Nebengewerbe und PKW-Leasing

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Hi Alrik,

super das Du den falschen Gedanken vor dem Gewerbe hast.

  1. Leasing ist immer die teuerste Form eines Kaufs.
  2. Die Frage der Wirtschaftlichkeit. Es ist nie gut wenn man Geld ausgibt. Je weniger je besser, also pro Euro Einnahme.
  3. Ab wann lohnt denn überhaupt der Hausbesuch bei Deinen Kunden? Wie viel Ware müssen die über Dich absetzen?
  4. Da Du bereits von der Kleinunternehmer-Regel ausgehst ist die Frage: Kann das Gewerbe trotz 1%-Regelung den Pkw überhaupt verkraften oder bist Du damit bereits zum Misserfolg verhaftet?
  5. Das Finanzamt beobachtet gerade bei Nebenerwerbs-Gründungen sehr genau, ob Investitionen tatsächlich zu einem positiven Totalergebnis führen oder nicht. Die Anschaffung eines Pkws, der durch die Fahrten Wohnungs-Arbeitsstätte einen Großteil seiner Nutzung ableistet riecht nach der Umwidmung von Werbungskosten in Betriebsausgaben. Damit wäre es dem Finanzamt noch leichter Dein Gewerbe in den Bereich der Liebhaberei zu drängen. Die Folge ist dann rückwirkend. Man lässt Dich ein paar Jahre machen. Dann sagt man: Wir haben es gleich gedacht, der Alrik will nur Steuern sparen. Da er ja Lohnsteuer zahlt und die erstattet bekommen hat, fordern wir diese Erstattungen für die letzen Jahre zurück. Man wird in dem Fall womöglich sogar von einer Anlaufphase absehen. Dann bezahlst Du privat brav die Kosten des Autos, Dein Gewerbe konnte sich nicht festigen und die Steuerersparnis für z.B. fünf Jahre wird vom Finanzamt zurück gefordert.

Du siehst - Meine Antwort auf Deine Frage: Fahrzeug leasen, nimm nur die Finger weg.

Die Wirtschaftlichkeit und die Risiken könnten sich ändern, wenn Du gar nicht erst probierst Kleinunternehmer zu sein. Dabei geht es dann aber um die sogenannte Ernsthaftigkeit. Übrigens: Steuern sparen ist ein ganz großer Mist! Zahle lieber drei Millionen, dann kann man von dem was über bleibt auch richtig super leben.

Ein anderes Problem ist der Anteil der privaten Nutzung am Fahrzeug. Du schätzt jetzt 50% betrieblich. Wenn Du im Schnitt fünf Tage zur Arbeit und legst dabei 10 Entfernungskilometer zurück, dann sind das 100 Kilometer pro Woche. Bereits da wird es neben einer normalen Vollbeschäftigung schon schwer die betrieblichen Kilometer zu erreichen. Zumal es ausgesprochen unlukrativ erscheint, im Vergleich zu Pakte-Diensten. Was dann auch wieder in die Liebhaberei einwirkt.

Auch wenn die Anlaufkosten gestreckt werden können, jedenfalls zum Teil. Aber den Bedarf von 15.000 wird es geben. Es sei denn Du kannst einen Shop 100% selbst anpassen bzw. programmieren. Allerdings würdest Du dann hoffentlich das als Geschäftsidee verfolgen.

Die Anlaufkosten sind bei weitem unter Deinen Umsatzerwartungen. Und wenn man lediglich Vermittlungsgebühren pro Verkauf bekommt, dann muss ich die Frage nach der Kleinunternehmereigenschaft wieder stellen. Sie ist wahrscheinlich unwirtschaftlich für Dich.

Du kannst hier in der Anlaufphase für Dich zusätzliche Belastungen generieren, die sich auf über 8.000 Euro aufsummieren lassen. Da kann ich Dir nur ans Herz legen: Lese Dich in einige Bereiche noch einmal neu ein. Was das Online-Marketing angeht, die steuerlichen Konsequenzen, Investitionen und ihre Folgen, Fernabsatzgesetz, Rücknahme von Verpackungsmüll usw. Ich bin überzeugt, dass Du da zu einer chancenreicheren Aufstellung kommen kannst.

Unter dem Bereich rechtliches gibt es sicher zwei Artikel in meinem Blog die Dich interessieren sollten. 1x geht es um die Kleinunternehmereigenschaft und ein anderer Artikel listet nur Gesetze auf, die wir Unternehmer zu beachten haben. Die ist nicht einmal vollständig und die Inhaltsangaben von mir legen auch nur einen Fokus auf die Gesetze.

Für die Planung möchte ich Dir noch zwei Dinge ans Herz legen. Dabei geht es um die Businessplanerstellung. Nicht nur einen "Blanko"-Zahlen- und -Text-Teil ist bei den Downloads, sondern auch der eine oder andere Tipp. Der Link lautet www.d-dh.de

Was bei Deiner Frage jetzt etwas schwerer ist/war: Du hast zwar versucht den Rahmen abzugrenzen, aber Du hast bei mir vielleicht gemerkt welche Probleme daraus für die Beantwortung entstanden sind. Das ist häufig ein Anzeichen, dass bestimmte Bereiche noch nicht so durchleuchtet oder beschlossen sind.

Wünsche Dir viel Erfolg. Wenn Du möchtest kannst Du Dich gern auch noch an mich wenden. Können uns auch gern mal zusammentelefonieren.

Hallo, erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. Gern hätte ich Interesse an weiteren Auskünften oder Hilfen. Ich habe auch noch 2 anderen Fragen zum Thema PKW und Gewerbe eingestellt. Diese wurden jedoch gelöscht, da ich überall den gleichen Einleitungssatz hatte. Hier kurz nocheinmal eine Stellungnahme von mir zu Ihrer Antwort: Mein Hintergedanke bei der ganzen Sache ist eigentlich meinen privaten PKW abzuschaffen und mir dann ein Fahrzeug zu leasen. Die Leasinggebühren u.s.w. könnte ich ja dann als Betriebskosten von meinem Gewinn abziehen. Dies hätte für mich den Vorteil das ich keine Kosten für den Privat-PKW hätte und gleichzeitig mein Unternehmensgewinn kleiner wird, was niedririge Einkommenssteuer nach sich ziehen würde. Ist das so einfach und sinnvoll? :-)

Der Onlineshop soll ein An- und Verkauf für eine bestimmte Unterhaltungselektronik sein. Der Gewinn aus meinem Unternehmen wird anfangs schätzungsweise 200-500 EUR im Monat ergeben. Ein günstiges Kleinwagen-Leasing gibts schon um die 150 EUR mtl.. Von daher würde ich aus der Sache noch mit Gewinn rausgehen und das Finanzamt kann mir keine Liebhaberei unterstellen. Momentan fahr ich ca. 20.000km im Jahr (privat incl. Fahrten zu meiner Vollzeitbeschäftigung); denke das für "gewerbliche Fahrten" nicht mehr als 10-20% der angegebenen KM dazu kommen.

PS: Was bedeutet die von Ihnen genannte 1% Regelung? Ihre Frage: Ein Hausbesuch lohnt natürlich nur dann wenn die Sprit- bzw Unterhaltskosten des PKW's je KM gleich oder unter den Versandkosten der Ware liegen (also ca. 7-10 EUR).

Danke mfg

@Alrik

Nix zu danken, dafür sind wir hier. Freuen tut es natürlich!

Deinen "Hintergedanken" habe ich durchschaut. Aber genau die Sache mit der realen betrieblichen Nutzung von vielleicht 20% hat ja eine Auswirkung: Die Behandlung als Betriebsausgaben führt ja zu einer unkorrekten Besteuerung. Wenn man etwas aber nur aus steuerlichen Gründen macht, dann nennt sich das Gestaltungsmißbrauch. Man tut also so, als wenn es das Vorgehen mit dem Pkw nicht gegeben hätte.

Das war ja der rechtliche Teil meiner Antwort. Wobei der wirtschaftliche wichtiger ist. Ein Gewerbetreibender hat nicht unter dem Strich zu gucken, sondern er hat eine besondere Verantwortung für sein Unternehmen. Daher muss er es vor unnötigen Ausgaben schützen. Unnötig meint hier natürlich aus gewerblicher Sicht, weil das Auto für das Unternehmen keinen Sinn macht.

Die 1%-Regelung bedeutet in grober Darstellung folgendes:

Der Brutto-Listen-Preis (also nicht was man real bezahlt, sondern der Katalogpreis bei einem in Deutschland ansässigen Händler, auch mit den Ausstattungsmerkmalen) wird errechnet.

Davon nimmt man 1%. Das wird als Eigenverbrauch gebucht. Also jedes Jahr werden 12% der Anschaffungskosten wie betriebliche Einnahmen behandelt. Erhöhen also den Gewinn. Umsatzsteuer fällt in der Regel auch an.

Dabei ist es unerheblich wie hoch der privat genutzte Anteil an den Aufwendungen ist. Gilt allerdings auch nur, wenn das Auto als betrieblich gesehen werden kann.

Auch meine Frage nach den Kosten für die Hausbesuche hat das im Ergebnis verdeutlicht: Wirtschaftlich ist die Verwendung des Autos nicht. Nur wenn wirklich eine persönliche Unterredung notwendig ist.

Um die Überlegungen zu Umsatz- und Gewinnerwartungen zu qualitativen Aussagen zu machen: Ganz dringend einen Businessplan erstellen. Auf Grundlage einer möglichst guten Marktbeobachtung und Befragung.

Das kostet zwar eine Unmenge Zeit und verursacht auch Kosten(die sich aber bei den hohen Anfangsinvestitionen für Shop-Erstellung, grafische Anpassungen nach der CI, Werbung schnell rechnen. Die Verwendung eines falschen Buttons kann Klickraten um 10% nach oben oder unten beeinflussen (also nur ein Beispiel für kostspielige Fehlentscheidungen)).

Da ist die Einsparung eines Businessplanes und einer guten Begleitung ein gefährliches Spiel. Ich gehe davon aus, dass man bei gutem Wirtschaften mit 15.000 Euro Investitionsvolumen rechnen muss.

Nur wenn man da von einer verkehrten Zielgruppe ausgeht, sie also nicht klar genug definiert und damit auch nicht dort anspricht, wo sie ist, können die ganzen Investitionen einen Totalverlust ergeben. Nur der Hinweis an dieser Stelle, bereits bei kostenlosen Angeboten sind die Quoten im eigenen Umfeld niedrig. Meine Facebookzahlen z.B. Auf meinem Profil habe ich einen "Freundeskreis" von knapp 1.500 Personen. Davon haben nicht einmal 10% auf [gefällt mir] geklickt. Dabei wäre es ja schon einfach als Unterstützung nicht viel erwartet. Die 10% sind aber schon ein enorm gutes Ergebnis.

Auch meine Besucherzahl auf meinem Blog ist ordentlich. Allerdings ist der nicht auf Absatz, also nicht als Vertriebsschiene ausgebaut. Hohe Klickraten und Besucherzahlen. Alexa bzw. urlm schätzen meine monatlichen Besucher auf über 10.000 Personen.

Das zu erreichen hat viel Arbeit bedeutet. Trotzdem habe ich nur etwa 20 Leute, die Newsletter wollen oder eine direkte Nachricht bei neuen Artikeln beziehen.

Ich finde das macht eigentlich ziemlich deutlich wo der Hase im Internet wirklich läuft. Das Risiko ist also hoch genug. Und zwischen Totalverlust und Totalgewinn stehen damit Welten. Dazu benötigt man eben auch eine ganze Menge an Wissen.

@Dirk-D. Hansmann

ok, ich denke ich habs verstanden...In meinem Fall lieber die Finger vom Leasing lassen!!!

Aber wenn ich für mein Vorhaben meinen privaten PKW nutze, muss ich diesen gewerblich versichern? Wie gehe ich damit bei der Einkommenssteuererklärung um? Habe ich steuerrechtlich Vorteile? Oder ist es sinnvoll den PKW einfach weiter privat zu versichern und die entstandenen Kosten (gefahrene KM) selbst zu tragen? mfg

@Alrik

Guten Morgen,

leider hat Versicherung nichts mit dem Steuerrecht zu tun. Soweit ich mich aus eigenem Erleben daran erinnern kann. Ich habe nämlich noch nie ein Auto auf meinem Namen gehabt.

Trotzdem macht es bei der Versicherung nur den Umstand, dass man mitteilt: Ich fahre auch gewerblich. Von höheren Beiträgen habe ich da noch nichts gehört.

Leasing rate ich übrigens immer ab. Es ist einfach unwirtschaftlich. Und wenn Leute dazu raten sind es zwei Gruppen: Autoverkäufer die schlau wirken wollen und Unternehmer die nicht wirtschaftlich denken.

Steuern spart man nur, wenn man mehr Geld ausgibt. Wer also viel verdient und 100 Euro zu viel ausgibt bekommt, der braucht die 100 Euro von den Einnahmen nicht zu versteuern. Er zahlt 42 Euro weniger Steuern. Die Auswirkung kann bei Geringverdienern natürlich auch Null sein.

Der "Arme" der die 100 Euro spart, der muss die versteuern. Hat aber 58 Euro mehr in den Tasche.

Mit Gewerbesteuer habe ich das nie gerechnet. Geht ja auch um ein Prinzip.

Es gibt zwei Möglichkeiten die Kosten für die betrieblichen Fahrten zu ermitteln. Entweder Du nimmst die Pauschale - die 30 Cent sind meine ich trotz Änderung der Reisekosten pro gefahrenen km geblieben.

Oder Du rechnest die realen Kosten für Dein Auto pro km aus und machst die dann geltend. Für beide Verfahren sind Fahrtkostenabrechnungen für jede Fahrt zu schreiben. Die Angaben müssen vollständig sein. Was das bedeutet: Das erklärt der Steuerberater. Für jede Fahrt bedeutet nicht, dass immer ein Blatt verwendet werden muss. Am Besten man kauft so einen Vordruck-Block für Reisekosten und legt den Block ins Cockpit. Das man das sofortige Ausfüllen nicht vergisst. Also immer auch km eintragen. Das ist aber kein Fahrtenbuch!

Du kannst also in jedem Fall Betriebsausgaben für Deine Fahrten geltend machen. Ob Du zur Gewerbeanmeldung fährst, auf eine Messe oder zu einem Kunden oder Lieferanten.

Nicht jede Fahrt muss wirtschaftlich sein. Das wird nicht kontrolliert. Aber die Gesamtheit der Zahlen soll eben schon Gewinne erzielen lassen.

Ist ja auch Humbug, wer keine Steuern sparen will. Man sitzt Monat für Monat und hat richtig Stunden geleistet und hat keinen müden Euro. Wo liegt da der Sinn.

Viel Erfolg.

Wenn der Wagen zu weniger als 50 % betrieblich genutzt wird, könnte es sein, das der Abzug über Betriebskosten udn die Versteuerung des Privatanteils günstiger ist.

Aber um das genau zu sagen, müßte man alle Bedingungen / Kosten kennen udn auch die Kilometer zur Arbeit sowie die durchschnittlich gefahrenen Privatkilometer.

Und den Neupreis des Wagens, weil eine der Methoden die Versteuerung des Privatanteils 1 % des Neupreises pro Monat ist.

wenn sie ihn dir nicht voll als Betriebsausgabe anrechnen, macht es keinen sinn

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