Muss man in Deutschland Erste Hilfe leisten wenn vor einem ein Unfall passiert oder reicht Notruf?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn man garnichts macht, macht man sich in Deutschland der Unterlassenen Hilfeleistung gemäß §323c StGB strafbar. Hat man den Unfall selbst verursacht oder einen Beruf, der einen besonders verpflichtet, kann man sich sogar einer Körperverltzung durch Unterlassen strafbar machen!

Rechtlich reicht das Absetzen eines Notrufs unter der Rufnummer 112 aus. Bei bestimmten Erkrankungen oder Notfällen ist es aber erforderlich selbst tätig zu werden, damit der Patient die Chance auf völlige Genesung hat. In Deutschland gibt es so genannte Hilfsfristen die festlegen, nach welcher Zeit professionelle Hilfe vor Ort sein muss. In Hessen sind das 10 Minuten. Bei einer Reanimation hat der Patient zu der Zeit aber keine reelle Chance mehr, wenn ihm nicht von Ersthelfer geholfen wird. Aus diesem Grund ist es von allergrößter Wichtigkeit freiwillig einen Erste Hilfe-Kurs zu absolvieren, damit man im Notfall helfen kann und nicht zuschauen muss. Statistisch gesehen muss man am häufigsten Angehörigen oder Bekannten helfen. Das sollte einen erst recht motivieren in dieser Situation helfen zu können. Kurse werden für wenig Geld von allen Hilfsorganisationen angeboten.

Aber was ist wenn man sich selber in Gefahr bringen würde?

@CindySandro

Das Gesetz sagt:

"*§ 323c StGB - Unterlassene Hilfeleistung

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Eigenschutz geht immer vor! Es nützt einem nichts, wenn man am Ende auch noch neben dem ursprünglichen Patienten liegt. Um das am Gesetz festzumachen: Man muss nur in zumutbarer Weise helfen.

Hallo Hermann,

auch wenn es schon 3 Jahre her ist :) Vll interessiert es dich immer noch. Was in deinem Fallbeispiel fehlt sind deine eigenen Gedanken und Gefühle. Im Gesetz steht nach besten Wissen und Können und Zumutbarkeit. Der Notruf in das Minium was das Gesetz von jemanden verlangt. Die Frage, die der Richter stellen wird, würde lauten, warum du keine weitere Maßnahmen eingeleitet hast. Angst und Ekel wären gerechtfertigte Gründe (auch passend zu deinem Beispiel). Es muss aber begründbar und glaubwürdig sein.Letztendlich bist du in der Pflicht und musst dich rechtfertigen, wenn du gewisse Maßnahmen unterlassen hast: z.B. Herz- Lungen- Wiederbelebung, Druckverband,stabile Seitenlage, Wärmeerhalt (alles lebensrettende Maßnahmen). Kommst du gerade frisch von aus einem Erste Hilfe Kurs und vor deinen Augen (in der Fußgängerzone) fällt jemand bewusslos um, könntest du es schwer haben vor Gericht.

lg Christian

Auf den Paragrafen 323c StGB ist hier schon hingewiesen worden. Hier der genaue Gesetzestext:

§ 323c Unterlassene Hilfeleistung.Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Hier möchte ich auf die Aussage "zumutbar" eingehen. Helfen müssen Sie auf jeden Fall. Aber eben nur soweit, wie Sie es sich zu trauen. Wenn Sie auf einer leeren Starße irgendwo im "Hinterland" unterwegs sind, reicht es auf gar keinen Fall nur einen Notruf zu tätigen. Es gibt Rettungsdienstbereiche wo ein eintreffen von Rettungsdienst und Feuerwehr nicht in den vorgeschriebenen 15min gewährleistet werden kann. In diesen 15min könnte durch Ihre Hilfe sog. Folgeschäden erspart und verhindert werden. Jetzt z.B. in der kalten Jahreszeit kann es schnell zu lebensbedrohlichen Unterkühlungen kommen. Ich bin im Rettungsdienst und als Ausbilder in der Ersten Hilfe tätig. Diese Frage, nach dem Helfen müssen, kommt immer wieder. Ich stelle dann immer eine Gegenfrage: "Stellen Sie sich vor, Sie wären der Verunfallte. Würde Ihnen das reichen, wenn ein Auto an Ihnen vorbei fährt oder würden Sie sich freuen, wenn das Auto anhält und Hilft?" Auch wenn die Verletzungen nicht groß sind - die Seele und Psyche sind immer verletzt. Einen Menschen an seiner Seite zu haben wäre dann schön. Es ist aber ein menschlicher Aspekt und Sie müssen mit Ihrer Entscheidung leben. Zu Ihrer direkten Frage, ob das absetzen des Notrufes reicht, nicht gerichtlich belangt zu werden - ja. Meine Meinung als Retter und Ausbilder - ja, leider. Die Entscheidung "nur" zu telefonieren berugt doch meist auf der Angst des Helfenden, etwas falsch zu machen bei der Ersten Hilfe. Das einzige, was Sie falsch machen können ist nicht zu helfen. Für die evtl. Folgeschäden am Patienten kann und wird Sie kein Gericht in Deutschland verurteilen. Ihre Aufgabe als Ersthelfer besteht darin das Leben des Patienten zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen R.Schmidt Rettungsassistent und Ausbilder

PS: Ich will keine Werbung für meine oder andere Hilfsorganisationen machen, aber ein Kurs in Erste-Hilfe kostet 18€...

Man MUSS sonst würde man wegen Unterlassenehilfeleistung vor Gericht kommen und der Notruf reicht nicht aus. Natürlich kann ein Nichtschwimmer keinen Menschen vor dem Ertrinken retten.Und wenn man einen Hilft beruhigt man auch gleichzeitig seinen Gewissen =)

jeder ist verpflichtet, erste Hilfe zu leisten, ansonsten macht er sich strafbar wegen unterlassener Hilfeleistung. Ausgenommen ist natürlich, wenn man sich bei der Hilfe selbst in Gefahr bringen würde,also keiner muß sich opfern um eines anderen willen: Beispiel: Du brauchst nicht ins Wasser zu springen, um einen vor dem Ertrinken zu retten, wenn Du nicht schwimmen kannst - aber Du mußt ihm einen Rettungsring zuwerfen oder sowas .

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