Urlaub gestrichen. Darf der Chef das?

11 Antworten

nein, das darf er nur in echten notfällen, wenn z.b. dein mann der einzige mitarbeiter ist, ohne den der betrieb nicht laufen würde. auch wenn es keine schriftliche vereinbarung oder eine genehmigt urlaubsliste gibt, gerade arbeitnehmer mit schulpflichtigen kindern müssen vorranig in den schulferien urlaub nehmen.

wenn der urlaub anfang des jahres, ggf. auch stillschweigend genehmigt wurde, dann gilt das als fest vereinbart. der chef deines mannes muss ggf. leihkräfte für die urlaubsphase einstellen.

es spricht weder für ein gutes betriebsklima noch für einen "guten" chef, der so rücksichtslos gegen die interessen seiner mitarbeiter verstößt. aber das ist heute wohl die regel, dass chefs in zeiten von relativ hoher arbeitslosigkeit drauf bauen, dass man von seinen leuten auch gesetzeswidrig alles verlangen kann, und die dann aus angst vor jobverlust alles mitmachen. das sind methoden aus dem mittelalter.

es wird auf die frage hinauslaufen, ob dein mann die auseinandersetzung mit seinem chef und ggf. den job riskiert. in so einer firma wird das arbeiten ohnehin wohl kaum freude bereiten. ggf. kennt er nur nicht die rechte der mitarbeiter und die gesetzlichen regeln und ein vernünftiges gespräch kann helfen und die sache regeln, einfach versuchen.


Genehmigter Urlaub darf nur in extremen Notfällen widerrufen werden. Oder mit Einverständnis des Arbeitnehmers. Eine hohe Auftragslage reicht nicht als Begründung.

Es ist schade, dass es keine schriftliche Genehmigung gibt. Denn eine Genehmigung müsste man nachweisen, wenn man (ggf vor dem Arbeitsgericht) den Urlaubsanspruch erstreiten möchte.

Andererseits ist es auch unzumutbar, wenn der Betrieb nach einem Urlaubsantrag am Jahresanfang nicht reagiert und seine Anwort offen lässt. Nach der Rechtsprechnung ist zu erwarten, dass der Betrieb innerhalb einer angemessenen Zeit (und nach einem Urteil war da von 4 Wochen die Rede) eine definitive Antwort auf den Antrag reagieren soll, und diese Antwort kann nur heißen ja oder nein. Und nicht etwa "Vielleicht, warten wir mal ab".

Beim Urlaub spielt es auch nicht nur eine Rolle, ob bereits Buchungskosten entstanden sind. Der Erholungswert gemeinsam mit der Familie spielt ebenfalls eine große Rolle. Es macht schon einen Unterschied, ob man mit den Kindern jetzt im Sommer oder erst im eventuell regnerischen Herbst Urlaub macht. Und dann auch noch ohne den Partner, weil dieser den Urlaub schon für jetzt eingereicht hatte.

Dein Mann könnte also durchaus sein Recht auf den genehmigten Urlaub einfordern. Es ist die Frage, ob er das im Gespräch mit dem Chef schafft, oder ob er ein Arbeitsgericht einschaltet oder ob er sich den Aufwand ersparen will.

Der Chef darf einen Urlaubswunsch ablehnen oder verschieben. Nur ein bereits bewilligter Urlaub (siehe Urlaubsplan oder Dienstplan) darf nicht ohne weiteres versagt werden. Auch mit schulpflichtigen Kindern steht dir nur ein Mindesturlaub von 14 Tagen pro Jahr in den Ferien zu.

....und diese Bewilligung kann auch durch Stillschweigen geschehen. Sonst bräuchte der AG nur zu schweigen und jeder Urlaubsplan wäre vakant.

In besonderen Fällen darf er, und volle Auftragsbücher sind so ein besonderer Fall. Du kannst einen Anwalt einschalten, aber ich kann mir denken, dass der Chef ihm dann das Leben schwer machen wird. Natürlich ist der gemeinsame Urlaub mit den Kindern wichtig, aber eine sicherer Arbeit zu haben wichtiger..Viell lässt der Chef doch noch mit sich reden - wenigstens eine Woche. lg

Gerade das volle Auftragsbuch genügt nicht, das ist nur Gewinnmaximierung. Der Chef muss aber seine verfügbaren Kapazitäten entsprechend der Mitarbeiterzahl planen und seine Mitarbeiter haben einen Rechtsanspruch auf Urlaub.....

@Ursusmaritimus

Da habe ich vorhin aber etwas anderes gelesen. Egal, ich würde mich nicht mit dem Chef anlegen, wenn ich eine Familie habe. lg

@KaeteK

Die Erwiderung von Ursusmaritimus korrekt!

Da habe ich vorhin aber etwas anderes gelesen.

Es ist durchgängige und vom Bundesarbeitsgericht bestätigte Rechtsprechung, dass ein Arbeitgeber in der Regel keine Handhabe hat, einen einmal genehmigten Urlaub zu widerrufen.

Eine Ausnahme davon wäre allenfalls dann gegeben, wenn durch den Urlaub des Arbeitnehmers die Existenz des Betriebs gefährdet wäre!

@KaeteK

"....ich würde mich nicht mit dem Chef anlegen, wenn ich eine Familie habe."

Das würde dann aber in diesem Fall heißen dass die Frau eben womöglich für jetzt Urlaub beantragt hat und im Herbst keinen Urlaub mehr hat. Die Familie verbringt also keinen gemeinsamen Urlaub mehr. Und wenn man es sich jetzt gefallen lässt, ist es vermutlich im nächsten Jahr nicht anders.

Ich kenn mich da nicht so aus, aber ich glaube ohne schrifliche Bestätigung wirst du nichfs machen können. regel das nächstes mal besser schriftlich

Dass die Firma, das auf die Reihe bekommt, sowas schriftlich festzuhalten, wage ich zu bezweifeln. Das funktioniert schon die letzten 10 Jahre nicht. Da kann man reden was man will.

Aber immer noch besser als gar keine Arbeit.

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