Schmerzensgeld vielleicht doch noch möglich?

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Hallo,

sehr gute Frage! Ich gehe davon aus, dass die Sache nicht ganz so aussichtslos ist, wie alle anderen hier meinen. Möglicherweise besteht der Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber einen von zwei Gegnern:

Schmerzensgeld gegenüber dem Täter

Möglicherweise ist die Verjährung gehemmt gewesen und damit die dreijährige Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen. Straftaten wie Freiheitsberaubung und Körperverletzung können schon mal zwischen Ehegatten bzw. zwischen Eltern und Kindern vorkommen. In dem Fall gilt § 207 BGB, wonach die Verjährung gehemmt ist, solange die Ehe besteht oder bis das Kind 21 Jahre alt ist. Es gibt noch zwei andere Hemmungstatbestände, die ganz selten vorkommen (höhere Gewalt oder Geschäftsunfähigkeit ohne Eltern) und hier eher nicht einschlägig sein dürften. Falls obige Annahme zuträfe und im Jahre 2015 die Ehe geschieden wurde oder das Opfer in dem Jahr 21 Jahre alt wurde, würde der Anspruch zum Ende des Jahres 2018 verjähren. Dann könnte das Opfer immer noch Schmerzensgeld gegenüber dem Täter (der dann Expartner oder Elternteil wäre) verlangen. Ob er es am Ende bezahlen kann, ist eine andere Frage.

Regressanspruch gegen den Rechtsanwalt auf Ersatz des Schmerzensgeldes

Falls die Sache verjährt sein sollte, könnten Ansprüche gegenüber dem in der Sache beauftragten Rechtsanwalt entstanden sein. Dieser muss den Mandanten umfassend über alle Ansprüche aufklären und auch über die Frage der Verjährung dieser Ansprüche. Offenbar hat er versucht, Schmerzensgeld über einen Opferentschädigungsfond zu erhalten. Hier hätte er mindestens auch den Schädiger als Zahlungspflichtigen ins Visier nehmen und Maßnahmen zur Verhinderung der Verjährung treffen müssen. Vielleicht hat er dies getan, vielleicht hat er Dich auch über die Kosten aufgeklärt, die dabei entstehen würden. Schließlich könnte er auch darüber informiert haben, dass wenn der Täter kein Geld hat, Du auch wenn Du gewinnen würdest, leer ausgehen würdest. Wenn er das alles getan hat und Du ihm dann aufgrund des Kostenrisikos keinen Auftrag zur Rechtsverfolgung gegen den Täter erteilt hast, dann bestünde auch kein Anspruch gegen den Rechtsanwalt. Allerdings wäre der Anwalt in der Beweispflicht und müsste all das dokumentiert haben.

Also gehe ich davon aus, dass eher noch ein Schmerzensgeldanspruch besteht. Für die Höhe des Anspruchs bräuchte man noch mehr Details. Für 76 Tage Freiheitsberaubung hat schon mal jemand 7.000,00 Euro Schmerzensgeld durchgesetzt (vgl. http://www.rechtsanwalt-lattorf.de/Schmerzensgeldtabelle-Freiheitsentziehung.html). Hinzu kämen dann noch die Körperverletzungen und die ständigen psychiatrischen Probleme, die ebenfalls zur Höhe des Schmerzensgeldes heranzuziehen sind. Dann könnte es auch sein, dass aufgrund der Folgen der Straftat das Opfer seinen Beruf nicht ausüben konnte, so dass über das Schmerzensgeld hinaus noch weitere Ansprüche vorliegen könnten.

Die ganze Sache ist also etwas komplexer, als man auf den ersten Blick sieht. Mein Rat: Einen Rechtsanwalt einschalten, der sich mit der Materie auskennt!

Ich hoffe, meine Antwort war hilfreich.

RA Lattorf

Vielen vielen Dank:) es geht um ein Verbrechen, bei dem ein unbekannter das Opfer knebelte, mit einem Messer bedrohte usw.

letztendlich waren es aber nur einige Minuten Freiheitsberaubung..

Auf jeden Fall klang das alles sehr hoffnungsvoll..probieren sollte man es dann wohl.

Die Verjährung von Schmerzensgeldansprüchen ist gesetzlich
im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegt. Nach § 195 BGB beträgt die regelmäßige
Verjährungsfrist drei Jahre. Demzufolge können Forderungen nur drei Jahre ab
dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist, gestellt werden. Eine
Ausnahme bilden dabei rechtskräftige Schadenersatzurteile, Gerichtsvergleiche
sowie notarielle Verträge. Diese verfügen nach § 197 BGB über eine Verjährungsfrist
von 30 Jahren. Der Anspruch auf Schmerzensgeld entsteht zu dem Zeitpunkt, zu
dem der Betreffende davon Kenntnis erlangt oder aufgrund von grober
Fahrlässigkeit nicht erlangt hat.

Das Oberlandesgericht Köln hat sich in einem Urteil mit der
Verjährung einer Schmerzensgeldforderung befasst. Grundlage war, dass die
Klägerin bei einem Unfall ihre Milz verloren hatte. Sie erhielt Schmerzensgeld,
forderte jedoch fünf Jahre später eine erneute Zahlung. Zur Begründung führte
sie die Schwächung des Immunsystems durch den Verlust ihrer Milz an. Das Gericht
verwies sie auf die dreijährige Verjährungsfrist, die im Jahr des Unfalls
begann. Außerdem wurde angeführt, dass die Spätfolgen wie eine psychische
Belastung schon im Voraus absehbar gewesen wären. Aus diesem Grund hätte sich
die Klägerin schon vor Ablauf der Verjährungsfrist um einen Feststellungsantrag
bei Gericht bemühen müssen. Eine Ausnahme würden dabei lediglich Spätfolgen
bilden, die bei der Entstehung des Anspruchs noch nicht erkennbar waren.

Hab ich im Internet gefunden. Ist zwar was körperliches, aber ja irgendwie ein ähnlicher Fall.

Es ist in der Tat so, daß der Anspruch verjährt ist.

Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, so ist es sehr unwahrscheinlich von einem Inhaftierten den zustehenden Betrag zu erhalten. Kleinere Zahlungen wären aber durchaus möglich, jedoch unwahrscheinlich. Deine Krankenkasse steht da mit Sicherheit schon vor. Diese wird zumindest versuchen, sich die Kosten vom Täter erstatten zu lassen.

Schmerzensgeld ist eine moralische Entgeltung an ein Opfer für ein direkt zugefügten Leides, kein Schadenersatz und auch keine Strafe. Eine Busse wird als Strafe ausgesprochen und landet in der Staatskasse. Schadenersatz wird an jene bezahlt, welche das zerstörte Eigentum wiederherstellen.

Die Gerichte in Europa sind punkto Schmerzensgeld äusserst zurückhaltend. Die Amis fällen diesbezüglich manchmal ganz absurde Urteile.

Schadenersatz muss in vielen europäsichen Länden auf dem Weg der zivilen Prozesse geltend gemacht werden. Wer eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, kann sich dabei glücklich schätzen, denn diese übernehmen Schadenersatzforderungen. Die sind bei Personenschäden aber mit einer Grunddeckung von 3 bis 5 Mio Euro sehr gering. Man braucht schon eine höhere Deckung seiner Haftpflichtsumme, wenn wirklich ein Personenschaden eintreten sollte! (sollte jeder mal überprüfen!!)

Die Haftung und der Schadenersatz hat mit einer strafrechtlichen Beurteilung eines Autounfalls nichts zu tun!

Es ist also keine Strafe, die jemand zahlen muss. Als Strafe kriegt der Täter eine Busse. Die Haftpflichtversicheung zahlt den Schade am anderen Auto. Das Schmerzensgeld muss der Täter direkt dem Opfer zahlen. Die Genesungskosten deckt es auch nicht. Dafür kommt die Kranken- und Unfallversicherung des Opfers zum Zug. Diese nehmen bei Bedarf Rückgriff auf die Haftpflichtdeckung des Täters.

Wenn du schon irgendwo was rauskopierst, solltest du auch die Quelle angeben. Und im Idealfall nicht nur irgendwelches Zeug raussuchen, das mit der Frage nichts zu tun hat.

@tenno5034

Willst du behaupten du hast das selber zusammengeschrieben? Dann wärs auf gewisse Weise ja noch peinlicher so weit am Thema vorbei zu schießen...

@NamenSindSchwer

Dieser Umstand braucht natürlich deinen Kommentar. Aber wie ich gerade sehe, bist du der uneingeschränkte Versicherungsspezi! Glückwunsch!

Aber ich halte es weiterhin so, dass ich dem Fragesteller antworte und Kommentare Dritter gerne ignoriere - auch deine. Um genau zu sein: besonders Deine.

@tenno5034

Klar kannst du auf Fragen antworten. Noch besser wäre es natürlich Fragen zu beantworten. Dann hilfst du den Leuten auch weiter. Cheerio!

Ich bin keine Juristin. Aber wenn es stimmt, dass der Anspruch auf Schmerzensgeld nach drei Jahren verjährt ist, ist es eine reine Rechenaufgabe. 2018 minus 2011 gleich ? Na?

Aber lasse dich anwaltlich beraten. Du kannst dich auch an den Weißen Ring wenden.

Aber ich bin da pessimistisch.

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