Nebengewerbe in zwei verschiedenen Bereichen möglich?

2 Antworten

Ganz einfach:

Fotografie = Handwerk = Gewerbe

Lehrtätigkeit = Freiberufliche Tätigkeit = Selbständige Arbeit = kein Gewerbe.

Dabei unterstelle ich, dass es sich um eine Lehrtätigkeit im klassischen Sinne handelt.

Dann müssten für beide Bereiche getrennte Aufzeichnungen und getrennte Gewinnermittlungen durchgeführt werden.

Bei Der Umsatzsteuer sind aber beide Bereiche zusammen zu fassen.

Wobei wir bei der Fotografie das Problem haben, dass es sowohl als auch sein kann.

Ein Fotograf der nur Auftragsarbeiten verrichtet, ist definitiv Gewerbetreibender.

Ein Fotograf dessen Arbeiten künstlerische Qualität haben ist Freiberufler.

Die Lehrtätigkeit wäre als Honorardozent bei verschiedenen Lehrinstituten. Die stellen immer seltener feste Arbeitskräfte ein und wenn dann sehr oft nur befristet.

Ohne genauere Kenntnisse kann man das gar nicht diskutieren. Ein Fotograf kann mit entsprechend künstlerischer Ausbildung eben auch als Kunst anerkannt werden.

Würde dann aber keine üblichen Aufträge bearbeiten.

Auch die Lehrtätigkeit ist nicht eindeutig.

Doch zu dem Gesamtbild will ich Dir einen Kommentar geben.

Wer zwei Dinge macht, der macht nichts richtig. Sicher ist gerade am Anfang der Eindruck verbreitet: Ich habe nicht gleich genug Aufträge um die zur Verfügung stehende Zeit wirklich zu nutzen.

Stimmt fast. Nur wer in zwei Bereichen nach Kunden sucht, der wird bestimmte Tätigkeiten doppelt machen müssen, ohne diese auch wirklich in messbare Erfolge umsetzen zu können.

Ist es Deine Absicht, dass Du Hobbys steuerlich geltend machen willst, dann kann man dieses für eine überschaubare Zeit machen. Allerdings müsste man dann aus Gründen der Steuerehrlichkeit dieses dem Finanzamt auch mitteilen.

Die Mitteilung führt dazu, dass die Verluste eben nicht zum Abzug zugelassen werden. Dieses ist nämlich nur dann erlaubt, wenn man die aussichtsreiche Chance auf einen Totalgewinn hat. Hier geht es um das Stichwort Liebhaberei.

Ob neben der Erstbeschäftigung, die bei Dir momentan auch Hauptbeschäftigung bleiben soll, tatsächlich eine Zielgruppe definiert werden kann muss man genau betrachten.

Was die genauere Anmeldung der angestrebten Tätigkeiten angeht, da hast Du bereits korrekte Institutionen genannt. Dort solltest Du der Einfachheit halber auch Deinen jeweiligen Mitglieder-Status prüfen lassen.

Dazu gehört auch, dass die Kammern eine eigene Beitragshoheit haben. So kann zwischen keinem Beitrag und zwei vollen Beiträge alles möglich sein.

Viel Erfolg.

Bezüglich der Qualität meine Arbeit kann ich dich beruhigen, ich habe entsprechende Referenzen.

Der Grund für die Selbständigkeit nebenher ist einfach, dass ich entsprechende Anfragen bekomme ob ich nicht als Honorardozent arbeiten (Festeinstellung ist bei vielen Lehrinstituten nur noch befristet möglich) wolle bzw. ein Event fotografieren wolle.
Ohne Gewerbeschein kann ich eben für keine dieser Tätigkeiten legal Geld nehmen.. und ich weiß wie scharf das Finanzamt ist.

Im Endeffekt wird es also darauf hinauslaufen, zwei einzelne Gewerbe anzumelden und viele Sachen doppelt zu machen.

@DerOnkelJ

Die Ausführung/Qualität hast Du falsch verstanden. Es geht um die juristisch nachweisbare Qualität. Abgeschlossenes Kunststudium, Ateliergemeinschaft mit anerkannten Künstlern, Ausstellungen usw.

Man gibt nur eine Gewerbeanmeldung ab. Die Anzahl der der Tätigkeiten spielt rechtlich keine Rolle. Lediglich die einzelne Tätigkeit wird geprüft.

Bei der Lehrtätigkeit solltest Du klären ob Du dafür eine Gewerbeanmeldung überhaupt brauchst. Ich würde die gar nicht als gewerblich ansehen und lediglich das Finanzamt über die Tätigkeitsaufnahme nach Vertragsschluss informieren.

Und wer Events fotografiert kann in unterschiedlichen Richtungen landen. Werbefotografie, Journalismus. Über die Folgen solltest Du Dich bei der Handwerkskammer informieren lassen.

Beiträge sind in der Regel hoch und für einen Lehrauftrag und eine Veranstaltung kann das vergleichsweise richtig viel sein.

Drei weitere Gefahren lauern noch. Da ist einmal die Künstlersozialkasse. Die könnte, da dort auch Grafiker pflichtversichert werden interessant sein. Zwar braucht man nur einen Beitrag zu zahlen, die andere Hälfte wird durch den Staat subventioniert. Doch ob dieses für Dich interessant ist? Es gibt da aber auch kein Wahlrecht.

Dann ist da noch Deine Krankenkasse. Vielleicht will die auch Geld sehen und erhebt einen weiteren Beitrag.

Und zum Ende noch ein Hinweis, nämlich der bezüglich Umsatzsteuer einerseits und die Einbringung von Privatvermögen (wie Fotoausstattung oder Computer) ins Betriebsvermögen. An beiden Stellen gibt es Steuerfallen. Die auch wieder nicht so lustig enden könnten.

Da das Finanzamt nicht beraten darf, wirst Du Dich hier bei einem Steuerberater informieren können. Erstgespräche sind in der Regel zwar kostenlos, aber das gilt häufig nur dann, wenn ein entsprechender Auftrag kommt. Hier die Steuererklärungen und die Gewinnermittlung(en).

Wenn Du die Informationen hast, dann wird sich ohnehin die Frage der Wirtschaftlichkeit stellen. Die allerdings noch dadurch verstärkt wird, ob tatsächlich aktiv Kunden gesucht werden sollen. Wenn nicht, dann solltest Du vor der Gewerbeanmeldung dieses auch dem Gewerbeamt mitteilen und fragen ob überhaupt eine Meldepflicht besteht.

Ich habe jetzt nicht mitgerechnet oder auch keine Schätzung. Aber es geht hier locker um Betriebsausgaben im vierstelligen Bereich. Da sollte man schon ganz genau vorgehen... Wobei die hier angeführten Punkte genau das nicht sind. Es sind lediglich einige Schwerpunktfragen.

Solltest Du ernsthafte Absichten haben weiteres Einkommen zu generieren, dann kommt noch eine ganz andere Anzahl von Fragen. Die dann auch beantwortet werden sollten und auch interessante Risiken beinhalten.

Nicht nur weil ich davon lebe: Aber mit den Ideen und in der Konstellation sozialversicherungspflichtige Festanstellung kann es ohne professionelle Absicherung durch Steuerberater und Unternehmensberater wegen der Komplexität der Fragen fast nur in Problemen enden.

Mit Auswirkungen auf mögliche Zukunftsüberlegungen. Also schon der kurzfristige Schaden kann enorm sein. Langfristig wird man ihn kaum beziffern können.

Und leider will ich noch einen zum Thema Sicherheit drauf setzen. Es ist auch bei genauester Planung mal so, dass Behörden oder Kassen etwas anders beurteilen. Damit kann man in diesem Fall - mit den 'kommunizierenden Problemen' - keine 100%-ige Sicherheit schaffen.

Aber dieses ohne Unterstützung zu probieren wäre nicht wirklich schlau.

Viel Erfolg.

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