Sind Leiharbeiter Sklaven?

5 Antworten

Nein.

Leiharbeit als Sklaverei zu bezeichnen, mag vielleicht dem Polemikbedürfnis gewerkschaftlicher Interessenvertreter entsprechen, outet aber eigentlich nur völlige Unkenntnis bezüglich dessen, was Sklaverei wirklich darstellt und bedeutet.

Sie ist ein Element im Ringen um kostengünstige und damit konkurrenzfähige Produktion durch die Möglichkeit einer flexiblen Anpassung der Beschäftigung an die Auftragshöhe. Ebenso ist sie eine Möglichkeit für gering Qualifizierte, überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.

Der Rest ist eine Angelegenheit der Tarifparteien...

Ekelhaft wenn man sowas verteidigt.

@Atlanta81

Ich verteidige die Leiharbeit doch gar nicht. Muss ich auch nicht. Weit und breit gibt es keine politische Kraft, die sie in ihrer Substanz angreift. :-)

Ansonsten urteilt hier vermutlich jemand, der selber noch nie gearbeitet hat...:-)

Ich wiederum habe während meiner Studienzeit gelegentlich auch bei zeitarbeitsfirmen geknechtet. wem willst du also was erzählen...?

Die großspuriger Kommentar blamiert dich nur selber als ahnungslos, ignorant und anmaßend.

Der Rest ist eine Angelegenheit der Tarifparteien...

Na ja, da hatte ja auch die Politik maßgeblich die Finger mit im Spiel (z. B. Agenda 2010)...

@Minilexikon

Was soll Zeitarbeit mit der Agenda 2010 zu tun haben? Die ga es auch schon lange davor.

Kurz gesagt, die Idee mit der Leiharbeit ist völlig in Ordnung und Sinvoll. Doch das was einige Firmen daraus machen und die Leiharbeit Missbrauchen ist nicht in Ordnung.

Auch das was die ARGEN anstellen, Leute ohne jegliche Mitsprache in Leiharbeit zu drücken oder mit Sanktionen drohen ist auch nicht in Ordnung.

Das führt dazu, das die Leiharbeiter sehr oft schlechter da stehen als andere Arbeitnehmer.

Leiharbeit (Arbeitnehmerüberlassung) ist legal und kann bei einer guten Firma und für individualfälle eine echte Chance sein.

Doch leider sind gute Leiharbeitsfirmen selten.

Nun in einen großen Unternehmen sind Arbeiter erst einmal keine Menschen, sondern ein Vermögenswert. Der Arbeiter kostet Summe X und man gibt ihm natürlich weniger, denn Unternehmen möchten logischerweise verdienen.

Je mehr Arbeiter einer Gruppe es gibt und desto dringender die diesen Job brauchen, desto stärker fällt der Preis. Das ist einfach Angebot und Nachfrage.

Wäre etwas besser, wenn diese Leute keine Arbeit hätten? Ich glaube nicht. Ansonsten ja in Deutschland, ist man i.d.R. selbst schuld. Hier hat man wirklich alle Möglichkeiten und kann sich selbst aus einer Arbeitslosigkeit heraus etwas ausbauen. In vielen anderen Ländern sieht das nicht so aus. Da ist der drang zu tun dann aber auch größer.

Ich denke wir Deutschen beschweren uns gern und möchten gerne, dass die Politik Sachen regelt. Das denen unser Glück wichtiger ist, als uns selbst und sie sich mehr für uns einsetzen als wir dazu bereit wären.

In anderen Ländern hungern Leute und machen 2-3 Arbeiten, teilweise normale Jobs, teilweise sind sie Selbstständig, quasi als Miniunternehmer. Lass es einen Stand in einer Straße mit Essen sein, lass es irgendwelche Rohstoffe aus Technikabfall sammeln oder was auch immer. Man tut was man tun muss um zu überleben.

Bei der Interpretation ist jeder Sklave, auch wer gut verdient, denn am Ende wird trotzdem nicht der Arbeitnehmer reich, sondern der Arbeitgeber. Wer das bekommen möchte, was er wert ist, kann sich selbstständig machen. Bei vielen wäre das ein großer Schritt nach vorn, sicher gibt es aber auch genug die sich verschlechtern würden und mit ihrer aktuellen Stellung und unseren sozialen Netz besser fahren.

Ich denke wir Deutschen beschweren uns gern und möchten gerne, dass die Politik Sachen regelt. Das denen unser Glück wichtiger ist, als uns selbst und sie sich mehr für uns einsetzen als wir dazu bereit wären.

Du vergisst offensichtlich, dass es — wie Hegemon in seiner Antwort erklärt hat — gerade die Politik war, die es den Unternehmern erlaubt hat, Arbeitnehmer über diesen Weg mehr auszubeuten, als sie es mit Festangestellten legal machen könnten. So verdienen sich die Unternehmer in beiden Szenarien (vorher und hinterher) eine goldene Nase nur, dass die betroffenen Arbeitnehmer oftmals dann heutzutage am Existenzminimum leben.

Nur weil es anderswo schlecht ist, heißt das nicht gleich, dass es hier gut ist. Vielleicht ist es dort noch schlechter, aber hier eben auch schlecht. Wenn ich jetzt einen Arm gebrochen hätte und du zwei, wärst ja auch nicht nur du krank und ich gesund.

@Minilexikon

Die Frage ist ob diese Leute dann überhaupt Jobs finden würden und es diese Stellen geben würde oder höher qualifizierte Leute, die mehr verdienen diese Tätigkeiten nebenbei mit machen müssten, wie es heute in kleinen Unternehmen oft auch noch üblich ist bei Sachen wie der Buchhaltung.

Ansonsten wenn sich das ganze nicht tragen lässt, denn verlagert man so Arbeit eben ins Ausland. Ich bin mir nur sehr unsicher, ob es irgendwem besser gehen würde, wenn es diese Jobs nicht gäbe. Oder die Leute arbeitslos wären, der Rest mehr stemmen muss und das Unternehmen gleich viel verdient oder sogar mehr via Outsourcing oder eigene Tätigkeiten im Ausland.

Leiharbeit ist durchaus sinnvoll. Besonders in kleinen Unternehmen, wenn ein Arbeitnehmer mal ausfällt für 3 oder 4 Wochen. Leider sieht die Praxis anders aus und Leiharbeiter werden als kostengünstigere Alternative zu Vollzeitangestellten benutzt. Um Sklaven handelt es sich aber nicht. Jeder Leiharbeiter kann zu jeder Zeit kündigen und gehen. 

Leiharbeit ist die Folge von Änderung der Arbeitsgesetze durch die Regierung in den 90er Jahren. Ich war in einem kleinen P.R.-Unternehmen beschäftigt und für große Projekte, z.B. eine Modenschau auf einer Messe, hat sich unsere Firma sozusagen mit Hilfskräften für knapp eine Woche verdreifacht. Zu dieser Zeit haben wir uns diese Hilfskräfte über das örtliche Arbeitsamt selbst gesucht und durch die lange Zusammenarbeit hatten die im Vorfeld der Messe bereits diverse Angebote. Alle im Gesetz vorgeschriebenen Formulare wurden von denen schon vorbereitet. Auch die Messe selbst hat solche Vermittlungen kurzfristiger Hilfskräfte angeboten.

Nach einer Gesetzesänderung wurde es mit einem Schlag sowohl umständlicher wie auch teurer und gleichzeitig schossen die Leiharbeitsfirmen wie Pilze aus dem Boden und wir wurden mit Angeboten überrannt. Ab da wurde das und auch andere zeitlich begrenzte Hilfsarbeiten über eine Leiharbeitsfirma abgewickelt, sehr zum Leidwesen mancher Studenten und Hausfrauen, die sich bei uns ein Zubrot verdient hatten. Es ist auch mit den Arbeitsgesetzen wie mit dem Verkehr: Wird eine Straße zur Beruhigung gesperrt, verteilt sich der Verkehr auf andere - die sind dann die neuen Leidtragenden und schimpfen auf die Entlasteten. Wenn Arbeitnehmer "geschützt" werden sollen, meist im Interesse der organisierte Gewerkschaften, haben die Nichtorganisierten das Nachsehen und entweder wird Arbeit insgesamt teurer und wandert ins Ausland ab oder es wird - wie bei uns - umgeschichtet. Unsere ehemaligen Hilfskräfte und Studenten waren nach Änderung des Gesetzes schlechter gestellt.

Ja in Deutschland wird es so sein, dass die löhne wohl immer mehr sinken werden, auch die von den "normalen" Jobs.

@Atlanta81

@Atlanta81

Das hat nur indirekt etwas mit Leiharbeit zu tun. Da treiben andere Regelungen wie Kündigungsschutz usw. die Firmen dazu, sich von Stammkräften zu lösen. Alle wollen billige Preise. Das geht. Die einfachste Art, die Preise zu senken und auf dem Aktienmarkt dennoch gut dazustehen, ist die Reduktion der Lohnkosten. Warte mal, was passiert, wenn Opel jetzt in Frankreich gelandet ist. Wenn wir den internationalen Wettbewerb selbst anheizen, weil wir alles nicht billig genug bekommen können, dann läuft das halt so. Dann vergeben Städte Aufträge aus Steuergeldern nach Indien und der Steuerzahler darf mehr Hartz IV finanzieren. Vieles sind doch Mogelpackungen, wenn man sich die Umschichtungen mitanschaut und nicht nur die "Entlasteten".

@berkersheim

Irgendwann wird alles zusammenbrechen.

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