Privater Hausverkauf obwohl Makler Vertrag mit mir hat?

5 Antworten

Natürlich ist auch ein mündlicher Vertrag gem. § 652 bis 655 BGB gültig. Aber ich denke, dass es sich daher nicht um einen Alleinauftrag handelt. D.h. es bleibt durchaus die Option das Haus privat zu verkaufen. Wichtig ist aber, dass das Haus nicht an einem Käufer verkauft wird, der vom Makler nachgewiesen wird. Nur dann wäre auf jeden Fall die Maklerprovision fällig. Der nicht vom Makler nachgewiesene Käufer sollte aber dem Makler gemeldet werden, damit dieser weiß, dass der nicht von ihm kommt. Der Kaufinteressent sollte sofort dem Makler gegenüber die Vorkenntnis geltend machen.

Leider muss ich wiedermal feststellen, dass im Bereich der Immobilienwirtschaft viel falsches (Laien)Wissen verbreitet wird. Insbesondere wenn es um Maklertätigkeiten geht.

Ein Makler kann in einem Maklervertrag (mündlich oder schriftlich), auch in einem sogenannten qualifizierten Alleinauftrag, keine volle Maklerprovision verlangen für den Fall, dass der Auftraggeber seine Verkaufsabsicht zurückzieht oder direkt verkauft. Punkt.

Höchst richterliche Rechtsprechung bestätigt eindeutig, dass die Gefahr in einem solchen Fall eine volle Provision zahlen zu müssen einen so hohen Druck auf den Verkäufer ausübt, das diese Klausel einer „Verfügung/Handlungsverpflichtung über die Immobilie“ gleich kommt. Diese Art von Vereinbarung bedarf jedoch in Deutschland grundsätzlich der notariellen Beurkundung.

Sollte der Makler just in diesem Augenblick des Rückzuges oder Direktverkaufes des Verkäufers eine kaufwilligen Käuferinteressentern gehabt haben, könnte ein Schadensersatz möglich sein. Das setzt jedoch voraus, dass diese Vereinbarung eine sogenannte Individualvereinbarung gewesen ist (von Hand geschrieben und Wort für Wort ausgehandelt) und dass der Makler den Käufer und seine unbedingte Kaufbereitschaft beweisen kann. Beides ist eigentlich nie der Fall.

Ansonsten hat er höchstens ein Recht auf Zahlung einer Aufwandsentschädigung. Diese muss auch in der Höhe vereinbart gewesen sein und sollte (Rechtsprechung) im pauschalierten Fall 1% der Kaufsumme nicht überschreiten.

Auf der anderen Seite sollte man jedoch nicht übersehen, dass ein ordentlicher Makler auch Aktivitäten entwickelt und finanziell in Vorlage geht. Er sollte die Chance erhalten, hierfür auch entlohnt zu werden.

Insofern sollte kein Makler leichtfertig, mit dem Gedanken eines Direktverkaufes, beauftragt werden. Auch sollte der Unkundige wissen, dass es leider viele Maklerinteressenten gibt, die die Maklerleistung in Anspruch nehmen und sich dann dennoch direkt beim Eigentümer melden und die Maklertätigkeit verleugnen. Leider, aber Praxis.

Viel Erfolg für den Verkauf

Ergänzung zu meiner Antwort:

Hat der Makler die Immobilie dem Kaufinteressenten jedoch ordentlich angeboten (nachgewiesen) hat der Makler ihm gegenüber einen Provisionsanspruch. Eine Umgehung des Maklers durch den Käufer hat den Geschmack eines Betrugsversuchs! Ein redlicher Verkäufer sollte so etwas nicht unterstützen. Er macht sich mitschuldig und wer weis wie sich der Käufer nachher gegenüber dem Verkäufer verhält. Ähnlich wie gegenüber dem Makler?

Du hast leider doch einen Vertrag mit dem Makler, und zwar einen mündlichen. Darauf wird er Dich festnageln und seine gesamte Provision von Dir einfordern, wenn Du das Haus unter Umgehung des Maklers verkaufst.

kann ich es nicht wieder zurückziehen? ein Mündlicher Vertrag aber so dachte4 ich zählt bei Privatpersonen nicht

@AndyZRX

Bin kein Jurist, aber wir schließen als Privatpersonen permanent mündliche Verträge ab, die gelten, z.B. beim Kaufen, im Restaurant etc.

Hallo. Ich habe auch eine Frage. Wir haben von einem Bekannten erfahren, dass ein Haus in unserer Nähe verkauft wird. Wir sind dann an einem Nachmittag dahin und haben uns mit dem Eigentümer unterhalten. Dieser führte uns durch das Haus und zeigte uns alles. Anfangs fragte er uns, ob wir von dem Makler kommen aber dies ist ja nicht der Fall. Wie sieht es in unserer Situation aus? Wir haben keinen Kontakt zu dem Makler, müssen wir dennoch die Provision zahlen?

"Du verkaufst ein Haus und hast es zu diesem Zweck einem Makler gegeben" und der Makler hat Dir jetzt jemanden besorgt. Demzufolge besteht ein mündlicher Vertrag! (Wie man bei Immobilien so "blauäugig, sorglos und gedankenfrei sein kann, entzieht sich meiner Kenntniss) Der Makler hat eine Chance indem er klagt. Du hast die Chance einer Gegenklage, aber ausser Spesen dann nichts gewesen. Das Haus hast Du dann aber immer noch nicht verkauft! Versuche Dich zunächst mit dem Makler zu einigen! Auskunft kannst Du auch von Haus und Grund bekommen und solltest Du eine Rechtsschutzversicherung haben auch von einem Anwalt. Ich habe schon 4 Immobilien über oder mit Makler verkauft, allerdings mit entsprechenden Verträgen, in denen ich mir die Option eines Selbstverkaufens offen ließ und dass der Makler von mir, dem Verkäufer, keine Provision erhält

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