Kleinunternehmer - Das beste Modell für eine kleine Nebenbetätigung bis max. 4500€ jährlich?

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Für die Produkte entstehen Kosten von etwa 10€ für die Mehrwertsteuer (etwa 5% des Umsatzes eines Produkts).

Du müsstest zunächst einmal etwas deutlicher formulieren was du meinst.

10,- EUR beträgt der Aufwand ink. Material. Herstellung und allgemeine Fixkosten ?

10,- EUR für die Mehrwertsteuer = 5 % des Verkaufspreises?

Der Umsatz liegt bei max. 4500€ im Jahr.

Woher kennst du bereits jetzt deinen Jahresumsatz?

Jeder Unternehmer ist in Deutschland umsatzsteuerpflichtig. Die Kleinunternehmerregelung soll eine Erleichterung für den Unternehmer darstellen, da er die Umsatzsteuer nicht als mtl. Vorsteueranmeldung an das Finanzamt abführen muss.

Im Gegenzug kann er aber auch keine Umsatzsteuer geltend machen.

Beispiel: Herstellungskosten 10,- EUR - Verkaufspreis: 20,- EUR

Von den 10,- EUR Kosten bekommst du 19 % MwSt. (1,19 €) durch das Finanzamt erstattet.

Vom Verkaufspreis 20,- EUR must du 19 % als MwSt. (2,38 €) an das Finanzamt abführen.

Nach der Kleinunternehmerregelung fällt beides weg, solange ein bestimmter Gewinn/Umsatz nicht überschritten wird.

Nicht selten entpuppt sich diese Regelung aber auch als Nachteil für den Kleinunternehmer, der selbstverständlich auch auf diese Regelung verzichten kann.

Denn für alles was du zur Betriebsführung brauchst fällt eine MwSt. an.

Die bekommst du natürlich auch nicht erstattet, wenn du keine MwSt. abführst.

Beispiel:

Du brauchst eine neue Nähmaschine: 300,- EUR (57,- € MwSt.)

Versandkosten: Verpackung & Porto 6,- EUR (1,14 € MwSt.)

Vielleicht brauchst du einen neuen Drucker, Regale usw. Auf alles was du dir neu anschaffst und für den Betrieb eingesetzt wird fallen 19 % MwSt. an, die du vom Finanzamt erstattet bekommst. Und zwar unabhängig davon ob du selbst etwas verdient, bzw. umgesetzt hast.

Selbst die Kosten für das Zimmer in dem du arbeitest können ggf. steuerlich geltend gemacht werden. Das Gleiche gilt für die eBay-Gebühren.

Gut zu wissen:

Bei einem Umsatz von 4.500,- EUR müsstest du 855,- EUR ans Finanzamt abführen. Sobald durch die Betriebsausgaben mehr als 855,- ausgibst, lohnt sich diese Regelung nicht.

Informationen zum Umsatzsteuergesetz (UStG) § 19 Besteuerung der Kleinunternehmer

https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html

Die Kleinunternehmerregelung macht nur Sinn, wenn du keine, bzw. kaum Ausgaben hast. Dies ist im Onlinehandel aber eher selten.

Hi,

vielen Dank für die ausfürliche Antwort. Also wenn ich mir das so anschaue, dann würde es sich wohl lohnen.

Es ist alles vorhanden, eigene "Werkstatt" mit allem drum und dran, sprich keine Anschaffungskosten.

Materialkosten belaufen sich zwischen ca. 5€ bis 50€. Aus den max. 50€ habe ich die besagten 10€ MwSt. abgeleitet, die etwa ein mal pro Monat anfallen.

Mehr als ein Produkt wird im Monat auch nicht gefertigt. Daher kann ich auch sagen, dass der Jahresumsatz von 4500€ nicht überschritten wird.


"Nach der Kleinunternehmerregelung fällt beides weg, solange ein bestimmter Gewinn/Umsatz nicht überschritten wird."

Und der liegt in Höhe von 17.500€, richtig?

Die Werksatt ist im eigenen Mietshaus, von daher laufen die Kosten eh.

Das Einzige, was Du noch angibts sind natürlich die Versandkosten/Verpackung. Jedoch wären das dann rund 15€ MwSt. im Jahr.

Die Kosten zur Betriebsführung sind minimal.  Ein wenig Strom, hier und da mal ein Gran und etwas Stoff. Geräte sind bereits vorhanden und recht langlebig.

Mit der größte Kostenfaktor wäre die Homepage mit ca. 200€ im Jahr.


"Bei einem Umsatz von 4.500,- EUR müsstest du 855,- EUR ans Finanzamt abführen."

Ist das ein fester Satz, von rechnerisch 19%?

@CAlgernon

Eine Frage habe ich noch.

Wenn ich jetzt immer 19% an das Finazamt abgeben muss, (die 19% entnehme ich aus deinem Beispiel: "Bei einem Umsatz von 4.500,- EUR müsstest du 855,- EUR ans Finanzamt abführen.") dann würde es sich ja nie lohnen, da ich ja immer 19% abgeben muss, aber nie etwas erstattet bekomme.

Oder habe ich einen Denkfehler?

"Es ist alles vorhanden, eigene "Werkstatt" mit allem drum und dran, sprich keine Anschaffungskosten. (...)
Materialkosten belaufen sich zwischen ca. 5€ bis 50€. (...)

Mehr als ein Produkt wird im Monat auch nicht gefertigt. Daher kann ich auch sagen, dass der Jahresumsatz von 4500€ nicht überschritten wird. (...)
Die Werksatt ist im eigenen Mietshaus, von daher laufen die Kosten eh. (...)
Die Kosten zur Betriebsführung sind minimal.  Ein wenig Strom, hier und da mal ein Gran und etwas Stoff. Geräte sind bereits vorhanden und recht langlebig. "




Tja, ich werde das Gefühl nicht los, dass du da etwas unrealistisch ans Werk gehst. Ich weiß, als Normalbürger denkt man so. Hab ich auch. In der steuerlich-geschäftlichen Realität läuft es aber etwas anders. Vor allem verschenkst du hier Potentiale. Tust du das, wundert sich das Finanzamt, wer warum so doof ist, sich nicht an die Regeln zu halten. Da gucken die dann gerne genauer hin. Nennt sich Betriebsprüfung. Hab ich mir im Kurs auch sagen lassen müssen.

Für die Werkstatt mußt du als Unternehmer die anteiligen Kosten für Miete, Heizung, Reinigung, Wasser (Kaffee, Toilette, Hände waschen), Abwasser, Strom, Versicherung, Abnutzung von Teppich & Mobilar etc. kalkulatorisch einplanen. Gleiches gilt für Nähmaschine, Schneiderschere, Wartung der Nähmaschine usw., was Du ja privat mit in den Betrieb einbringst. Dafür wird ein Konstrukt aus Zeitwert und Nutzungsdauer als Abschreibung einkalkuliert. Ich finde das extrem kompliziert und kann es nicht so genau erklären. Jedenfalls kommen da Werte zusammen, die Deine ganze minimal-Planung über den Haufen werfen. Plötzlich hast Du auf dem Papier dadurch Verluste in €, die über eine ausreichende Produktion wieder ausgeglichen werden müssen. Das heißt, Du brauchst viel Stoff und ein Lager, damit du nicht in der ganzen Wohnung über Stoffballen stolperst. Aber Du vernähst nur 5-50 € monatlich.

Das begreifen unsere Fiskalritter gar nicht und wundern sich. Da werden steuerlich relevante Angaben unterlassen und daraus wird dann ein Verdacht auf Steuerhinterziehung mit den üblichen Folgen, u.a. natürlich Betriebsprüfung. Ernsthaft!! So um die Ecke kann man gar nicht denken. Beispiel: Ich hatte in einem Jahr noch ohne Gewerbeschein ganze 20 € Einnahmen im Jahr. Die hätte ich einfach in der privaten Steuererklärung mit angegeben und fertig. Aua, was mußte ich mir da vom Steuerhilfeverein anhören! Das ist ja gewerblich, da darf der Verein mich nicht vertreten! Gut, dann lassen wir die 20 € halt weg... Nein, noch schlimmer, das ist Steuerhinterziehung! Ich mußte ne extra Steuererklärung machen (gewerblich) und auch alle Kosten (wie oben beschrieben) mit angeben. Es sind etwa 1.400 € Verlust rausgekommen!!! Ein Wahnsinnsaufwand für die 20 €, oder? Aber so sind unsere Gesetze. Die sind manchmal mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr zu begreifen.

Also, wenn Du ernsthaft aus 5-50 € mtl 375 € Umsatz machen willst - meiner Meinung nach funktioniert das so nicht. Aber mache einen Geschäftsplan und einen Existenzgründerkurs - und sieh selbst.







Hi,

ich danke Dir für Deine Mühe und die beiden Antworten.

Du musst wissen, dass alles bereits läuft und eine 15 Monatige Probe bereits hinter ihr liegt. Daher kann man recht genau kalkulieren.

Es ist wie gesagt alles vorhand! Lager, Stoffe, ALLES!

Auch der Hauseigentümer weiß Bescheid und hat selber ein Produkt erworben!

Ganz wichtig! Wir reden hier nicht von einer Existenzgründung, sondern von einem Hobby, welches ohnehin schon im Privatém läuft.


Hier mal 3 Szenarien, die möglich sind. Es handelt sich nur um Beispiele, die Preise kann man besser kalkulieren.



1. Es muss viel dazu gekauft bzw. verbraucht werden, der Kunde gibt wenig Material.



Ausgaben: 50€ (Stoff, Farbe, Perlen), 7€ Porto, 1€ Strom, 1€ für Copyshop, 16€ Homepage



Einnahme: 350€



Gewinn: 275€



2. Es muss kaum was gekauft werden, es wird viel vom Kunden eingebracht und er holt das Produkt persönlich ab.



Ausgaben: 2€ für eine bestimmte Stoffmalfarbe, 1€ Stoff, 16€ die Homepage, 1€ Strom



Einnahmen: 250€



Gewinn: 230€



3. Der Kund bringt bisschen was ein, will aber einen speziellen Stoff und das Produkt muss geschickt werden:



Ausgaben: Stoff 30€, Farbe 1€, Strom 1€, Homepage 16€, Porto 7€.



Einnahmen: 300€



Gewinn: 245€



Wenn man das nun auf ein ganzes Jahr rechnet, dann wären das:



Einnahmen: 3600€



Ausgaben: 600€



Gewinn: 3000€



Das sollte in etwa der normale, theoretische Durchschnitt sein, wenn nicht gar mehr Gewinn.



Dazu gibt es noch andere Produkte, die im Verhältnis von Einkauf/Verkauf eine Spanne von 3000% Wertsteigerung haben!

Das was das Ganze so teuer macht, ist die Arbeitszeit. Auf Grund des Arbeitsaufwandes kann nicht mehr als ein Produkt im Monat gefertigt werden. Sofern es ein Hobby bleiben soll und man nicht 10 Stunden am Tag daran arbeiten möchte.

Deine Bedenken und Anmerkungen haben durchaus ihren Platz, aber nicht in Bezug auf meine gestellte Frage.



"Die meisten Geschäftsaufgaben entstehen durch fehlende kaufmännische Kenntnisse wie bei Dir! Vorher mit der Handwerkskammer auseinandersetzten! Je nach dem, wie das Vorhaben geplant ist, könnte sie in der Handwerksrolle oder als Handwerksähnlicher Beruf eintragungspflichtig werden - kostet auch Geld.Zwangsmitgliedschaft für die IHK einplanen."


Das ist bisher der einzige Punkt, der nicht beachtet wurde.



"Für die Werkstatt mußt du als Unternehmer die anteiligen Kosten für Miete [. . .]"


Ab diesem Abschnitt verstehe ich kaum ein Wort von dem was Du mir sagen möchtest. :-)


"Da werden steuerlich relevante Angaben unterlassen und daraus wird dann
ein Verdacht auf Steuerhinterziehung mit den üblichen Folgen, u.a.
natürlich Betriebsprüfung. Ernsthaft!"

Was meinst Du damit? Man muss zwar eine Steuererklärung machen, aber letztendlich ist doch im Kleinunternehmertum und solange bestimmte Umsätze nicht überschritten werden, nichts steuerlich relevant?

Weder bekomme ich was erstattet, noch muss ich Steuern zahlen?


https://www.gesetze-im-internet.de/ustg\_1980/\_\_19.html





@CAlgernon "Für die Werkstatt mußt du als Unternehmer die anteiligen Kosten für Miete [. . .]"

Ab diesem Abschnitt verstehe ich kaum ein Wort von dem was Du mir sagen möchtest. :-)

----- (die Zitatfunktion funktioniert leider gerade nicht)------

Schön dass Du dabei so freundlich-sachlich bleibst.   :-)
Ich dachte nicht, dass ich mich so unverständlich ausgedrückt habe, sonst hätte ich es gleich deutlicher geschrieben.

Neuer Versuch: Du schriebst, die Werkstatt ist in der Mietwohnung. Für die Mietwohnung werden normalerweise Miete und Mietnebenkosten (s.o.) gezahlt.
Diese Gesamtkosten werden je qm berechnet.
Die Werkstatt muss auch mal sauber gemacht werden (Saugen, wischen, Fenster putzen, Müll, etc.). Macht Deine Freundin sicherlich selber, ist aber trotzdem nähbedingte Arbeitszeit. Käme dafür eine Putzfrau, bekäme die ja auch Geld dafür (z.B. 10 €/Std. für 1-2x/Woche für 1 Std.). Vielleicht braucht ihr eine Betriebshaftpflichtversicherung. Daraus werden die anteiligen Kosten für die Werkstatt (egal ob ein extra Raum oder eine Zimmerecke) im Monat errechnet.

a) Diese Kosten sind ebenfalls Produktionskosten, weil ohne die Wohnung etc. könnte die Freundin ja nicht dort nähen. Die Kosten sollten sich daher anteilig im Verkaufspreis niederschlagen, damit der Spaß kostendeckend ist. Sonst verdient ihr ja kein Geld, sondern macht Minus.

Diese Kosten in der Einnahme-Überschussrechnung werden in der Ausgaben-Spalte eingetragen und verursachen rechnerisch sehr wahrscheinlich Verluste. Die Verluste sollten über mehr Einnahmen wieder ausgeglichen werden. Wenn deine Freundin zufällig einen steuerpflichtigen Job oder andere steuerpflichtige Einnahmen hat, können die Verluste aus der Näherei auch die Steuern vom Job oder den Einnahmen senken. Allerdings nicht ewig, sondern ca. 5 Jahre. Dann erwartet das FA deutliche Gewinne. Miniunternehmer sind nicht vorgesehen, nur Kleinunternehmer. Die Verluste können aber auch sozusagen ein paar Jahre "angespart" werden und senken dann später die Steuerlast bei deutlichen Gewinne aus der Näherei.

b) Diese Kosten werden monatlich in der Einnahme-Überschußrechnung eingetragen und am Jahresende vom Steuerberater für die Steuererklärung verarbeitet.

Die Kosten sind steuerlich relevant und müssen daher in der Steuererklärung angegeben werden. Wenn Ihr das nicht macht, wundern sich die Finanzamtsleute und bohren nach - wegen Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Du schreibst, dass soll nur ein Hobby zum Geld verdienen sein. Darüber entscheidet das Finanzamt, deshalb die Verpflichtung zur Steuererklärung. Die vom FA unterstellen einem Unternehmer einfach, das der möglichst reich werden will (vielleicht, weil das FA dann ordentlich Steuern kassieren kann). Es gibt aber wohl auch reichlich Tricks, mit denen man sich als Unternehmer arm rechnen könnte. Und genau das scheinen die Finskalritter zu vermuten, wenn Du nur winzige Gewinne anzubieten hast. Zumindest wurde mir das so erklärt. Es entsteht tatsächlich viel Wind für lächerlich kleine Beträge, weil die Höhe angezweifelt wird.

Ich hoffe, meine Ausführungen waren jetzt verständlicher.

 

Ich frage mich gerade, ob man dazu 18 Jahre alt sein muss. Das weiß ich nicht.

Sie muss ihr Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Mwst. kommen erst ab 17.500,00 Euro pro Jahr dazu. Sie muss eine Steuererklärung jedes Jahr abgeben. Ein Kurs zwecks Bürokenntnisse wäre empfehlenswert.

Danke für die Antwort!

Ja, volljährig ist sie ;-)

Ah ok, also kommen die MwSt. erst ab 17.500€ dazu. Steuererklärung ist verständlich.

Allgemein soll es halt "nur"  ein Hobby sein, mit dem man sich Geld dazu verdienen kann. Im Grunde geht es hier nur um die Frage, über die Sinnhaftigkeit zu bürokratischem Aufwand/Abgaben in Bezug auf Arbeitsaufwand und Einkommen.

Ich habe mehrere Existenzgründerkurse belegt. Da war eine junge Mutti dabei, die wirklich exellent genähte Kinderkleidung im privaten Umfeld anbot. Ähnlich wie Du es beschreibst.

Sie wollte feststellen, ob sich eine Geschäftsgründung für sie lohnt, denn das wäre ein toller Job von zuhause aus. Aufgrund wenig konkreter Vorstellungen zur Umsetzung (weil man ja keine Ahnung von Existenzgründung hat), erarbeitete sie im Kurs konkrete Ziele und Zahlen, mit denen man auch kalkulieren konnte. Sie selbst hatte deutliche Skrupel, Ihre Arbeitszeit als Dienstleistung zu verkaufen. Das machte die Näharbeiten so teuer, wer kauft die dann noch? Das war doch alles nur selbst genäht usw., als wäre das keine Dienstleistung. So ähnlich kommt mir Deine Beschreibung auch vor (es fallen ja kaum Kosten an, da kann man billig verkaufen). Das allerwichtigste ist demnach, einen Existenzgründerkurs zu belegen!

Damit die wertvolle Zeit im Kurs nicht mit grübeln und recherchieren verpulvert wird, ist es wichtig, zuhause zu grübeln und im Kurs unter Anleitung zu schreiben. Am Besten schon mal anfangen, einen Geschäftsplan zu schreiben. Die schwierigen Punkte bleiben dann für den Kurs übrig. Gliederungen dafür gibt es zuhauf im Internet, u.a. bei der Arbeitsagentur. Wer die Gliederungen abarbeitet, stellt sicher, das alle wichtigen Punkte durchdacht und solide geplant werden.

Mit Stichworten wie Existenzgründung, Geschäftsplan etc. findest du im
Internet reichlich Infos. Ich finde die Seiten der Arbeitsagentur ganz
gut, es gibt auch viele andere Seiten, die Du dabei finden wirst.

Wer soll die Sachen eigentlich kaufen? Wer ist die Zielkundschaft? Wo und wie erreichst Du diese, damit sie kaufen? Wie gestaltest du die Preise, damit es kostendeckend für Dich und attraktiv für die Kundschaft ist? Die Preise  müssen mehr als das eigene Gehalt abdecken!! Wo sollen die Näharbeiten angeboten werden? Wochenmarkt, Internet, Laden, Homepartys, etc? Ne Homepage einrichten und darauf hoffen, das die jemand findet reicht nicht!! Gut nähen können und geschmackvolle Dinge produzieren reicht auch nicht, es muss ständig und genug Kundschaft hergezaubert werden! Ich hab anfangs Inserate geschaltet und gedacht, mein Telefon liefe heiß. Nee, je 250 €-Anzeige hatte ich 2 Anrufe, manchmal davon 1 Auftrag. Werbetechnisch gesehen sei das gut - mir reicht das nicht. Ich mußte feststellen, Werbung funktioniert nach dem Prinzip "steter Tropfen höhlt den Stein", also wenn, dann dauerhaft inserieren. Die Kohle muss nur erst mal da und übrig sein. Informiere dich also über kostenlose Werbung. Die gibts auch!

Der Umsatz liegt bei max. 4500€ im Jahr.

Deine Fragen klingen so unkonkret und wie am Anfang einer Planung - woher weißt Du jetzt schon den zukünftigen Umsatz? Das sind 375 € im Monat. Ist Dir klar, das Umsatz "Einnahmen + Ausgaben" bedeutet? Die Summe ist verflixt niedrig - das geht ja allein für den Materialeinkauf, Lager und Raumkosten drauf (Mietanteil, Reinigung, Heizung, etc. - auch für die kleine Nähstube in der Wohnung!), da sie wohl nicht im Garten oder im Park näht und lagert. Evtl. auch Versand (Porto, Kartons, Klebeband) und dadurch Fahrtkosten. Die Pakete hüpfen ja nicht selber zur Post. Kann es sein, das Du damit den gewünschten Gewinn (Einkommen) gemeint hast? Oben beschriebene Kursteilnehmerin ermittelte die benötigten Stoffmengen und Einkaufspreise, die sie für Ihren gewünschten (recht kleinen!!!) Verdienst + Unkostendeckung benötigt - und stellte erschreckt fest, wo soll sie soviel Material + Produkte denn alles lagern (deutlich zuviel für's Wohnzimmer) und wovon vorfinanzieren?! Damit steigt natürlich auch der Umsatz, also die gesamte Geldbewegung.

"Bei einem Umsatz von 4.500,- EUR müsstest du 855,- EUR ans Finanzamt abführen."

Ähm, das sollte doch der Jahresumsatz sein - also monatlich 375 €. Und der sollte eigentlich steuerfrei sein. Ich habe jedenfalls in 9 Jahren Selbständigkeit unter 400 € mtl. noch nie!!! Steuern ans Finanzamt zahlen müssen. Bis auf die MwSt beim Materialeinkauf natürlich, die man auch nicht wieder kriegt.

Kleinunternehmerregelung: AriZona04 schreibt:

Mwst. kommen erst ab 17.500,00 Euro pro Jahr dazu

Klingt nach ganz weit weg, wenn du mit so kleinen Summen planst? Vorsicht Falle! Es geht dabei um Umsatz wohlgemerkt, also auch Ausgaben.
In meinem Kurs war eine Existenzgründerin, die hat gleich im ersten Monat (Dezember) über 1/12 (also über 1.458,33 €) gelegen und war bereits ab dem 2. Monat KEINE Kleinunternehmerin mehr. Und mußte fortan bilanzieren (mehr Aufwand von etwas, wovon man eh keine Ahnung hat).  Ich finde die Einnahme-Überschuß-Rechnung für Kleinunternehmer praktischer und scheint für deine kleine Planung angemessen zu sein.

Materialkosten belaufen sich zwischen ca. 5€ bis 50€.

Da ich auch etwas nähe, gehe ich bei den mir bekannten Stoffpreisen von ca. 1m bis 10 m im Monat aus. Mir kommt das so vor, als wenn sich das gar nicht lohnt.

Bürokratie: Gewerbeschein
für 20-30 € (jede Stadt/Gemeinde hat eigene Preise) - aber erst mit
Geschäftsplan! Viele merken beim schreiben, das es sich gar nicht lohnt.
Krankenkasse informieren. Unter 18 Std./Woche und unter xxx gilt
dort als "nebenberuflich" - was günstige Beiträge von ca. 170 € statt
rund ca. 400 € ausmacht. Wenn möglich, familienversichern oder über
versicherungspflichtigen Job. Für die Arbeitsagentur gilt ab 15
Std./Woche wieder hauptberuflich. Wichtig, falls von dort irgendwelche
Ansprüche bestehen - und sei es nur die freiwillige Arbeitslosenversicherung.
Ich habe deshalb 16-17 Std. angemeldet. Für die
Arbeitslosenversicherung gelten bestimmte Vorraussetzungen, die akuellen
findest du im Internet. Ich finde die Arbeitslosenversicherung wichtig,
um neue Ansprüche aufzubauen bzw. wieder ins System reinzukommen -
falls die Nähstube nicht läuft. Die meisten Geschäftsaufgaben entstehen
durch fehlende kaufmännische Kenntnisse wie bei Dir! Vorher mit der Handwerkskammer
auseinandersetzten! Je nach dem, wie das Vorhaben geplant ist, könnte
sie in der Handwerksrolle oder als Handwerksähnlicher Beruf
eintragungspflichtig werden - kostet auch Geld. Zwangsmitgliedschaft für
die IHK einplanen. Kostet nach 2 Jahren Beiträge, sofern Grenzwerte um 400 € erreicht werden. Rentenversicherung
auf dem Schirm behalten - die wollen auch Geld sehen, wenn der
Verdienst hoch genug ist. Ggf. über private Altersabsicherung
nachdenken. Steuerberater bzw. Bürodienst für "buchen lfd. Geschäftsvorfälle" frühzeitig suchen. Wie soll das mit dem Konto
laufen? Geschäftkonten sind teuerer, ich finde das lohnt sich am Anfang
und für eine kleine Nähstube nicht. Es ist durchaus möglich, das
Privatkonto anfangs zu nutzen. Allerdings mußt Du dann sämtliche
geschäftlichen Kontobewegungen rauskopieren (Rest schwärzen bzw. mit
post-it Streifen in hellgelb beim kopieren abdecken, spart Druckkosten).
Das kann ein erheblicher Aufwand sein, wenn es viele Buchungen gibt.
Für Deine Waren mußt Du Rechnungen ausstellen, die müssen
bestimmte Angaben enthalten. Also Geschäftspapier drucken lassen, weißes Papier mit Visitenkarte einkopieren oder Rechnungsblock aus dem
Bürofachhandel (diesen mit Stempel für Steuernr. etc, den
Zwangsangaben).

Laufende Bürokratie: jede Ausgabe, jede Einnahme täglich in Deine Buchhaltung eintragen. Fahrtenbuch führen, um am Monatsende die geschäftlichen Fahrtkosten dazutragen zu können.
Kontoführungsgebühr nicht vergessen. Ich habe dafür eine Excel-Tabelle
mit einem sogenannten "Kassenbuch" von meiner Buchführung bekommen - einfach stets eintragen und beim Steuerberater abgeben. Jeden Monat eine aktuelle Papierversion (ggf. öfter) in den Buchhaltungsordner heften, falls Dir mal was zustößt und jemand anders sich zurechtfinden muss.
die Grundzüge von Buchhaltung lernen bzw. zu verstehen versuchen!! Jede
Rechnung/Quittung, jede Ausgabe mit Beleg nach Datum in einen
Aktenordner heften (einfach immer oben auf). Komm bloß nicht auf die
Idee, am Jahresende einen Karton voller Belege vom Steuerberater
sortieren zu lassen! Das ist unbezahlbar. Belege 10 Jahre lang aufbewahren, falls das Finanzamt mal Nachfragen hat. Für den Fall einer Steuerprüfung alles säuberlich getrennt von Privatkram. Dann kannst du mit einem Griff den/die Geschäftsordner vorlegen.

Zur Bürokratie: natürlich muss der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Da Dein Gewerbe nicht ruhestörend (viel Kundschaft im Haus), belästigend, die Mietsache beschädigend usw. ist, geht das aber oft in Ordnung. Vor allem, wenn der Verdienst zur Begleichung der Miete benötigt wird! In die genauen Planungen und Umsätze musst Du den Vermieter aber nicht einweihen - sonst fällt diese Argumentation u.U. in sich zusammen.

Es ist also nur pro Forma zu fragen, verbieten darf es der Vermieter in dem Falle nicht. Wie jeder Mensch will der halt auch nicht einfach übergangen werden.

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