Kündigung durch Arbeitgeber, aber was für eine?

5 Antworten

Er sprach ihr vorab die fristlose Kündigung aus. Eine vorherige Abmahnung gab es nicht. Er pflegt diesen Umgang mit seinen Mitarbeitern seit Jahr und Tag. Betriebsrat etc. gibt es aufgrund der Betriebsgröße nicht.

Eine Kündigung , egal ob fristlos oder fristgerecht, bedarf immer der Schriftform und eines wichtigen Grundes, der nicht in einer Kündigung stehen muss.

In der Regel muss eine Abmahnung erfolgen und ein wiederholter Verstoß bevor man wirksam fristlos kündigen darf.

Sie ging anschließend zum Arzt. Bei der Agentur für Arbeit meldete sie sich arbeitssuchend. Mit dem Hinweis der fristlosen Kündigung. Die könnte wiederum eine Sperrfrist mit sich ziehen.

Alles richtig gemacht, eine Sperre gibt es nicht immer, aber dazu gleich mehr.

Dann kam die Kündigung ins Haus. Es wurde kein Kündigungsgrund genannt. Ein Hinweis auf eine fristlose Kündigung gab es auch nicht. Eine Kündigungsfrist gab es nicht, es wurde lediglich ihr Urlaubsanspruch an den Tag der Kündigung herangehängt.Ist die Kündigung rechtens? Eine Rückkehr zum Arbeitsplatz schließt sie aufgrund der Vorkommnisse aus. Was würde das Anfechten der Kündigung dann bringen? Welche Auswirkungen hat die Kündigung auf die Sperrfrist beim Amt?

Man geht zu einem Anwalt für Arbeitsrecht und der leitet Kündigungsschutzklage ein bzw. kümmert sich darum.

Aber nicht lange warten! Ab Kündigungszugang hat man nur 3 Wochen um zu reagieren.

Dann wird es normalerweise zu ein em Gütetermin kommen. Der Vorsitzende beurteilt die Sachlage und versucht dann dass die Parteien sich einigen.

Das kann Rücknahme der Kündigung sein, Umwandlung in einen normale Kündigung  mit Kündigungsfrist, Nachzahlung noch ausstehenden Lohns und manchmal eine Abfindung.

Eine Abfindung kann, aber muss nicht gezahlt werden. Die Höhe beträgt in der Regel:

1/2 Bruttogehalt eines Monats für jedes gearbeitetes Jahr.

Eine Sperre wird es dann bei einer normalen Kündigung nicht geben.

Ich war selber mal in der Situation und bekam keine Sperre aber eine Abfindung. :-)



Zunächst wäre erst einmal interressant, wie viele dauerhaft angestellte Mitarbeiter dieser Betrieb hat, denn davon ist der Umfang etwaigen Kündigungsschutzes abhängig. Bei 10 dauerhaft Angestellten ( oder weniger ) spricht man von einem Kleinbetrieb, in dem es dann nur sehr eingeschränkten Kündigungsschutz gibt.

Auch in einem Kleinbetrieb darf eine fristlose Kündgung aber nur bei Vorliegen besonders wichtiger Gründe ausgesprochen werden. Wenn der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund in der schriftlichen , fristlosen Kündigung nannte, kann man den Arbeitgeber zur schriftlichen Nennung des Grundes auffordern. Darauf hat ein Arbeitnehmer in solch einem Fall einen rechtlichen Anspruch.

Auf jeden Fall sollte sie gegen die fristlose Kündigung Klage beim Arbeitsgericht einlegen, wenn sie die fristlose Kündigung für unangemessen hält . Spätestens dann muss sich der Arbeitgeber zum Kündigungsgrund äussern. Die Klage muss binnen 3 Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht erhoben werden. Verpasst sie diese Frist, wird die Kündigung rechtswirksam .

Was würde das Anfechten der Kündigung dann bringen?

Wenn zu Unrecht fristlos gekündigt wurde, wird das Gericht prüfen ob stattdessen eine fristgerechte Kündigung in frage kommt, oder ob generell die Begründung für eine Kündigung reicht. Je nach Ergebnis wird die fristlose Kündigung dann in eine fristgerechte Kündigung gemäss $ 622 BGB umgewandelt, komplett für nichtig erklärt, oder es wird zur Schlichtung ein Vergleich zwischen beiden Parteien angeboten.

Welche Auswirkungen hat die Kündigung auf die Sperrfrist beim Amt?

Sobald aus dem Kündigungsgrund seitens der Agentur für Arbeit ein Verschulden des Arbeinehmers ersichtlich ist, bzw. ableitbar ist, wird die Behörde je nach schwere des Verschuldens die Verhängung einer Sperrzeit von bis zu 12 Wochen prüfen . Dann stünde sie im Zweifel bis zu 12 Wochen ohne Geld und Krankenversicherung da und müsste erst mal zum Jobcenter gehen. Dort gäbe es aber auch je nach Schwere der Schuld eine dreimonatige Sanktion mit bis zu 30% Kürzung der Regelleistung .

Was kann man ihr in dieser Situation empfehlen zu tun?

- umgehend bei der Agentur für Arbeit persönlich vorsprechen und arbeitsuchend + arbeitslos melden.

- den Arbeitgeber unter Verweis auf Rechtsanspruch zur schriftlichen Nennung des Grundes für die fristlose Kündigung auffordern. Da der Arbeitgeber ohnehin das Formular der Arbeitgeberbescheinigung von der AfA ausfüllen muss, kann er den Grund für die Kündigung auch dort eintragen . Kopiere Dir dieses Formular, wenn es ausgefüllt ist zur Vorlage beim Arbeitsgericht.

- umgehend beim Arbeitsgericht Klage gegen die fristlose Kündigung erheben. Die Klage muss binnen 3 Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung erhoben werden.

- wenn die Klage eingereicht wurde, die Agentur für Arbeit darüber informieren.

Zunächst wäre erst einmal interressant, wie viele dauerhaft angestellte Mitarbeiter dieser Betrieb hat, denn davon ist der Umfang etwaigen Kündigungsschutzes abhängig. Bei 10 dauerhaft Angestellten ( oder weniger ) spricht man von einem Kleinbetrieb, in dem es dann nur sehr eingeschränkten Kündigungsschutz gibt.
Auch in einem Kleinbetrieb darf eine fristlose Kündgung aber nur bei Vorliegen besonders wichtiger Gründe ausgesprochen werden. Wenn der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund in der schriftlichen , fristlosen Kündigung nannte, kann man den Arbeitgeber zur schriftlichen Nennung des Grundes auffordern. Darauf hat ein Arbeitnehmer in solch einem Fall einen rechtlichen Anspruch.

Es sind unter 10 Angestellte.

Das mit der Aufforderung, zur Benennung der Gründe, werde ich ihr definitiv nahelegen. Danke für den Hinweis.

Auf jeden Fall sollte sie gegen die fristlose Kündigung Klage beim Arbeitsgericht einlegen, wenn sie die fristlose Kündigung für unangemessen hält . Spätestens dann muss sich der Arbeitgeber zum Kündigungsgrund äussern. Die Klage muss binnen 3 Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht erhoben werden. Verpasst sie diese Frist, wird die Kündigung rechtswirksam .

Auch das ist gut zu wissen 🙂

Sobald aus dem Kündigungsgrund seitens der Agentur für Arbeit ein Verschulden des Arbeinehmers ersichtlich ist, bzw. ableitbar ist, wird die Behörde je nach schwere des Verschuldens die Verhängung einer Sperrzeit von bis zu 12 Wochen prüfen . Dann stünde sie im Zweifel bis zu 12 Wochen ohne Geld und Krankenversicherung da und müsste erst mal zum Jobcenter gehen. Dort gäbe es aber auch je nach Schwere der Schuld eine dreimonatige Sanktion mit bis zu 30% Kürzung der Regelleistung .

Genau das versucht sie gerade zu vermeiden. Es stellt sich eben nur die Frage, wie die Kündigung zu werten ist und was getan werden sollte ( Anforderung des Grundes, Notfalls Klagen).

- umgehend bei der Agentur für Arbeit persönlich vorsprechen und arbeitsuchend + arbeitslos melden.

Zum Glück schon erledigt.

- wenn die Klage eingereicht wurde, die Agentur für Arbeit darüber informieren

Das ist auch nochmal ein guter Hinweis 👍

@mikeandie30

Es stellt sich eben nur die Frage, wie die Kündigung zu werten ist und was getan werden sollte ( Anforderung des Grundes, Notfalls Klagen).

Das soll der Anwalt klären. Heute noch oder Montag Anwalt für Arbeitsrecht aufsuchen.

@mikeandie30
Es sind unter 10 Angestellte

Damit ist es ein Kleinbetrieb, und damit gibt es , bis auf wenige besondere Ausnahmen ( die in dieser Fragestellung aber vermutlich irrelevant sind ) , keinen regulären Kündigungsschutz für die Aussprache ordentlicher Kündigungen. Die gesetzlichen Kündigungsfristen gemäss 622 BGB wären aber auch hier einzuhalten.

Bezüglich der fristlosen Kündigung bleibt es aber bei zuvor Gesagtem. Eine fristlose Kündigung darf auch in einem Kleinbetrieb schriftlich nur dann ausgesprochen werden, wenn der Arbeitnehmer massiv gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstösst, klaut, massiv den Betriebsfrieden stört, etc.pp. Also eigentlich genau wie in einem Betrieb mit mehr als 10 Mitarbeitern. Die Frage vorheriger Abmahnpflicht richtet sich nach der Schwere der Verfehlung .

Eine Besonderheit gibt es in einem Kleinbetrieb jedoch bei der Begründung einer fristlosen Kündigung : Ein Mitarbeiter der deutlich weniger als die anderen Mitarbeiter leisten will, oder kann, darf im KB durchaus auch fristlos gekündigt werden. ( Da weiss ich jetzt nicht genau, ob sowas u.U. ein abmahnpflichtiges Delikt je nach Schwere der dieser Diskrepanz sein kann )

Genau das versucht sie gerade zu vermeiden. Es stellt sich eben nur die Frage, wie die Kündigung zu werten ist und was getan werden sollte ( Anforderung des Grundes, Notfalls Klagen).

Sofern sie einen berechtigten Zweifel an der Zulässigkeit der fristlosen Kündigung ( bisher ja ohne Nennung des Grundes ) hat, sollte sie auf jeden Fall gegen diese Kündigung klagen . Die schriftliche Nennung des Grundes für die fristlose Kündigung sollte sie unter Vorlage des Arbeitgeber-Formulars von der Arbeitsagentur aber auf jeden Fall einfordern. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dieses Formular zeitnah und vollständig auszufüllen.

Wenn Deine Schwester das Formular " Arbeitgeberbescheinigung " bereits von der Arbeitsagentur ausgehändigt bekam, sollte sie es dem Arbeitgeber umgehend zur Ausfüllung vorlegen.

Wenn sie die Rechtmässigkeit der fristlosen Kündigung anzweifelt , muss sie auf jedem Fall dagegen klagen, auch wenn der Ausgang des Verfahrens unklar ist. Klagt sie nicht, könnte die Agentur für Arbeit ansonsten im Zweifel unterstellen, sie hätte die fristlose Kündigung grundlegend billigend in Kauf genommen . Das kann im Zweifel auch eine Sanktionierung bedeuten.

Von der Agentur für Arbeit wird sie vermutlich auch einen Fragebogen bezüglich Stellungnahme für die Prüfung einer möglichen Sperrzeit bekommen haben, da bislang ja eine fristlose Kündigung im Raum steht.

Da muss sie eintragen, wie es aus ihrer Sicht zu dieser Situation kam, und warum sie ggf. sogar ihrerseits die Zumutbarkeit der Fortführung dieses Beschäftigungsverhältnisses ausschliesst. Optimalerweise sollte sie dann schon den Grund für die Fristlose kennen, damit sie sich gezielt darauf im Fragebogen äussern kann.

Sollte sich der Arbeitgeber seiner Mitwirkungspflichten ( Nennung des Kündigungsgrundes und Ausfüllung der Arbeitgeberbescheinigung ) anfangs verwehren, sollte sie dieses der Agentur für Arbeit mitteilen und auch erst mal den Anhörungsbogen noch nicht ausfüllen.

Meine Antworten beziehen sich auf bisherige Unterstellung dass tatsächlich eine fristlose Kündigung ausgesprochen und schriftlich manifestiert wurde. Das ging aus Deiner Fragestellung noch nicht eindeutig hervor.

Sollte die schriftliche Kündigung unter Rücksicht auf bestehende Urlaubsansprüche doch als fristgerechte Kündigung zu interpretieren sein, lohnt eine Klage mangels Erfolgsaussichten nicht, und dann bestünde auch kein Recht auf Nennung des Kündigungsgrundes . Hier ein Link zu ausführlichen Infos rund um das Thema Kündigung im Kleinbetrieb :

https://www.hk24.de/produktmarken/beratung-service/recht_und_steuern/wirtschaftsrecht/arbeitsrecht/Kuendigung/kuendigung-kleinbetriebe/1167522

Wann hat Deine Schwester die schriftliche Kündigung bekommen? Wie lange arbeitet Deine Schwester schon im Betrieb? Wie viele Mitarbeiter hat der Betrieb? Was steht zur Kündigungsfrist und der Urlaubsberechnung in der Kündigung (zu welchem Termin wurde gekündigt)? Was steht zur Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag (Tarifvertrag gilt bestimmt keiner)?

Daraus ergeben sich leider sehr viele Fragen.

Genau so ist es. Deshalb solltest Du meine Fragen kurz beantworten.

Ich versuch es trotzdem mal:

Er sprach ihr vorab die fristlose Kündigung aus.

Unwirksam, Kündigungen bedürfen zwingend der Schriftform (§ 623 BGB )

Dann kam die Kündigung ins Haus. Es wurde kein Kündigungsgrund genannt

Der Grund muss auch nicht drin stehen. Nur bei einer fristlosen Kündigung muss der AG dem AN auf Nachfrage eine Antwort geben.

Eine Kündigungsfrist gab es nicht, es wurde lediglich ihr Urlaubsanspruch an den Tag der Kündigung herangehängt.

Schreib mal den genauen Wortlaut. Ich vermute, es gibt schon eine Kündigungsfrist, die der AG jetzt mit dem Urlaubsanspruch "verrechnen" will.

Wenn der AG z.B. mit einer Frist von zwei Wochen kündigt und ein AN hat noch 10 Tage Resturlaub, kann er diese 10 Tage in die Kündigungsfrist rechnen, wenn er den AN unwiderruflich bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses freistellt.

Ist die Kündigung rechtens?

Wenn sie fristgemäß ist, Deine Schwester noch keine sechs Monate im Betrieb arbeitet oder es sich um einen Kleinbetrieb mit nicht mehr als 10 ständigen Vollzeitkräften (Teilzeit- und Minijob werden entsprechend aufgerechnet) handelt, kann die Kündigung schon wirksam sein.

Was kann man ihr in dieser Situation empfehlen zu tun?

Wenn das Kündigungsschutzgesetz greift und/oder wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten wird, muss man innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der schriftlichen Kündigung Klage beim Arbeitsgericht einreichen.

Gibt es eine Rechtsschutzversicherung oder Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, macht das ein Rechtsanwalt. Man kann aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort hilft man bei der Klageformulierung und das ist kostenlos (Achtung, keine Rechtsberatung).

Eine Rückkehr zum Arbeitsplatz schließt sie aufgrund der Vorkommnisse aus.

Da kann man sich im Gütetermin des Arbeitsgerichts evtl. auf eine Abfindung, ordentliche Kündigung und ein gutes Zeugnis einigen.

Deine Schwester muss auf alle Fälle in die Gänge kommen.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!👍👍

Danke für die ausführliche Antwort.

Wann hat Deine Schwester die schriftliche Kündigung bekommen?

Dienstag hat es sie ausgesprochen. Heute war sie in der Post.

Wie lange arbeitet Deine Schwester schon im Betrieb?

Seit dem 01.04.2018

Wie viele Mitarbeiter hat der Betrieb? 

Weniger als 10.

Was steht zur Kündigungsfrist und der Urlaubsberechnung in der Kündigung (zu welchem Termin wurde gekündigt)

Gekündigt zum 15.05. In der Kündigung steht nichts zum Urlaub oder einer anderen Frist. Nur eben das genannte Datum.

Was steht zur Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag (Tarifvertrag gilt bestimmt keiner)?

Im Arbeitsvertrag steht zum 15. oder 1. des Monats mit 4 Wochen Frist

Schreib mal den genauen Wortlaut. Ich vermute, es gibt schon eine Kündigungsfrist, die der AG jetzt mit dem Urlaubsanspruch "verrechnen" will.

Das wird leider nicht erwähnt. Ich zitiere mal den kompletten Text, da es nicht viel ist.

Kündigung des Arbeitsvertrages vom 09.04.2018 zum 15. Mai 2019

Sehr geehrte Frau....,

hiermit kündigen wir den mit Ihnen am 04.04.2018 geschlossenen Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Termin, dem 15. Mai 2019.

Anschließend folgt der Hinweis zum Bezug des Arbeitslosengeldes.

Gibt es eine Rechtsschutzversicherung oder Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, macht das ein Rechtsanwalt. Man kann aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort hilft man bei der Klageformulierung und das ist kostenlos (Achtung, keine Rechtsberatung).

Leider beides nicht. Hinterher ist man immer schlauer 😔

Da kann man sich im Gütetermin des Arbeitsgerichts evtl. auf eine Abfindung, ordentliche Kündigung und ein gutes Zeugnis einigen.

Darauf wird es wohl hinauslaufen. Er hat angekündigt, ihr nicht mal ein Zeugnis ausstellen zu wollen.

Nochmal Danke für die ausführlichen Hinweise.

@mikeandie30

Da Deine Schwester in einem Kleinbetrieb arbeitet, greift dort das Kündigungsschutzgesetz i.d.R. nicht.

Allerdings kann Deine Schwester Klage gegen die falsche Kündigungsfrist einreichen.

hiermit kündigen wir den mit Ihnen am 04.04.2018 geschlossenen Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Termin, dem 15. Mai 2019.

Das geht nicht. Der nächstmögliche Termin ist der 31. Mai, da die Kündigung erst heute erhalten wurde. Die Frist von 28 Tagen fängt morgen an zu laufen. Bis zum 15. Mai sind es keine 28 Tage. Eine fristgerechte Kündigung ist entsprechend erst zum Monatsende möglich.

Wenn in der Kündigung nicht steht, dass Deine Schwester unwiderruflich freigestellt ist, soll sie zur Arbeit gehen.

Lässt der AG sie nicht arbeiten, obwohl sie ihre Arbeitskraft anbietet, befindet er sich nach § 615 BGB in Annahmeverzug. Er muss sie dann so bezahlen, als hätte sie gearbeitet.

Deine Schwester kann zwar keine Kündigungsschutzklage einreichen, sie kann allerdings mit ihrem Arbeitsvertrag, dem Nachweis, wann die Kündigung eingegangen ist und dem Kündigungsschreiben zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen.

Wie gesagt, man hilft ihr bei der Klageformulierung und das kostet nichts. Ein Anwalt ist auch erst einmal nicht vorgeschrieben.

Ohne Klage gilt die Kündigung zum 15. Mai, auch wenn sie nicht rechtens ist. Nach Erhalt der Kündigung hat man drei Wochen Zeit zur Klage.

Mit einer Abfindung wird es wohl nichts werden, da das Kündigungsschutzgesetz nicht greift, allerdings muss der AG dann eine neue Kündigung aussprechen und die muss fristgerecht sein. Es ist zu vermuten, dass bei dass das dann erst zum 15. Juni überhaupt möglich sein wird.

Für die Zukunft sollte man allerdings mal überlegen, ob man nicht doch eine Rechtsschutzversicherung abschließt oder Gewerkschaftsmitglied wird. Es gibt leider immer wieder AG gegen die sich ein AN wehren muss.

Kurz und knapp: Wenn die schriftliche Kuendigung zugegangen ist, ist sie erst einmal genau so wirksam, wie sie ausgesprochen wurde. Ein Kuendigungsgrund muss im Kuendigungsschreiben nicht angegeben werden (ist aber bei einer fristlosen Kuendigung - nicht aber auch bei einer ordentlichen - auf Verlangen des Gekuendigten schriftlich mitzuteilen).

Ist man nun der Meinung, der Arbeitgeber sei gar nicht zur Kuendigung berechtigt, muss man innerhalb von 3 Wochen ab Zugang der schriftlichen Kuendigung Kuendigungsschutzklage beim Arbeitsgereicht einreichen. Dieses wird dann ueberpruefen, ob die Kuendigung wirksam ist oder nicht.

Reicht man die Kuendigungsschutzklage jedoch nicht oder verspaetet ein, bleibt sie in aller Regel genau so wirksam, wie sie ausgesprochen wurde.

Eine fristlose Kündigung bedarf immer einer Begründung. Sie ist somit wirkungslos.

Vorangegangen ist ein Streitgespräch, in dem Ihr Chef aus einer Laune heraus völlig die Fassung verloren hatte. Er beschimpfe, bedrohte Sie und warf mit Gegenständen um sich.

Das rechtfertigt eigentlich schon eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer. Hat sie Zeugen dafür? Wenn ja gibt es eigentlich keine Probleme mit dem Amt, wenn sie kündigt. Ein derartiges Verhalten des Chefs ist nicht zumutbar.

Sie ist somit wirkungslos.

Das ist nicht richtig.

Jede Kündigung - gleichgültig, wie fehlerhaft/unberechtigt sie inhaltlich sein mag - wird wirksam, wenn nicht gegen sie geklagt wird.

Eine Kündigung muss vom Arbeitgeber nicht begründet werden, außer auf Verlangen des Arbeitnehmers bei einer fristlosen Kündigung.

Ein Grund muss nur bestehendem Kündigungsschutz (nach 6 Monaten des Arbeitsverhältnisses in einem Betrieb mit mehr als -rechnerisch) 10 Vollzeitkräften) vorliegen.

Die Kündigung hat der Arbeitgeber ausgesprochen. Daraufhin verwies er sie mehrmals des Hauses. Was meine Schwester auch sofort getan hat. Eine Kollegin hat es mitbekommen bzw wurde aufmerksam, da er immer lauter wurde. Ob sie aussagt ist fraglich. Sie fragt sie aber definitiv. Vor dem Haus haben es auch Passanten mitbekommen, die man leider jetzt nicht mehr fragen kann.

"Eine fristlose Kündigung bedarf immer einer Begründung."

Soweit stimmt das. Aber die Begründung muss nicht zwingend in der Kündigung drinstehen. Daher ist die Aussage "Sie ist somit wirkungslos" vollkommen falsch.

@PeterSchu

Die Begründung für eine fristlose Kündigung muss der Arbeitgeber nur mitteilen, wenn der Arbeitnehmer sie verlangt.

Fristlose Kündigung trotz 1 Abmahnung?

Hallo,

habe folgendes Problem. Kurz erklärt und ohne großen Hintergrund.

Ich arbeite im Einzellhandel in der Drogerie. Unbefristeter Arbeitsvertrag, nicht in der Probezeit. Seit 01.06.2011 dort tätig.

zum ersten mal Ärger bekam ich als ich eine Warenrrückgabe tätigte die ich als Angestellter nicht hätte machen dürfen. Daraufhin folgte ein Gespräch mit dem Gebietsverantwortlichen und der Filialleitung. Es wurde eine ! mündliche ! Abmahnung ausgesprochen mit der Auflage Warenrückgaben NUR noch in der eigenen Filiale zu tätigen, in Absprache mit der Filialleitung.

zum zweiten mal gab es Ärger als bei der Abrechnung und Bankeinzahlung am Abend Geld (über 500,-) abhanden kam. Ich persönlich war nicht direkt daran beteiligt sondern unterschrieb nur die Bankeinzahlungbelege. Laut Kassieranweisung, die ich selbst unterschrieben habe, sind wir dazu verpflichtet die Buchungsbelegen im 4 Augen Prinzip zu erledigen. Somit habe ich gegen die Firmen-interne Kassieranweisung verstoßen und bekam eine schriftliche Abmahnung. Die erste Abmahnung in Bezug auf Kassieranweisungen. Es wurden aber keinerlei Diebstahlsvorwürfe schriftlich geäussert.

zum dritten Mal gab es nun Ärger, als gezielt ein Testkäufer mich persönlich, einzeln an der Kasse testete. Er gab an Fundgeld gefunden zu haben und überreichte es mir. Mit meinem Kopf voller privater Sorgen etc. vergaß ich den Punkt in der Kassieranweisung, welcher besagt das Fundgeld sofort über die Kasse als Fundgeld eingebucht werden muss. Dies habe ich leider nicht gemacht. Somit habe ich widerrum gegen die Kassieranweisung verstoßen.

5 minuten später um 20:00 kam der Gebietsverantwortliche in den Laden und sprach mir eine ! Fristlose Kündigung und sofortige Freistellung ! MÜNDLICH aus.

IST DIES SO RECHTENS???? Soweit ich weiss ist eine mündliche sofortige fristlose Kündigung inkl. Freistellung nicht rechtswirksam, es bedarf der schriftlichen Form. Und dazu stellt sich die Frage ! Ich habe erst 1 mündliche ( nicht wirksam) und 1 schriftliche Kündigung erhalten. Eine sofortige fristlose Kündigung bedarf einer schwerwiegenden Grundes z.b Diebstahl etc.

Wer weiss was? Danke

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