Urlaub gestrichen. Darf der Chef das?

5 Antworten

Genehmigter Urlaub darf nur in extremen Notfällen widerrufen werden. Oder mit Einverständnis des Arbeitnehmers. Eine hohe Auftragslage reicht nicht als Begründung.

Es ist schade, dass es keine schriftliche Genehmigung gibt. Denn eine Genehmigung müsste man nachweisen, wenn man (ggf vor dem Arbeitsgericht) den Urlaubsanspruch erstreiten möchte.

Andererseits ist es auch unzumutbar, wenn der Betrieb nach einem Urlaubsantrag am Jahresanfang nicht reagiert und seine Anwort offen lässt. Nach der Rechtsprechnung ist zu erwarten, dass der Betrieb innerhalb einer angemessenen Zeit (und nach einem Urteil war da von 4 Wochen die Rede) eine definitive Antwort auf den Antrag reagieren soll, und diese Antwort kann nur heißen ja oder nein. Und nicht etwa "Vielleicht, warten wir mal ab".

Beim Urlaub spielt es auch nicht nur eine Rolle, ob bereits Buchungskosten entstanden sind. Der Erholungswert gemeinsam mit der Familie spielt ebenfalls eine große Rolle. Es macht schon einen Unterschied, ob man mit den Kindern jetzt im Sommer oder erst im eventuell regnerischen Herbst Urlaub macht. Und dann auch noch ohne den Partner, weil dieser den Urlaub schon für jetzt eingereicht hatte.

Dein Mann könnte also durchaus sein Recht auf den genehmigten Urlaub einfordern. Es ist die Frage, ob er das im Gespräch mit dem Chef schafft, oder ob er ein Arbeitsgericht einschaltet oder ob er sich den Aufwand ersparen will.

Der Chef darf einen Urlaubswunsch ablehnen oder verschieben. Nur ein bereits bewilligter Urlaub (siehe Urlaubsplan oder Dienstplan) darf nicht ohne weiteres versagt werden. Auch mit schulpflichtigen Kindern steht dir nur ein Mindesturlaub von 14 Tagen pro Jahr in den Ferien zu.

....und diese Bewilligung kann auch durch Stillschweigen geschehen. Sonst bräuchte der AG nur zu schweigen und jeder Urlaubsplan wäre vakant.

Antworten hast Du ja schon genügend erhalten. Ich kann Euch nur empfehlen, künftig den Urlaubswunsch aufzuschreiben und ein "genehmigt ....." daruntersetzen. Dies soll dann die Chefin unterschreiben. Dann kann sie auf gar keinen Fall zurück. Ausnahme wäre, wenn Dein Mann leitender Angestellter ist und die Firma zusammenbricht, wenn er genau zu diesem Zeitpunkt fehlt.

nein, das darf er nur in echten notfällen, wenn z.b. dein mann der einzige mitarbeiter ist, ohne den der betrieb nicht laufen würde. auch wenn es keine schriftliche vereinbarung oder eine genehmigt urlaubsliste gibt, gerade arbeitnehmer mit schulpflichtigen kindern müssen vorranig in den schulferien urlaub nehmen.

wenn der urlaub anfang des jahres, ggf. auch stillschweigend genehmigt wurde, dann gilt das als fest vereinbart. der chef deines mannes muss ggf. leihkräfte für die urlaubsphase einstellen.

es spricht weder für ein gutes betriebsklima noch für einen "guten" chef, der so rücksichtslos gegen die interessen seiner mitarbeiter verstößt. aber das ist heute wohl die regel, dass chefs in zeiten von relativ hoher arbeitslosigkeit drauf bauen, dass man von seinen leuten auch gesetzeswidrig alles verlangen kann, und die dann aus angst vor jobverlust alles mitmachen. das sind methoden aus dem mittelalter.

es wird auf die frage hinauslaufen, ob dein mann die auseinandersetzung mit seinem chef und ggf. den job riskiert. in so einer firma wird das arbeiten ohnehin wohl kaum freude bereiten. ggf. kennt er nur nicht die rechte der mitarbeiter und die gesetzlichen regeln und ein vernünftiges gespräch kann helfen und die sache regeln, einfach versuchen.


Im Prinzip ja. Er muss es nur gut begründen und es nicht aus einer Laune heraus machen. Es ist ja auch im Interesse deines Mannes, wenn der Laden läuft. Das mit den Herbstferien würde ich mir allerdings schriftlich geben lassen.

Im Prinzip ja.

Umgekehrt: Im Prinzip nein (jedenfalls in Deutschland)!

Es ist durchgängige und vom Bundesarbeitsgericht bestätigte Rechtsprechung, dass ein Arbeitgeber in der Regel keine Handhabe hat, einen einmal genehmigten Urlaub zu widerrufen.

Eine Ausnahme davon wäre allenfalls dann gegeben, wenn durch den Urlaub des Arbeitnehmers die Existenz des Betriebs gefährdet wäre!

@Familiengerd

Er hat es ja gut begründet: Auftragslage und es liegt keine beweisbare Genehmigung vor.

@Realisti

Er hat es ja gut begründet: Auftragslage

Unsinn!

Wenn ein Urlaub genehmigt wurde, dann ist das absolut kein Grund, eine Urlaubsgenehmigung zu widerrufen!

Ich habe schließlich geschrieben: "wenn durch den Urlaub des Arbeitnehmers die Existenz des Betriebs gefährdet wäre" - und das ist dann nicht gegeben. Offensichtlich berücksichtigst oder verstehst Du das nicht!

es liegt keine beweisbare Genehmigung vor

Das wäre noch zu prüfen (ob es eventuell Zeugen gibt).

Außerdem wäre - im Fall einer juristischen Auseinandersetzung - zu beachten, dass im Betrieb solche Anträge und Genehmigungen grundsätzlich mündlich erfolgen; und es käme auch auf einen Augescheinbeweis und die Schlüssigkeit des Klägervortrags an.

@Familiengerd

Heute kams auf 1life. Der Arbeitgeber darf den Urlaub nur im Extremnotfall streichen.Wobei hier die Beweiskraft eines geschriebenen Antrags fehlt. Wenn es also vor Gericht ginge.....
Ich würde auch überlegen. Was passiert wenn ich mein Recht durchsetzte? Hat der Arbeitnehmer mit Sanktionen zu rechnen? Wie ist sein Stand in der Firma? Das kann nur die Fragestellerin beantworten. Mann muss ja schließlich noch eine Weile mit dem Chef auskommen. Wenn das öfters passiert, sollten sich die Mitarbeiter zusammenschließen und mal mit ihm reden. Ob ich das auch alleine machen würde? Keine Ahnung.

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