Pilot werden - Einstieg, Alltag, etc.

2 Antworten

Hallo,

grundsätzlich mal gibt es so viele Arbeitszeitmodelle wie es Airlines gibt. Am Ende hängt es also davon ab, bei welcher Airline Du landest. Und das ist nicht so einfach, denn der Markt ist überlaufen und gesättigt. Auf einen Cockpitsitz kommen rund 70 Bewerber und selbst LH verschiebt Lehrgänge bei jetziger Bewerbung auf etwas 2017/2018.

1) Du darfst nur das Muster fliegen, dass als Typerating in Deiner Lizenz eingetragen ist. Das sind bei Germanwings die Kurzstreckenmuster wie Airbus (A318/31/320/321 gelten als ein Muster) oder Embraer. GWI fliegt ja keine Langstrecke.

Bei der LH-Passage ist nach Ausmusterung der B737 bis 2017 die A320-Family das Einstiegsmuster. Hier fliegst Du zunächst einmal etwa 7 Jahre, dann kommt der Umstieg als COP auf die Langstrecke; danach die Bewährung als PIC/R (umgangssprachlich SFO), dann geht es zum Kapitänslehrgang und zurück auf die Kurzstrecke bevor dann bei Interesse und verfügbaren Stellen der Job des Kapitäns auf der Langstrecke wartet.

Bei einer Airline, die nur Langstrecke fliegt, kann natürlich nach Ende der Ausbildung und Abschluss mit Theorie, Simulatorcheck und Linecheck gleich ein Langstreckenmuster vom LBA in die Lizenz eingetragen werden (z. B. B777, A380, A330 usw.).

2) Laut EU-OPS 1 darfst Du max. 900 Stunden im Jahr fliegen, das macht 75 Stunden im Monat und die werden von den Airlines auch ausgereizt. Dazu kommen Trainings, Seminare und Simulatorchecks. Die OPS regelt auch die freien Tage (Anzahl und Blöcke). Bei LH und Airberlin kannst Du Dir mal Schichtpläne anschauen.

Teilzeit geht erst nach einigen Jahren, da Du ja erst einmal Erfahrung sammeln musst. Ja, und dann geht es meistens nach Seniorität. Die sichert also ab, dass jeder mal an die Reihe kommt. Aber das ist Dir ja bekannt, schließlich gibt es Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen und die hast Du mit Deiner Unterschrift unter den Arbeitsvertrag akzeptiert. Außerdem musst Du für viele Qualifikationen und deren Erhalt einfach die vom Gesetzgeber, also der EU, vorgeschriebenen Flugstunden (auch in einem bestimmten Zeitraum) nachweisen. Daran können weder Du noch die Airline etwas ändern.

Grundsätzlich ist aber bei einigen Airlines TZ möglich. Das Gehalt richtet sich dann nach dem Verhältnis der TZ zur VZ. Bei 50 % TZ gibt es eben auch nur die Hälfte des Gehalts; ist ja auch logisch.

3) Wer soll Dir was empfehlen? Es muss doch jeder für sich herausfinden, was gut für die eigene Person ist. Kurzstrecke ermöglicht mehr Starts und Landungen als PF und PNF. Dazu kommt das Anfliegen vieler verschiedener Flughäfen mit unterschiedlicher Infrastruktur pro Umlauf. Langstrecke hat je nach Muster immer die gleichen Airports zu fast immer gleichen Zeiten im Angebot.

Da gibt es keine pauschale Antwort. Mit den Jahren kannst Du auch beim Creweinsatz bestimmte Flüge requesten und es wird versucht, dem Wunsch nachzukommen, aber die Anzahl pro Zeitraum ist natürlich limitiert.

Also heißt es, Anfragen bei den Airline-Flugschulen, beim Creweinsatz, bei den Infotagen zu stellen. Wer könnte Dir Deine Fragen besser beantworten als die Leute, die jeden Tag damit zu tun haben?

Mit 100% iger Sicherheit kann dir die Frage keiner beantworten, da niemand weiß, wer Du bist, was Du auf dem Kasten hast und ob Du die Voraussetzungen mitbringst, um den Eignungstest bei Lufthansa zu bestehen und damit für eine Ausbildung den Fuß in die Türe kriegst. Wenn nein, brauchst Du Dir schon keine Gedanken mehr machen, welche Arbeitszeitmodelle bei Lufthansa vorherrschen.

Eine Airline kann Dir keiner empfehlen. Die Frage ist: Wo kommst Du überhaupt rein?

Wenn Du als Pilot keine Umläufe möchstest, wo Du 3 bis 5 Tage weg sein möchtest, hast Du den falschen Job gewählt. Sorry, aber das kannst Du machen, wenn Du Inselhopping an der Nordsee machst.

Das ist halt nun mal ein Job, wo Du aus dem Koffer lebst, ständig im Hotel pennst und nicht oft zu Hause bist. Wünsche kannst Du dann mal äußern, wenn Du ein paar Dienstjahre auf dem Buckel hast. Selbst dann bekommst Du nicht alles, was Du Dir wünscht - bei keiner Airline!

Ich weiß nicht, weshalb Du auf die Idee kommst, nur Teilzeit arbeiten zu wollen. Von was möchtest Du Deine Ausbildung finanzieren, von was Deinen Lebensunterhalt?

Auch die Lufthanseaten müssen sich ihren Lebensunterhalt irgendwie finanzieren und nach Erhalt des Arbeitsvertrages ein Darlehen in Höhe von 70.000 EUR wieder zurückzahlen.

Ich gehe mal davon aus, daß Du als fertig gebackener Pilot auch mal was verdienen und Dich weiterentwicken möchtest. Keiner will ewig auf dem rechten Sitz hocken bleiben. Wenn Du gleich Teilzeit einsteigen möchtest, wir Dir kaum jemand eine Ausbildung finanzieren. Die Piloten, die sich ihre Ausbildung selbst finanzieren, haben meist Schulden bis an ihr seeliges Ende, oftmals keinen Job im Cockpit, vier Nebenjobs zur Finanzierung des Lebensunterhaltes und müssen den Job nehmen, den sie kriegen.

Da kann man sich dann in der Regel nicht aussuchen, für wen man arbeitet sondern man darf froh sein, daß man arbeiten darf! Egal wo und egal für wen.

Hast Du Dich mit dem Berufsbild Pilot denn mal ausgiebig auseinander gesetzt? Was ist der Grund, weshalb Du Pilot werden möchtest? Weshalb denkst Du, daß das der richtige Job für Dich ist?

Wenn Du denkst, daß ist der geile Job, der sich ein Leben lang nur von seiner besten Seite zeigt und obendrein so viel Kohle bringt, daß man auch mit Teilzeit überleben kann, liegst Du völlig falsch! Dann jeder, der heute nen ordentlichen Schulabschluß in der Tasche und entsprechend Grips in der Birne hat, macht ein Studium. Nach dessen erfolgreichem Abschluß bietet der Arbeitsmarkt viel mehr, als der in der Luftfahrt jemals bieten wird!

Ansonsten hat Rudim1950 schon sehr viel dazu gesagt. Zum Thema Leben, Arbeiten und Verdienst als Kutscher findet sich hier im GF schon sehr viel

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