Muss ich für die Balkonsanierung zahlen,wenn meine Eigentumswohnung keinen Balkon hat?

5 Antworten

Das Gebäude muss als Ganzes gesehen werden. Und dafür spielt es keine Rolle ob zu einer Wohnung ein Balkon gehört oder nicht. Die ET zahlen für Reparaturen oder Sanierungen gesamt im Verhältnis ihrer MEA`s. 

An und für sich würde ich sagen nein. Habt Ihr keine Eigentümerversammlung bei der solche Dinge besprochen werden? Wenn Du keinen Balkon hast, dann macht es auch keinen Sinn, wenn Du für eine Sanierung zahlen musst. Etwas anderes ist es, wenn bei den Arbeiten auch noch andere Arbeiten an der Fassade durch geführt werden, die Dich dann auch betreffen.

Wenn das nicht der Fall ist, sollten die sieben Herschaften mit dem Balkon die Kosten übernehmen.

Pauschal gilt das so leider nicht. Es müssen ja z.B. auch Leute im Erdgeschoss den Fahrstuhl mit bezahlen obwohl sie ihn nicht nutzen sofern dies in der Teilungserklärung vereinbart ist. 

Das kommt auf die Teilungserklärung an. In der Regel sind Balkone Sondereigentum, d.h. sie gehören nur zu der Wohnung, an die sie angebaut sind. Dann sind auch nur die Eigentümer kostenpflichtig, deren Wohnungen über einen Balkon verfügen. Gehören die Balkone zum Gemeinschafteigentum, müssen alle Eigentümer an der Sanierungsumlage beteiligt werden, d.h., alle müssen anteilig zahlen (ist aber eher ungewöhnlich).  Schau  die Teilungserklärung an, die hast du bei Kauf erhalten.

Das Sondereigentum am Balkon erstreckt sich immer nur auf das Raumeigentum oder an einzelnen, sondereigentumsfähigen baulichen Bestandteilen.

@geige

In unserer TE ist es klar definiert, welcher Bereich (u.a. der Balkone) SE und welcher GE ist und welche Wohnungen betroffen bzw. ausgenommen sind. EG ohne Balkon ist hier nicht kostenbeteiligungspflichtig, nur wenn z.B. im Rahmen Balkonsanierung die gesamte Fassade einen neuen Anstrich benötigt. Darum mein Hinweis auf die TE.

Sofern es keine gesonderten diesbezüglichen Regelungen in Eurer Teilungserklärung abweichend von § 16 (2) WEG gibt und sofern von der Gemeinschaft für die erforderliche Balkonsanierung keine Kostenverteilung nach § 16 (4) WEG beschlossen wurde, ja.

Ob ein Wohnungseigentümer eine Änderung der Kostenverteilung im Einzelfall gerichtlich verfolgen kann, musste der Bundesgerichtshof entscheiden, vgl. BGH, Urteil v. 15.01.10, Az. V ZR 114/09 :

Der Eigentümer einer balkonfreien Dachgeschosswohnung wollte von den Kosten einer auf alle Eigentümer umgelegten Balkonsanierung befreit werden. Er reichte Anfechtungsklage ein, nachdem der diesbezügliche Beschluss in einer Eigentümerversammlung abgelehnt worden war. Zugleich wollte er die übrigen Wohnungseigentümer, zu deren Wohnung ein Balkon gehört, per gerichtlichen Beschluss zur Finanzierung der Balkonsanierung verpflichten.

Der BGH beschloß, dass ein Wohnungseigentümer eine Abänderung der Kostenverteilung für einen Einzelfall beantragen darf. Verweigern die übrigen Eigentümer dazu den Beschluss, kann er den Anspruch gerichtlich weiter verfolgen. Damit war auch die auf Zustimmung zu der Änderung gerichtete Leistungsklage zulässig, auch wenn die Wohnungseigentümerversammlung sich vorher noch nicht mit diesem Beschluss befasst hatte. Erzwungen werden kann eine Änderung aber nur, wenn die bisherige Regelung aus schwerwiegenden Gründen unbillig erscheint.

Die Karlsruher Richter sahen aber keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Verteilung der Kosten für die Balkonsanierung auf alle Eigentümer ungerecht sein kann.

Ja das müsst ihr. Achte aber, das nur die Aussenfläche für alle abgerechnet werden. Die Innenseite ist Sache des Balkonbesitzers.

Für alle als Nachhilfe:

Balkon: Die Bestandteile, die den Balkon selbst bilden, sind Gemeinschaftseigentum. Dazu gehören sämtliche Fassadenbestandteile, wie die gegossene Betonbodenplatte und die Außenwände, das Balkongitter, eine Isoliersicht und alles andere was der Baustabilität und dem Feuchtigkeitsschutz dient. Dagegen gehört der Raum auf dem Balkon selbst und die darauf angebrachten Gegenstände, wie Blumenkästen und Lampen zum Sondereigentum des jeweiligen Wohnungseigentümers. Aber auch Bodenfliesen, die zur Zierde fest verlegt sind, gehören zum Sondereigentum, so dass Reparaturen vom jeweiligen Wohnungseigentümer selbst zu zahlen sind.  

@amigo06

Hierbei ist jedoch zwingend § 14 (4) WEG zu beachten. Der betroffene WEer hat die Maßnahmen zu dulden, hieraus ihm entstehende Schäden (z.B. neuer Estrich, neuer Fliesenbodenbelag usw.) sind ihm zu Lasten der Gemeinschaft zu ersetzen.

 

 

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