Unterlassene Hilfeleistung vom Krankenwagen, war dies rechtens?

5 Antworten

Moin,

ich kann nur aus meiner Sicht als bis vor Kurzem beruflicher Rettungsassistent berichten. Wie ein Staatsanwalt die Situation bewerten würde, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Meiner Einschätzung nach wurde definitiv die Sorgfaltspflicht einer RTW-Besatzung durch die Mitarbeiter außer Acht gelassen. Möglicherweise wurde der Straftatbestand einer unterlassenen Hilfeleistung erfüllt, was jedoch auch voraussetzen würde, dass "ein Unglücksfall, gemeine Gefahr oder Not" vorliegt. Ob diese im juristischen Sinne unmittelbar vorliegt, wenn jemand alkoholisiert ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Dazu müsste man wissen, ob der Staatsanwalt o.a. die vorliegende Alkoholisierung als "Not" o.ä. einstufen würde. Strafverschärfend käme möglicherweise noch die sogenannte Garantenstellung der Einsatzkräfte hinzu.

Aus meiner Erfahrung: Ich habe in einer großen Stadt im Rettungsdienst gearbeitet. Alkoholintoxikationen, insbesondere am Wochenende, sind äußerst lästig, besonders wenn sie das Eingreifen eines Rettungsmittels notwendig machen. Die Einsatzzahlen in meiner Stadt steigen pro Jahr stetig und damit auch die Kosten. Somit kann ich den Unmut der Besatzung nur zu gut verstehen, insbesondere da ich mir vorstellen kann, dass dies nicht der erste Einsatz dieser Art auf dem Dorffest war. Ich an deren Stelle hätte vielleicht auch gemotzt, wäre jedoch nicht tatenlos abgezogen.

Ich bin der Auffassung, dass ein alkoholisierter Mensch nur dann die Kapazitäten einer Klinik/Notaufnahme belasten sollte, wenn er durch die Intoxikation akut gefährdet ist. Das ist jetzt natürlich nur eine grobe Umschreibung der Indikation zur klinischen Aufnahme. Worum es mir eigentlich geht: Wenn ich beruflich mit einem soweit ungefährdetem alkoholintoxikiertem Menschen zu tun hatte, sah ich es als die beste Lösung an, ihn in die Obhut der Polizei zu übergeben, die ihn dann kostenpflichtig in der Zelle ausschlafen ließen. Das war dann zugleich noch ein Lerneffekt ;)

Krankenwagen gibt es übrigens, sind aber nicht das gleiche wie ein Rettungswagen. Ein Rettungswagen übernimmt die präklinischen medizinische Notfallversorgung, ein Krankenwagen nicht. Was also vor dir stand, war mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ein Rettungswagen. Gleiches gilt für die Besatzung: Es gibt keine Sanitäter. Die Berufsbezeichnungen lauten entweder Rettungssanitäter, Rettungsassistent und Notfallsanitäter. Die Qualifikation dieser Kräfte steigt hier von links nach rechts. Sanitäter an sich ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Nur um das auch eben gesagt zu haben ;)

Habe ich deine Fragen soweit beantwortet oder ist noch etwas offen geblieben?

Lieben Gruß :)

Das Alte Leid.

Im Prinzip gibt es für betrunkene "Hilflose Personen" die Ausnüchterungszelle bei der Polizei. -Dazu müsste aber erstmal geklärt werden, dass wirklich "nur" zuviel Alkohol das Problem ist.

Jemand der nicht krank und/oder verletzt ist ist tatsächlich kein Fall für Rettungsdienst und Krankenhaus. Andererseits kann man Hilflose Personen auch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen (unterlassene Hilfeleistung). Wieder andererseits warst du ja auch da und hast dich um den Typen gekümmert -er war also gewissermaßen schon in Betreuung.

Ich denke letztlich müsste ein Gericht entscheiden, ob und wenn ja welche Straftat hier begangen wurde.

Am Ende kann es auch noch Gründe für die Entscheidung des Rettungsdienstes gegen einen Transport gegeben haben. Z. B. wenn damit der einzige RTW weit und breit belegt worden wäre und für "richtige" Notfälle nicht mehr zur Verfügung steht. Gerade Nachts ist die Rettungsdienstliche Versorgung in vielen ländlichen Bereichen ziemlich ausgedünnt.

Auf jedem Volksfest gibt es jemandem vom Malteser Hilfsdienst, DRK oder sonstige Sanitäter und auch die Polizei. Das sind die ersten Ansprechpartner, wenn es sich um Betrunkene handelt.
Stell Dir mal vor, die nehmen den Menschen mit, sind vielleicht der einzige Krankenwagen weit und breit, der kommen könnte, und es passiert ein wirklicher Notfall? Bis daher Wagen wieder zum neuen Gebrauch einsatzbereit ist, vergehen Stunden, je nachdem, wie sich der Betrunkene vielleicht noch ausgelassen hat. Da bleibt einem oftmals schon die Spucke weg, ich kann den Sani dann schon gut verstehen. Ruf beim nächsten Mal jemanden, der sich damit auskennt, immer im Zweifel die Polizei. LG.

Das ist ein Grenzfall den man aus der Entfernung ohnehin nicht abschließend betrachten kann.

Wenn du siehst wie viele Besoffene den Rettungsdienst als Liegendtaxi, warum wohl gibt es den Begriff, missbrauchen wundert dich die Reaktion der RDler nicht mehr wirklich.

Ja so was soll nicht passieren aber im RD arbeiten auch nur Menschen. Der zweite Einsatz wird ihnen sicher eine Lehre gewesen sein.

Das erste Mal wäre es besser gewesen statt dem Krankenwagen die Polizei zu rufen, die können so einen in die Ausnüchterungszelle stecken, oder entscheiden , was zu tun  ist!

Dann wäre das weitere wahrscheinlich vermieden worden!

du solltest aber einen Betrunkenen nicht gleich als Alkoholiker bezeichnen!

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