Notwehr mit Todesfolge strafbar?

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Hallo Mars242,

Dein Denkansatz ist schon von der Fragestellung her falsch.

Notwehr ist keine Handlung, sondern Notwehr ist ein Rechtfertigungsgrund für eine Handlung die vom Gesetz her als Straftat definiert wurde. Liegt ein Rechtfertigungsgrund vor, kann man für die Erfüllung des Straftatbestandes nicht bestraft werden.

Schauen wir uns mal an, was das Gesetz überhaupt als Notwehr definiert:


§ 32 StGB - Notwehr 

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.


Im Fall Deiner Frage würde die Polizei gegen Dich ein Strafverfahren, nach folgender Rechtsgrundlage einleiten:


§ 227 StGB - Körperverletzung mit Todesfolge 

(1) Verursacht der Täter durch die Körperverletzung (§ 223 bis 226a) den Tod der verletzten Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. 

(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.


Im Rahmen der Ermittlungen würde die Polizei dann auch prüfen, ob Du in Notwehr gehandelt hast.

Dabei würde die Polizei die von mir fett dargestellte Punkte Punkt für Punkt prüfen.

  • Hast Du Dich verteidigt? Die Frage ist zu bejahen
  • War die Art und Weise erforderlich, wie Du Dich verteidigt hast? Hier prüft die Polizei, ob es auch ein geringeres Mittel der Abwehr gegeben hätte.
  • Lag ein gegenwärtiger Angriff gegen Dich vor? Gegenwärtig bedeutet, er muss unmittelbar bevorstehen oder gerade stattfinden und er darf nicht bereits beendet sein.
  • War der Angriff rechtswidrig?
  • Fand der Angriff gegen Dich oder einen anderen statt.

In vielen Fällen wird das Vorliegen der Notwehr verneint, weil die Art der Verteidigung nicht erforderlich war, sondern es ein geringeres Mittel gegeben hätte. Beispiel. Ein 20 jähriger voll ausgebildeter Kampfsportler mit 100 kg Kampfgewicht uns sehr Muskulös  wehrt sich gegen den 17 jährigen schmächtigen und unsportlichen Schüler der ihn schlagen will mit einem Messer und sticht ihn bei der Abwehr nieder. Hier wäre die Verteidigung mit dem Messer nicht erforderlich war, sondern vom Kampfsportler war zu erwarten, dass er sich ohne Waffen verteidigt.

Ebenfalls wird Notwehr oft verneint, weil der Angriff bereits beendet war. Beispiel: Jemand wird geschlagen und nachdem sich der Angreifer umgedreht hat und am weggehen ist, rennt ihm der Geschlagene hinterher und schlägt zurück. Das ist dann keine Notwehr, sondern Selbstjustiz.

Aber lag im Fall Deiner Fragestellung Notwehr vor, war die Körperverletzung mit Todesfolge nicht rechtswidrig und der Täter kann deshalb nicht bestraft werden.

Schöne Grüße
TheGrow

Beschäftige dich noch mal mit der Erforderlichkeit. Dann erkennst du, dass ein großer Teil deines ansich guten Beitrags nicht korrekt ist

@grubenschmalz

Bitte führe genauer aus, was an meiner Ausführung falsch sein soll.

@TheGrow

So gut die Antwort auch wieder ist, aber das hier:

Dabei würde die Polizei die von mir fett dargestellte Punkte Punkt für Punkt prüfen.

Ist leider vollkommen falsch, in einem solchen Fall prüft ausschließlich der zuständige Staatsanwalt und in diesem Fall macht die Polizei schön brav was der Staatsanwalt verlangt.

@Artus01

Stimmt, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die Prüfung der Punkte stattfindet

Hängt ganz davon ab, wie der Einzelfall gelagert ist, also unter anderem, wie akut Deine Gefährdung tatsächlich war.

Da ein Mensch zu Tode gekiommen ist, erfolgt in jedem Fall eine Gerichtsverhandlung. Das Gericht wird die Wahrheit herausfinden und entsprechend urteilen.

Das kommt auf den ganz speziellen Einzelfall und die Umstände an. Hier wird auch die Verhältnismäßigkeit der Gewalt geprüft. Wenn er dich mit einem Messer angreift, dir Stichwunden zufügt und du ihn dann mit der bloßen Faust ins Gesicht boxt, wo er dann an einer Gehirnblutung stirbt, dann hast du wahrscheinlich wenig zu befürchten. Wenn er dich aber mit bloßen Händen angreift und du ein Messer zückst und ihn erstichst, dann kann das Totschlag sein.

Wenn ich ihm sage dass er stirbt ,wenn er versucht mich zu "schlagen " und er mich schlägt und er dann stirbt wie wär des?

Nein, die Verhältnismässigkeit spielt überhaupt keine Rolle.

Darauf gibt es keine klare Antwort. Du hast das Recht, auf einen rechtswidrigen Angriff angemessen zu reagieren. Die Frage ist halt, was ist noch angemessen und was nicht und wie es zum Tod kam. Wenn du ihn wegstößt, er fällt unglücklich auf dem Kopf und stirbt daran, ist das für mich immer noch im Rahmen der Notwehr. Das Gericht wird ggf. dies klären müssen.

Sagen wir mal er attackiert dich mit einem Messer, das Messer fällt zu Boden du hebst es auf und drohst ihm, er rennt auch dich zu und du erstichst ihn. Wäre das Notwehr? 

@Mars242

Och man, ich bin doch kein Richter. Ich sehe in deinem Fall Tendenzen im Rahmen der Notwehr und damit straffrei. Allerdings ist es nicht praxistauglich, dass jemand das Messer verliert und du Zeit hast es aufzuheben und der Angreifer erst danach weiter macht.

"Die Frage ist halt, was ist noch angemessen und was nicht"

erforderlich heißt, dass man das Mittel wählen darf, das den Angriff sicher beendet.

Bei mehreren Mitteln mit derselben Erfolgschance muss das objektiv mildeste gewählt werden.

 

Sollte jemand auf die los gehen und die erstichst ihn dann.. Dann ist das sicher nicht nur Notwehr..

Sollte er unglücklich fallen.. Naja, da kannst du ja eher weniger was dafür..

Kommt also auf die Situation an und wird überprüft. :)

Lg

Doch, auch das kann Notwehr sein.

@AalFred2

Damit meine ich nicht aus Versehen, sondern gezielt.. Ich denke da kommt doch noch etwas, da es wohl auch noch andere Lösungen gab, als ihn direkt umzubringen. o:

@Chabella

Wenn es die gab, hast du Recht, ansonsten nicht.

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