätzlich erst einmal den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen (in Deinem Fall: 20 Arbeitstage bei einer 5-Tage Woche). Den Anspruch hast Du aber auch für den gesamten vereinbarten Urlaub von 30 Tage, wenn arbeitsvertraglich (oder in einem anzuwendenden Tarifvertrag) keine Zwölftelung/anteilige Berechnung vereinbart ist.

Wurde eine anteilige Berechnung vereinbart, dann darf der errechnete Urlaubsanspruch aber den gesetzlichen Urlaub nicht unterschreiten.

Von dem Anspruch sind bereits genommene Tage selbstverständlich abzuziehen. Der Urlaub bei einem vorherigen Arbeitgeber in diesem Kalenderjahr ist auch abzuziehen. Wenn Du diesen Anspruch einforderst (und erhältst), dann hast Du in diesem Jahr allerdings keinen Urlaubsanspruch mehr bei einem neuen Arbeitgeber.

@Familiengerd

Hallo, 

danke sehr für die Antwort! 

Ich habe dazu noch zwei Fragen:

- Wenn ich seit dem 1. April in der Firma arbeite, sollte ich nicht den Urlaub für Januar bis März abziehen und nur 3/4 vom Urlaub beim AG verlangen können?

- Bei meinem alten AG hatte ich 5 Tage in diesem Jahr genommen, allerdings waren alle 5 Tage Urlaub vom letzten Jahr. Den Urlaub für dieses Jahr (7 Tage) hatte ich ausbezahlt bekommen. Also soll ich 5, 7 oder 12 Tage abziehen? Ich habe keine Bescheinigung vom alten AG, muss ich unbedingt eine vorlegen oder nur auf Nachfrage vom AG?

Im Arbeitsvertrag steht nichts über Urlaub außer dass er 30 Tage ist.

@FreieFrage

Im Arbeitsvertrag steht nichts über Urlaub außer dass er 30 Tage ist.

Dann hast Du Anspruch auf alle 30 Tage, wenn es keine Vereinbarung zu einer anteiligen Berechnung gibt!

Abzuziehen davon sind Urlaubstage, die Du bei Deinem jetzigen Arbeitgeber bereits genommen hast, außerdem auch die 7 ausgezahlten Urlaubstage bei Deinem früheren Arbeitgeber. Die 5 Tage aus dem Anspruchsjahr 2014 spielen keine Rolle.

Also: 30 - 7 = 23 Urlaubstage (abzüglich eventuell bereits genommener Tage beim jetzigen Arbeitgeber), die ausgezahlt werden müssen, wenn (da) Du sie bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nicht mehr nehmen kannst. Und wie bereits gesagt: Bei einem neuen Arbeitgeber hast Du in diesem Jahr dann keinen Urlaubsanspruch mehr.

Solltest Du arbeitslos werden: Wenn der Urlaub ausgezahlt wird, wird der Betrag nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet, allerdings verschiebt sich der Bezugszeitraum des Arbeitslosengeldes für die Dauer des abgegoltenen Urlaubs nach hinten (es gibt also keine finanzielle Einbuße, außer einer Sperre wegen der Eigenkündigung).

@Familiengerd

Vielen Dank!! 

Eine letzte Frage: Ich habe bis Mitte März beim alten AG gearbeitet und ab 1. April beim neuen. Muss ich den halben Monat dazwischen auch als Urlaub abziehen, auch wenn ich kein Geld in der Zeit gekriegt habe?

@FreieFrage

Ich war nicht arbeitslos angemeldet oder sonstwas. Ich habe einfach die eine Stelle verlassen nachdem ich neuen Vertrag hatte und den 1. des Monats abgewartet, da man bei der neuen Firma nur am 1. anfangen konnte. Die Zeit habe ich natürlich als Urlaub benutzt aber halt nicht bezahlt gekriegt.

@FreieFrage

Muss ich den halben Monat dazwischen auch als Urlaub abziehen, auch wenn ich kein Geld in der Zeit gekriegt habe?

Nein!

Wenn das alte Arbeitsverhältnis Mitte März geendet hat oder aber erst Ende März, die 2. Märzhälfte dann unbezahlter Urlaub war, spielt das für den Urlaubsanspruch beim neuen Arbeitgeber keine Rolle: es werden nur die 7 Tage abgezogen, die Du tatsächlich als bezahlten Urlaub beim alten Arbeitgeber genommen hast (wie in meinem voran gegangenen Kommentar beschreiben).

@FreieFrage

Das war lediglich ein fürsorglicher Hinweis, welche Berücksichtigung ausgezahlter Urlaub auf den Anspruch auf Arbeitslosengeld erfährt, wenn Du jetzt arbeitslos werden solltest.

@Familiengerd

Vielen Dank!!!

Nein, soweit ich weiss nicht. Du hast 7/12 vom Jahresurlaub, weil du A. nicht vom Anfang des Jahres dort beschäftigt warst und B in der Probezeit selber gekündigt hast.

Ich kann mich auch Irren, aber so kenne Ich das.

Du hast 7/12 vom Jahresurlaub

Wie kommst Du auf 7/12?? Es waren 6 Monate, also 6/12 (die Hälfte des vereinbarten Urlaubs).

Außerdem:

Die Tatsache, dass er nicht seit Anfang des Jahres beschäftigt war und in der Probezeit selbst gekündigt hat, spielt für sich alleine genommen jeweils überhaupt keine Rolle!

Wenn das Arbeitsverhältnis mehr als 6 Monate (also mindestens 6 Monate plus 1 Tag) bestanden hat und in der 2. Jahreshälfte (also nach dem 30.06.) endet - warum und wie: das spielt keine Rolle -, dann besteht Anspruch auf den vollen (mindestens - je nach vertraglicher Vereinbarung - den gesetzlichen) Jahresurlaub!

Du hast 7/12 vom Jahresurlaub

7/12 für 6 Monate?

weil du A. nicht vom Anfang des Jahres dort beschäftigt warst

Das ist nicht unbedingt relevant.

und B in der Probezeit selber gekündigt hast.

Und das ist mal völlig irrelevant.

Ich kann mich auch Irren

Das ist der einzige inhaltlich korrekte Satz in deiner Antwort.

@DarthMario72

Ups, sorry, hast richtig gerechnet

@DarthMario72

O verdammt, ich habe nur gelesen: "(30. September)"!

Das "zum 31. Oktober" ist mir völlig durchgegangen!

Hallo, Rockuser!

Da muss ich Abbitte leisten! Du hattest mit 7/12 selbstverständlich völlig Recht!

Ich hatte nur auf den 30.09. geachtet!!!

Tut mir leid!!!!

@Familiengerd

Ergänzung:

Das kommt davon, wenn man Fußball im TV anschaut, dabei Bier trinkt und sich anschließend an den PC setzt, um Fragen in gutefrage.net zu beantworten! :-(

Trotzdem:

Es besteht nicht Anspruch auf 7/12 des Urlaubs, sondern auf den gesamten (mindestens den gesetzlichen)!!

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