Rente, Altersarmut übertrieben?

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Dein Vater wird vermutlich immer über Durschschnitt verdient haben, auch wahrscheinlich relativ nahe oder sogar über der Beitragsbemessungsgrenze. Auch hat er betrieblich vorgesorgt, das tun bei weitem nicht alle. Viele Menschen haben immer noch keine private und/oder betriebliche Vorsorge.

Der Durchschnittsverdienst i.S.d. Rentenversicherung liegt bei etwa 34.000,- € im Jahr. Wer genau so viel verdient erhält einen Rentenpunkt pro Jahr gutgeschrieben. Der Durchschnittsverdienst wird jedes Jahr angepasst.

Arbeitet jemand also genau 45 Jahre und verdient immer (inkl. Ausbildung) genau den Durchschnitt hätte er heute einen Anspruch auf 1.266,30 € Brutto-Altersrente (45x1 Entgeltpunkt = 45 EP, 45 EP x 28,14 € = 1.266,30 €).

Des weiteren muss man die Demographie beachten. Die Regierung will, dass die Renten geringer steigen als die Löhne so dass die Versorgungslücke für Menschen die jetzt in Rente gehen kleiner ist als für jene, die in 10, 20, 30 oder 40 Jahren ausscheiden. Es gehen jedes Jahr mehr Leute in Rente als junge Menschen Ausbildungen anfangen. Es sterben mehr Mensch als Kinder geboren werden.

Auch solltest du bedenken, dass die Werte, die auf den Renteninformationen stehen grundsätzlich brutto sind. Hiervon fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an (etwa 10%) und ebenso sind Renten steuerpflichtiges Einkommen.

Heißt dein Vater muss eine Einkommensteuererklärung machen. Die Betriebsrente ist, wenn nicht pauschal versteuert, zu 100% steuerpflichtig und seine gesetzliche zu mind 66%.

Auch vergiss bitte nicht den Lebensstandard. Wenn ich während meinem Arbeitsleben 10.000,- € verdiene und entsprechend lebe, habe ich locker 2.000,- € monatliche Fixkosten (Und auf Arbeitseinkommen oberhalb von 5.800,- € wird kein Rentenbeitrag mehr erhoben = Beitragsbemessungsgrenze). Wenn die Rente dann nur 2.400,- € brutto beträgt, muss ich kürzer treten. Wer will das schon?

Dazu kommt die Lage auf den Arbeitsmärkten. Zeitarbeit und befristete Verträge machen heute fast die Hälfte aller Beschäftigungen aus. Man rutscht leichter in ALG I oder II als noch vor 10-20 Jahren und Zeiten des ALG II Bezugs werden bei der Rente nicht als Beitragszeit berücksichtigt.

Oder Leute die zwischendurch lange Zeit selbständig waren. Selbständige sind i.d.R. nicht versicherungspflichtig in der GRV und einige neigen dann dazu dieses Defizit NICHT mit privater Vorsorge auszugleichen.


Das Thema Altersarmut ist real. Dein Vater gehört zu einer immer kleiner werdenden Gruppe Menschen, die ausreichend versorgt sind.

Wenn dein Vater 1800 € Rente bekommt, so ist das absolut die Ausnahme. Ich spreche hier von der gesetzlichen Rentte. Betriebsrenten lasse ich mal aussen vor, denn die hat auch nicht jeder.Ein Bekannter von mir hatte vor Einführung des Euro im Monat 2000.--DM Rente.  Nach Abzug seiner Fixkosten blieben ihm immer noch mehr als 1000.--DM im Monat. Heute hat er aktuell 1184.--€ Rente. Er wohnt mit seiner Frau zur Miete und zahlt da jeden Monat 450.--€ kalt. Bleiben also noch 734.--€ für alle Nebenkosten, wie Telefon, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Heizkosten, Strom ect. Zum Leben bleiben da in der Woche höchstens 100 ,--€. Bemerken möchte ich noch, dass es Rentner gibt die noch weniger an Rente haben, sich der Altersarmut zuzählen müssen. Zu DM Zeiten gab es wesentlich weniger Rentner die in die Altersarmut schlitterten. Im Fernsehen gibt es soviele sinnfreie Talkshows über Renten. Da wird über das eigentliche Problem gar nicht diskutiert. Man sagt eher, dass die Rentner den Jungen das Geld wegnehmen würden, was die später mal zur Altersversorgung brauchen. Mit solchen Verunglimpfungen will man sich profilieren. Frage mal 100 Rentner, wieviel die an Rente bekommen, dann wirst du wahrscheinlich erschrecken. Die Rentenhöhe ist freilich abhängig davon, wieviel man verdiente. Wer viel verdiente, zahlte auch mehr in die Rentenkasse ein, hat also einen höheren Anspruch als Wenigverdiener. Wer einen sog. Standardjob hat, von dem du sprichts, der bekommt mit Sicherheit keine 1600-1800 € an Rente. Lass dir da mal nichts vormachen !

Die Rente wird nach verschiedenen Faktoren berechnet: eigenen Beitragsjahre, Kinder u.ä. Allerdings wird die Rente im Umlageverfahren finanziert, d.h. die jetzigen Arbeitnehmer zahlen mit ihren derzeitigen Rentenversicherungsbeiträge die Renten der JETZIGEN Rentner, nicht ihre eigene. Es gibt aber immer weniger Kinder und immer mehr alte Menschen, d.h. dass generell weniger Leute einzahlen , aber mehr Leute Rente bekommen müssen. Dazu kommen zunehmend Dumpinglöhne, befristete Verträge, dadurch Ausfallzeiten, mehr Menschen studieren, fangen also später an einzuzahlen und der generell Satz, wie viel % vom letzten Lohn man als gesetzliche Rente bekommt, wird auch immer weiter sinken.

Ein Beispiel aus wikipedia: "Als Eckrentner wird eine fiktive Person bezeichnet, die 45 Jahre lang aus einem Durchschnittseinkommen Beiträge bezahlt und mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht. Die aufgrund einer solchen Rentenbiographie erzielte Rente wird Standardrente (umgangssprachlich 'Eckrente') genannt. Die Eckrente (West) lag am 1. Juli 2011 bei 1236,15 €. Sie ist keine Durchschnittsrente, deren Höhe liegt erheblich unter der Eckrente."

"Durschnittseinkommen" ist wenig aussagekräftig, weil die Löhne immer weiter auseinandergehen - wenn Menschen von einem Vollzeitjob heut kaum noch ohne Aufstocken leben können, dann werden sie auch keine Bombenrente bekommen.

Die Eckrentner-Rechnung hab ich in meinem Beitrag mal mit den aktuellen Zahlen vorgenommen.

Guter Beitrag! =) DH

@kevin1905

Ich seh grad meine ganzen Schreibfehler, sorry, das war nicht beabsichtigt.

Wenn deine Zahlen stimmen, kannst du davon ausgehen, dass dein Vater zu den absoluten Ausnahmen zählt.

Außerdem werden immer mehr Leute in die Rente gehen, die eben nicht diese Arbeitsvita aufweisen. "Prekäre" Arbeitsverhältnisse greifen immer mehr um sich. Wir sind also erst am Anfang der Entwicklung.

Hallo, freue dich für dein Vater, wenn er seine Rente ím Alter gut ist. Er hat aber bestimmt auch gut verdient. Wieviel weniger ist das gegenüber seines letzten Verdienstes? Das es immer weniger Beitragszahler und mehr Rentner geben wird ist klar abzusehen. Mache doch einfach mal deine eigene Analyse und du wirst überascht sein, wie wenig es wird! Die Rahmembedingungen für die kommenden Rentner werden immer schechter(höhere Versteuerung wegen weniger Freibeträge usw.) Ich lebe im Osten und hier jammern, viele ehemalige Normalverdiener über zu wenig Rente. Beschäftige dich mit deiner eigenen Situation und etwas zu sparen für später ist immer aktuell. Gruß constein

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