Sohn enterbt, Erbe einfordern, Berliner Testament?

5 Antworten

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Falls ich den Sachverhalt richtig interpretiere, müssen meine Schwester und ich von der Erbin jeweils 50% (d.h. zusammen 100%) des Nettonachlasses zum Todestag meines Vaters einfordern, da das Testament von 2018 unwirksam ist. Sie hat zwar Kenntnis von dem Testament meines Vaters von 1992, denkt aber es wäre nicht mehr relevant.

Das kommt darauf an: Haben sich eure Eltern als befreite Vorerben eingesetzt, durfte der längsglebende Vater über seinen Nachlass zugunsten seiner Lebensgefährtin derart frei verfügen. Dieses schlichte Adjektiv wäre hinreichend :-O

Falls ihr das Ehegattentestament dahingehend überprüft (einer besonderen Klausel bedarf es nicht!) oder als lesbares Foto einstellt, könnte man zielführend und belastbar Stellung nehmen.

Ich glaube, sie geht davon aus, dass meine Schwester und ich Anspruch auf einen Pflichtteil von jeweils 25% haben.

Das stimmt, sofern eure (Nichtmehr-)Berücksichtigung als Erben zuträfe. Am Reinnachlass, also Vermögen ohne den Voraus an Geschenken, Haushaltsgegenständen, dem Familienauto und nach Abzug (auch hälftig gemeinsamer) Verbindlichkeiten und der Bestattungskosten und wohlgemerkt nur in Geld.

G imager761

vielen Dank...das Testament beinhaltet keinerlei "Befreiung"

heute habe ich erfahren, dass das damalige Ehegattentestament wohl im Berliner Zentralregister vorliegt und das beide Amtsgerichte (Todesort Mutter sowie Todesort Vater) ihre Informationen bereits ausgetauscht haben. Sie meinten, alles wird automatisch ablaufen und wir bräuchten erst einmal keinen Anwalt (??)

@Sonne2345

Wie gagt, ohne Ablichtung oder wortwörtliche Wiedergabe des Ehegattentestament ist keine belastbare Antwort möglich. Viele Formulierungen eines Notars, die in dieser Richtung verfügen, sind dem Laien nicht auf den ersten Blick verständlich.

Für eure Ansprüche gelten Verjährungsfristen von 3 Jahren (Pflichtteilsforderung), gar 30 Jahre (Erbansprüche), was eine voreilige und kostenträchtige anwaltliche Vertretung nicht erforderlich macht.

Das kommt darauf an: Haben sich eure Eltern als befreite Vorerben eingesetzt, durfte der längsglebende Vater über seinen Nachlass zugunsten seiner Lebensgefährtin derart frei verfügen.

Das sehe ich nicht so. Auch der befreite Vorerbe darf den Nacherben nicht vorsätzlich schädigen, er darf nur als Vorerbe (deswegen heißt er ja so) freier über das Erbe verfügen als wäre er nicht befreit. Verschleudern oder vorsätzlich den Nacherben durch Schenkungen oder anderweitige testamentarische Regelungen am Nacherbe hindern wäre m.W. eben gerade *nicht* mehr von der Befreiung erfasst. Dafür hätte der Vorverstorbene im Berliner Testament explizit eine Öffnungsklausel einbringen müssen.

@FordPrefect

Das ist schlicht falsch. Ein befreiter Vorerbe darf über sein Vermögen selbstverständlich frei verfügen und etwa seine Lebensgefährtin - wie hier geschehen - als Alleinerbin seines Nachlasses durch gewillkürte Erbeisetzung per Testament verfügen :-)

Das ist der Regelfall, um neue Ehegatten oder Lebenspartner, gar nachgeborene Kinder nicht von ihrem gesetzlichen Erbrecht auszuschliessen oder undankbaren Kindern, die eine neue Partnerschaft mobben, dafür noch als Nacherben belohnen zu müssen.

Von schädigen, verschleudern, verschenken seines Vorerbes habe ich nicht ein einziges Wort geschrieben :-O

Google mal -> Berliner Testament. Dann bei wickipedia nachlesen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, kann das Testament nicht von dem überlebenden Ehepartner geändert werden. Wenn also darin steht, dass die Ehegatten sich gegenseitig als Erben einsetzen, und als Nacherben die Kinder, dann gilt das.

Darüber hinaus wäre die Frage zu klären, ob dein Vater so kurz vor seinem Tod überhaupt noch geistig und körperlich in der Lage war, ein rechtsgültiges Testament zu verfassen. Wenn du da Zweifel hast, Frage den behandelnden Arzt.

Ich würde dir raten, zusammen mit deiner Schwester zu einem Anwalt zu gehen.

Gehe zu einem Fachanwalt für Erbrecht. Den Pflichtteil kann Deiner Schwester und Dir niemand streitig machen, ob das neue Testament Gültigkeit hat, muß geklärt werden. Denn nach meinem Wissen kann der Letztversterbende seinen Willen ändern.

Es wird jedoch schwierig, zu beweisen, daß Dein Vater von seiner Lebensgefährtin unter Druck gesetzt wurde oder überhaupt noch verstanden hat, was er da macht.

Viel Erfolg,

Giwalato

Ohne Anwalt schafft ihr das nicht. Der Anwalt muss prüfen, ob das Berliner Testament der Eltern eine einseitige Willenserklärung des Letztversterbenden überhaupt zulässt.

Ist dem nicht so, könntet ihr vielleicht einen Erbschein beantragen und abwarten, ob der Rechtspfleger es entsprechend auslegt oder ob ihr die Unwirksamkeit des neuen Testaments einklagen müsstet/könntet.

Ist das neue Testament wirksam: müsst ihr bei der Lebensgefährtin euren Pflichtteil einfordern.

Erben geht nicht kulant.

Dieses Jahr ist leider mein Vater verstorben.

Mein Beileid.

Auf Druck seiner neuen Lebensgefährtin und ihres Anwalt verfasste mein Vater im Krankenhaus kurz vor seinem Tod ein Testament, in welchem er sie als Alleinerbin bestimmt.

Sofern der Erblasser zum Zeitpunkt der Abfassung des Testaments zurechnungsfähig war, ist das zulässig. Jedoch ist immer im Einzelfall zu prüfen, ob nicht frühere Entscheidungen dem entgegenstehen.

Das Nachlassgericht des Wohnortes von 1992 hat mir jetzt auf meine Anfrage hin den damaligen Erbschein (mein Vater beerbt meine Mutter allein) und das Testament von 1992 geschickt.

Korrekt.

Bei dem Testament von 1992 handelt es sich um ein Berliner Testament, in dem mein Vater und meine Mutter sich gegenseitig als Alleinerben einsetzten. Im Falle des Todes des Letztlebenden erben deren Kinder: Meine Schwester und ich.

Also ein klassisches Berliner Testament.

Sonst keinerlei Klausel.

Wirklich? Also auch keine Öffnungsklausel für den Willen des Nachverstorbenen? Das wäre entscheidend.

Dieses Testament wurde damals von einem Notar beim Nachlassgericht abgegeben und ist dann eröffnet worden.

Korrekt.

Falls ich den Sachverhalt richtig interpretiere, müssen meine Schwester und ich von der Erbin jeweils 50% (d.h. zusammen 100%) des Nettonachlasses zum Todestag meines Vaters einfordern, da das Testament von 2018 unwirksam ist.

Nicht von der Lebensgefährtin, sondern ihr seid beide Erben und bildet die Erbengemeinschaft. Die Lebensgefährtin hat überhaupt keine Rechte, auch kein Aufenthaltsrecht etwa in der gemeinsamen Wohnung mehr, und nicht nur sämtliche Geschäfte und Verfügungen unverzüglich zu unterlassen (bzw. rückabzuwickeln), sondern auch die Wohnung binnen 30 Tagen zu räumen.

Ich glaube, sie geht davon aus, dass meine Schwester und ich Anspruch auf einen Pflichtteil von jeweils 25% haben.

Da irrt sie sich aber gewaltig.

Sie hat zwar Kenntnis von dem Testament meines Vaters von 1992, denkt aber es wäre nicht mehr relevant.

Falsch. Bitte geht unverzüglich zu einem Anwalt, mandatiert diesen und lasst diesen die weiteren Abläufe organisieren.

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