Pferd nach Verletzung schreckhaft...

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Hallo,

um das als aller erstes Mal zu klären: wenn das Pferd sich von dir losreißt und zum Stall zurück läuft, ist das kein Ungehorsam! Diese Aussage hört man dann häufig mal von den Leuten, die schnell mal ein "Der scheiß Gaul ist's schuld!" von sich geben und dann auch mit Tipps wie Hengstketten oder Trense beim Spazieren (hallo?!) um die Ecke kommen.

Wenn dein Pferd sich losreißt, besonders in einer Situation, in der ihm etwas unbehaglich erscheint, dann liegt das an dir und deiner fehlenden Führungsqualität. Dass es sich losreißt, tut es, weil es deinen Entscheidungen in dem Moment nicht (mehr) vertraut und glaubt, die eigenen retten ihm eher das Leben. Das ist ein INSTINKT und den kann man ihm nicht verbieten. Der Mensch muss in dem Fall dafür sorgen, dass das Pferd Vertrauen in ihn hat und dieser Instinkt gar nicht auftritt.

Wenn du Tinkertier jetzt anfängst, deine Dreijährige, die, wie du schreibst, grade das Gebiss kennen gelernt hat und sicherlich damit noch nichts negatives erlebt hat, mit Trense spazieren zu führen, dann wird dir das in keinster Weise helfen. Erstens hast du die Ursache für ihre Unsicherheit und das folgliche Losreißen nicht behoben. Und zweitens wird sie die Situation als noch viel schlimmer als bisher schon erleben, denn auf einmal hat sie auch noch richtig heftige Schmerzen.

Nur, weil das Pferd ein Eisenteil im Maul hat, sieht es den Menschen nicht auf einmal als kompetenter an! ;-) Dafür sind andere Faktoren wichtig. Wenn sie sich versucht, loszureißen (und das wird sie auch beim Spaziergang mit Trense machen, weil du eben die Ursache nicht behoben hast), wird das Gebiss richtig "reinhauen" und was erstmal bleibt, ist 1. Spazieren gehen ist jetzt richtig sche*ße! und 2. Gebiss macht Aua!. Die wird das nächste Mal gar nicht mehr mitkommen und das Gebiss annehmen sowieso nicht. Du wirst dir deine jetztige Situation nur noch verschlimmern, deshalb rate ich dir dringend davon ab!

Du gibst hier offen zu, dass du dich seit dem Unfall anders ihr gegenüber verhälst, und ich denke, das ist auch der Knackpunkt. Grade, weil du schreibst, dass die Bodenarbeit zuhause super klappt und auch sehr fundiert und vielseitig wirkt (nicht jede 3jährige lässt sich abschießen ;-) ), glaube ich, dass du dich in negativer Erwartung im Gelände ganz anders verhälst. Sprich, die von euch zwei, die wirklich unsicher wird, bist du.

Zuhause auf dem Platz klappt es: da ist es nicht weit zu den Herdenkumpels, da gibts den Zaun und so unglaublich unbekannte Sachen können da nicht auf euch zukommen.

Also: raus aus eurer Komfortzone!

Du musst unbedingt lernen, auch im Gelände immer VIP für dein Pferd zu sein. Entweder verlierst du bei Unbekanntem einfach die Haltung und sie entscheidet kurzfristig, selbst zu entscheiden, oder aber die hat das schon vorher erkannt, weil du generell anders bist, und kommt nur aus Güte mit ;-)

Mit welcher Ausrüstung gehst du raus? Hat der Strick genug Länge, sodass die rumhüpfen oder steigen kann, du aber immer noch mindestens das Ende in der Hand hast oder gehst du mit Anbindestrick? Dafür sind die Bodenarebitsseile, die du in NH-Shops kriegst, sehr gut geeignet. Gehst du mit Stallhalfter oder Knotenhalfter? Hast du einen guten Stick, mit dem du sie im Notfall energisch daran erinnern kannst, dass ihr Hinterteil nichts in deinem Gesicht zu suchen hat?

Was genau machst du, wenn du spazieren gehst? Machst du auch die gleichen Sachen wie zuhause oder gehst du nur neben ihr her? Ja, ich schreibe bewusst "du neben ihr her", weil ganz viele beim Spazieren gehen dazu neigen, neben dem Pferd herzutrotten und sich dann irgendwann am Pferd zu orientieren - wie eben zum Beispiel, dass, wenn sie steht, weil sie was "komisches" sieht, dass du auch stehen bleibst, sie womöglich auch noch skeptisch anguckst, ob sie in den nächsten 2 Sekunden explodiert.

Nimm dir jemanden mit aufn Spaziergang, der sowol dich, als auch dein Pferd gut kennt und was von Natural Horsemanship und Körpersprache versteht. Kennen sollte er dich, damit er weiß, wie du dich sonst deinem Pferd gegenüber verhälst, was du in welcher Situation zuhause machst etc.

Im Gelände machst du das, was du bisher immer machst und die Person beobachtet dich und gibt dir Rückmeldung, im Idealfall filmt sich dich sogar. Ahnung muss die Person deshalb haben, weil es hier um Kleinigkeiten geht:

wer geht zuerst los, wer folgt?

(...)

(...)

wer bleibt zuerst stehen und vor allem aus welchem Anlass? Wenn deine Stute was sieht, stehen bleibt und du das machst, was ich oben schonmal beschrieben hab, überlässt du ihr aktiv die Führungsposition zwischen euch beiden, weil du dich im diesem Moment an dir orientierst. Lösung wäre, direkt strikt weiter zu laufen, der ggf. auch mal 'nen Klaps auf den Hintern geben, damit sie mitkommt, sie vor nicht anzugucken oder sich umzudrehen und vor allem (!) denken "Wir zwei gehen jetzt ganz entspannt hier lang und mein Pferd folgt mir!" Wenn du dabei denkst "Arrgh, dieses Pferd ey, bleibt die schon wieder stehen!" wirkt sich das auch wieder auf deine Körpersprache aus und das ganze wird nichts.

Oder dein Stütchen schleicht sich unbemerkt in eine Position weiter vorn, was du anders als auf dem Platz unbewusst zulässt. Nein, ich sage nicht, dass das Leittier immer vorne geht, ganz und gar nicht, aber Führen aus hinteren Positionen ist etwas, was man mit dem Pferd eingehend üben muss und dann schleicht sich das Pferd auch nicht ungefragt (!) vor den Menschen.

Dein Begleiter soll alle Auffälligkeiten und Fehler filmen, merken und aufschreiben und dir währenddessen mitteilen und auch danach nochmal mit dir zusammen reflektieren. Meistens merken wir überhaupt nicht, was wir alles für - durchaus auch - Anfängerfehler machen. Du wirst sicherlich das ein oder andere Mal beim Spziergang merken "Oh, stimmt!" und nachher einige Male denken "Uups, weiß ich doch alles, warum passiert mir das bloß?!".

Neben einer eingehenden Beobachtung (das auch wirklich öfter machen!) und Verbesserung deines Verhaltens im Gelände empfehle ich dir zwei konkrete Sachen:

arbeite mit ihr beim Spazieren gehen genauso, wie dus zuhause machen würdest und zeig ihr gezielt die Sachen, die sie komisch findet!

Mach im Gelände alles, was du zuhause auch machst. Ich zum Beispiel mache beim Spazieren gehen immer wieder alle möglichen Übergänge (ja, auch wenn das Pferd neben mir herläuft, gutes Ausdauertraining ;-) ), schicke mein Pferd rückwärts, lasse sie Biegungen um mich rum gehen ("zirkeln"), das bei entsprechendem Platz auch in allen Gangarten, natürlich so Sachen wie Vorhand und Hinterhand von dir weg und auf dich zu, ich frage mein Pferd nach Schulterherein und Travers, ich arbeite auch an neuem oder verbessere geübtes (vor allem auf Distanz), lasse mein Pferd auf mich zu galoppieren, führe aus unterschiedlichen Positionen und nutze vor allem das Gelände (Baumstämme, Steigungen, Pfützen etc.). Sachen wie Schritt-Halt, Trab-Schritt oder Trab-Halt Übergänge kannst du genauso machen, wenn sie an der Hand trabt, auch VH und HH dirigieren ist Basic und kann man mit einer 3jährigen super verfeinern, nutze auch das Gelände und frag auch mal eine zirzensische lektion ab oder übe eine neue. Eben alles, was du zuhause auch tun würdest.

Das hat zur Folge, dass dein Stütchen mehr bei dir ist. Du verbesserst natürlich wieder deine Position als Leittier und auch in dem Moment ist ihre ganze Aufmerksamkeit bei dir und sie bemerkt "komisches" evt. gar nicht. Auch, wenn sie mal irgendwo hin schielt, hol dir ihre Aufmerksamkeit energisch wieder, indem du was von ihr forderst.

Und wenn dann mal was kommt, was ihr suspekt ist, geh gezielt hin und zeig es ihr. Einfach weiterzu"gehen" (artet meist eh in Gezerre und Gerenne aus) bringt euch gar nichts, weil sie dabei nichts lernt. Wenn euch dann Nordic-Walker entgegen kommen, bitte sie, ob dein Stütchen mal an den Stöcken schnuppern darf (auch, wenn sie dir von zuhause kennt, ist ja ein anderer Kontext) und ob von denen vielleicht auch einer mal um dein Pferd rumgeht etc. Oder bei, keine Ahung, einer Bank, geh hin, klopf drauf, geht drumrum, lass sie dran schnuppern (nicht knabbern, die Dinger sind meist irgendwie gestrichen oder lasiert), mal einen Huf draufstellen, egal was. Sie soll sich mit dem Suspekten beschäftigen und es kennen lernen (natürlich im Rahmen, mutige Pferde neigen zum Demolieren :D ).

Nein, dem Pferd wird dadurch nicht seine Angst bestätigt. Dass es dieses Etwas gruselig findet, hat es schon lange vorher entschieden, das braucht man gar nicht mehr zu bestätigen ;-) Wichtig ist, dass das Pferd lernt, dass diese Einschätzung falsch ist und dein Handeln (hingehen, sich damit beschäftigen) keine Gefahr birgt. Und genau dieser Lerneffekt bleibt total aus, würdest du nur dran vorbeigehen und es ihr nicht zeigen. In Zukunft würde sie sich trotzdem immer wieder gruseln, die Situation würde nicht besser. Wenn sie aber vorher schon gelernt hat, dass gruseliges erstens nicht immer gruselig sein muss und dass du zweitens auch vertrauenswürdig bist, wird sie nächstes Mal weniger heftig reageren, bis sie sich irgendwann völlig an dir orientiert - sprich, entspannt bleibt. Vorausetzung ist natürlich, dass du dich selbst unter Kontrolle hast und nicht knieschlotternd in Angst davor, wie dein Stütchen reagierst, neben dem "Gespenst" stehst, (...)

@little0cookie

(...)

sondern mit aufrechter Haltung, entspannter Muskulatur und einem Lächeln im Gesicht und vor allem wieder mit dem Bild und Gedanken vom entspannten Pferd im Kopf deinem Pferd eine neue positive Erfahrung ermöglichst.

Grüße

@little0cookie

Ich werde es aufjedenfall probieren. Jemand kompetenten habe ich leider nicht im Stall (da bin ich was das angeht am kompetentesten), habe aber eine Trainerin die ich Fragen kann. Wir gehen im Regelfall mit einem Knotenhalfter und einem 3,5m Führstrick raus. Ich habe immer mit ihr währenddessen gearbeitet, VH und HH Wendungen, Zurückschicken, Halten, Jojo, usw.

Sie bleibt zuerst stehen, wenn ich weitergehen will tipp ich sie mit dem Stick an der Schulter, 50/50 das sie dann weitergeht. Tut sie das nicht, tipp ich fester wenn sie indessen sich nicht umgedreht hat, den Kopf nach unten eingerollt hat und losrennt. Ich war schon öfter mit ihr mit der Trense im Gelände (ohne gezurre und weiß nicht was), es lief gut.

@Tinkertier

Danke für den Stern!

Mach mit ihr Dualaktivierung , das fördert die Verbindung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte . Pferde nehmen die Körperseiten sehr unterschiedlich wahr weil die Gehirnhälften stärker getrennt sind als beim Mensch . Die bessere Verknüpfung hilft auch Dinge zu verarbeiten und wenn du so mit ihr arbeitest baust du gleichzeitig ein besseres 'Verhältniss zu ihr auf . Wenn sie lernt dass sie sich auf dich verlassen kann ,dass du weisst was du tust und darauf bestehst dass sie folgt , dann kann sie dir auch Vertrauen und wird Stück für Stück verlässlicher . Dafür brauchst du aber nicht so nen Quatsch wie Hengstketten , mit Schmerz hat noch kein Pferd Vertrauen gelernt .

Verschiedenste Arten von Bodenarbeit ist da eine deutlich bessere Methode . Dualaktivierung , Longieren , Freiarbeit , Gassentraining . Mach nen Parkour mit Planen am Boden und lauter verschiedenen Dingen die sie kennen lernen kann . Mach manchmal Musik an beim Training oder lad dir ne GeräuscheCD runter .

Und vorallem ruhig bleiben . Wenn sie Angst hat nicht auf sie einreden oder streicheln sondern selbst ruhig bleiben ,warte bis sie sich abgeregt hat und gehs dann gleich nochmal an und erst wenn sie dir dann gefolgt ist kannst du sie loben .

Mein Problem ist wirklich nur "draussen", sie lies sich wunderbar verladen obwohl sie als schwer verladbar galt, sie vertraut mir auch sehr und ging mit mir in den Hänger hinein. Ich habe wirklich nur dieses eine Problem mit dem hinausgehen, wenn irgendwas ist was sie nicht kennt oder gruslich findet. Draussen ist sie nicht das Nervenstarke Pferd welches ich kenne. Und dass erst seitdem sie die Verletzung hatte. Und bis jz hatte sie 2 x die Erfahrung das sie sich losriss und in den Stall lief. Aber in diesem Moment, draussen vertraut sie mir nicht, sonst würde sie nicht weglaufen, ich merke das ich mich ein bisschen verkrampfe wenn sie nervös wird. Und mit Trense kann man sie sicherlich besser halten, natürlich mache ich simultan Bodenarbeit usw. Dualaktivierung... kann ich probieren, wie genau kann ich das bewerkstelligen? Kennst du da eine gute Internetseite?

Danke für die Antwort!

Nimm doch einen ihrer "Freunde" mit. Der gibt ihr Sicherheit. Erst geht er vor, und ihr hinterher. Dann geht ihr nebeneinander und schließlich geht ihr vor. Der andere kann sich dann immer weiter entfernen und irgendwann geht ihr alleine.

Oder du reitest auf einem anderen Pferd und nimmst sie als Handpferd mit oder so. Ist sie denn auch schreckhaft, wenn du sie reitest?

Hey, sie ist erst 3 und roh. Wenn ein Pferd dabei ist, macht sie das aber auch. Handpferd kennt sie noch nicht, ob es so intelligent ist ein sie als Handpferd zu nehmen wenn sie so schreckhaft ist, bin ich mir nicht sicher. =)

@Tinkertier

Achso okay ,das ist natürlich was anderes :)

Probier die erste zeit noch ein zweites pferd mit zu nehmen auf den spazier gängen. Das gibt ihr sicherheit! Wenn sie mit dem anderen pferd gut mit läuft immer mehr abstand zwischen beiden lassen so das du früher oder später wieder normal mit ihr spazieren gehen kannst. Viel Glück

Hallo,

wir haben das bereits einmal gemacht, da macht sie es aber auch. Und ich will ja das sie mich als "Leitstute" ansieht und nicht das andere Pferd. Aber wir werden es einfach nochmal probieren. Vielleicht funtkioniert es ja dann nochmal =)

Ich halte weder join up noch platschnakers Lösung für die richtige .

mach viel Bodenarbeit. Macht freiheitsdressur , macht zirkuslektionen, führ über Stangen etc. Und Vorallem mach scheutraining.

Klappt den insgesamt das führen überhaupt? Denndas ist der Grundstein vom spazierengehen und von der Bodenarbeit.

Wenn du merkst dass sie unruhig wird dann beschäftige sie. Sprich mach eine zirkuslektionen oder ähnliches. Wenn sie Angst vor einem Objekt hat dann führ sie langsam hin und lass sie alles beriechen und abtasten. Und immer viel loben dabei!

Alles das mach ich. Und am Platz macht sie das brav mit. Sie ist führig, beim Schrecktraining gelassen und macht brav bei den Zirzensischen Lektionen mit. Wenn wir spazieren gehen ist sie ruhig, wenn sie was sieht, bleibt sie abrupt stehen in dem Moment versuche ich ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, dann ist das nicht so schlimm, nur wenn sie schaut und in der nächsten Sekunde sich umdreht und Richtung Stall losstürmt. In dem Moment schauen ich das ich möglichst seitlich stehe, dann habe ich noch recht gut einwirkung und kann wieder runterbringen indem ich sie ablenke. Das geschieht oftmals so schnell, dass ich kaum die Chance habe zu reagieren. Auf dem Platz, kann ich mit dem Staubsauger sie saugen, sie über alle Sachen drüber gehen lassen, sie mit dem Gymnastikball sogar "abschießen", sie geht durch den Flattervorhang und vor den Nordic Walking Stöcken hat sie auch keine Angst. Es ist nur immer diese Situation draussen, also ausserhalb des Stalles.

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