Schätzung Finanzamt

4 Antworten

Eine Schätzung entbindet dich nicht von deiner Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben. Du musst also noch einen Steuererklärung einreichen und das innerhalb der Einspruchsfrist, wenn du noch etwas zu deinen Gunsten ändern lassen willst.

Ein Einspruch ist nicht erforderlich. Genausowenig muss die Erklärung innerhalb der Einspruchsfrist eingereicht werden, da ich mir zu 99,9999 % sicher bin, dass der Bescheid nach einem Monat nach Bekanntgabe nicht rechtskräftig wird.

Schätzungsbescheide werden bzw. sollten normalerweise vorläufig gem. § 165 Abgabenordnung (AO) zumindest jedoch unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gem. § 164 AO ergehen.

Denn so ist gewährleistet, dass man den Bescheid auch noch nach Ablauf der Einspruchsfrist ändern kann.

Hintergrund ist der, dass das Finanzamt als Schätzungsgrundlage die Zahlen nehmen muss, die im Vorjahr vorgelegen haben. Evtl. wird noch ein wenig hinzugeschätzt.

Was aber nun, wenn der Steuerpflichtige ein besonders gutes Jahr hatte und z. B. einen Gewinn i. H. v. 100.000,- € erwirtschaftet hat anstatt wie im Vorjahr nur 5.000,- €?

Die Schätzung erfolgt i. H. v. beispilesweise nur 15.000,- €, weil der Bearbeiter keine Anhaltspunkte hatte höher zu schätzen.

Dies würde zu einer Nachzahlung von sagen wir mal 5.000,- € führen. Dies würde der Steuerpflichtige natürlich gerne zahlen. Und er würde sich noch mehr freuen, wenn der Bescheid rechtskräftig werden würde.

Daher schau dir den Bescheid nochmal an. Er enthält mit Sicherheit den Text: Der Bescheid ergeht gem. § 165 AO vorläufig.

Die Begründung steht in den Erläuterungen die in etwa so klingt:

Sie sind trotz Aufforderung Ihre Steuererklärung einzureichen nicht nachgekommen. Die Besteuerungsgrundlagen wurden daher geschätzt. Dies entbindet Sie nicht von Ihrer Abgabepflicht.

Wenn Du nun ein Einspruch einlegen würdest, musst Du ihn auch begründen. Und wie begründest du ihn? Falsche Zahlen. Also lieferst Du die richtigen Zahlen in Form der Einkommensteuererklärung. Den einspruch kannst Du Dir also sparen. Zumal eine beantragte Aussetzung der Vollstreckung ohnehin nicht gewährt werden würde.

Trotzdem würde ich mich an Deiner Stelle beeilen so schnell wie möglich eine Einkommensteuererklärung einzureichen. Denn der Bescheid enthält, so vermute ich mal, eine Nachzahlung, die bei Nichtzahlung vollstreckt wird. Je nach Fälligkeit kann eine Vollstreckung auch noch vor Weihnachten erfolgen (Kontopfändung, Forderungspfändung bei Auftraggebern, Lohnpfändung etc.). Denn der Weihnachtsfrieden beginnt erst am 20.12. ;-)

Ein weiteres Szenario wäre die Festsetzung von Zwangsgeldern, die bei Nichtzahlung bzw. bei erfolglosen Vollstreckungsversuchen in Haft umgewandelt werden können.

Ich will Dir keine Angst machen sondern nur zeigen, was aus einer Schätzung resultieren kann, wenn man das Ganze auf die lange Bank schiebt.

Eine Ergänzung bzw. Klarstellung zum ersten Absatz, da es evtl. zu Missverständnissen kommen könnte:

Ist der Schätzungsbescheid nicht vorläufig bzw. unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen, dann ist selbstverständlich ein Einspruch innerhalb der Rechstbehelfsfrist (1 Monat nach Bekanntgabe des Bescheids) einzulegen, wenn die Schätzung zu hoch war.

@Airwalker

Ein weiteres Szenario wäre die Festsetzung von Zwangsgeldern, die bei Nichtzahlung bzw. bei erfolglosen Vollstreckungsversuchen in Haft umgewandelt werden können.

Zwangsgelder wegen Nichtzahlung gibt es nicht. Es kann ein Zwangsgeld festgesetzt werden, wenn man der Aufforderung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung nicht folgt.

@PatrickLassan

Ich habe auch nicht geschrieben, dass eine Zahlung per Zwangsgeld erzwungen werden kann. Sollte ich diesen Eindruck erweckt haben, dann entschuldige bitte.

Klarer ausgedrückt: Die Abgabe von Erklärungen kann durch Zwangsgelder erzwungen werden (§ 328 AO).

Ist ein festgesetztes Zwangsgeld uneinbringlich kann es in Ersatzzwangshaft umgewandelt werden (§ 334 Abs. 1 AO).

Die Einspruchsfrist ist einen Monat nach Zustellung. Kann Du machen, aber musst Du Belege vorlegen.

Spreche am besten persönlich mit deinem Sachbearbeiter. Vielleicht hast du Glück. Oft sind sie aber stur und erkennen eine nachgereichte Steuererklärung nicht an. Ist einem Bekannten von mir passiert, den haben auf 50.000 DM damals eingestuft, obwohl das niemals hätte sein können, aber da fragen die nicht nach.

Wenn innerhalb der Einspruchsfrist von vier Wochen Einspruch eingelegt wird und dann eine Steuererklärung mit Gewinnermittlung eingereicht wird, wird das selbstverständlich berücksichtigt. Wenn man sich nicht an Fristen hält und Schätzungsbescheide rechtskräftig werden läßt hat man selbst schuld.

@PatrickLassan

Schon richtig, aber der Steuerberater kam damals nicht so recht in die Gänge.......

@Wolke286

Dann ist es Schuld des Steuerberaters. Ein Einspruch kann man im übrigen auch selbst formulieren, die Erklärung kann dann später eingereicht werden.

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