Ist die Pflichtteil-Berechnung doch so schwierig?

5 Antworten

Ja, die Pflichtteil-Berechnung kann sehr kompliziert sein!

Wenn der Erblasser tatsächlich im Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet war und seine Ehefrau enterbt und ihr auch kein Vermächtnis zuwendet, dann muss man bei der Pflichtteilsberechnung Folgendes beachten:

Es findet KEIN pauschalierter Zugewinnausgleich statt (wegen § 1371 Abs. 2 BGB). Das bedeutet, die gesetzliche Erbquote der Ehefrau würde nur 1/4 betragen. Die übrigen 3/4 entfielen auf die 6 Kinder. Die gesetzliche Erbquote jedes einzelnen Kindes würde damit 3/24 betragen. Die Pflichtteilsquote der 3 enterbten Kinder beträgt dann pro Kind 3/48.

Anhand der Pflichtteilsquote des jeweiligen Kindes (3/48) berechnet sich aus dem Nettonachlass(!) der jeweilige Pflichtteilsanspruch.

Bei der Ermittlung des Nettonachlasses muss geprüft werden, ob der Ehefrau ein Zugewinnausgleichsanspruch zusteht. Dieser Zugewinnausgleichsanspruch muss allerdings konkret berechnet werden, da wegen § 1371 Abs. 2 BGB eine pauschalierte Berechnung des Zugewinns ausscheidet! Wenn sich also ergibt, dass der Ehefrau ein Zugewinnausgleichsanspruch zusteht, dann handelt es sich dabei um eine Nachlassverbindlichkeit, die von dem (positiven) Vermögen des Erblassers zunächst abzuziehen ist, um den Nettonachlass zu ermitteln.

  1. Nach der gesetzl. Erbfolge und im Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet, beerbt die Ehefrau halftig neben den Kindern den Erblasser.
  2. Durch Entewrbung auf den kleinen Pflichtteil gesetzt, kann sie einschl. pauschalierten Zugewinn 3/8 des Reinnachlasses von den drei Erben beanspruchen, die enterbten Geschwister den zu ihrern Erbqoute hälftigen Pflichtteilsanspruch.
  3. Geerbt wird vom Reinnachlass, also dem, was nach Abzug (auch hälftig gemeinsamer) Verbindlichkeiten und den Beerdigunbgskosten verbliebe, der sog. Reinnachlass.
  4. Dessen Wert erhöht sich durch lebzeitige Schenkungen des Verstrobenen sowie durch anrechenbare Ausstattung seiner Kinder gem § 2325 BGB. Dieser erhöhte, sog. fiktive Reinnachlass bildet die Bemessungsgrundlage der Pflichtteilsberechtigten zur Pflichtteilsquote.

G imager761

Die Ehefrau erbt 50% die Kinder die anderen 50%. Wird einem gesetzlichem Erben nur der Pflichtteil zugestanden halbiert sich das persönliche Erbe.

MErachtens ist Deine Rechnung richtig (wenn Du von  50 000€ ausgehst, für die Kinder).

@imager:

Deine Ausführungen erscheinen zwar sicherlich Hand und Fuß zu haben, allerdings verstehe ich in diesem Juristendeutsch nicht wirklich alles.

Die Kernfrage ist vermutlich:

Der Pflichtteil der Kinder: bezieht der sich auf die Gesamterbmasse (100.000) oder auf die 50 %, die verbleiben?

Zweite Frage:

Sind es denn überhaupt die 50%, wenn man noch verheiratet ist und der Zugewinnausgleich "greift"?

Der Pflichtteil der Kinder: bezieht der sich auf die Gesamterbmasse (100.000) oder auf die 50 %, die verbleiben?

So wie ich schrieb "vom Reinnachlass, also dem, was nach Abzug (auch hälftig gemeinsamer) Verbindlichkeiten und den Beerdigungskosten vom Vermögen des Erblassers verbliebe".

Davon wird nichts an Zugewinnausgleich abgezogen: Die Witwe bekäme neben ihrem gesetzl. Pflichtteil von 1/8 zusätzlich pauschierten Zugewinnanspruch von 1/4 aus dem Reinnachlass, also 3/8 des Erbkuchens, jeweils in Geld.

Sind es denn überhaupt die 50%, wenn man noch verheiratet ist und der Zugewinnausgleich "greift"?

Nein, der pauschlierte Zugewinnanspruch betrag 25% des Gesamt-Reinnachlasses.

Kann Kind aus erbe verstorbener Mutter noch dreißig Jahre lang Pflichtteil fordern?

unsere Mutter starb vor 8 Jahren, zusammen mit unserem Vater gehörte ihr eine Immobolie, laut Berliner Testament vererbte sie ihren Teil an unseren Vater und Schlusserben sollten wir Kinder sein. Das war für uns in Ordnung. Nun starb unser Vater, der nochmals geheiratet hatte und mit seiner 2. Frau woanders wohnte. Wir mußten feststellen, dass unser Vater die Pflichtteilsverzichterklärung seiner 2. Frau, die er anderweitig abgefunden und kurz vor seinem Tod wegen der Witwenrente geheiratet hatte, auf die Immobilie unserer Eltern nur in seinem Tresor verwahrt hatte und nie zum Notar brachte. Nun fordert die Witwe ihren Pflichtteil an der Immobiie. Leider hat unser Vater kein Geld hinterlassen bzw. alles ging für Beerdigung und sonstige Schulden drauf und wir versuchen die Pflichtteilsforderung niedrig zu halten, da das Haus zwischenzeitlich verschenkt wurde an meine Schwester. Um das alles geht es aber nicht, wir haben uns schon anwaltlich beraten lassen und sind über alle Vor- und Nachteile aufgeklärt. Allerdings hat uns jetzt erst jemand gesagt, wir könnten im Prinzip von uns selbst noch nachträglich den Pflichtteil aus der Hälfte unserer Mutter fordern und von der Erbmasse abziehen. Kann das sein? Es geht uns nicht darum, der Witwe nicht ihren Teil zu gönnen, aber unser Elternhaus hatte auch nach Auffassung unseres Vaters nicht zum Erbe gehört, nur nützt uns das nichts und der Witwe geht es gut. Aber wir Kinder schwimmen nicht im Geld. Können wir den 1/8 Pflichtteil aus dem Erbe unserer Mutter noch nachträglich zu unseren Gunsten ansetzen? Ein Anwalt vor Ort wollte sich informieren, bis heute bekamen wir keine Antwort. Wer weiß was?

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?