Selbstverteidigung/Notwehr - Frage

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Erst mal was grundsätzliches zur Notwehr:

Notwehr ist eine Handlung, um einen gegenwärtigen, widerrechtlichen Angriff auf eines seiner Rechtsgüter abzuwehren. Rechtsgüter sind u.a. Leib und Leben, Freiheit, Eigentum, Ehre usw.

Ein Angriff ist dann gegenwärtig, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet, oder noch andauert.

Was darf man bei der Notwehr?

Bei der Notwehr gibt es keine Verhältnismäßigkeit der Mittel, da sich eine Verhältnismäßigkeit nicht definieren lässt. Man soll das mildeste zur Verfügung stehende Mittel wählen, das geeignet ist. Man muss jedoch kein Risiko für sich eingehen, um den Angreifer zu schonen. Man darf sich auch mit einer Waffe gegen einen unbewaffneten Angreifer wehren. Man darf sich auch wehren, wenn man selbst davon ausgehen muss, dass ein Angriff jeden Augenblick los gehen könnte. Als Frau, wenn man bedrängt wird, ergibt sich eine bedrohliche Situation sehr schnell. Die Grenze ist auf alle Fälle überschritten wenn eine Berührung gegen den eigenen Willen stattfindet.

Eine Überschreitung der Notwehr liegt vor, wenn weiter Gewalt vom Opfer ausgeht, obwohl der Angreifer den Angriff eingestellt hat oder schon flüchtet. Bei Angst, Furcht oder Panik kann eine solche Überschreitung jedoch straffrei bleiben. Auch gibt es u.U. eine Situation, wo Notwehr nicht berechtigt ist, aber die Situation aus Angst oder Furcht falsch eingeschätzt wird. So eine Putativnotwehr ist nach Prüfung der Umstände eventuell auch straffrei. Bestes Beispiel ist ein Polizist, der mit einer echt aussehenden Spielzeugwaffe bedroht wird.

Um noch mal auf das Beispiel von dir einzugehen, je nachdem wie die Belästigung ausgesehen hat, war eine Notwehrhandlung bestimmt gerechtfertigt. Es kommt aber auch auf den vemeintlichen Angreifer an. Ist er stark betrunken, so muss man sich mehr gefallen lassen, was die verbalen Handlungen angeht. Da so eine Person eventuell nicht zurechnungsfähig ist. Doch muss man keine Gefahren für sich tolerieren. Je nach dem wie betrunken so eine Person ist, wird eine Notwehrhandlung auch schwieriger. Da bei einem gewissen Pegel die Reflexe und bewussten Handlungen noch intakt sind, das Schmerzempfinden aber schon stark reduziert ist. Gerade Pfefferspray wirkt bei Betrunkenen teilweise überhaupt nicht mehr.

Dann spielt noch die eigene Einstellung eine Rolle. Schon mal ernsthaft darüber nachgedacht wie handlungsfähig man eigentlich in so einer Situation ist? Realisiert man, dass man in akuter Gefahr eines Angriffes steht, dann sind viele wie Gelähmt, haben wacklige Knie, ein flaues Gefühl im Magen und selbst die Stimme kann versagen. Und selbst wenn man damit umgeht, dann bleibt das Problem diese Hemmschwelle zu überwinden seinerseits den Angreifer wirklich anzugehen und selbst Verletzungen bei einem anderen Menschen zu verursachen. Das ist schwieriger als du vielleicht denken magst. Eine Bekannte von mir hat sich einfach mal ein Taschenmesser eingepackt und meinte damit wäre sie sicher. Mal davon abgesehen, dass ein Messer das schlechteste Mittel ist sich zu wehren (aus vielen Gründen), hat sie sich keine weiteren Gedanken gemacht. Wie unter Druck ziehen und aufklappen? Wie einsetzen? Was ist wenn der Angreifer selbst ein Messer hat? Von daher ist das beste legale Mittel um sich zu wehren ein Pfefferspray.

Pfefferspray darf in Deutschland von Privatpersonen nur in Form von sogenannten Tierabwehrsprays besessen und geführt (Führen = griffbereit in der Öffentlichkeit bei sich tragen) werden. Damit unterliegen sie nicht dem Waffenrecht und dürfen auch von Minderjährigen besessen und geführt werden. Auf diesen Sprays muss drauf stehen, dass der Einsatz nur gegen aggressive Tiere erlaubt- , aber gegen Menschen verboten ist. Denn Pfefferspray hätte für den Einsatz gegen Menschen an Tieren getestet werden müssen. So wie CS oder CM Gas seiner Zeit. Als Pfefferspray nach Deutschland kam, waren aber solche Tierversuche schon verboten. Die Polizei darf es dennoch einsetzen, da sie nicht dem Waffenrecht unterliegt.

Bei Notwehr darf man es aber auch als Privatperson einsetzen. Denn bei Notwehr werden an sich strafbare Handlungen nicht mehr strafbar. Es ist z.B. verboten jemanden mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Bei Notwehr aber, ist es erlaubt. So auch der Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen.

Händler verkaufen solche Sprays aber erst an 14, oder 18 jährige Personen. Einfach um eventuellen Ärger mit den Eltern zu vermeiden, die fast jeden Kauf ihrer noch nicht voll geschäftstüchtigen und minderjährigen Kinder rückgängig machen können.

Pfefferspray ist nicht mit CS Gas Spray zu verwechseln. Das Zeug unterliegt dem Waffenrecht und ist daher problematischer (ab 14 und bei öffentlichen Veranstaltungen verboten). Auch wirkt es nicht so gut wie Pfefferspray, bei gleichzeitigem Risiko von Langzeitschäden bei der getroffenen Person. Allergiker oder Asthmatiker allerdings können ersticken, egal welchen Reizstoffen sie ausgesetzt werden. Das ist auch schon oft genug passiert.

Bei Demonstrationen sind alle Gegenstände verboten, die dazu geeignet sind sich einer Festnahme zu entziehen. Also auch Pfefferspray, obwohl es sich um keine Waffe handelt. Auch muss man auf die jeweiligen Hausordnungen achten. In Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden können diese Sprays auch verboten sein. Das entscheidet immer der Besitzer. Das hat dann aber in der Regel keine Strafanzeige zur Folge, eher ein Hausverbot.

Notwehr mit Pfefferspray:

Man muss sich sicher sein, dass ein widerrechtlicher Angriff auf einen selbst, oder auf eine andere wehrlose Person unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch andauert. Hat man sich entschlossen zu handeln, dann droht man nicht erst mit dem Spray, sondern man zieht es und sprüht sofort. So kann einem niemand das Spray aus der Hand schlagen. Wenn dem Angreifer Augen, Nase und Mund brennen, ohne dass er weiß warum und was passiert ist, dann hat man alles richtig gemacht. Danach Abstand zum Angreifer vergrößen. Ist er hilflos ist man verpflichtet erste Hilfe zu leisten und 112 anzurufen. Ansonsten die Flucht antreten. Denn Pfefferspray hält nicht jeden auf, aber es erhöht die eigenen Fluchtchancen.

Es gibt verschiedene Sprays mit unterschiedlich hoher Wirkstoffkonzentration, unterschiedlicher Größe und welche die einen Strahl, eine Wolke oder ein Gel versprühen. Ich würde den flüssigen Strahl bevorzugen. Man hat eine etwas höhere Reichweite und der Strahl ist windstabiler.

Später diese Situation eventuell einem Richter glaubhaft zu machen kann sehr wichtig werden. Daher Zeugen suchen wenn es geht und sich eine Gedächtnisnotiz mit dem genauen Tathergang anfertigen. Auch wenn man glaubt alles richtig gemacht zu haben, kann das ein Richter immer noch anders sehen.

Notwehr ist in Deutschland recht umfangreich, selbst bei ZB Diebstahl kann eine tödliche Abwehrhandlung straffrei ausgehen.

In Notwehr darfst du den Angreifer im Extremfall sogar ungestraft töten. Grundsätzlich muss man sich aber auf das Nötigste an Gegenwehr beschränken. Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa wenn man aus Panik überreagiert (Notwehrexzess). Auch wenn man fälschlicherweise davon ausgeht angegriffen zu werden ist Notwehr nicht strafbar.

http://de.wikipedia.org/wiki/Notwehr

Auch dir, danke für deine Antwort.

Grundsätzlich muss man sich aber auf das Nötigste an Gegenwehr beschränken

Das ist grundsätzlich richtig, ABER: Man muss sich selber nicht unnötig in Gefahr bringen. D.h. alle Distanzwaffen sind grundsätzlich immer kein Problem.

@stinkertum

Natürlich. Notwehr erlaubt ausdrücklich, dass man sich zur Wehr setzt! Weglaufen ist zwar meist eine gute Idee, aber man darf stattdessen auch zuschlagen.

Naja, ein Ordnungsgong mit einem Tennisschläger sollte schon Wirkung haben, ohne dass man noch mehrmals bewusst zuschlägt.

Notwehr heißt "im Affekt", nicht "bewusst".

Danke für die Antwort. Und ja, dass habe ich mir schon fast gedacht. Klar, eine Bewusstlosigkeit ist Gefährlich, aber es kann ja im schlimmsten Fall um das eigene Leben gehen. Ich persönlich halte ein kurzes "Erschrecken" für unausreichende, da man ja im schlimmsten Falle nichts machen kann. Du wählst den Notruf, es geht gerade einer dran, da steht die Person schon wieder voll Fit neben dir, und schlägt dir das Handy aus der Hand. Gleiche beim Weglaufen, wobei der Täter da vllt dann dezent benommen wäre, was aber glaube ich auch nicht sooo viel Vorteil bringen würde. Wenn man bewusst auf die Beine zielen würde, z.B die Kniescheibe, mit der Intention das die Person dann etwas länger gehbeeinträchtigt ist, wäre das legal? Ja, dass hätte dann auch eine Absicht, aber selbst wenn du im Affekt was machst, denkst du ja unterbewusst blitzschnell so, dass du am besten aus der Situation herauskommst.

@SandraPL1992

Der Affektschlag sollte natürlich möglichst zielsicher sein, damit der Täter von einem ablässt. Allerdings ist es eine aufregende Ausnahmesituation, sodass man eher Glück hat, wenn man beim "Erstschlag" eine Stelle erwischt, die ausschaltende Wirkung hat.

Die Knie wären auch eine gute Stelle oder auch zwischen die Beine. Aber wie gesagt: Man muss entweder noch genug Nerven oder einfach nur Glück haben.

Meine Tochter hat zum Beispiel Pfefferspray bei sich. Ob sie allerdings dazu käme, es zielsicher einzusetzen, würde sie angegriffen werden, ist immer fraglich.

@violatedsoul

Ja, dass ist halt auch immer der Punkt - Man kann es so alles sagen/schreiben, aber wie die Praxis neben der Theorie jetzt aussieht, ist dann auch wieder eine andere Frage. Pfefferspray habe ich garnicht, weil mir mal gesagt wurde, dass wäre illegal. Also man darf es besitzen, aber nur gegen Tiere, und nicht gegen Menschen verwenden? Oder wäre das in so einen Extrem-Fall dann wieder was anderes?

Notwehr heißt "im Affekt", nicht "bewusst".

Quatsch.

@violatedsoul

Notwehr darf auch sehr bewusst ausgeführt werden.

@Anton96

In dem Moment ist es bewusst, auch wenn viele hinterher nicht mehr wissen, wie sie es gemacht haben.. Aber wenn der Gegner (für einen Moment) ausgeschaltet ist, darf man nicht noch weiter auf ihn einschlagen oder wie auch immer.

@violatedsoul

Das macht deine These aber nicht richtiger.

@violatedsoul

Du bist nicht richtig Infirmiert, solange eine Gefahr von dem Angreifer ausgeht ist auch Notwehr möglich. Ich muss also nicht schon meine Notwehr beenden wenn einen Moment lang der Angreifer ausser Gefecht ist. Nehmen wir doch mal an er ist bewaffnet und hat die Waffe noch einsatzbereit in der Hand, dann wäre es Irrsinn ihn nicht zu entwaffnen und sei es mit Gewalt. Erst wenn keine Gefahr vom Angreifer mehr ausgeht muss ich aufhören und wenn nötig Hilfe holen.

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