Urlaubsanspruch 450-€ Job (Schüler)?

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Mein Chef meinte darauf hin, dass ich keinen Anspruch darauf hätte und wenn ich darauf bestehe, dann würden sie mich kündigen.

Selbstverständlich hast Du einen Urlaubsanspruch, auf den weder "freiwillig" noch erzwungen verzichtet werden darf - Jugendarbeitsschutzgesetz JArbSchG § 19 "Urlaub" Abs. 1:

Der Arbeitgeber hat Jugendlichen für jedes Kalenderjahr einen bezahlten Erholungsurlaub zu gewähren.

Ein Verstoß dagegen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Strafe bis zu 15.000 € (bei Gesundheitsgefährdung auch mit einer Haftstrafe) geahndet werden: JArbSchG § 58 "Bußgeld- und Strafvorschriften".

Dein Urlaubsanspruch richtet sich, wie Du selbst schon richtig gesagt hast, nach dem JArbSchG § 19"Urlaub" Abs. 2.

Allerdings bezieht sich der gesetzliche Urlaubsanspruch auf eine Beschäftigung mit 6 Arbeitstagen in der Woche, denn er wird in "Werktagen" formuliert und nicht in "Arbeitstagen" (und "Werktage" sind alle Tage, die keine Sonn- oder Feiertage sind von Montag bis Samstag, in aller Regel also Montag bis Samstag).

Basis für die Berechnung Deines individuellen anteiligen Urlaubsanspruch ist also die Anzahl Deiner Arbeitstage pro Woche.

Machen wir ein Rechenbeispiel bei einem angenommenen Anspruch von 25 Werktagen, einem Alter von 17 Jahren und 2 Arbeitstagen pro Woche:

25 Werktage gesetzlicher Urlaubsanspruch ./. 6 Werktage * 2 individuelle Wochenarbeitstage = 8,33 Arbeitstage als individuelle Urlaubstage

In diesem Beispiel hättest Du also 8,33 Arbeitstage, die Du als Urlaubstage freinehmen könntest.

Es ist nur die Frage, wie Du Dein Recht durchsetzen kannst.

Da es sich - nehme ich an - wohl um einen Kleinbetrieb handelt (nicht mehr als - umgerechnet - 10 Vollzeitkräfte), hast Du keinen Kündigungsschutz. Der Arbeitgeber könnte dir also, wenn Du Deinen Urlaub verlangst, ohne Begründung kündigen; und Du hättest keine Chance, Dich dagegen zu wehren, es sei denn, Du könntest (was eher unwahrscheinlich sein dürfte) den Zusammenhang zwischen Geltendmachen Deines Urlaubsanspruch und der Kündigung nachweisen - sie wäre dann willkürlich und damit rechtswidrig, trotzdem wirksam, wenn Du nicht (innerhalb von 3 Wochen)n gegen die Kündigung klagen würdest.

Es ist allerdings die Frage, ob Du überhaupt bei einem solch rechtswidrig verfahrenden Arbeitgeber bleiben willst (wahrscheinlich gibt es da auch noch andere "Baustellen").

Den Dir zustehenden Urlaubsanspruch kannst Du übrigens auch noch nachträglich einfordern und geltend machen und gegebenenfalls gerichtlich durchsetzen, wobei aber Fristen zu beachten sind:

Entweder gibt es vertraglich vereinbarte kurze Ausschlussfristen (arbeitsvertraglich mindestens 3 Monate, tarifvertraglich mindestens 1 Monat, meist 3 Monate), nach deren Verstreichen ab Fälligkeit der Forderung diese verfallen ist, oder es gilt (ohne vereinbarte Ausschlussfristen) die gesetzliche Verjährungsfrist von 3 Jahren nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 195 "Regelmäßige Verjährungsfrist" - für Forderungen aus 2018 also bis zum 31.12.2021, aus 2019 bis zum 31.12.2022).

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Beruf/Ehrenamt, lange private Beschäftigung mit Arbeitsrecht

Hi, erstmal Danke für die umfassende Antwort. Es handelt sich tatsächlich um einen großen Betrieb. Ein Hotel um genau zu sein. Ich weiß halt nicht ob es sich für mich lohnen würde, auf meinen Anspruch zu bestehen. Ich hätte einen Anspruch von etwa 7 Urlaubstagen pro Jahr.

@onepexel2

Großer Betrieb, Hotel? Dann ist ein solches Verhalten des Arbeitgebers schon sehr befremdlich.

Ob es sich für Dich lohnt, wegen Deiner Ansprüche in einen Konflikt mit Deinem Arbeitgeber zu treten, kann ich nicht beurteilen, das musst Du selbst für Dich entscheiden (ich persönlich würde darauf bestehen und dem Arbeitgeber "einheizen").

Aber Du hast ja gegebenenfalls immer noch die Möglichkeit der nachträglichen Einforderung (Schadenersatz in Höhe des vorenthalten Urlaubsentgelts).

@Familiengerd

Nachtrag:

Du hast übrigens Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz KSchG.

Das heißt, dass der Arbeitgeber für eine Kündigung einen triftigen und gegebenenfalls vor Gericht belegbarn Grund haben muss: betriebs-, personen- oder verhaltensbedingten.

Auch ein Minijobber hat den Anspruch auf 4 Wochen bezahlten Urlaub pro Kalenderjahr. Er ist ein Arbeitnehmer wie alle anderen auch.

Das gilt auch für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (bis zu 6 Wochen)

Wenn er dir kündigt, muss er dir den noch nicht erhaltenen Urlaub ausbezahlen. Da kommst du ohne weiteres beim Arbeitsgericht Recht. (das kostet nichts , und du brauchst auch KEINEN Anwalt)

Vielen Dank

Er schein der Meinung, dass er Anspruch auf vollen und nicht anteiligen Urlaub hat.

Auch Minijobber haben ein Recht auf Urlaub. ... Auch Minijobber haben einen gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub. Arbeitnehmer, die einen Minijobausüben, gelten nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) als Teilzeitbeschäftigte und haben damit wie jeder Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.

Quelle: Mini-Job-Zentrale

https://blog.minijob-zentrale.de/2014/05/26/auch-minijobber-haben-ein-recht-auf-urlaub/comment-page-1/

Danke, genau das hab ich gelesen. Deswegen verstehe ich nicht, warum man mich aus diesem Grund kündigen sollte

@onepexel2

Weil du auf deinem RECHT bestehst.

Das wird bei Mini-Jobbern nicht gerne gesehen.

Hab das selbst im wachdienst, in der Personalplanung, erlebt. Wenn ein Minijobber auf seine Rechte pochte, wurde man ihn schnell los.

"Wenn sie Urlaub haben wollen, müssen Sie den einklagen. Aber Sie dürfen sich nicht wundern, wenn wir keine arbeit mehr für Sie finden!"

So die Worte vom Geschäftsführer gegenüber einem Minijobber.

Wohl wissend, dass kaum wer bei einem Minijob vors Arbeitsgericht geht. Der Erfolg steht in keiner Relation zu den Kosten und zum Ärger.

Der von Dir angegeben Anspruch bezieht sich auf einen Vollzeit-Beschäftigung. Somit hast Du nur anteiligen Anspruch auf Urlaub. Wenn Du jede Woche einen Tag arbeitetest, hast Du zum Beispiel bei 4 Wochen Urlaubsanspruch, 4 Tage Jahresurlaub.

Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend (Jugendarbeitsschutzgesetz - JArbSchG)
§ 19 Urlaub
(1) Der Arbeitgeber hat Jugendlichen für jedes Kalenderjahr einen bezahlten Erholungsurlaub zu gewähren.
(2) Der Urlaub beträgt jährlich
1.
mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist,
2.
mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 17 Jahre alt ist,
3.
mindestens 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 18 Jahre alt ist.

@onepexel2

Dein Hinweis auf das Jugendarbeitsschutzgesetz JArbSchG ist ja völlig richtig.

Allerdings hast Du bei einem Teilzeitjob (das ist auch der Minijob) auch nur einen zeitanteiligen Urlaubsanspruch. Der Urlaubsanspruch, wie er im Gesetz formuliert ist, bezieht sich auf eine 6-Tage-Woche (die genannten "Werktage" sind alle Tage, die keine Sonn- oder Feiertage sind von Montag bis Samstag, in aller Regel also Montag bis Samstag).

Basis für die Berechnung Deines individuellen anteiligen Urlaubsanspruch ist also die Anzahl Deiner Arbeitstage pro Woche.

Rechenbeispiel bei einem angenommenen Anspruch von 25 Werktagen, einem Alter von 17 Jahren und 2 Arbeitstage/Woche:

25 Werktage gesetzlicher Urlaubsanspruch ./. 6 Werktage * 2 individuelle Wochenarbeitstage = 8,33 Arbeitstage als individuelle Urlaubstage

Das gilt laut Gesetz, für alle Arbeitnehmer

@onepexel2

und was steht im Arbeitszeitgesetz?

@Novos

Und was soll das Arbeitszeitgesetz mit dem Urlaubsanspruch zu tun haben?!?

Nichts!!

Der 👍 war selbstverständlich ein Versehen!

@Familiengerd

Da stehen auch die Arbeitszeiten der Vollbeschäftigung, das wollte ich verdeutlichen. Er scheint der Meinung zu sein, dass er den vollen Urlaubsanspruch, wie ein vollbeschäftigter in Anspruch nehmen kann.

@Novos

Die Arbeitszeiten (ob Vollbeschäftigung oder Teilzeitbeschäftigung) haben aber überhaupt nichts mit dem Urlaubsanspruch zu tun - und das Arbeitszeitgesetz auch nicht!

Es kommt alleine darauf an, auf wie viele Arbeitstage die Arbeitszeit verteilt ist!

Ein Teilzeitbeschäftigter, der seine Arbeitszeit auf genau so viele Arbeitstage verteilt wie ein Vollzeitbeschäftigter, hat auch die gleiche Anzahl von Arbeitstagen als Urlaubstage.

@Familiengerd

Das habe ich versucht, ihm zu erklären, dann hat er dem Urlaubsgesetz geantwortet, wie du nachlesen kannst. Lese bitte meine erste Antwort.

@Novos

Das mit der anteiligen Berechnung ist natürlich richtig (wobei es nicht 4 Wochen sind, sondern der Anspruch nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz JArbSchG ist: 27 bzw. 25 Werktage).

Trotzdem spielt das von Dir angeführte Arbeitszeitgesetz überhaupt keine Rolle, wie ich ja - eigentlich nachvollziehbar - erklärt habe!

Der Anspruch auf einen nur anteiligen Urlaub ergibt sich alleine aus dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG bzw. hier (bei einem Jugendlichen) aus dem JArbSchG!

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