Macht es Sinn, vor dem Amtsgericht ohne Rechtsanwalt aufzutreten?

4 Antworten

Diese Frage hatten wir vor geraumer Zeit schon einmal. Sicher hast Du die Möglichkeit, auf einen Rechtsanwalt zu verzichten und Dich selbst zu verteidigen, aber das ist nicht sinnvoll. Der Rechtsanwalt darf Einsicht in die Akten nehmen, Du nicht. Der Rechtsanwalt hat ganz andere Möglichkeiten als Du, Du als Laie kannst sehr schnell aus Unkenntnis in eine Falle tappen. Also, Rechtsanwalt ist auf jeden Fall besser.

Das kann man nicht pauschal beantworten, das kommt wirklich auf den Einzelfall an. Ist es ein relativ einfacher Sachverhalt, dann kann man es durchaus wagen, ohne Rechtsanwalt aufzutreten, allerdings hat jeder Prozeß sein Eigenleben und man weiß nie, was passiert. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Anwälte mit einem Gegner, der ohne Rechtsanwalt erscheint, nicht gerade schonungslos umgehen, es kann dann allerdings passieren, dass der zuständige Richter dann verständiger ist. Es kommt aber wirklich immer auf den Einzelfall an, so dass ich eher dazu tendieren würde, auch vor dem Amtsgericht einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

Wenn der Sachverhalt, wie hier gesagt, relativ einfach ist, Du nicht viel Kleingeld hast und/oder vielleicht sogar Prozesskostenhilfe bekommst (ein Zeichen dafür, dass Dein Standpunkt zurückhaltend positiv bewertet wird), ist es möglicherweise einen Versuch wert. Habe mal in einer Mietsache allein, ohne Anwalt, gegen den Kläger, der gleich zwei Anwälte dabei hatte, gewonnen. Allerdings hatte ich vorher Rechtsbeistand durch eine Mieterberatung und habe mich in die Materie möglichst tief eingearbeitet.... Hätte trotzdem anders ausgehen können, wie man mir vorher schon sagte - und zwar MIT oder OHNE Anwalt.

Geht es wirklich um einen Strafprozess? Das Wort "verteidigen" lässt diesen Schluss zu. Im Strafprozess beim Amtsgericht kommt es einfach darauf an, worum es geht. Wenn es eine Trunkenheitsfahrt - und damit um den Führerschein - geht, kann das existentielle Folgen (Arbeitsplatz) haben. Da würde ich mir immer einen Anwalt nehmen - und zwar schon vor dem Prozess, also im Ermittlungsverfahren. Wenn es "nur" um Diebstahl geht und man nicht vorbestraft ist, kann man sich den Anwalt sparen, wenn man sowieso die Tat gesteht. Im Zivilprozess (z.B. Schadenersatz pp.) würde ich mir immer dann einen Anwalt nehmen, wenn es um viel Geld geht, auf das man nicht verzichten kann bzw. darf (wenn es um die Existenz, z.B. um den eigenen Arbeitsplatz geht - bei Kündigungen pp.).

Anwalt. Auf jeden Fall, wie oben bereits beschrieben hat jede Verhandlung einen eigenen Verlauf.

Inkassobüro rückt Vollstreckungstitel nicht raus - Rechtsanwalt eingeschaltet - 2 Fragen dazu

Hallo,

es geht um Folgendes:

Ich hatte Schulden bei einem Inkassobüro. Diese haben auch einen vollstreckbaren Titel. Ich habe die Schulden komplett beglichen, aber nur ein einfaches Erledigungsschreiben erhalten. Den vollstreckbaren Titel bekam ich nicht zurück. Da ich nach § 371 BGB ein Recht auf Rückgabe des Schuldscheins habe, rief ich das Inkassobüro 2 Mal an und beide Male wurde behauptet, die Akten werden geschreddert, sobald ein Fall abgeschlossen ist. Auch der Vollstreckungstitel soll angeblich schon geschreddert worden sein. Da ich das nicht so richtig glaube, alleine schon wegen gesetzlichen Aufbewahrungsfristen nach dem HGB, ging ich gestern zu einem Rechtsanwalt. Da ich ALG II-Empfänger bin, für mich zum Glück kostenlos. Der Rechtsanwalt war sofort bereit, mir zu helfen. Schon gestern hat er ein Schreiben an das Inkassobüro verfasst. Leider konnte er es bisher noch nicht abschicken, da ich dummerweise das Aktenzeichen von dem Vollstreckungstitel nicht weiß und ich den Vollstreckungstitel selbst nicht mehr habe. Ich weiß aufgrund eines Schreibens nur das Aktenzeichen aus dem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss, aber der stimmt laut Rechtsanwalt nie mit dem Aktenzeichen des Vollstreckungstitels überein. Da ich 2010, als der Vollstreckungstitel erstellt wurde, in Berlin lebte, ist mein Rechtsanwalt erstmal damit beschäftigt, die verschiedenen Amtsgerichte in Berlin anzurufen und sich nach dem Aktenzeichen des Urteils zu erkundigen. Bisher hatte er noch nicht das richtige Gericht angerufen. Ich hoffe, er findet das Aktenzeichen noch heraus. Wie könnte ich das richtige Aktenzeichen herausfinden, wenn ich das Schreiben vom Gericht nicht mehr habe? Denn anscheinend braucht er das für sein Schreiben an das Inkassobüro. Ich hoffe, mein Anspruch auf Herausgabe des Titels scheitert jetzt nicht daran, dass ich das Aktenzeichen von dem Titel nicht habe.

Ich fragte gestern meinen Rechtsanwalt, ob der Fall Aussicht auf Erfolg hat und er meinte: "Ja, auf jeden Fall." Er sagte dann auch: "Wenn ich den Titel im Original nicht bekomme, dann auf jeden Fall ein Schreiben, aus dem hervorgeht, dass die Schuld aus dem Titel erloschen ist mit Unterschrift." Ich hoffe, dass mein Rechtsanwalt weiß, dass eine Unterschrift von dem Inkassobüro nicht ausreichen würde, sondern dass ein Notar dieses Schreiben beglaubigen, also unterschreiben müsste. Als ich ihn dann fragte, ob ich dann mit dem Schreiben auch in beispielsweise 10 Jahren nicht befürchten müsste, erneut mit dem gleichen Titel vollstreckt zu werden, sagte er, dass mir das dann nicht mehr passieren könnte. Als ich ihn fragte, was er machen würde, wenn das Inkassobüro auf sein Schreiben nicht reagiert, sagte er, dass er dann wohl negative Feststellungsklage erheben werde. Das verwunderte mich ein wenig. Müsste er nicht eigentlich Herausgabeklage einreichen anstatt negative Feststellungsklage? Ich hoffe, mein Rechtsanwalt weiß, was er tut, denn ich weiß nicht, was ich sonst machen soll für mein Recht.

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