Kündigungsschutzklage: Vor- und Nachteil einer Berufung

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Nun, der Arbeitgeber wäre natürlich erst mal im Annahmeverzug. Das heisst, der Arbeitgeber müsste deinen Lohn über den 31.05.2015 hinaus bis zur tatsächlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezahlen. Ausserdem bestünde die Möglichkeit, eine zusätzliche Abfindung auszuhandeln. 

Andererseits gehst du mit der Berufung natürlich auch ein gewisses Risiko ein. Zum Einen musst du, falls deine Klage abgewiesen wird, die Kosten der kompletten 2. Instanz (Klägeranwalt, Beklagtenanwalt, Gerichtskosten, Gutachterkosten, Zeugenkosten etc. ) selbst bezahlen. Das kann unterm Strich schon teuer werden.

Leider schreibst du nichts über die Gründe der Kündigung. Da ursprünglich eine fristlose Kündigung ausgesprochen wurde, welche dann in eine ordentliche Kündigung umgewandelt wurde, gehe ich mal davon aus, dass es sich um eine verhaltensbedingte Kündigung handelt. Weiter gehe ich davon aus, dass dein Verhalten nicht korrekt war. Ansonsten wäre die Kündigung komplett verworfen worden. Es wäre daher sinnvoll zu klären, wie gut/schlecht deine Chancen auf ein anderes Urteil vor dem LAG tatsächlich stehen. 

Danke, sehr hilfreiche Antwort.

Das Prozessrisiko ist in € um ein Vielfaches geringer als eine etwaige Abfindung.

Das Kernproblem ist aber, welcher Arbeitgeber würde dann noch eine Abfindung anbieten unter der sehr wahrscheinlichen Prämisse, dass ich doch nicht wieder komme?

Natürlich könnte ich damit drohen....

@CharlesPeck

Nach dem vorliegenden Urteil endet dein Arbeitsverhältnis zum 31.05.2015. Das heisst, der Arbeitgeber müsste noch den Lohn für Mai bezahlen und danach nichts mehr. 

Falls du vors LAG ziehst und Recht bekommst, müsste er den Lohn über diesen Termin hinaus bezahlen. Falls du zwischenzeitlich einen anderen Job annimmst, müsste er lediglich die Differenz vom jetzigen Lohn zum neuen Lohn bezahlen, falls dieser niedriger ist. 

Je länger du arbeitslos bist, umso größer wird der Betrag, um den es letztlich geht. 

Ob du das Prozessrisiko eingehen willst, musst du selbst wissen. Wenn du jedoch den Anlass für die Kündigung selbst gesetzt hast, musst du damit rechnen, dass das Urteil bestätigt wird und du leer ausgehst bzw. die Kosten des Rechtsstreites zu zahlen hast.

Wie komnst du eigentlich darauf, dir würde eine erhebliche Abfindung zustehen. Eine Abfindung steht im Prinzip gar niemandem zu.

@Interesierter

"Falls du zwischenzeitlich einen anderen Job annimmst": Dann würde er seine Arbeit überhaupt nicht mehr anbieten können. Weshalb soll er dann die Differenz bekommen? In meinen Augen bestünde die Gefahr der Schadensersatzpflicht wegen zweier Verträge, die nicht beide erfüllt werden können.

@Interesierter

Der Richter des ArbG (selbst Richter beim LAG) sagte er gehe davon aus, dass die unterlegene Partei in Berufung gehen wird, und man dann vor dem LAG einen Vergleich schließen wird.

Die erhebliche Abfindung ergibt sich aus dem Interessenausgleich:

Fast 20jährige Betriebszugehörigkeit ohne Fehlverhalten, ohne Abmahnung, Unterhaltsverpflichtung, Alter, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, etc.

@CharlesPeck

Die Tatsache, dass eine fristlose Kündigung ausgesprochen wurde und diese vor dem AG in eine ordentliche Kündigung umgewandelt wurde, lässt darauf schliessen, dass es wohl doch ein Fehlverhalten gab. Um die Situation realistisch einschätzen zu können, wären genauere Auskünfte hierüber sehr hilfreich.

@Interesierter

Es geht um Äußerungen in einem vertraulichen Gespräch, die Kündigung erfolgte aufgrund der Aussage einer einzigen Zeugin, die das Gespräch nicht richtig wiedergab. Sie sagte außerdem, das Gespräch sei nicht vertraulich gewesen, weil ich angeblich in der Firmenhierarchie über ihr stehe.

Grundsätzlich sehe ich hier die Chance, dass das Urteil des ArbG aufgehoben wird.

Aber was wird es mir nützen, wenn ich bereits eine neue Stelle habe?

@CharlesPeck

Wenig! Du kannst entweder die Fortführung des Vertragsverhältnisses oder Schadensersatz fordern. Du wirst jedoch keine 10 Monatslöhne zugesprochen bekommen, wenn du sofort eine neue Stelle hattest. 

Korrekt, die Unwirksamkeit der Kündigung würde festgestellt, Du wärest weiter bei ihm angestellt und hättest zwei wirksame Arbeitsverträge gleichzeitig - womit Du Dich schadensersatzpflichtig machen könntest. Warum willst Du überhaupt in Berufung? Nur um auf Abfindung zu wetten? Es ist gefährlich, wenn das eigentliche Klageziel unmöglich geworden ist, auf ein sekundäres zu wetten.

Für so solche Spielchen würde ich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht / eine Fachanwältin für Arbeitsrecht mit hinzuziehen, ansonsten lieber vorsichtig bleiben.

Mein Anwalt wird sagen: Ja, da müssen Sie weitermachen.....

@CharlesPeck

Dem Anwalt ist das auch ziemlich egal, wer seine Kosten bezahlt.

Er hat sicher nichts dagegen, wenn du in eine zweite Instanz gehst.

@DerHans

So seh ich das auch, von daher ist ein Anwalt in dieser Frage keine große Hilfe.

Ich glaube, Du träumst hier von einer Super-Abfindung.

1. Eine Abfindung ist eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes. D.h., der Arbeitgeber (oder das Gericht) würden anerkennen, dass die einen echten Verlust durch die Kündigung hattest. Genau daran fehlt es aber in Deinem Fall.

2. Nur in wenigen Fällen gibt es eine wirklich hohe Abfindung - in der Regel dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Nichteinhaltung der Kündigungsfrist abkaufen will oder eben eine hohe Abfindung vereinbart wurde - siehe mal hier: http://www.abfindunginfo.de/abfindungshoehe-die-abfindungshoehe-wird-verhandelt

Laut Urteil gilt die Kündigung als fristgemäß - Du wirst also bis zum Auslaufen des Arbeitsvertrages Dein Gehalt beanspruchen können. Danach hast du einen neuen Arbeitsplatz, also wieder Gehalt.

Das Problem ist hier wie ich meine, dass du die Kündigung dadurch akzeptiert hast, dass du schon wieder ein anderes Arbeitsverhältnis eingegangen bist. Ich fürchte, das wirst du nun abhaken können!

Nein das stimmt nun nicht. Man ist sogar angehalten sich eine neue Arbeit zu suchen. Würde ich gewinnen, kann ich wählen, bei wem ich weiterarbeite.

@CharlesPeck

Das macht für mich zwar absolut keinen Sinn vor Gericht um eine Stelle zu kämpfen, wenn man schon einen anderen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, ich war allerdings auch noch nicht in der Lage...Wenn ich aber alles hier so durchlese geht es ja auch gar nicht um die Fortführung des Arbeitsverhältnisses, sondern um eine eventuelle Abfindung. Meist einigen sich die Parteien darauf im Sinne einer Schlichtung oder eines Kompromisses, wenn die Rechtslage nicht eindeutig ist. Da hier aber nie der Kündigungsgrund genannt wurde, kann sich über die Rechtmäßigkeit der Kündigung natürlich keiner ein Urteil erlauben.

Nur wenn dir tatsächlich zu Unrecht gekündigt wurde, hast du überhaupt einen Anspruch auf eine Abfindung (die dann außerdem dazu führt, dass du für den gleichen Zeitraum kein Arbeitslosengeld bekommst)

Wo ist der erlittene Schaden, wenn du inzwischen eine neue Arbeitsstelle hast?

In der zweiten Instanz besteht zudem Anwaltspflicht und das Verfahren ist dann nicht mehr kostenlos.

Eine Abfindung führt zu keiner Sperrzeit.

Der erlittene Schaden ist ein Imageschaden, ein Rauswurf nach fast 20 Jahren, ein miserables Zeugnis und eben die aus meiner Sicht gelogenen Vorwürfe.

Ich meine auch: Will man einen Mitarbeiter loswerden, so kann man das auf anständige Weise tun, eben z. B. mit einer Abfindung.

@CharlesPeck

Es geht nicht um eine Sperrzeit. Für die Zeit die durch die Abfindung gedeckt ist, ruht dein AlG Anspruch.

Eine Sperrzeit führt dagegen dazu, dass dieses Geld effektiv weg ist.

@DerHans

Ist durch die neue Stelle ja kein Problem

@CharlesPeck

Dann mach doch was du willst. Ist ja deine Beerdigung

@DerHans

Hm ich dachte hier werden Sie geholfen ;-)

@CharlesPeck

Wenn jemand mit dem Kopf durch die Wand will, nützt es auch nicht ihm ein Kissen zur Abdämpfung zu geben

@CharlesPeck

ein miserables Zeugnis und eben die aus meiner Sicht gelogenen Vorwürfe

Ein schlechtes Zeugnis zu verfassen, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen, ist für einen Personaler, der sein Handwerk versteht, kein Problem.

Wenn der Arbeitgeber die Beweise seiner Vorwürfe schuldig geblieben wäre, hättest du vor dem AG gewonnen und die Kündigung wäre verworfen worden. 

@DerHans

Danke, jetzt muss ich lachen :-)))) Ich weiß, dass man nicht immer Recht bekommt, wenn man Recht hat, aber es ist doch wohl nachvollziehbar, dass es einem nahe geht, wenn man nach etlichen Jahren den Job verliert und dann nicht einmal eine Abfindung als Dankeschön erhält, sondern man eine auf dubiose Gründe gestützte fristlose Kündigung erhält ...

@CharlesPeck

Das Gericht hat die "dubiosen Gründe" aber anders bewertet.

@CharlesPeck

Wie gesagt, wir wissen nicht, was es mit diesen "dubiosen Gründen" auf sich hat. Sind diese, wie du sagst, vollkommen aus der Luft gegriffen, frage ich mich, warum vom Arbeitsgericht die Kündigung nicht verworfen wurde. 

Das Urteil des AG legt für mich den Schluss nahe, dass die Vorwürfe, zumindest aus Sicht des Gerichtes, zutreffen. Das AG wird sein Urteil entsprechend begründet haben. Nun stelle ich mir die Frage, warum das LAG dies anders sehen sollte. Einen Grund, warum vor dem LAG etwas anderes herauskommen sollte, bist du bisher leider schuldig geblieben.

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